EIOPA Empfehlungen zur Behandlung anderer Infrastrukturinvestitionen

Am 30. Juni 2016 hat EIOPA ihren finalen Bericht zu Empfehlungen an die EU Kommission zur Behandlung von anderen Infrastrukturinvestitionen unter Solvency II (als solche in Form der Infrastrukturprojektgesellschaften, SPV) veröffentlicht.

Hintergrund 

Mit der am 1. April 2016 im EU-Amtsblatt veröffentlichten Änderungsverordnung (EU) 2016/467 hat die EU Kommission die Änderung hinsichtlich qualifizierter Infrastrukturprojektgesellschaften (Special Purpose Vehicles, SPV) in der DVO 2015/35 umgesetzt (vgl. auch Blog-Beitrag vom 6. April 2016). Darin wird auf einen differenzierten Umgang mit eigen- und fremdkapitalbasierten qualifizierten Infrastrukturinvestitionen eingegangen, bei denen es sich um Investitionen in Infrastrukturprojektgesellschaften handelt. Eine Behandlung von anderen Arten von Infrastrukturinvestitionen (z.B. „Infrastructure corporates“) blieb darin zunächst außen vor.

Im Anschluss daran hat die EU Kommission die EIOPA beauftragt, weitere Infrastrukturinvestitionen genauer zu untersuchen und zu prüfen, ob Erleichterungen der Kapitalanforderungen auch für weitere Investitionsformen, wie Investitionen in Infrastrukturunternehmen („Infrastructure Corporates“) gerechtfertigt sind. EIOPA konsultierte im Zuge dessen vom 15. April bis 16. Mai 2016 weitere technische Empfehlungen hinsichtlich der Identifikation und Kalibrierung von Risikokategorien für andere Arten von Infrastrukturinvestitionen.

Nach abgeschlossener Konsultation empfiehlt EIOPA nun im Wesentlichen die nachfolgend zusammengefassten Änderungen.

1. Anpassung der Kriterien von Infrastrukturinvestments  

EIOPA empfiehlt eine Anpassung der DVO 2015/35 (nach Änderung durch DVO 2016/467) sodass neben qualifizierten Infrastrukturprojekten auch andere Arten von Infrastrukturinvestitionen von der DVO erfasst werden. Danach soll weiter unterschieden werden zwischen:

  • „projekt-artigen“ Infrastrukturinvestitionen („project-like corporates“), die ein ähnliches Risiko aufweisen wie qualifizierte Infrastrukturprojektgesellschaften (in Form eines SPV) und
  • Infrastrukturunternehmen („infrastructure corporates“), die die wesentliche Mehrheit ihres Umsatzes aus dem Besitz, der Finanzierung, der Entwicklung oder dem Betreiben von Infrastrukturanlagen im Europäischen Wirtschaftsraum oder der OECD-Ländern erzielen (z.B. Abwasser, Recycling, Transport etc.).

2. Neue Assetklasse und Kalibrierung innerhalb der Standardformel

Für die Behandlung von „projekt-artigen“ („project-like“) Infrastrukturinvestitionen verweist EIOPA auf die analoge Anwendung der Anforderungen für Infrastrukturprojektgesellschaften (gemäß DVO 2015/35, geändert durch DVO 2016/467).

Hinsichtlich der Investitionen in Infrastrukturunternehmen („infrastructure corporates“) unterscheidet EIOPA in ihrer Analyse zwischen fremdkapitalbasierten und eigenkapitalbasierten Infrastrukturinvestments. Für fremdkapitalbasierte Infrastrukturinvestments sieht EIOPA kein Handlungsbedarf für eine abweichende Behandlung im Spread-Risiko von den bestehenden Regelungen der DVO 2015/35.

Für eigenkapitalbasierte Infrastrukturinvestitionen schlägt EIOPA eine neue Assetklasse und Kapitalanforderung im Aktienrisiko von 36 % vor. Damit werden die Anforderungen der Solvency II-Standardformel für das Aktienrisikomodul von 39 % (Typ 1) bzw. 49 % (Typ 2) vor Berücksichtigung der sog. symmetrischen Anpassung reduziert. Darüber hinaus empfiehlt EIOPA eine Korrelation im Aktienrisikomodul für Typ 1 von 75 % bzw. Typ 2 von 100 %.

3. Anforderungen an das Risikomanagement für Infrastrukturinvestitionen 

Bezüglich der Anforderungen an das Risikomanagement empfiehlt EIOPA andere Infrastrukturinvestitionen („infrastructure corporates“ und „project-like“ corporates) analog zu Infrastrukturprojektgesellschaften zu behandeln. Das bedeutet, dass Versicherungsunternehmen im Vorfeld einer geplanten, qualifizierten Infrastrukturinvestition eine angemessene Due-Diligence-Prüfung durchführen müssen. Bereits getätigte Infrastrukturinvestitionen sind bezüglich ihrer Zahlungsströme sowie ihrer Sicherheiten regelmäßig zu überwachen und geeigneten Stresstests zu unterziehen. Im Rahmen von fremdkapitalbasierten Infrastrukturinvestitionen müssen die Versicherungsunternehmen ihr Asset-Liability-Management derart gestalten, dass sie in der Lage sind die Investition bis zur Fälligkeit zu halten.

Nächste Schritte 

EIOPA hat ihre Empfehlungen an die EU Kommission übermittelt und erwartet den Erlass einer (weiteren) Änderung der DVO 2015/35. Diese und weitere Fragen und Antworten befinden sich auch in den FAQ von EIOPA.

Sofern eine Änderung der DVO 2015/35 verabschiedet werden sollte, ist darüber hinaus ist zu erwarten, dass entsprechende Anpassungen der Berichterstattungspflichten in den technischen Standards (ITS)  bzw. für die quantitative und narrative Berichterstattung folgen werden, wie dies bereits für qualifizierte Infrastrukturinvestitionen im Juni 2016 erfolgte (vgl. Blog-Beitrag vom 13. Juni 2016).

 

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