EIOPA veröffentlicht Diskussionspapier zum Thema Versicherungs-Stresstests

Am 22. Juli 2019 hat EIOPA ein Diskussionspapier bezüglich der methodischen Grundlagen für Stresstests von (Rück-) Versicherungsunternehmen veröffentlicht. Das Feedback der Stakeholder kann bis zum 18. Oktober 2019 eingereicht werden.

Hintergrund

Stresstests dienen der Analyse von qualitativen oder quantitativen Auswirkungen nachteiliger Szenarien und werden deshalb von verschiedenen Stakeholdern mit unterschiedlichen Zielsetzungen durchgeführt. Aufsichtsbehörden nutzen sie beispielsweise als Aufsichtsinstrument, wohingegen Versicherungsunternehmen Stresstests im Rahmen ihrer unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (Own Risk and Solvency Assessment – ORSA) oder zur Entwicklung von Steuerungsmaßnahmen im Risikomanagement verwenden.

Aufsichtsrechtliche Stresstests können über einen Top-Down oder Bottom-Up Ansatz durchgeführt werden. Ein Top-Down Stresstest wird von der Aufsichtsbehörde selbst umgesetzt. Die entsprechenden Auswirkungen werden auf der Basis von eigenen Modellen unter der Verwendung von Daten, welche von den Versicherungsunternehmen zur Verfügung gestellt werden, ermittelt. Dahingegen werden bei einem Bottom-Up Stresstest die teilnehmenden Unternehmen von der Aufsichtsbehörde aufgefordert, auf der Grundlage von festgelegten Methoden und Szenarien die Berechnungen durchzuführen und die Auswirkungen zu bestimmen. Dies geschieht unter der Verwendung ihrer eigenen Modelle. Beide Ansätze können sowohl isoliert als auch komplementär verwendet werden, bei denen Top-Down Ansätze in einem Bottom-Up Stresstest zur Validierung verwendet werden können.

Diskussionspapier: Methodische Grundlagen für Stresstests

Im Diskussionspapier liegt der Fokus auf dem Bottom-Up Ansatz und die Verbesserung der Methodik. (Die für einen Top-Down Stresstest erforderlichen Untersuchungen erfolgen erst zu einem späteren Zeitpunkt.) Grundsätzlich sind die bisher durchgeführten EU-weiten Stresstests in Art und Durchführung mit der Methodik des Bottom-Up Ansatzes vergleichbar.

Das Diskussionspapier ist Bestandteil eines übergreifenden Prozesses von EIOPA zur Verbesserung des allgemeinen Stresstest-Rahmenwerkes. In dem Zusammenhang werden stresstestspezifische Fragestellungen behandelt, wie beispielsweise:

  • die Bewertung von Liquiditätspositionen unter adversen Szenarien,
  • die Bewertung von Schwachstellen klimabezogener Risiken und
  • potentielle Ansätze für mehrjährige Stresstests.

Zu diesem Zweck enthält das Diskussionspapier eine Reihe von methodischen und technischen Grundsätzen, Leitlinien und Fragestellungen, die für die Durchführung und Bewertung eines EU-weiten Stresstests erforderlich sind. Die allgemeinen Prinzipien sollen dabei die Toolbox der zukünftigen EIOPA Stresstests definieren und somit sowohl die Entwurfs- als auch die Durchführungsphase einfacher gestalten. Für die Entwicklung des methodischen Ansatzes hat EIOPA die folgenden Schlüsselelemente herausgearbeitet und als Bestandteil des Diskussionspapiers zur Konsultation gestellt:

  • Verfahren und Zielsetzungen: Ein effektiver Stresstest besteht aus einer Vielzahl von Elementen (Ziele, Umfang, Szenarien, Daten, etc.), die keinesfalls isoliert, sondern stets unter der Berücksichtigung deren Interdependenzen zu betrachten sind. Daneben beeinflussen die definierten mikro- und makroprudenzielle Ziele den gesamten Prozess und somit die übergreifenden Auswirkungen.
  • Umfang: Der Anwendungsbereich sollte auf Versicherungsunternehmen, welche von den definierten Stressszenarien tatsächlich betroffen sind, d.h. welche den Risikotreibern letztlich ausgesetzt sind, begrenzt sein. Außerdem sollte eine Ausrichtung anhand entsprechender Zielsetzungen, egal ob makro- oder mikroprudenzieller Art, erfolgen.
  • Gestaltung der Szenarien: Ausgehend von den vorherrschenden Marktbedingungen sollten Szenarien die Entwicklung einzelner Märkte und der Wirtschaft in seiner Gesamtheit widerspiegeln. Die Ausgestaltung kann letztlich, jeweils in Abhängigkeit vom Ausmaß und der Komplexität der zugrundeliegenden Stressszenarien, von einer Sensitivitätsanalyse bis hin zu einer umfangreichen Szenarioanalyse variieren.
  • Schocks und ihre Anwendung: Ausgangspunkt für die Schockauswahl ist stets das gesamte Marktumfeld. Da die Schocks und ihre Anwendungen im allgemeinen allerdings von der Entwicklung des Marktes und den Risikoprofilen der Versicherer abhängen, ist die Auswahl mit Blick auf das individuelle Versicherungsunternehmen kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen. Für die Kalibrierung verwendet EIOPA einen Simulator, der wiederum auf den bekannten Risikomaßen Conditional Value at Risk und Marginal Expected Shortfall basiert. So wird insbesondere das Generieren von robusten und konsistenten Szenarien ermöglicht.
  • Datenerhebung und –validierung: Daten und deren Qualität haben einen erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse und die Auswirkungen der angestrebten Analysen. Jede Art von Maßnahmen sollte daher das Ergebnis einer gründlichen Analyse, der in einer klaren Berichterstattung gesammelten und qualitätsgesicherten Daten, sein.

EIOPA Stresstests

Die Ergebnisse des letzten EU-weiten Stresstests für Versicherungsunternehmen wurden von EIOPA am 14. Dezember 2018 veröffentlicht (vgl. Blog-Beitrag vom 21. Dezember 2018) und der Stresstest für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbaV) befindet sich aktuell in der Durchführung (vgl. Blog-Beitrag vom 28. Mai 2019). Beide Stresstests werden in einem regelmäßigen Turnus von 2 Jahren durch EIOPA durchgeführt.

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