Aufsichtsrechtliche Stellungnahme zu den Auswirkungen des ultraniedrigen negativen Zinsumfelds

Am 19. Februar 2020 veröffentlichte EIOPA eine Stellungnahme zu den Auswirkungen des ultraniedrigen / negativen Zinsumfelds auf die Versicherungsbranche und sprach Empfehlungen fĂŒr nationale Aufsichtsbehörden und Unternehmen aus, weiterhin Maßnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds auf den EU-Versicherungssektor zu verringern.

Die Stellungnahme basiert auf einer Analyse von Informationen aus 26 nationalen Aufsichtsbehörden, die im Ergebnis das derzeitige Niedrigzinsumfeld als eine der wichtigsten Quellen fĂŒr systemische Risiken fĂŒr Versicherer in den kommenden Jahren sieht . Die Hintergrundinformationen zur Analyse wurden im Oktober und November 2019 erhoben und sind zusammen mit der Stellungnahme zu betrachten. Ein umfassender Bericht hierzu wird zu gegebener Zeit veröffentlicht. Die folgenden Ergebnisse sind daher als vorlĂ€ufige Beobachtung zu betrachten.

Die in der Analyse vom Niedrigzinsumfeld betroffenen Bereiche sind:

Asset-Allokation

  • Trend hin zu mehr nicht-traditionellen Anlageinstrumenten, wie nicht börsennotierte Aktien, Hypotheken und Darlehen.
  • Im 2. Quartal 2019 (ein Zeitraum mit einem extremen RenditerĂŒckgang) investierten Versicherer in mehr Aktien als Staats- oder Unternehmensanleihen (absolut, netto, ohne Preiseffekt).
  • Im 2. Quartal 2019 investierten Versicherer auch in Anleihen mit negativen Renditen (insbesondere Lebensversicherer).

Reinvestitionsrisiko

  • Eine Analyse der ĂŒber das Jahr hinweg fĂ€lligen Anleihen zeigt, dass die Renditen der ablösenden Anleihen im Vergleich zu den Ursprungsrenditen in den verschiedenen LaufzeitbĂ€ndern im Durchschnitt deutlich niedriger sind.
  • Die gewichtete Durchschnittsrendite der Staats- und Unternehmensanleihen wird in den nĂ€chsten 10 Jahren um etwa 50% sinken.

RentabilitÀt

  • Wenn die ZinssĂ€tze niedrig bleiben, werden die ZinsertrĂ€ge in den nĂ€chsten Jahren aufgrund von Reinvestitionen in weniger ertragreiche Vermögenswerte langsam zurĂŒckgehen.
  • Druck auf die RentabilitĂ€t von Versicherungsunternehmen die stark von den Anlagerenditen abhĂ€ngig ist.

SolvabilitÀt

  • RĂŒckgang der risikofreien Zinsstrukturkurve (Risk Free Rate, RFR) fĂŒhrt zu signifikanter Erhöhung der versicherungstechnischen RĂŒckstellungen der Lebensversicherer.
  • Die VerĂ€nderung der Renditekurven spiegelt sich in sinkenden SCR-Quoten wider, insbesondere bei Lebensversicherern.
  • GemĂ€ĂŸ Solvency II werden langfristige Verpflichtungen auf der Grundlage der sog. Ultimate Forward Rate (UFR; Zinssatz zur Berechnung der langfristigen risikofreien Zinsstrukturkurve zur Bewertung versicherungstechnischer RĂŒckstellungen unter Solvency II) bewertet, die höher ist als die fĂŒr die Bewertung maßgebliche Marktrenditekurve.

EIOPA spricht folgende Empfehlungen an die nationalen Aufsichtsbehörden aus:

Kurzfristige Maßnahmen

  • Intensivere Überwachung und Beaufsichtigung von Versicherern, die stĂ€rker dem Niedrigzinsumfeld ausgesetzt sind;
  • Dialoge mit den Unternehmen, um Maßnahmen zu prĂŒfen, die sie zur Verbesserung ihrer finanziellen Belastbarkeit ergreifen können;
  • PrĂ€ventiver Sanierungs- und Abwicklungsplanung besondere Aufmerksamkeit widmen, um die Wahrscheinlichkeit und die Auswirkungen von VersicherungsausfĂ€llen zu verringern;
  • Analyse des Niedrigzinsumfelds ausweiten und auch die mögliche Entstehung eines systemischen Risikos in Betracht ziehen

Mittelfristige Maßnahmen

  • Analyse, ob derzeitige Instrumente oder Befugnisse der nationalen Aufsichtsbehörden fĂŒr eine Überwachung ausreichen;
  • Anforderung von fehlenden Befugnissen der, sofern Bedarfe festgestellt werden.

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