ESMA veröffentlicht zweiten Bericht über „Trends, Risiken und Schwachstellen 2020“

Am 2. September 2020 veröffentlichte ESMA ihren zweiten „Report on Trends, Risks and Vulnerabilities“ (TRV). Der Bericht analysiert die Auswirkungen von COVID-19 auf die Finanzmärkte in der ersten Hälfte des Jahres 2020. Dabei wird unter anderem auf das Risiko einer möglichen Entkopplung des Finanzmarkts von der zugrundeliegenden Realwirtschaft hingewiesen.

Marktumfeld

Die COVID-19-Pandemie führte in Kombination mit den bereits in früheren ESMA Bewertungen hervorgehobenen Risiken zu starken Marktveränderungen an den Aktienmärkten, einem Anstieg der Volatilität sowie Liquiditätsrückgängen im ersten Quartal. Dadurch, dass die politischen Reaktionen (u.a. fiskalische, monetäre und regulatorische Maßnahmen) darauf abzielten die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie abzuschwächen, erlebten die Märkte eine bemerkenswerte Erholung im zweiten Quartal.

Ob die Erholung der Aktienmärkte nachhaltig sein wird, hält ESMA derweil für fraglich. Diese hatten zwischenzeitlich, nach ihrem Tiefpunkt Mitte März, fast ihren Stand vor der Pandemie erreicht. Die ESMA stellt in ihrem Bericht eine Entwicklung der Finanzmärkte in drei Stufen fest. Von Mitte Februar bis Ende März sah die Behörde eine Liquiditäts- und Volatilitätsperiode, welche die Märkte einem großen Stress aussetze. Darauf folgte eine Erholungsperiode von Anfang bis Ende April, in der die Märkte sich aufgrund der politischen Maßnahmen leicht erholten. Seit Anfang Mai sei eine Differenzierungsphase eingetreten, in der das Kredit- und Solvabilitätsrisiko im Mittelpunkt steht, da Investoren aufgrund der Verschlechterung der Realwirtschaft stärker zwischen verschiedenen Anlageklassen und Emittenten differenzierten.

Die Widerstandsfähigkeit der Erholung hängt laut Bericht u.a. von den folgenden Faktoren ab:

  • Wirtschaftliche Auswirkungen durch die Pandemie (Auswirkungen auf EU-Unternehmen und Kreditratings, Kreditinstitute, wachsende Verschuldung der Unternehmen sowie der öffentlichen Hand)
  • Mögliche zweite Infektionswelle
  • Zusätzliche externe Ereignisse (z.B. Handelsspannungen zwischen den U.S.A. und China)

Risikoanalyse

Des Weiteren analysiert der Bericht vier spezifische Risiken:

  • Verbriefte Unternehmenskredite (Collateralised Loan Obligations – CLOs): Die ESMA hält fest, dass die Vorteile der Verbriefungen von ihrer Fähigkeit abhängen das Kreditrisiko effektiv zu gestalten und zu begrenzen. Darüber hinaus untersucht der Artikel die Ansätze zur Modellierung des CLO-Kreditrisikos, die von den drei wichtigsten Rating-Agenturen angewandt werden.
  • Verflechtungen und Ansteckungseffekte (Spillover-Effekts) bei europäischen Investmentfonds: Die empirische Analyse ergab Hinweise auf hohe Spillover Effekte, so dass davon auszugehen ist, dass Fonds mit illiquideren Assets tendenziell eher von Schocks betroffen sind als liquidere Fondsvermögen.
  • Auswirkungen der Trennung von Marktforschung und Anlageberatung in der zweiten europäischen Finanzmarktrichtlinie (Markets in Financial Instruments Directive II – MiFID II): ESMA konnte keine nachteiligen Auswirkungen feststellen. Die Einführung von MiFID II hat nicht zu einer geringeren Intensität der Marktforschungsaktivitäten geführt, gleichwohl folgte das weitere Absinken der durch Marktforschung abgedeckten Unternehmen dem langfristigen Trend.
  • Kosten und Anlageperformance von „Closet Index Funds“: Die Paneldatenanalyse von jährlichen Fondsdaten aus dem Zeitraum 2010 bis 2018, ergab eine leicht geringere Rendite bei gleichzeitig geringeren Kosten als bei einem aktiven Fonds.

Am 9. September 2020 wird ESMA ein Webinar abhalten, in dem die Ergebnisse des Berichts präsentiert werden.

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