EIOPA veröffentlicht halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsbericht 2019

Am 1. Juli 2019 hat EIOPA ihren turnusmäßigen Finanzmarktstabilitätsbericht (Financial Stability Report June 2019) veröffentlicht.

Der Bericht greift die wichtigsten Entwicklungen der europäischen und weltweiten Erst- und Rückversicherungsbranche, der europäischen Branche der Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge (EbAV) sowie Ergebnisse einer globalen Risikoerhebung aller Branchen auf.

Die wichtigsten Entwicklungen der Branchen

In den letzten Monaten ist das wirtschaftliche Umfeld durch die anhaltenden politischen Unsicherheit, u.a. aufgrund von Brexit, den wachsenden Handelsspannungen und die Sorge um die Tragfähigkeit der Schulden, schwieriger geworden. Die Konsequenz ist eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Europa. Darüber hinaus bleibt die Inflation sowohl in der Eurozone als auch in der EU weiterhin gedämpft, während die Zentralbanken bei der Zurücknahme der nichtkonventionellen geldpolitischen Impulse in Europa vorsichtiger geworden sind und die Zinserhöhungen bis mindestens Mitte 2020 ausgesetzt haben. Dies führt zu einem Fortbestehen des Risikos eines anhaltenden Niedrigzinsumfelds.

Die Solvabilitätsquoten haben sich in der Erstversicherungsbranche im vergangenen Jahr 2018 leicht verbessert und der Branchendurchschnitt von rund 200% bleibt auf einem hohen Niveau. Nichtsdestotrotz ist die Profitabilität der Versicherer erhöhtem Druck ausgesetzt. Die Anlagerenditen haben sich im derzeitigen Umfeld verschlechtert, was es insbesondere den Lebensversicherern immer schwieriger macht, garantierte Raten für die in der Vergangenheit abgeschlossene Policen zu decken. Auch wenn die Lebensversicherer versuchen sich an diese schwierigen Umstände anzupassen, indem sie die garantierten Raten senken und sich auf fondsgebundene Produkte konzentrieren, bleibt die Rentabilität weiterhin erhöhter Belastung ausgesetzt. Für Sachversicherer steht die Herausforderung vor allem im Zusammenhang mit steigenden Schäden, die durch klimabedingte Risiken und Cyber-Ereignisse verursacht werden und die sich in Risikomodellen möglicherweise nicht ausreichend widerspiegeln.

Das Jahr 2018 war für die Rückversicherungsbranche das viertteuerste aller Zeiten. Allgemein ist festzustellen, dass die Schäden aus Naturkatastrophen einen Aufwärtstrend verzeichnen. Gemessen an den Gesamtschäden liegen die zehn teuersten Jahre allesamt nach 2004. Dennoch bleibt die europäische Rückversicherungsbranche insgesamt gut kapitalisiert, was darauf hindeutet, dass sich die Branche auch unter schwierigen Umständen weiterhin als widerstandsfähig erweist.

Auch die EbAV sind nach wie vor negativ von dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld betroffen und durch den Rückgang der Aktienkurse gegen Ende des Jahres erhöhtem Druck ausgesetzt. Darüber hinaus birgt die demografische Entwicklung zusätzliche Belastungen für die Zukunft.

Ergebnisse der Risikoerhebung

EIOPA führt zweimal jährlich eine Umfrage unter den nationalen Aufsichtsbehörden durch, mit dem Ziel, die Hauptrisiken und die Herausforderungen des europäischen Versicherungsmarktes zu identifizieren.

Die qualitative Umfrage aus dem Frühjahr 2019 belegt, dass das Niedrigzinsrisiko nach wie vor das Hauptrisiko für die Versicherungsbranche und die EbAV darstellt. In der Versicherungsbranche werden als zusätzliche Hauptrisiken erneut das Aktien- und das Cyber-Risiko spezifiziert, wohingegen für die EbAV neben dem Aktienrisiko das Kreditrisiko für Staaten von besonderer Bedeutung sind.

Außerdem zeigt die Umfrage, dass Versicherungsunternehmen in vielen Ländern bereits in der Lage sind, risikomindernde Techniken und Maßnahmen zur Bewältigung von Langzeit- und Katastrophenrisiken anzuwenden.

Neben der bisher dargestellten qualitativen Risikobewertung erfolgt ebenso eine detaillierte quantitative Bewertung. Im Fokus stehen hier unter anderem die Aufschlüsselung der Anlageportfolios und die Asset Allokation. Zudem wird ein Follow-up zum europäischen Versicherungsstresstests (siehe hierzu unseren Blogbeitrag vom 15. Mai 2018) vorgestellt.

Zukünftige Entwicklung

Ausgehend von der Umfrage der EIOPA wird ebenfalls die Erwartung für die zukünftige Entwicklung von Risiken spezifiziert.

Den größten Zuwachs verzeichnen demnach die folgenden Risiken:

  • Immobilien- und Aktienrisiko
  • Klima- und Cyber-Risiko
  • Geopolitisches und makroökonomisches Risiko

Darüber hinaus wird ein Rückgang der ALM-Risiken und des Niedrigzinsrisikos in der kommenden Periode erwartet.

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