BaFin konsultiert Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken

Am 24. September 2019 hat die BaFin einen Entwurf des Merkblatts zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken zur Konsultation veröffentlicht und bietet den von ihr beaufsichtigten Unternehmen die Möglichkeit bis zum 3. November 2019 dazu Stellung zu nehmen.

Der Anwendungsbereich dieses Merkblatts erstreckt sich auf alle von der BaFin beaufsichtigten Unternehmen, insbesondere Kreditinstitute, Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Finanzdienstleistungsinstitute, jeweils mit Sitz im Inland, einschließlich ihrer Zweigniederlassungen im Ausland.

Das Merkblatt dient dazu, u.a. Versicherungsunternehmen eine praxisnahe Orientierung (Good-Practice Ansätze) zu bieten, wie Nachhaltigkeitsrisiken unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips unternehmensindividuell berücksichtigt und behandelt werden können und stellt somit eine Ergänzung der Mindestanforderungen an die Geschäftsorganisation von Versicherungsunternehmen (MaGo) dar.

Einleitend macht die BaFin darauf aufmerksam, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit und in diesem Zusammenhang der Klimawandel für die Aufsichtsbehörde ist und welche direkten Auswirkungen – auch in Form von potenziellen Schäden –  sich künftig durch die Erderwärmung ergeben könnten. Dennoch weist die BaFin darauf hin, dass Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsrisiken nicht allein durch Klimawandel und umweltbezogene Risiken definiert werden, sondern alle ESG-Risiken (Environmental, Social and Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zu berücksichtigen sind.

ESG-Risiken können sich in physischen Risiken (direkte Folgen bspw. durch den Klimawandel – Beispiel: Schäden durch Extremwettereignisse), Transitionsrisiken (Risiken im Zusammenhang mit der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft – Beispiel: Politische Subvention Elektromobilität führt zu verändernden Kundenpräferenzen) und indirekten Risiken (Reputationsrisiken – Beispiel: Investition in Kohleunternehmen schädigt Reputation des Versicherungsunternehmens) äußern. Die BaFin macht deutlich, dass diese Risiken von den beaufsichtigten Unternehmen zu identifizieren, zu managen und zu dokumentieren sind. Die BaFin erwartet somit ausdrücklich, dass sich die Unternehmen mit den entsprechenden Risiken auseinandersetzen.

Dazu erläutert die BaFin unterschiedliche Good-Practice Ansätze und bietet unterstützende Leitfragen. Die BaFin betont, dass dabei ein ganzheitlicher Ansatz notwendig ist, der von der Überprüfung und ggf. Anpassung der Geschäfts- und Risikostrategie über die Einbettung in die Geschäftsorganisation bis hin zum eigentlichen Risikomanagement geht. In Bezug auf die Geschäftsorganisation könnte es beispielsweise sinnvoll sein, spezielle Nachhaltigkeitsexperten einzustellen. Hinsichtlich des Risikomanagements lehnt die BaFin die Erstellung einer separaten Risikoklasse wie „Nachhaltigkeitsrisiken“ ab, da Nachhaltigkeitsrisiken jede bestehende Risikoklasse beeinflussen und dort jeweils berücksichtigt werden müssen. Dazu gibt die BaFin konkrete Beispiele, wie ESG-Risiken in bestehenden Risikoklassen auftreten und welche Tools beim entsprechenden Risikomanagementprozess unterstützen können.

Letztlich betont die BaFin, dass auch auf Nachhaltigkeitsrisiken bezogene Stresstests einschließlich Szenarioanalysen durch die Unternehmen vorbereitet und durchgeführt werden sollten. In diesem Zusammenhang sind letztlich auch Leitfragen zu beantworten, wie beispielsweise: „Hätte es nachteilige Auswirkungen auf verbindlich vorgegebene Kennzahlen wie etwa Kapitalquoten, wenn sich (als wesentlich identifizierte) Nachhaltigkeitsrisiken (in Form der bekannten Risikoarten) realisieren würden?“

Mit diesem Merkblatt bzw. der damit verbundenen Konsultation unterstreicht die BaFin ihre Absicht, Nachhaltigkeit in der Finanzbranche zu einem aufsichtsrechtlichen Schwerpunktthema zu machen.

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