EbAV: EIOPA veröffentlicht Stellungnahmen zu Governance und Risikomanagement für Pensionskassen und -fonds

Am 10. Juli 2019 veröffentlichte EIOPA vier Stellungnahmen bezüglich der Governance- und Risikomanagementanforderungen für Einrichtungen betrieblicher Altersversorgung (EbAV), die aus der EbAV-II-Richtlinie resultieren und im Januar 2019 in deutsches Recht umgesetzt wurden (siehe Blog-Beitrag vom 18. Januar 2019). Die Stellungnahmen sollen die nationalen Aufsichtsbehörden bei der Implementierung der Anforderungen unterstützen.

Die neuen Regelungen der EbAV-II-Richtlinien sehen vor, dass Pensionskassen und –fonds künftig mindestens alle drei Jahre für das gesamte Risikoprofil eine eigene Risikobeurteilung durchführen und dokumentieren müssen (Own Risk Assessment = ORA). In dieser sind u.a. operationelle Risiken sowie aus ESG-Faktoren (Environment, Social, Governance) resultierende Risiken zu beurteilen.

Die von EIOPA veröffentlichten Stellungnahmen dienen als Umsetzungsempfehlungen für die nationalen Aufsichtsbehörden und stellen sich im Einzelnen wie folgt dar:

Opinion on the use of governance and risk assessment documents in the supervision of IORPs

Die Stellungnahme legt dar, wie EbAVs die eigene Risikobeurteilung (ORA) durchführen und dokumentieren sollen. Im Rahmen einer ORA-Richtlinie soll das Unternehmen Rollen und Verantwortlichkeiten sowie den ORA-Prozess (ähnlich der ORSA-Leitlinie bei Versicherungsunternehmen) definieren. Der ORA-Bericht hingegen soll die Ergebnisse hinsichtlich der Effektivität des Risikomanagementsystems sowie der Risikobewertung enthalten. Zur Sicherstellung zukunftsorientierter Risikobewertungsprozesse, die externe und interne Entwicklungen berücksichtigen, wird den nationalen Aufsichtsbehörden die Durchführung entsprechender Prüfungen empfohlen.

Opinion on the supervision of the management of operational risks faced by IORPs

Im Rahmen des ORA müssen sich EbAVs auch mit ihren operationellen Risiken auseinandersetzen. Die Veröffentlichung stellt die hohe Bedeutung von operationellen Risiken, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Komplexität in der Aufsicht und der Entwicklung von Cyber-Risiken in den Fokus. Den Aufsichtsbehörden wird durch die Veröffentlichung Hilfestellung hinsichtlich des aufsichtsrechtlichen Umgangs mit Outsourcing- und Cyber-Risiken als Teil des operationellen Risikos gegeben.

Opinion on the supervision of the management of ESG risks faced by IORPs

Durch die Umsetzung der EbAV-II-Richtlinie ins Versicherungsaufsichtsgesetz sind EbAVs in verschiedenen Bereichen verpflichtet, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Aufgrund der Aktualität des Themas liegen noch keine einheitlichen Vorgaben hinsichtlich der Definition von ESG-Risiken vor, weshalb die Berücksichtigung der Kriterien eine Herausforderung darstellt. Im Anhang der Veröffentlichung findet sich eine Übersicht die aufzeigt, wie ESG-Faktoren traditionelle Risiken – wie z.B. das Marktrisiko – beeinflussen können.

Opinion on the practical implementation of the common framework for risk assessment and transparency for IORPs

Obwohl sich die Regelungen der EbAV-II-Richtlinie in einigen Bereichen stark an die Regelungen von Solvency II anlehnen, sind EbAVs im Vergleich zu Versicherungsunternehmen nicht verpflichtet eine Marktwertbilanz aufzustellen. EIOPA ist dennoch der Meinung, dass die Aufstellung einer Marktwertbilanz zur vollumfänglichen Einschätzung des Risikoprofils auch für Pensionskassen und –fonds sinnvoll wäre (Common Framework). Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, stellte jedoch bereits im Rahmen der aba-Jahrestagung im Mai 2019 klar, dass die BaFin die Anwendung des Common Framework für die eigene Risikobeurteilung nicht fordern wird.

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