EIOPA: Die EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzwirtschaft aus der Perspektive des Versicherungs- und Rückversicherungssektors

Am 30. Juli 2020 hat EIOPA einen Artikel über die EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzwirtschaft als Teil ihres Finanzstabilitätsberichts veröffentlicht.

Die Taxonomie stellt ein einheitliches Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten dar und zielt darauf ab, Investoren und Unternehmen dabei zu unterstützen, fundierte nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Im Rahmen des Green Deals hatte die EU-Kommission bereits verschiedene Initiativen vorgestellt, die dazu führen sollen, dass die EU bis 2050 klimaneutral wird. Als Teil dieses Green Deals wurde unter anderem ein Investitionsplan definiert, der einen erheblichen Betrag in nachhaltige Investitionen mobilisieren soll. Diese Investitionen sollen nicht nur aus dem öffentlichen, sondern auch aus dem privaten Unternehmenssektor kommen (siehe Blog vom 21. Juli 2020).

In diesem Artikel wird nun untersucht, inwiefern die Investitionsportfolien von Versicherungen die Kriterien der Taxonomie erfüllen (dazu zählen insbesondere Leistung eines Beitrags zu Umweltzielen, keine erhebliche Beeinträchtigung der Umweltziele, Einhaltung sozialer Mindeststandards und Einhaltung von Screening Anforderungen). Dazu wurden die Anlagedaten gemäß Solvency II auf Einzelbasis herangezogen und anschließend den in der Taxonomie erfassten Wirtschaftszweigen gegenübergestellt (gemäß NACE; Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft).

Gemäß den Auswertungsergebnissen fließt derzeit nur ein geringer Teil der Investitionen in nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten im Sinne der Taxonomie. Dies entspricht etwa einem Anteil von 5% sowie einem Volumen von ungefähr 450 Milliarden Euro. Auffällig ist, dass nachhaltige Investitionen im Bereich der Lebensversicherung stärker diversifiziert sind als in anderen Sparten. Insgesamt beschränken sich die Investitionen der Versicherer weiterhin stark auf klassische Investitionen, die allerdings nicht die Kriterien der Taxonomie erfüllen. Dadurch ist eine begrenzte Exponierung in Bezug auf das Übergangsrisiko festzustellen, da zurzeit noch nicht hinreichend bekannt ist, wie sich eine Veränderung der Kapitalanlagestrategie – hin zu nachhaltigen Investments – auf die Risikosituation des Unternehmens auswirkt. Dennoch besitzen Versicherer laut EIOPA noch hohes Potential, um einen wesentlichen Beitrag beim Übergang in eine kohlenstoffarme Gesellschaft zu leisten.

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