Auslegungsentscheidung zu Anforderungen zur Bewertung von Kapitalmarktmodellen

Die BaFin hat am 10. November 2016 eine Auslegungsentscheidung zu Anforderungen an Kapitalmarktmodelle, die im Rahmen der Ermittlung des besten Schätzwertes der versicherungstechnischen Rückstellungen zur Projektion von Zahlungsströmen genutzt werden, veröffentlicht. Die Auslegungsentscheidung reflektiert in diesem Zusammenhang insbesondere Anforderungen an die Wahl der verwendeten Kapitalmarktmodelle und die Kalibrierung der zugrundeliegenden Modelle sowie die Prüfung der Angemessenheit der Kapitalmarktmodelle und der erzeugten Kapitalmarktszenarien.

Die Bewertung der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten folgt unter Solvency II einem marktwertorientierten Ansatz. Da für versicherungstechnische Rückstellungen in der Regel jedoch keine Preise an einem aktiven Markt abgelesen werden können, wird deren Wert als Summe aus dem besten Schätzwert und der Risikomarge ermittelt. Für die Ermittlung des besten Schätzwerts werden die mit den Versicherungsverträgen verbundenen Zahlungsströme in die Zukunft projiziert und unter Berücksichtigung des Zeitwertes des Geldes unter Verwendung der maßgeblichen risikofreien Zinskurve bewertet.

In Bezug auf die dabei betrachteten zukünftigen Zahlungsströme ist vor allem für fonds- und indexgebundene Versicherungsverträge und solche, die den Versicherungsnehmer an der Kapitalmarktentwicklung beteiligen oder Zinsgarantien beinhalten, die zukünftige Entwicklung der Kapitalmärkte und deren Antizipation von Relevanz. Die Projektionen in den Kapitalmarktmodellen beruhen in der Regel auf einer Monte-Carlo Simulation stochastischer Kapitalmarktszenarien. Hierfür werden üblicherweise sogenannte ökonomische Szenariogeneratoren (Ecomomic Scenario Generator – ESG) verwendet, für die mit der vorliegenden Auslegungsentscheidung die von der BaFin erwarteten Anforderungen reflektiert werden.

Anforderungen an Kapitalmarktmodelle

Spezifische Anforderungen an Kapitalmarktmodelle ergeben sich insbesondere aus Artikel 22 Absatz 3 der Delegierten Verordnung. Demnach müssen diese Modelle angemessen und mit der marktnahen Bewertung gemäß Artikel 75 der Solvency II-Rahmenrichtlinie in Einklang stehen. Dies bedeutet zum einen, dass für die Kalibrierung des Kapitalmarktmodells angemessene Referenzinstrumente heranzuziehen sind und die hierfür ermittelten Preise mit den an den Finanzmärkten beobachtbaren Preisen im Einklang stehen müssen. In diesem Rahmen werden unter anderem folgende Anforderungen definiert:

Auswahl der Referenzinstrumente:

  • Nachweis der unternehmensindividuellen Angemessenheit
  • Begründung der Auswahl der Referenzinstrumente (typischerweise Swaption-Kontrakte)
  • Berücksichtigung der Merkmale der versicherungstechnischen Rückstellungen (insbesondere Laufzeit sowie Höhe und Art von Optionen & Garantien) bei Wahl der Swaptions

Kalibrierung und weitere Anforderungen an Kapitalmarktmodelle:

  • Kalibrierung anhand aktueller Marktpreise
  • Berücksichtigung der Beschaffenheit des Kapitalanlagebestandes
  • Nachweis der Arbitragefreiheit
  • Parametrisierung des Zinsmodells im Einklang mit der maßgeblichen risikofreien Zinskurve
  • Begründung der Vorgehensweise zur Kalibrierung

Überprüfung der Angemessenheit:

  • Nachweis der Angemessenheit des Kapitalmarktmodells und der erzeugten Szenarien (u.a. in Bezug auf Anzahl der Szenarien, Stabilität der Berechnungsergebnisse gegenüber Parameteränderungen)
  • Sensitivitätsanalysen

 

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