EIOPA RISK Dashboard – Solvency II Daten aus Q1 2020 veranschaulichen die deutlich veränderte Risikolandschaft

EIOPA hat am 17. August 2020 das Risk Dashboard für das erste Quartal 2020 auf Basis von Solvency II Daten veröffentlicht (siehe auch die Blog-Beiträge zum Risk Dashboard der vorherigen Quartale 2019 vom 29. Juli 2019 und dem 21. Mai 2020). Vier Risiken (Makro-, Kredit-, Markt-, und Solvenzrisiko) für die Versicherungswirtschaft werden dabei als „sehr hoch“ oder „hoch eingestuft. Auf diese Einschätzung nahm die BaFin in einer Mitteilung vom 18. August.2020 Bezug. Die wesentlichen Erkenntnisse des ersten Quartals 2020 sind nachfolgend kurz zusammengefasst.

Das Risikoexposure für den europäischen Versicherungssektor bleibt im Vergleich zum April infolge des COVID-19-Ausbruchs allgemein hoch. Die Pandemien verursachen weiterhin Störungen in allen Finanzsektoren und Wirtschaftsbereichen.

  • Das Makrorisiko wird weiterhin als sehr hoch eingestuft. Insgesamt wurden BIP-Prognose und Inflationsprognose deutlich nach unten korrigiert. Im ersten Quartal 2020 sank die Beschäftigung aufgrund des Rückgangs der Geschäftsaktivitäten während des Lockdowns stark. Als Reaktion auf die Krise kündigten die Regierungen der Mitgliedsstaaten Investitionen an. Hierdurch werden deutlich verschlechterte Haushaltssalden erwartet.
  • Marktrisiken befinden sich aktuell auf einem hohen Niveau. Die Finanzmärkte stabilisierten sich zwar leicht, die Volatilität auf dem Aktienmarkt liegt jedoch noch über dem Niveau vor der Pandemie. Die schnelle Erholung der Finanzmärkte nach März wirft die Frage auf, ob sich die Leistung von den zugrunde liegenden makroökonomischen Fundamentaldaten abgekoppelt hat.
  • Das Kreditrisiko bleibt auf einem hohen Niveau, da das Risiko von Kreditausfällen auch in Zukunft erhöht bleibt.
  • Profitabilitäts- und Solvenzrisiken bleiben ebenfalls auf einem hohen Niveau. Die erwartete Verschlechterung der Risikoindikatoren durch die jüngsten negativen Marktentwicklungen lassen sich vereinzelt bereits erkennen. Ein Rückgang des Überschusses der Aktiva gegenüber den Passiva sowie bei den Solvenzkapitalquoten war für Gruppen und Nichtlebensversicherungen zu beobachten. Eine weitere Verschlechterung der Solvenzkapitalquoten für Lebens- und Nicht-Lebensversicherungsunternehmen ist durch das Niedrigzinsumfeld und die mögliche Wertrückgänge bei den Vermögenswerten in Zusammenhang mit COVID-19 zu erwarten. Lediglich die Net Combined Ratio verzeichnet eine Verbesserung.
  • Verflechtungen und Ungleichgewichte bleiben stabil auf einem mittleren Level.
  • Versicherungstechnische Risiken gingen auf ein mittleres Niveau zurück. Im Nicht-Lebenbereich verzeichneten die Versicherer ein Prämienwachstum und eine leichte Verbesserung der Schadenquote. Demgegenüber steht ein Prämienrückgang in der Lebensversicherung und eine Zunahme der Schadenquote für Naturkatastrophen durch die australischen Buschfeuer.
  • Die Markterwartungen des Versicherungssektors blieben konstant. Die CDS-Spreads der Versicherer kehren auf ein niedriges Niveau zurück während sich die Aktien von Lebens- und Nichtlebensversicherungen weiterhin unterdurchschnittlich im Vergleich zum Markt entwickelten.

Obwohl einige Indikatoren, die in diesem Risiko-Dashboard verwendet werden, die jüngste Entwicklung im Zusammenhang mit dem Ausbruch von COVID-19 noch nicht vollständig erfassen, wurde die erwartete Verschlechterung der relevanten Indikatoren in den zugewiesenen Risikoniveaus nach Möglichkeit berücksichtigt.

Die folgende Tabelle stellt die Bewertung und den Trend zusammengefasst dar:

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: EIOPA Risk Dashboard

Dabei charakterisieren die Farben das Risikolevel und Pfeile den Trend wie folgt:

 

 

 

 

 

 

 

Letztlich werden sich Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen im Risikomanagement auf höhere Volatilitäten, mehr Unsicherheiten und auf disruptive Entwicklungen kurz- als auch langfristig einstellen müssen. Dies rückt vor allem das Kapitalmanagement und die Kapitalplanung stark in den Vordergrund. Dabei gilt es neben Optionen für die Stärkung der Kapitaldecke, auch vor allem die Treiber und die Implikationen auf die Solvenzquoten besser zu verstehen, den ORSA-Prozess weiter auszubauen, um künftige Szenarien besser darzustellen und nicht von plötzlich eintretenden Entwicklungen überrascht zu werden.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */