ESG: EU-Kommission konsultiert die Berücksichtigung von ESG-Faktoren in IDD und Solvency II

Die EU-Kommission hat am 8. Juni 2020 insgesamt sechs Konsultationen zur Änderung verschiedener delegierten Verordnungen (DVO) hinsichtlich der Integration von ESG-Aspekten veröffentlicht. Für die Versicherungsbranche sind dabei insbesondere die Konsultationen zu Änderungen der Solvency II DVO und der Insurance Distribution Directive (IDD) von Relevanz:

  1. Konsultation Solvency II-DVO: Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in die Geschäftsorganisation von Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen (DVO 2015/35)
  2. Konsultation zur IDD: Einbeziehung von Nachhaltigkeitsfaktoren und -präferenzen in die Produktaufsicht und die Governance-Anforderungen für Versicherungsunternehmen und Versicherungsvertriebe sowie in die Verhaltensregeln und die Anlageberatung für versicherungsbasierte Anlageprodukte (DVO 2017/2358 und DVO 2017/2359)

Bis zum 6. Juli 2020 haben Interessenten die Möglichkeit an den Konsultationen teilzunehmen.

Am 30. April 2019 übermittelte EIOPA ihren Technical Advice mit Empfehlungen zu möglichen Änderungen der delegierten Rechtsakte unter Solvency II und der IDD in Bezug auf die Integration Nachhaltigkeitsfaktoren und -risiken an die EU-Kommission (siehe Blog-Beiträge vom 18. Dezember 2018 und vom 20. Mai 2019). Diese Empfehlungen wurden im Wesentlichen von der EU-Kommission übernommen.

Durch die aktuellen Konsultationen sollen u.a. folgende Artikel der Solvency II-DVO angepasst werden:

  • Ergänzung relevanter Definitionen, wie Nachhaltigkeitsrisiko und -faktor sowie Nachhaltigkeitspräferenz (Art. 1)
  • Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken im Risikomanagementsystem, u.a. bei Risikoübernahme und Rückstellungsbildung (Art. 260)
  • Ergänzung der Aufgaben der Risikomanagementfunktion: Kontrolle der Identifikation und Bewertung von ESG-Risiken (Art. 269)
  • Erweiterung der von der versicherungsmathematischen Funktion zu formulierenden Stellungnahme hinsichtlich der Zeichnungspolitik von Nachhaltigkeitsrisiken (Art. 272)
  • Integration von ESG-Faktoren in die Vergütungspolitik (Art. 275)
  • Implementierung eines neuen Artikels zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten im Prudent Person Principle bei der Beurteilung der Sicherheit, Qualität, Liquidität und Rentabilität des Gesamtportfolios (Art. 275a)

Die delegierte Rechtsakte zur IDD sollen u.a. in folgenden Bereichen angepasst werden.

  • Zielmarkt (Art. 4 und 5 DVO 2017/2358): Definierung von konkreten Anhaltspunkten für die Festlegung des Produktdesigns und relevanter Kundengruppen. Bestimmung des Zielmarkts auf einer ausreichend granularen Ebene. Berücksichtigung von Aspekten wie Risikoprofil, Art und Komplexität der Versicherungsprodukte sowie der dazugehörigen Nachhaltigkeitsfaktoren.
  • Produktprüfung (Art. 6 DVO 2017/2358): Produkte müssen den Bedürfnissen, Zielen und Nachhaltigkeitspräferenzen der Kundenzielgruppe während der gesamten Lebensdauer entsprechen. Dabei muss regelmäßig überprüft werden, ob diese Anforderung kontinuierlich erfüllt wird.
  • Interessenkonflikte (Art. 3 DVO 2017/2359): Berücksichtigung des Kundeninteresses bei der Ermittlung möglicher Interessenskonflikte, durch die Vermittlung von versicherungsbasierten Investment Produkten.
  • Kapitalanlage (Art. 9 und 14 DVO 2017/2359): Bei den Anlagezielen sollen zukünftig auch die etwaigen Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden berücksichtigt werden.

Die finale Veröffentlichung ist für das vierte Quartal 2020 geplant. Beide Verordnungen werden 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft treten.

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