Erste Erkenntnisse aus den veröffentlichten SFCR

Am 22. Mai 2017 haben die Versicherungsunternehmen zum ersten Mal seit Inkrafttreten von Solvency II ihre Berichte über die Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report – SFCR) auf Ebene der Einzelunternehmen für das Geschäftsjahr 2016 auf den Unternehmensinternetseiten veröffentlicht (siehe auch Blog-Beitrag vom 22. Mai 2017). Damit sind detaillierte Informationen als bisher über die Solvenzkapitalanforderungen sowie die Auswirkungen der verwendeten Übergangsmaßnahmen öffentlich verfügbar.

Auf Basis einer Auswahl von jeweils zehn deutschen Lebens-, Kranken- und Schaden-/Unfallversicherern haben wir eine erste Analyse der Solvabilitätsquoten, jeweils mit und ohne die verwendeten Übergangsmaßnahmen vorgenommen. In der gewählten Stichprobe kommt ein Internes Modell bei einem Lebens-, drei Kranken- und einem Schaden-/Unfallversicherer zur Anwendung. Ein weiterer Schaden-/Unfallversicherer nutzt ein partielles internes Modell. Alle übrigen Unternehmen berechnen ihre Solvabilitätskapitalanforderung mit der Standardformel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lebensversicherer in dieser Erhebung kamen auf eine Solvabilitätsquote von 341 % im Median, unter Berücksichtigung aller Übergangsmaßnahmen (einschließlich Volatilitätsanpassung). Bei den Krankenversicherungen lag die Solvabilitätsquoten zum 31. Dezember 2016 im Median bei 444 %. Die Schaden-/Unfallversicherer erreichten eine Quote von 222 %. Bei keinem der jeweils zehn Kranken- und Schaden-/Unfallversicherern in dieser Erhebung finden Übergangsmaßnahmen Anwendung.

Zieht man zum Vergleich das EIOPA Risk Dashboard aus April 2017 (Basis: 4. Quartal 2016¹) heran, kann man feststellen, dass die deutschen Lebensversicherer in dieser kleinen Stichprobe eine deutlich höhere Solvabilitätsquote als ihre europäischen Wettbewerber (208 %) haben. Bei den Schaden-/Unfallversicherer verhält es sich umgekehrt: Hier haben die deutschen Unternehmen eine niedrigere Solvabilitätsquote als ihre europäische Vergleichsgruppe (259 %).

Von den zehn Lebensversicherungsunternehmen in dieser Auswertung nutzen acht Unternehmen Übergangsmaßnahmen: Die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen (Rückstellungstransitional) kommt bei sieben Unternehmen zur Anwendung; die Volatilitätsanpassung wenden acht Unternehmen an. Sechs Unternehmen verwenden sowohl die Übergangsmaßnahme für die versicherungstechnischen Rückstellungen als auch die Volatilitätsanpassung an. Die Übergangsmaßnahme bei Zinssätzen sowie Matching-Anpassungen werden von keinem Lebensversicherer verwendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Solvabilitätsquote der Lebensversicherer lag im Median bei 341 % unter Berücksichtigung aller Übergangsmaßnahmen. Ohne die Verwendung der Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen (aber mit der Volatilitätsanpassung) sinkt der Median auf 150 %; ohne die Volatilitätsanpassung (aber unter Verwendung des Rückstellungstransitional) auf 292 %.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Verteilung der Solvabilitätskapitalanforderung (ohne Diversifikationseffekte) zeigen sich, je nach der betriebenen Sparte, Unterschiede. In der Stichprobe wurden zur besseren Vergleichbarkeit nur Unternehmen, welche die Standardformel anwenden, berücksichtigt: Während die Lebens- und Krankenversicherer im (arithmetischen) Mittel mit rund 58 % am stärksten gegenüber dem Marktrisiko exponiert sind, so kommt es für die Nichtlebensversicherer mit 39 % nur an zweiter Stelle.

Die stärkste Exponierung liegt hier mit rund 52 % beim versicherungstechnischen Risiko vor.  Für die Krankversicherer macht es fast 35 % der Solvabilitätskapitalanforderung aus, bei den Lebensversicherern sind es 39 %. Das Gegenparteiausfall- sowie das operationelle Risiko sind für alle Sparten von untergeordneter Bedeutung, da sie nur einen Anteil von 0,5 % bis 6 % an der Solvabilitätskapitalanforderung haben.

Die ersten Erkenntnisse werden wir auf Basis einer ausgeweiteten Stichprobe und weiterer Kennzahlen detaillieren.

 

¹Jährliches und YE-Berichtswesen haben die gleiche Datenbasis, jedoch werden unter Umständen im vierteljährlichen Berichtswesen vereinfachte Bewertungsmethoden angewendet.

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