ESRB veröffentlicht Bericht über die makroprudenzielle Politik im Versicherungssektor

Im Rahmen des Solvency II-Reviews hat der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) am 26. Februar 2020 einen Bericht über die makroprudenzielle Politik für den Versicherungssektor veröffentlicht.

Ziel des Berichts ist es, die aktuelle Diskussion über die Revision von Solvency II aufzugreifen und ein Toolkit zur Integration in die Solvency-II-Richtlinie vorzuschlagen, das den makroprudenziellen Aspekt von Solvency II stärken soll. Die genannten Instrumente sind eine Spezifizierung der umfassenden Instrumente, die in einem früheren ESRB-Bericht identifiziert wurden, und konzentrieren sich auf die Arten von Risiken, die nicht in jedem Fall spezifisch für den Versicherungssektor sind. Die Instrumente spiegeln jedoch das Risikoprofil und das Geschäftsmodell von Versicherern und Rückversicherern wider.

Im Einklang mit der Strategie zur Ausweitung der makroprudentiellen Politik über das Bankwesen hinaus ist der ESRB der Ansicht, dass prozyklisches Verhalten im Versicherungssektor zum systemischen Risiko beitragen kann. Der Bericht betrachtet drei Arten von Instrumenten, die vorgeschlagen werden, um mit systemischen Risiken im Versicherungssektor umzugehen:

  • Solvenzinstrumente zur Verhinderung und Eindämmung von prozyklischem Investitionsverhalten der Versicherer:

Um auch bei steigenden Preisen für festverzinsliche Anlagen eine Widerstandsfähigkeit aufbauen zu können, sollte die Volatilitätsanpassung überprüft und ggf. symmetrisch angepasst werden. Die Volatilitätsanpassung zielt darauf ab, das prozyklische Investitionsverhalten in Bezug auf die Portfolios von (Rück-)Versicherern mit festverzinslichen Wertpapieren zu reduzieren. Eine symmetrische Volatilitätsanpassung kann ebenfalls prozyklischem Investitionsverhalten in allen Phasen des Finanzzyklus entgegenwirken. Die symmetrische Anpassung für das Aktienrisiko zielt darauf ab, das prozyklische Investitionsverhalten zu mildern, indem die Solvenzkapitalanforderung (SCR) für das Aktienrisiko bei steigenden (sinkenden) Aktienmärkten erhöht (gesenkt) wird. Die Anpassung des Volatilitätsadjustments wurde seitens EIOPA im Konsultationspapier für den Review 2020 bereits aufgegriffen.

  • Liquiditätsinstrumente zur Bewältigung der Risiken auf der Aktiv- und Passivseite:

Im Gegensatz zu Banken, die als Teil ihres Geschäftsmodells eine Liquiditätstransformation betreiben, erhalten (Rück-)Versicherer Prämien im Voraus und zahlen Forderungen aus, wenn diese entstehen. Dieser „umgekehrte Produktionszyklus“ schirmt den Versicherungssektor in der Regel vom Liquiditätsrisiko ab. Abhängig von den Aktivitäten der einzelnen (Rück-)Versicherer kann in einigen Fällen dennoch ein Liquiditätsrisiko entstehen. Ein verbessertes Solvency-II-Berichtswesen auf jährlicher, halbjährlicher oder vierteljährlicher Basis in Abhängigkeit von der Anfälligkeit des Liquiditätsrisikoprofils würde den Behörden eine Messung des Risikos ermöglichen. Die Bestimmungen zum Management des Liquiditätsrisikos sollten ebenfalls verstärkt werden, insbesondere indem anfällige (Rück-)Versicherer verpflichtet werden, interne Stresstests durchzuführen. Die Auswirkungen des Liquiditätsrisikos auf die Finanzstabilität sollten auch durch aufsichtsrechtliche Stresstests bewertet werden. Die Aufsichtsbehörden sollten durch neue Bestimmungen der Säule 2 die Befugnis erhalten, von Versicherern mit einem anfälligen Liquiditätsprofil zu verlangen, einen Liquiditätspuffer zu halten.

  • Horizontale Instrumente, die Risiken aus der direkten und indirekten Kreditvergabe an die Wirtschaft angehen:

In einigen Mitgliedstaaten haben (Rück-)Versicherer eine lange Tradition bei der Vergabe von Hypothekarkrediten an private Haushalte. Kapitalbasierte Instrumente, die auf (sub-)sektorale Engagements abzielen, würden die Behandlung von Kreditrisiken unter Solvency II ergänzen und Inkonsistenzen zwischen dem Versicherungs- und dem Bankenrahmen korrigieren. Für Hypothekenkredite an Wohngebäude schlägt der Bericht die Festlegung einer Untergrenze für die Verlustquote bei Ausfall vor, die von den Behörden aus Gründen der Finanzstabilität geändert werden könnte. Für andere Kredite und für Unternehmensanleihen sollten die Behörden die Möglichkeit haben, einen (sub-)sektoralen systemischen Risikopuffer vorzuschreiben.

 Diese Vorschläge wurden in der Antwort des ESRB auf die EIOPA-Konsultation zur Überprüfung von Solvency II zusammengefasst, die der ESRB im Januar 2020 vorgelegt hat. Die Antwort konzentriert sich auf drei Bereiche, die der ESRB in Bezug auf ihre systemischen Auswirkungen für am relevantesten hält.

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