BaFin-Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“

Am 9. Mai 2019 kamen rund 350 Teilnehmer im Berliner Umweltforum zusammen, um im Rahmen der BaFin-Konferenz „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ einen Überblick der Nachhaltigkeitsperspektiven des Finanzsektors zu erhalten.

Nachdem die BaFin im März 2018 Nachhaltigkeit zum strategisch wichtigen Thema erklärte, erscheint die erste Nachhaltigkeitskonferenz der Institution als konsequenter Schritt. So macht Felix Hufeld, Präsident der BaFin, gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass es bei der Schaffung dieses Formats nicht darum gehe „im Trend zu liegen“, sondern die Debatte über Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft eine Notwendigkeit sei. Damit bestimmt sich auch das ausgeschriebene Ziel der Konferenz einer Schärfung des Bewusstseins von Finanzmarktakteuren für Nachhaltigkeitschancen und -risiken.

Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor für Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, nannte in seiner Rede drei verschiedene Rollen, in denen Versicherungsunternehmen nachhaltig handeln könnten:

  • Risikoträger: Ein voranschreitender Klimawandel könnte kurzfristig nicht nur höhere Schadenssummen, sondern auch neue Herausforderungen in der Risikokalkulation verursachen. Langfristig ergäbe sich die Frage, welche Risiken versicherbar blieben und ob das Produktangebot für Kunden künftig finanzierbar sei. Eine Verfünffachung unwetterbedingter Versicherungsschäden seit den 1980er Jahren belegt diese Tendenz.Demgegenüber stünde die jahrzehntelange Expertise in der Risikobewertung und den frühen Warnungen vor dem Klimawandel der Versicherungsbranche. Daraus erwüchsen die Chancen, die gesellschaftliche Funktion hervorzuheben, sich durch eine Teilnahme an der gesellschaftlichen Debatte zu profilieren und den Wandel mitzugestalten.
  • Risikomanager: In der Risikosteuerung ergebe sich durch Reduzierung statt Transferierung der entsprechenden Risiken die Chance, konkret am Umweltschutz mitzuwirken. Nach dem ESG-Modell sollten nach Aussage von Dr. Grund in Zukunft neben Environment- auch verstärkt Social- und Governance- Risiken betrachten werden. Insbesondere für Rück- und Industrieversicherer stiege die Verantwortung, welche Verträge mit wem abgeschlossen würden.
  • Investoren: Die Forderung einer Beteiligung der Finanzwirtschaft an den Belastungen durch Nachhaltigkeitsbestrebungen und die zunehmende Regulierung, sei für Branchenvertreter nachvollziehbar und zuweilen gar gewünscht, erfordere aber eine Diskussion um Fragen, inwiefern nachhaltige Investments risikoärmer seien und ob transitorische, also bspw. politische Risiken ausreichende Berücksichtigung fänden. Die BaFin kündigt an, dass Nachhaltigkeit auch in 2019 ein Fokusthema bleiben wird. Ziel ist es, die Branche weiter dafür zu sensibilisieren, sich stärker mit ESG Risiken in ihrer Geschäftsorganisation und ihren Prozessen auseinanderzusetzen.

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