EU – U.S. Insurance Dialogue Project – Big Data in der Versicherungsbranche

Das „EU – US Insurance Dialogue Project“ hat im November 2018 die Ergebnisse seiner diesjährigen Arbeit veröffentlicht (siehe Blog-Beitrag vom 6. November 2018). Eine Arbeitsgruppe des Projekts hat sich verstärkt dem Thema Big Data zugewandt und einen entsprechenden Bericht (Big Data Issue Paper) vorgelegt. 

Im Fokus der Big Data-Arbeitsgruppe stehen die Beziehungen zwischen Innovation, Technologie und Versicherung – insbesondere durch den zunehmenden Einsatz fortschrittlicher Datenanalysen im Versicherungssektor. Der Einsatz neuer Technologien und großer Datensätze kann im Preis- und Zeichnungsprozess viele Vorteile – sowohl für Versicherer, als auch Kunden – mit sich bringen. Diese sind z. B. eine detailliertere Segmentierung der Risiken (und dadurch auch risikoadäquate Preise), verbesserte Objektivität im versicherungstechnischen Prozess und Reduzierung der allgemeinen Kosten für die Zeichnung. Dem gegenüber stehen aber Bedenken, dass die Verwendung neuer Technologien und großer Datensätze z. B. zu unrechtmäßigen Preisdiskriminierungen, oder zu starken Vertrauen an Drittanbieter führen kann.

In der EU wurde eine Reihe von Initiativen ergriffen, um die Verwendung von Big Data und die möglichen Auswirkungen auf die Finanzindustrie, Verbraucher und Aufsichtsbehörden zu überprüfen. Hierzu wurde von den europäischen Aufsichtsbehörden im Februar 2018 ein Bericht mit den wichtigsten Feststellungen veröffentlicht (Final Report on Big Data).

Die Kerninhalte des Berichts sind:

  • Nutzen und Risiken von Big Data bewerten
  • Verbrauchersensibilisierung für die geltenden Gesetzgebungen im Finanzbereich
  • Sensibilisierung der Finanzinstitute für ihre Verpflichtungen und Förderung von bewährten Verfahren im Bereich Big Data

Ebenfalls im Jahr 2018 rief die EIOPA die multidisziplinäre Arbeitsgruppe InsurTech ins Leben. Diese befasst sich mit der Datensammlung durch Versicherungsunternehmen und –vermittler, um emprische Nachweise über die Auswirkungen von Big Data zu erhalten.

Durch die neu in Kraft getretene Datenschutz-Grundverordnung, DSGVO, werden kundenbezogene Daten weiter geschützt. So können Verbraucher die Löschung ihrer Daten beantragen, die Daten anfordern und einsehen, aber auch die Übermittlung ihrer personenbezogenen Daten zu einem anderen Anbieter beauftragen. Zusätzlich zu der DSGVO sehen auch die Solvency II-Vorschriften der Rahmenrichtlinie 2009/138/EU bereits für Versicherungen in Europa eine Reihe von Bestimmungen vor.

In den USA diskutiert die Arbeitsgruppe Big Data der NAIC (National Association of Insurance Commissioners) über Marktaktivitäten im Zusammenhang mit der Verwendung von Big Data. Ziel ist es ein klares Verständnis darüber zu erlangen, welche Daten erhoben werden, wie sie erhoben werden und wie Versicherer diese Daten in Bezug auf Marketing, Rating und Vertragszeichnung verwenden. Weiter hat die NAIC die Verordnung zum Schutz der Privatsphäre von Verbrauchern in Bezug auf Finanz- und Gesundheitsinformationen übernommen. Diese ist ähnlich der deutschen DSGVO.

Zusammenfassend sieht die Big Data Arbeitsgruppe auf der einen Seite die Vorteile für Versicherer, durch die Verwendung von Big Data, auf der anderen Seite stellt die Arbeitsgruppe aber auch den Schutz der Verbraucher in den Mittelpunkt. Mit einem soliden Regulierungsstandard, der sowohl für die Versicherungsbranche, als auch für die Verbraucher fest verankert ist, werden die Aufsichtsbehörden in den USA und der EU weiterhin bestehende Standards anwenden. Außerdem werden sie die Nutzung von Big Data in der Versicherungsbranche überwachen und die Erwartungen der Verbraucher ermitteln und verstehen. So kann die Arbeitsgruppe entscheiden, ob sich regulatorische Standards und Praktiken ändern müssen.

Für 2019 wird die Big Data-Arbeitsgruppe folgende Aspekte genauer beobachten:

  • Weitere Erkundung von Problemen mit Drittanbietern
  • Offenlegung gegenüber Antragstellern und Versicherungsnehmern
  • Verwendung von Modellen Künstlicher Intelligenz durch Versicherer

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