BaFin veröffentlicht aktualisierte Hinweise zum Berichtswesen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 14. Dezember 2017 mit den Hinweisen zum Solvency-II-Berichtswesen für Erst- und Rückversicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen eine aktualisierte Fassung ihres Merkblatts vom 16. Oktober 2015 veröffentlicht. Mit der Neufassung reagiert die BaFin auf die 2017 erstellten SFCR, RSR, QRTs sowie ORSA-Berichte und konkretisiert ihre Hinweise zu fachlichen Aspekten der Solvency II-Berichterstattung. Änderungen und Ergänzungen zur vorherigen Fassung vom 29. März 2017 sind im Wesentlichen die Folgenden:

Änderungen in der quantitativen Berichterstattung

Änderungen im quantitativen Berichtswesen beziehen sich beispielsweise auf den Umgang mit geschlossenen Listen: Felder, bei denen aus einer geschlossenen Liste auszuwählen ist, sind zwingend auszufüllen (sofern keine Ausnahmebedingungen existieren). Außerdem wird die Zuordnung von Ausleihungen an verbundene Unternehmen, die keinen eigenen Posten in der Solvabilitätsübersicht besitzen, thematisiert: Sie sind entsprechend ihrer Art dem jeweiligen zutreffenden Element in der Solvabilitätsübersicht zuzuordnen.

Änderungen bezüglich des SFCR

Übergreifend fordert die BaFin von den Versicherungsunternehmen im SFCR Ausführungen zu den  Artikeln 293 bis 297 DVO im narrativen Teil des Berichts. Dabei sollen die Konkretisierungen durch die EIOPA-Leitlinien über die Berichterstattung und die Veröffentlichung berücksichtigt werden. Ein Verzicht auf eine solche Darstellung mit einem Verweis auf die quantitativen Angaben in den QRTs im Anhang ist nicht möglich. Im Hinblick auf die erstmalige Veröffentlichung vergleichender Informationen zur Vorberichtsperiode fordert die BaFin die Verwendung einer tabellarischen Darstellung im narrativen Teil des SFCR. Dabei reicht es nicht aus, quantitative Informationen zu vergleichen; der Vergleich bezieht sich ebenso auf qualitative Informationen.

Bei der Beschreibung der Fit & Proper-Kriterien in Kapitel B sind konkrete Angaben zu den geforderten fachlichen Qualifikationen zu machen. Es gilt zu beachten, dass konkreten Angaben auch in Bezug auf die fachspezifischen Kenntnisse, die zur Erfüllung der Schlüsselfunktionen erforderlich sind, gemacht werden müssen. Bei Ausgliederung einer Schlüsselfunktion müssen im SFCR Angaben zu Hauptaufgaben und -zuständigkeiten, wie sie im Unternehmen festgelegt sind, beschrieben werden.

Im Hinblick auf die Ausführungen zum ORSA fordert die BaFin, dass die Versicherungsunternehmen individuell die Durchführung und die laufende Überwachung des ORSA inklusive der Beteiligung der Geschäftsleitung eingehen und die Verbindung zur Geschäftsstrategie und der Umgang mit deren Hauptrisiken im ORSA dargestellt werden. Zudem sind Ausführungen zu Frequenz und Timing des ORSA und zu den Auslösern eines ad-hoc ORSA erforderlich.

Bei den ‚Anderen wesentlichen Risiken‘, denen ein Unternehmen ausgesetzt ist (Kapitel C), reicht es nicht aus, lediglich die Risikokategorie zu definieren und anschließend ein Urteil abzugeben, ob dieses Risiko wesentlich ist. Vielmehr gilt es darzustellen, welchen wesentlichen Risiken das Unternehmen aus welchen Gründen ausgesetzt ist.

Änderungen bezüglich des RSR

Für den RSR gilt allgemein, dass bei einem Verweis in andere, der BaFin vorzulegende, Dokumente die exakte Stelle benannt werden muss. Angaben aus dem SFCR oder die Einreichung interner Unterlagen (z.B. Leitlinien, Auswertungen) reichen als Verweis in aller Regel nicht aus. Im Hinblick auf die Bewertung für Solvabilitätszwecke sind Angaben zu Beanstandungen des Wirtschaftsprüfers im Rahmen der Prüfung der Solvabilitätsübersicht erforderlich, auch wenn der endgültige Prüfungsbericht noch nicht vorliegt.

Die Darstellung der geschäftlichen Ziele in Kapitel A bezieht sich auf den gesamten Zeitraum der Geschäftsplanung. Die BaFin fordert bei der Beschreibung dieser Ziele eine angemessene Detailtiefe. Außerdem muss die Umsetzung der Ziele, auch bezogen auf den Zeitrahmen, aufgezeigt werden.

Für Kapitel B fordert die BaFin beispielsweise die Nennung der konkreten Vergütungsansprüche der einzelnen Mitglieder der Geschäftsleitung und des Aufsichtsrates, getrennt nach festen und variablen Vergütungsbestandteilen. Dabei gilt es sämtliche Vergütungsbestandteile zu berücksichtigen. Des Weiteren ist explizit auf die Risikostrategien, Risikomanagementprozesse und Berichtsanforderungen gesondert für jede Risikokategorie einzugehen. Die Erläuterung der Risikoziele umfasst auch Angaben zum Risikoappetit bzw. zur Risikoneigung. Ebenso ist auf Eskalationsverfahren im Falle der Überschreitung von Toleranzen/Limiten einzugehen.

Änderungen bezüglich des ORSA-Berichts

Ein ad-hoc ORSA Bericht ist auch dann bei der BaFin einzureichen, falls sich die angenommene wesentliche Änderung des Risikoprofils, die Auslöser für den ad-hoc ORSA war, bei Durchführung des ORSA nicht bestätigt. Darüber hinaus ist im ORSA-Bericht darauf einzugehen, welchen konkreten Input die Geschäftsleitung zum ORSA gegeben hat, um sich aktiv einzubringen.

Handlungsempfehlungen

Versicherungsunternehmen sind nun gefordert, ihre Solvency II-Berichterstattung kritisch anhand der Angaben der BaFin zu prüfen und den unternehmensindividuellen Änderungsbedarf zu analysieren, um so für den nächsten Berichtsdurchlauf gewappnet zu sein.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */