EIOPA: Diskussionspapier zur Integration von Klimarisiken in die Solvency II-Standardformel

Am 2. Dezember 2020 wurde von EIOPA ein Diskussionspapier ĂŒber die Methodik zur BerĂŒcksichtigung des Klimawandels im Rahmen der Solvency II-Standardformel veröffentlicht. Die Entwicklung des Papiers basiert auf den Diskussionen des „EIOPA Technical Expert Networks on Catastrophe Risks“, ein in 2019 gegrĂŒndetes Expertengremium aus ausgewĂ€hlten Vertretern der Branche.

EIOPA greift mit dem aktuellen Diskussionspapier erneut die Integration klimabedingter Risiken in die SĂ€ule 1-Anforderungen auf und ergĂ€nzt die Stellungnahme aus September 2019 (siehe Blogbeitrag vom 4. Oktober 2019). DarĂŒber hinaus werden konkrete methodische AnsĂ€tze zur Risikomessung und ProzessĂ€nderungen innerhalb des NatCat-Risikomoduls diskutiert.

HintergrĂŒnde des Papiers

Die Auswirkungen des Klimawandels ereignen sich ĂŒber einen langfristigen Zeithorizont, wohingegen die Kalibrierung der Solvency II-Standardformel auf Basis eines 1-Jahres-Horizontes ausgelegt ist. In der Zukunft wird mit einer Zunahme von Extremwetterereignissen wie zum Beispiel Hitzewellen, StarkniederschlĂ€ge, DĂŒrren und Sturmfluten gerechnet, denen angemessen Rechnung getragen werden soll. Daher wird fĂŒr die Rekalibrierung der Standardformel im Rahmen des NatCat-Moduls ein prospektiver Ansatz empfohlen. Dadurch soll die AktualitĂ€t der eingesetzten Parameter fĂŒr die nĂ€chsten fĂŒnf bis zehn Jahre sichergestellt werden.

Zur GewĂ€hrleistung des risikobasierten Ansatzes mĂŒssen alle relevanten Risikoaspekte berĂŒcksichtigt werden. Das heißt nicht nur die VerĂ€nderung aufgrund der Gefahr („Hazard“), sondern auch die Exponierung („Exposure“) sowie die entsprechende AnfĂ€lligkeit („Vulnerability“) mĂŒssen einbezogen werden.

DarĂŒber hinaus werden neue Informationsquellen, die zuvor nicht bei der Kalibrierung berĂŒcksichtigt wurden, eingesetzt. Dazu stĂŒtzt sich EIOPA in erster Linie auf die Informationen der EEA (European Environment Agency), die Studien der JRC (Joint Research Centre) sowie den Bericht der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change).

Vorgeschlagene methodische Anpassungen in der Standardformel

EIOPA diskutiert folgende methodische Verfahren zur Integration des Klimawandels in die NatCat-SCR-Kalibrierung:

  • ZukĂŒnftig sollten NatCat-Modelle verwendet werden, die den Klimawandel explizit berĂŒcksichtigen.
  • Es soll geprĂŒft werden, ob sich der Klimawandel auf neue LĂ€nder auswirkt, die bislang nicht relevant waren. Angesichts dessen hat EIOPA bereits LĂ€nder identifiziert, die aufgrund der Kriterien Hochwasser, Subsidenz (z.B. Absenkung von KĂŒstenabschnitten durch Erdbeben) und Hagel in der Standardformel erfasst werden sollten.
  • Weiterhin sollen auch neue Risiken wie FlĂ€chenbrĂ€nde in die Berechnung einbezogen werden. Eine Anpassung ist auch notwendig, wenn sich die HĂ€ufigkeit und IntensitĂ€t bestimmter Gefahren verĂ€ndert.
  • Außerdem können auch weitere VersicherungsaktivitĂ€ten relevant werden. EIOPA konzentriert sich dabei insbesondere auf landwirtschaftliche Versicherungen und die schadenfreie Betriebsunterbrechung.
  • Ein neuer Ansatz zur Aufnahme zusĂ€tzlicher Belastungsfaktoren fĂŒr bestimmte Gefahren bzw. Regionen, um dem zusĂ€tzlichen Risiko des Klimawandels Rechnung zu tragen. Damit wĂ€re eine vollstĂ€ndige Rekalibrierung der Parameter nicht erforderlich.
  • Anpassung bzw. ErgĂ€nzung der Korrelationsmatrizen (Raum- und Gefahrenkorrelation) fĂŒr eine angemessene BerĂŒcksichtigung des Klimawandels.

Weiterhin definiert EIOPA mögliche ProzessĂ€nderungen und schlĂ€gt vor, einen formellen Ansatz fĂŒr die regemĂ€ĂŸige Neubewertung der aktuellen NatCat-Parameter zu entwickeln. DarĂŒber hinaus sollten Experten einbezogen werden, um die bestehenden Parameter zu ĂŒberprĂŒfen und neue Parameter zu erfassen. Außerdem wird eine regelmĂ€ĂŸige Rekalibrierung empfohlen, um auch die neusten Entwicklungen des Klimawandels einzuschließen zu können.

Ausblick

Es besteht die Möglichkeit bis zum 26. Januar 2021 Feedback einzureichen. Anschließend plant EIOPA das finale Papier im FrĂŒhjahr 2021 zusammen mit einer Stellungnahme zu veröffentlichen.

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