EIOPA veröffentlicht Abschlussbericht des Stresstests 2014

Am 30. November 2014 veröffentlichte EIOPA den Abschlussbericht mit Ergebnissen zum Stresstest 2014. Ziel des EIOPA-Stresstests war es, die Auswirkungen von unterschiedlichen Stressszenarien (gebündelt in zwei Modulen) auf die Eigenmittelausstattung europäischer Versicherungsunternehmen zu testen sowie die Methoden zur Berechnung von Solvency Capital Requirement (SCR) und regulatorischen Eigenmitteln nach Solvency II weiter zu erproben. Stichtag für diese Berechnungen ist der 31.12.2013.

Für die deutschen Lebensversicherer war der EIOPA-Stresstest nach der von der BaFin durchgeführten „Vollerhebung Leben“ bereits die zweite Proberechnung innerhalb kurzer Zeit.

Der EIOPA-Stresstest besteht im Wesentlichen aus zwei Modulen (Kernmodul und Modul Niedrigzinsumfeld) mit jeweils einem Basisszenario sowie zwei Stressszenarien.

1. Kernmodul

Das Kernmodul basiert auf einer Datenbasis von insgesamt 167 Versicherungsgruppen und Einzelgesellschaften. Zusammen repräsentieren diese, gemessen an den Brutto-Beitragseinnahmen, 55% des EU-Gesamtmarktes. Im Folgenden werden die drei Szenarien des Kernmoduls beschrieben und anschließend die Ergebnisse in einer Tabelle zusammengefasst.

a. Basisszenario, „ohne jegliche Stresse“:

Dies ist das Ausgangsszenario im Kernmodul ohne jegliche Stresse.

b. Stressszenario 1, „Einbruch der europäischen Aktienmärkte“:

Das erste Stressszenario besteht aus einer Kombination aus:

  • Fallenden Immobilienpreisen,
  • einer Ausweitung der Spreads sowohl für Unternehmensanleihen im Non-Investment-Grade Bereich als auch für Staatsanleihen (hauptsächlich für Peripherie Länder),
  • sinkenden Zinsen über die gesamte Zinsstrukturkurve,
  • einem negativen Schock der europäischen Aktienmärkte um 41%.

c. Stressszenario 2, „Turbulenzen an den Märkten für Unternehmensanleihen“:

Im zweiten Stressszenario liegt der Schwerpunkt des Schocks auf den Märkten für Unternehmensanleihen, beeinflusst aber auch die Märkte für Staatsanleihen und Anleihen von Banken. Das Szenario besteht aus einer Kombination von:

  • Einer inversen Zinsstrukturkurve[1],
  • einem negativen Aktienschock von 21%,
  • einer Ausweitung der Spreads sowohl für Unternehmensanleihen im Investment-Grade Bereich als auch für Staatsanleihen (hauptsächlich einige nord- und osteuropäische Länder),
  • fallenden Immobilienpreisen.

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der zuvor beschriebenen Szenarien im Kernmodul des EIOPA-Stresstests zusammen:

Ergebnisse Kernmodul

 

Versicherungsunternehmen die SCR erfüllen (in %)
Gesamt Top 30 VU Kleine und mittelgroße VU
Basisszenario: „ohne jegliche Stresse“ 86 96 84
Stressszenario 1: „Einbruch der europäischen Aktienmärkte“ 56 69 53
Stressszenario 2: „Turbulenzen an den Märkten für Unternehmensanleihen“ 73 85 70

Insgesamt lässt sich feststellen, dass das Stressszenario 1 eine negativere Auswirkung auf die Eigenmittelausstattung der europäischen Versicherer hat als Stressszenario 2 und, dass große Versicherer über alle Szenarien hinweg besser aufgestellt sind als kleine und mittelgroße Versicherer.

 

2. Modul Niedrigzinsumfeld

Das zweite Modul basiert auf einer Datenbasis von 225 Einzel-Versicherungsunternehmen, welche zusammen 60% aller versicherungstechnischen Rückstellungen in der EU bilden. Auch hier werden wieder verschiedene Szenarien simuliert:

a. Basisszenario, „ohne jegliche Stresse“:

Dies ist das Ausgangsszenario im Modul Niedrigzinsumfeld ohne jegliche Stresse.

b. Stressszenario 1, „Japanszenario“:

In diesem Szenario wird eine lang anhaltende Niedrigzinsphase („japanische Verhältnisse“) simuliert.

c. Stressszenario 2, „inverses Stressszenario“:

Hier wird eine atypische Änderung der Zinskurve simuliert, mit einem Anstieg der Zinsen für kurze Laufzeiten bei gleichzeitigem Absinken der Zinsen bei mittleren und langen Laufzeiten.

Die Ergebnisse der beschriebenen Szenarien im Modul Niedrigzinsumfeld des EIOPA-Stresstests werden in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst:

Ergebnisse Modul Niedrigzinsumfeld

 

Versicherungsunternehmen die SCR erfüllen (in %)
Basisszenario: „ohne jegliche Stresse“ 84
Stressszenario 1: „Japanszenario“ 76
Stressszenario 2: „inverses Stressszenario“ 80

Aufgrund der von deutschen Lebensversicherern vergebenen langfristigen Garantien wirkt sich das Japanszenario besonders ungünstig auf die Situation der deutschen Versicherungsindustrie aus. Die Solvenzquote, also der Quotient aus verfügbaren Eigenmitteln und SCR, sinkt im Japanszenario um fast 50% verglichen mit dem Basisszenario, allerdings auf einen immer noch recht hohen Wert von etwa 180%.

 

Trotz der überwiegend positiven Ergebnisse verbleibt die große Herausforderung für die Versicherer im Falle einer andauernden Niedrigzinsphase auch künftig die Solvenzkapitalanforderungen erfüllen zu können. Der EIOPA-Stresstest sowie auch die BaFin Vollerhebung zu Solvency II dienten jeweils als Übung in einem Zinsumfeld Ende 2013. Seither hat sich das Zinsumfeld weiter verschlechtert, so dass damit zu rechnen ist, dass die Ergebnisse insgesamt zum Ende des Jahres 2014 tendenziell schlechter aussehen. Umso wichtiger ist es, weiterhin interne Szenariorechnungen durchzuführen und eine entsprechende Berücksichtigung im ORSA abzubilden, um rechtzeitig entsprechende Schlüsse ziehen zu können und (Gegen-)Steuerungsmaßnahmen zu ergreifen.

[1] Ausgegangen von einer „normalen“ Zinsstrukturkurve (ZSK), in der für Anleihen mit längeren Laufzeiten auch höhere Zinsen gezahlt werden müssen, ist bei einer inversen ZSK das Gegenteil der Fall. Ab Laufzeiten von über 7 Jahren dreht sich in dem vorliegenden Szenario die angenommene ZSK jedoch wieder und der „inverse Effekt“ mildert ab.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */