BaFin veröffentlicht Erläuterungen zur Anwendung von Solvabilität-II-Bestimmungen der Säule 1 in der Vorbereitungsphase

Am 8. April 2015 veröffentlichte die BaFin eine Aktualisierung Ihrer bereits am 30. Juni 2014 herausgegebenen Fassung zur Anwendung von SII-Bestimmungen der Säule I in der Vorbereitungsphase.

Die Erläuterungen richten sich an alle inländischen Versicherungsunternehmen sowie Versicherungsgruppen, die ab 1. Januar 2016 unter die Anwendung der SII-RL fallen. Die Geltungsdauer der Erläuterungen ist auf die Dauer der Vorbereitungsphase beschränkt.

Neben Anpassungen von Verweisen auf die neue VAG-Novelle und die delegierte Verordnung (Level 2) greift die BaFin insbesondere folgende Themen auf, zu denen sie inhaltliche Klarstellungen und Ergänzungen liefert.

Berechnung des NatCAT-Risikos für die Auto-Kaskoversicherung (Art. 123, 124 Level 2)

  • Zuordnung des Bereichs Auto-Kaskoversicherung zu Naturgefahren und Überschwemmungen
  • Hinweis für die Ermittlung der Versicherungssumme

Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen

Den betroffenen Unternehmen liefert der Abschnitt Erläuterungen zu folgenden speziellen Fragestellungen im Zuge der Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen:

  • Wechselwirkungen zwischen Überschussbeteiligung und Neugeschäft, u.a.:
    • Auswirkungen aus Abschlusskostenvorfinanzierung
    • Auswirkungen auf die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Kapitalanlageerträgen sowie den Risikoergebnissen
    • Wechselwirkungen zwischen RfB und zukünftigem Neugeschäft
  • Für den Bereich der Lebensversicherung und der UPR Bestimmung des Referenzzinses für die Zinszusatzreserve im Rahmen einer Projektion sowie Auswirkungen des Zinsschock-Szenarios auf diese im Rahmen der SCR-Berechnung
  • Kriterien für die Unterteilung der Versicherungsverpflichtungen nach „Life“ und „Non-Life“ im Rahmen der Segmentierung nach Geschäftsbereichen
  • Zuordnung von Verpflichtungen aus Verträgen der Berufsunfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits-, Arbeitsunfähigkeits- sowie Pflegerentenversicherung zum Geschäftsbereich 29 sowie Hinweis zur Entbündelung im Falle von Zusatzversicherungen

Überschussfonds

Die BaFin stellt klar, dass der eigenmittelfähige Überschussfonds (Art. 91 Abs. 2 SII-RL, § 93 Abs.1 VAG-E) dem Teil der zum Bewertungsstichtag vorhandenen handelsrechtlichen RfB entspricht, der zum Verlustausgleich herangezogen werden darf und nicht auf festgelegte Überschussanteile entfällt.

Darüber hinaus finden sich Erläuterungen einschließlich eines Berechnungsbeispiels dazu, wie der Überschussfonds bei der Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen im Rahmen des § 84 VAG-E sowie der Berechnung der Kapitalanforderungen zu berücksichtigen und in der Solvabilitätsbilanz auszuweisen ist.

Erläuterungen zur Anwendung der Übergangsmaßnahmen

Die Erläuterungen beziehen sich auf die Übergangsmaßnahmen nach § 351 (für risikofreie Zinssätze) und § 352 (für versicherungstechnische Rückstellungen) VAG-E (vgl. Blog-Artikel vom 24. März 2015).

Hinsichtlich der Übergangsmaßnahme für die risikofreien Zinssätze (§ 351 VAG-E) stellt die BaFin eine konkrete Berechnungsmethode vor und nimmt Stellung zu folgenden Fragestellungen:

  • Berücksichtigung des Referenzzinssatzes für die Berechnung der  Zinszusatzreserve bei der Bestimmung des in § 351 Abs. 2 Buchstabe 1 VAG-E genannten Zinssatzes
  • Anforderung an die Annahmen über zukünftige Erträge der Kapitalanlagen
  • Verwendung der Basis-Zinskurve sowie des Kapitalkostensatzes von 6% bei der Kalkulation der Risikomarge
  • Bestimmung des Zinsänderungsrisikos im Zins-SCR anhand Schock der Basis-Zinskurve
  • Berücksichtigung der Wirkung der Übergangsmaßnahme bei der Bestimmung latenter Steuern

Mit Blick auf die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen (§ 352 VAG-E) gibt die BaFin eine konkrete Berechnungsmethode vor und erläutert darüber hinaus folgende Anforderungen:

  • Berücksichtigung der Zinszusatzreserve bei der Bestimmung der versicherungstechnischen Rückstellungen nach SoIvabilität I (SI)
  • Möglichkeit der Anwendung auf Teilbestände unter Beachtung der möglichen Begrenzung des Abzugsbetrags durch die Aufsicht
  • Berücksichtigung der Wirkung der Übergangsmaßnahme bei der Bestimmung latenter Steuern

Methodenwahl und -anwendung für Gruppen mit horizontalen Verbindungen (VVaG und Gleichordnungskonzernen)

Die BaFin definiert zum einen Gruppen mit horizontalen Verbindungen und gibt Hinweise zu den Möglichkeiten und Anforderungen für die betroffenen Unternehmen in Bezug auf die Berechnung der Gruppensolvabilität und Erläuterungen der möglichen Methoden der Berechnung und der Anwendung auf Teilgruppen.

Behandlung der Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Hinsichtlich der Behandlung von Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr stellt die BaFin klar, dass eine Entbündelung von Unfall- und Lebensversicherungskomponenten bei der Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr erforderlich ist. Zudem ist eine Erläuterungen zur natürlichen Identifikation der Teilkomponenten, zur Aufteilung dieser auf entsprechende SCR-Module sowie zur Behandlung der Überschussbeteiligung erforderlich.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */