Erste weitere vorläufige Änderungsentscheidungen an IFRS 17 seit Abschluss der ED-Kommentierung verabschiedet

In der letzten Sitzung des Jahres 2019 hat das International Accounting Standard Board (IASB) vorläufige Änderungsentscheidungen in Bezug auf die erwartete Werthaltigkeit aktivierter Abschlusskosten und die Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsverträgen bei gehaltenen Rückversicherungsverträgen getroffen und damit auf das Feedback zu diesen Punkten in den Kommentierungsschreiben reagiert (Details zu den Änderungen weiter unten). 

Nicht bereits Gegenstand dieses Meetings war die Frage einer möglichen weiteren Verschiebung des Erstanwendungszeitpunkts von IFRS 17 und der möglichen Verlängerung der Aussetzung von IFRS 9. Hierzu plant das IASB Staff seine Vorschläge erst gegen Ende der laufenden Analyse, demnach voraussichtlich in 1. Quartal 2020 vorzulegen.

Stattdessen behandelte das IASB die folgenden Themen (Cover Note):

  1. Vorgeschlagene Änderungen, mit der Empfehlung, diese zu bestätigen (sechs Themen)
  2. Erwartete Werthaltigkeit aktivierter Abschlusskosten
  3. Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsverträgen bei gehaltenen Rückversicherungsverträgen

In der Sitzung stimmen alle 14 Boardmitglieder zu, die folgenden sechs Änderungen, wie im Exposure Draft vorgeschlagen, ohne weitere inhaltliche Betrachtung in IFRS 17 zu überführen (Agenda Paper 2A):

  1. Ausnahme vom Anwendungsbereich für Kredite
  2. Behandlung der CSM, die auf Investment Services bei Versicherungsverträgen mit direkter Überschussbeteiligung entfällt
  3. Ausweis von Versicherungsverträgen in der Bilanz auf Portfolioebene statt auf Ebene der Gruppe von Versicherungsverträgen
  4. Anwendbarkeit der Risikominderungsoption im Zusammenhang mit passiver Rückversicherung
  5. Übergangserleichterungen für Unternehmenszusammenschlüsse
  6. Übergangserleichterungen für die Anwendung der Risikominderungsoption i.R.d. Transition, sowie die Möglichkeit, den Fair Value Ansatz anzuwenden

Im Zusammenhang mit der erwarteten Werthaltigkeit aktivierter Abschlusskosten einigen sich die 14 Boardmitglieder darauf, dass (Agenda Paper 2B)

  1. die einer Gruppe von Versicherungsverträgen direkt zurechenbaren Abschlusskosten nach einer systematischen und rationalen Methode dieser Gruppe und künftigen Gruppen, die aus Erneuerungsrechten entstehen, zuzuordnen sind.
  2. die Bilanzierungseinheit für einen Vermögenswert für vor Vertragszugang gezahlte Abschlusskosten die Gruppe von Versicherungsverträgen ist, der diese Abschlusskosten zugeordnet werden.
  3. ein Werthaltigkeitstest dann durchzuführen ist, wenn Tatsachen und Umstände auf eine mögliche Wertminderung hinweisen.
  4. in diesem Zusammenhang vorgeschlagene Anhangangaben zu finalisieren sind.
  5. unverändert die Verpflichtung besteht, den Vermögenswert für die vor Vertragszugang gezahlten Abschlusskosten im Buchwert des Portfolios auszuweisen, dem die (künftigen) Versicherungsverträge angehören.

Da das IASB die geäußerten Bedenken und Hinweise aus den eingereichten Kommentierungen berücksichtigt, sollten die vorgenommene Überarbeitung daher von den Marktteilnehmern zustimmend aufgenommen werden.

Bezüglich der Deckung von Verlusten aus zugrunde liegenden Versicherungsverträgen bei gehaltenen Rückversicherungsverträgen sind alle 14 Boardmitglieder damit einverstanden, (Agenda Paper 2C)

  1. den Anwendungsbereich der ursprünglich vorgeschlagenen Änderung von IFRS 17 auszudehnen (nunmehr nicht mehr beschränkt auf proportionale (proportionate) Verträge).
  2. die Berechnung des Ertrags aus der Verlustdeckung (income from loss recovered) in Folge des erweiterten Anwendungsbereichs anzupassen.
  3. auf die Fußnote in §304 der Basis for Conclusions zu verzichten, wonach ein gehaltener Rückversicherungsvertrag, welcher Schäden deckt, die einen bestimmten Betrag auf einem einzelnen Versicherungsvertrag übersteigen, keine proportionale Abdeckung bieten würde.
  4. dass die Änderung nur auf Fälle anzuwenden ist, in denen der gehaltene Rückversicherungsvertrag vor oder zur gleichen Zeit wie der Verlust aus den zugrunde liegenden Versicherungsverträgen erfasst wird.
  5. dass Paragraph 66(c)(ii), der auf die Folgebewertung einer Gruppe von gehaltenen Rückversicherungsverträgen anzuwenden ist, wenn eine Gruppe von zugrunde liegenden Versicherungsverträgen verlustbringend ist, auch zutrifft, wenn die zugrunde liegenden Versicherungsverträge nach PAA bewertet werden.

Mit den Entscheidungen reagiert das IASB auf weitgehend einhellige Kritik u.a. auch aus dem deutschen Versicherungsmarkt hinsichtlich der Kommentierungsschreiben und dürfte insofern insgesamt auf positive Resonanz stoßen.

Next Steps:

Das Staff plant, alle restlichen in der November-Sitzung beschlossenen Themen in zukünftigen Sitzungen zu diskutieren (Liste mit den Themen). Der gewählte Zeitplan ermöglicht es, das Feedback aus den Stellungnahmen zu weiteren Themen zu prüfen und die daraus resultierenden Änderungen im Einklang mit dem im Exposure Draft dargelegten Zeitplan bis Mitte 2020 abzuschließen.

Die nächste Sitzung des IASB findet vom 27. – 31. Januar 2019 statt.

Weitere Informationen können unter nachfolgenden Links aufgerufen werden:

 

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