Schweizer Finanzmarktaufsicht veröffentlicht Rundschreiben zur Offenlegung von Versicherungsunternehmen

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) veröffentlicht im Rundschreiben 2016/xx Offenlegung Versicherer (Public Disclosure) einen Entwurf über Vorlagen zur quantitativen Berichterstattung für Versicherer auf Einzelunternehmens- und Konzernebene. Die FINMA konkretisiert damit Art. 111a und 203a der Aufsichtsverordnung (CH) (AVO; SR 961.011).

Der Entwurf beschreibt die Grundlagen zum Inhalt und Aufbau des Berichtes über die Finanzlage sowie die Mindestanforderung an Art und Inhalt der Offenlegung. Im Anhang werden quantitative Vorlagen zum Bericht über die Finanzlage der Versicherungsunternehmen und der Versicherungskonzerne definiert.

Die erstmalige Berichterstattung an die FINMA erfolgt spätestens am 30. April 2017 über die Berichtsperiode 2016. Nach Prüfung der eingereichten Berichte entscheidet die FINMA, ob und wann die Berichte der Versicherungsunternehmen gesamthaft zu veröffentlichen sind. Von 2018 an, d.h. beginnend mit der Berichtsperiode 2017, müssen Versicherungsunternehmen den Bericht bis spätestens zum 30. April eines jeden Jahres veröffentlichen. Eine Veröffentlichungspflicht besteht für jedes Versicherungsunternehmen mit gebuchten Brutto-Prämien über 5 Mio. CHF und brutto versicherungstechnischen Rückstellungen über 25 Mio. CHF. Den Bericht über die Finanzlage müssen Versicherungsunternehmen gemäß Art. 28 Abs. 1 VAG (CH)[1] prüfen lassen und das Prüftestat dem Bericht beifügen.

Geltungsbereich des Rundschreibens

Im Einklang mit dem schweizerischen Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG (CH); SR 961.01) richtet sich das Rundschreiben sowohl an schweizerische Versicherungsunternehmen, welche Direktversicherung oder Rückversicherung betreiben, als auch an Versicherungsunternehmen mit Sitz im Ausland, die ihre Versicherungstätigkeit in der Schweiz oder von der Schweiz aus betreiben, unter Vorbehalt abweichender staatsvertraglicher Bestimmungen (Art. 2 Abs. 1 Bst. A und b VAG (CH)).

Darüber hinaus kann die FINMA eine Versicherungsgruppe oder ein Versicherungskonglomerat, denen eine Unternehmung in der Schweiz angehört, der Aufsicht unterstellen, wenn diese tatsächlich von der Schweiz oder tatsächlich vom Ausland aus geleitet werden, dort aber keiner gleichwertigen Aufsicht unterstellt sind. Sollte gleichzeitig eine ausländische Behörde die vollständige oder teilweise Aufsicht beanspruchen, so verständigt sich die FINMA mit diesen über Zuständigkeiten, Modalitäten und Gegenstand der Aufsicht (Art. 65 und 73 VAG (CH)).

Somit ist dieses Rundschreiben auch für deutsche Versicherungsunternehmen relevant, welche in der Schweiz Geschäft betreiben. Allerdings sind die Versicherungsunternehmen mit Sitz im Ausland von gewissen Bestimmungen ausgenommen.

Qualitative Berichterstattung

Versicherungskonzerne, welche in der Schweiz beaufsichtigt werden, veröffentlichen einen Bericht über die Finanzlage, welcher sowohl die unten aufgeführten Anforderungen erfüllt als auch darüberhinausgehende Informationen beinhaltet. Der Bericht über die Finanzlage hat im Aufbau der nachfolgenden Struktur zu entsprechen.

Bericht über die Finanzlage von VU – Struktur Berichtspflicht für VU mit Sitz im Ausland
Management Summary Ja
A. Geschäftstätigkeit Ja
B. Unternehmenserfolg Ja
C. Governance und Risikomanagement Teilweise (Rz 38-44 ‚Informationen zum Governance-System‘ müssen nicht berichtet werden)
D. Risikoprofil Nein
E. Bewertung Nein
F. Kapitalmanagement Ja
G. Solvabilität Nein

Es lassen sich gewisse Ähnlichkeiten zum unter Solvency II geforderten Solvency and Financial Condition Report (SFCR) und Regular Supervisory Report (RSR) erkennen, wobei allerdings die Anforderungen der FINMA weniger umfangreich sind.

 

Quantitative Berichterstattung

Zusätzlich zu den qualitativen Angaben enthält der Bericht über die Finanzlage quantitative Vorlagen. Die quantitativen Vorlagen enthalten jeweils Angaben zur Berichtsperiode, zur Vorberichtsperiode sowie teilweise zu möglichen Anpassungen der Angaben durch die FINMA.

Quantitative Vorlagen Inhalte Berichtspflicht für VU mit Sitz im Ausland
Einzelunternehmen
Unternehmenserfolg Nicht-Leben
  • Versicherungstechnisches Ergebnis
  • Kapitalanlagenergebnis
  • Operatives Ergebnis
  • Gewinn/Verlust
Ja
Unternehmenserfolg Leben
  • Total Erträge aus dem versicherungstechnischen Geschäft
  • Operatives Ergebnis
  • Gewinn/Verlust
Ja
Marktnahe Bilanz
  • Marktnaher Wert der Kapitalanlagen
  • Marktnaher Wert der übrigen Aktiven
  • Bestmöglicher Schätzwert der Versicherungs-Verpflichtungen
  • Marktnaher Wert der übrigen Verpflichtungen
  • Mindestbetrag
Nein
Solvabilität
  • Herleitung risikotragendes Kapital (RTK)
  • Herleitung Zielkapital
  • SST-Quotient
Nein
Konzern
Unternehmenserfolg Leben
  • Total Erträge aus dem versicherungstechnischen Geschäft
  • Operatives Ergebnis
  • Gewinn/Verlust
    => Aufteilung der wichtigsten internationalen Märkte (nach Prämienvolumen)
n/a
Marktnahe Bilanz
  • Marktnaher Wert der Kapitalanlagen
  • Marktnaher Wert der übrigen Aktiven
  • Bestmöglicher Schätzwert der Versicherungs-Verpflichtungen
  • Marktnaher Wert der übrigen Verpflichtungen
  • Mindestbetrag
n/a
Solvabilität
  • Herleitung risikotragendes Kapital (RTK)
  • Herleitung Zielkapital
  • SST-Quotient
n/a

Die quantitativen Vorlagen weisen gewisse Ähnlichkeiten mit den unter Solvency II geforderten Quantitative Reporting Templates (QRTs) auf, wobei allerdings die geforderten Informationen weitaus weniger granular sind.

 

[1] im Folgenden ist mit der Bezeichnung VAG (CH) das schweizerische VAG gemeint (VAG; SR 961.01).

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