BaFin-Verlautbarung zu Themenblock 10 „Beurteilung der kontinuierlichen Einhaltung der gesetzlichen Kapitalanforderungen und der Anforderungen an die versicherungstechnischen Rückstellungen“

Am 10. Dezember 2014 (zuletzt geändert am 15. Dezember 2014) hat die BaFin im Rahmen der Dialog- und Verlautbarungsphase zur Vorbereitung auf Solvency II die angekündigte Verlautbarung des Themenblocks 10 „Beurteilung der kontinuierlichen Einhaltung der gesetzlichen Kapitalanforderungen und der Anforderungen an die versicherungstechnischen Rückstellungen“ veröffentlicht.

Die Unternehmen sind ab 1. Januar 2016 verpflichtet, nicht nur tatsächliche, sondern auch voraussichtliche Unterschreitungen der Solvabilitätskapitalanforderungen (SCR) und Mindestkapitalanforderung (MCR) bei der Aufsichtsbehörde anzuzeigen. Außerdem ist die Beurteilung der gesetzlichen Kapitalanforderungen und der Anforderungen an die versicherungstechnischen Rückstellungen so durchzuführen, als müssten die Anforderungen bereits aktuell eingehalten werden.

Die nachstehend zusammengefassten Aspekte beschreiben die mit dem SCR und MCR in Zusammenhang stehenden Anforderungen sowie die daraus resultierenden Maßnahmen, die von den Unternehmen als Folge der Beurteilung des ORSA getroffen werden müssen:

Beurteilung der jederzeitigen Einhaltung der gesetzlichen Kapitalanforderungen

 

Um einer Unterschreitung des SCR und MCR entgegenzuwirken, sollen Projektionen für mehrere Jahre in die Zukunft dazu beitragen, durch ausreichende Planung und rechtzeitige Umsetzung das Risikoprofil zu senken oder zusätzliche anrechnungsfähige Eigenmittel bereitzustellen. Folgende Aspekte sind zu betrachten:

Beurteilung:

  • Projektion der Kapitalanforderungen SCR und MCR sowie der Eigenmittel.
  • Notfallplanung: Maßnahmen zur Schließung von Bedeckungslücken in Stresssituationen.

Zukunftsperspektive:

  • Zukunftsperspektive entspricht mindestens dem geschäftlichen Planungszeitraum.
  • Ausreichende Stresstests, Szenarioanalysen und Reverse-Stresstests.

Eigenmittel:

  • Überlegungen zur Zusammensetzung aus Basiseigenmitteln und ergänzenden Eigenmitteln.
  • Überlegungen zur Aufnahme von Eigenmitteln ausreichender Qualität.
Beurteilung der jederzeitigen Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen an die versicherungstechnischen Rückstellungen Für eine nachhaltige Beurteilung der jederzeitigen Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen sind nachstehende Aspekte zu beachten:

  • Bezug zum Bericht der versicherungsmathematischen Funktion.
  • Konsistenz zu der Risikobeurteilung durch die versicherungsmathematische Funktion.
  • Konsistenz zw. interner und externer Berichterstattung.

Rolle des Vorstands

 

Der Vorstand hat sich ein detailliertes Verständnis zu verschaffen über

  • zukünftigen Kapitalbedarf und der Entwicklung der Eigenmittel sowie
  • ein Risikoverständnis der mit der Berechnung der Rückstellungen verbundenen Risiken.
Verknüpfung des strategischen Managementprozess und den unternehmensinternen Entscheidungsfindungsprozessen Sicherstellung einer

  • Berücksichtigung der (strategischen) Planung im ORSA sowie
  • Berücksichtigung des ORSA in der (strategischen) Planung.
Dokumentation
  • Dokumentation des Prozesses hinsichtlich Durchführung, Ergebnisse und Schlussfolgerungen (keine automatische Veröffentlichung).
  • Ansatz einer örtlichen Prüfung durch die Aufsichtsbehörde jederzeit möglich.
Berichterstattung gegenüber der Aufsichtsbehörde In der Berichterstattung zum FLAOR/ORSA sind die nachstehenden Aspekte aufzunehmen:

  • Darstellung der verwendeten Methoden,
  • Ergebnisse der Beurteilung,
  • Darstellung der Zukunftsperspektive pro Jahr (entgegen der Beurteilung des Gesamtsolvabilitätsbedarfs „en bloc“),
  • Erkenntnis über den Einfluss der aus dem FLAOR/ORSA gewonnen Ergebnisse und Erkenntnisse auf Kapitalmanagement, Planung und Konzeption neuer Produkte,
  • Stellungnahme zu den erwarteten Entwicklungen im Umfeld des Unternehmens,
  • Ständige Bedeckung des SCR.
Gruppenaspekte Auf Gruppenebene sind zusätzlich die folgenden Punkte zu beachten:

  • Dokumentation des Umgangs mit auf Gruppenebene relevanten Faktoren.
  • Berichterstattung gegenüber der Aufsicht insbesondere hinsichtlich Herkunft der Eigenmittel innerhalb der Gruppe sowie der Verfügbarkeit, Transferierbarkeit oder Fungibilität der Eigenmittel entgegenstehende Umstände.
  • Ausführungen zu Drittstaatenäquivalenz.

 

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