EU – U.S. Insurance Dialogue Project – Der Cyber-Versicherungsmarkt

Das „EU – US Insurance Dialogue Project“ hat im November 2018 die Ergebnisse seiner diesjährigen Arbeit veröffentlicht (siehe Blog-Beitrag vom 6. November 2018). Eines der wesentlichen Arbeitsthemen des EU – U.S. Insurance Dialogue Projects war der Markt für Cyber-Risiken. Um diesen genauer zu verstehen, werden im Folgenden mögliche Deckungsarten für Cyberrisiken sowie Risiken im Underwriting und in der Kalkulation von Cyberrisiken betrachtet.

Das Cyberrisiko ist nicht gänzlich neu, da es die erste Cyber-Police bereits vor über zwanzig Jahren gab. Viele Produkte wie z.B. die Deckung im Bereich Schaden-und Unfallversicherung sind hingegen erst kürzlich auf dem Markt erschienen. Für das Risiko „Cyber“ gibt es verschiedene Definitionen. Im Wesentlichen fallen darunter die Verluste, die durch nicht-böswillige und böswillige Angriffe auf gespeicherte oder übertragene elektronische Daten entstehen.

Zur Deckung dieser Verluste, gibt es verschiedene Cyber-Deckungskonzepte, welche in drei Kategorien einzuteilen sind:

  • Stand Alone Cyberdeckung
  • Cyberdeckung in einem Versicherungsbündel
  • Non Affirmative Cyberdeckung

Bei Stand Alone Cyberversicherungen handelt es sich um Konzepte, die vollständig auf Cyberrisiken ausgelegt sind und speziell für diese entwickelt wurden. Dadurch existiert eine große Vielfalt an Varianten. Ein Versicherungsbündel in dem eine Cyberdeckung enthalten ist, baut hingegen auf einer traditionellen Versicherung wie z.B. einer Immobilien-Versicherung auf. Die Deckung des Cyber Risikos stellt daher nicht den Hauptaspekt der Versicherung dar, sondern ist eine Deckungserweiterung. Bei einem Non-Affirmative Vertrag ist das Cyberrisiko weder explizit ein- noch ausgeschlossen. Stattdessen sind Schäden aus Cyberrisiken teilweise implizit Bestandteil von traditionellen Versicherungen.

Zusätzlich zu den genannten Deckungen bieten viele Versicherer in der EU und in den USA zusätzliche Cyber-Services an, dazu gehören u.a. Programme zur Vermeidung von Internetkriminalität oder zur Verminderung von Cyberrisiken in Unternehmen und für Privatpersonen.

Der Markt für Cyber-Deckungen vergrößert sich zunehmend. Das Prämienvolumen ist von 2016 auf 2017 um etwa die Hälfte gestiegen, von 3 Milliarden auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Der Großteil des Marktes befindet sich dabei in Amerika, nur ca. 9% des Prämienvolumens wurde in der EU gezeichnet. Das Bewusstsein für Cyberrisiken nimmt in der EU und in Amerika stetig zu, daher wird angenommen, dass das Prämienvolumen bis 2020 auf 10 Milliarden US-Dollar steigen wird während der europäische Anteil am Markt wachsen wird.

Trotz des wachsenden Cybermarktes gestaltet sich die Kalkulation und somit das Underwriting von Cyberrisiken bisher schwierig. Dies ist zurückzuführen auf die Komplexität des Risikos „Cyber“, den Mangel an Daten und Katastrophenmodellen sowie der Natur des Risikos selbst. Es gibt für Cyberrisiken bisher noch keine einheitlich etablierten Versicherungsbedingungen – Die Deckung von Systemabstürzen ist beispielsweise stark nachgefragt, die Kalkulation bisher jedoch sehr schwierig. Es besteht daher die Gefahr von Unterreservierungen und zu günstigen Prämien.

Für 2019 plant das EU – US Insurance Projekt weitere Diskussionen mit Schwerpunkten zum Assessment von „non-affirmative“ Cyberrisiken und deren Potential für Verluste, Herausforderungen der Rückversicherung von Cyberrisiken sowie die Verfügbarkeit von Daten zu Cyberversicherung und der Nutzung von Erkenntnissen aus dem US Versicherungsmarkt.

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