EU veröffentlicht finalen Entwurf des Delegierten Rechtsakts zur Taxonomie

Am 21. April 2021 hat die EU-Kommission ein umfassendes Maßnahmenpaket im Bereich Nachhaltigkeit verabschiedet. Unter anderem wurden die finalen Entwürfe des Delegierten Rechtsakts zur Taxonomie inklusive der beiden Anhänge mit technischen Screening-Kriterien zu den ersten beiden Umweltziele (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) veröffentlicht.

Die Entwurfsfassung wurde durch die Europäische Kommission genehmigt, wobei die formelle Verabschiedung des delegierten Rechtsakts erst Ende Mai erfolgen soll, sobald die Übersetzung in allen EU-Sprachen vorliegt. Nach der formellen Verabschiedung durch die EU-Kommission wird der delegierte Rechtsakt anschließend durch das Europäische Parlament und den Rat geprüft. Diese haben für die Prüfung vier Monate Zeit, wobei eine einmalige Verlängerung um weitere zwei Monate möglich ist.

Die Entwürfe wurden bereits im November 2020 konsultiert (siehe auch Blog-Beitrag vom 23. November 2020).

Was hat sich für Versicherungsunternehmen geändert?

Artikel 8 der Taxonomie-VO fordert von allen Unternehmen, die eine nicht-finanzielle Erklärung veröffentlichen, dass diese ihre Wirtschaftsaktivitäten auf Taxonomie-Konformität prüfen. Für Versicherungsunternehmen bedeutet dies, dass sämtliche Vermögenswerte sowie Versicherungstätigkeiten (lediglich durchzuführen von Nicht-Lebensversicherern sowie Rückversicherern) gescreent werden müssen, um festzustellen, ob die Aktivitäten die Voraussetzungen der Taxonomie erfüllen.

Für das Screening der Vermögenswerte sind jeweils die Kriterien relevant, die für die Branche innerhalb derer sich die Kapitalanlage befindet, relevant sind.

Für die wirtschaftliche Aktivität „Versicherung“ wurden in Anhang II des delegierten Rechtsakts Kriterien definiert, wann diese Aktivität taxonomie-konform ist. Im Vergleich zur konsultierten Version ergaben sich geringfügige Änderungen. U.a. wird nun für die Abgrenzung des Bereichs „Nicht-Lebensversicherung“ auf die Lines of Businesses nach Solvency II zurückgegriffen, wodurch die Abgrenzung nun klarer geworden ist:

Weiterhin wurden folgende Punkte angepasst:

  • Klarstellung, dass als Anreiz zur Risikoreduzierung ebenfalls die Forderung von bestimmten (Vorvertragliche)Bedingungen für die Gewährung des Versicherungsschutzes zählt.
  • Versicherungsprodukte, bei denen eine Prämienreduzierung nicht möglich ist, sind ebenfalls taxonomie-konform, sofern dem Kunden Präventivmaßnahmen zur Risikoreduzierung angeboten werden.
  • Klarstellung für die Technischen Screeing Kriterien und der Prüfung ob ein „wesentlich positiver Beitrag“ geleistet wird, dass
    • Versicherungsunternehmen bzw. Rückversicherer nur zur Weitergabe von Daten an öffentliche Behörden verpflichtet sind.
    • Ansprüche gegenüber dem Kunden fair bearbeitet werden müssen.
  • Weiterhin wird klargestellt, dass für ein Rückversicherungsportfolio nur der entsprechende Anteil der Rückversicherungsprämie für zugrundeliegende Produkte, die den Kriterien entsprechen, als taxonomie-konform akzeptiert wird.

Die EU-Kommission betont, dass es sich bei der EU-Taxonomie um ein lebendes Dokument handelt, das im Laufe der Zeit weiterentwickelt wird. Insbesondere die technischen Screening-Kriterien werden einer laufenden Überprüfung unterzogen.

Bezüglich detaillierter Informationen zum Thema Taxonomie verweisen wir auch auf unseren Deep Dive: Taxonomie @ Insurance.

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