EIOPA veröffentlicht Stellungnahme zur Anwendung des Proportionalitätsprinzips bei Aufsicht von Solvenzkapitalanforderungen

Am 11. April 2019 veröffentlichte EIOPA eine Stellungnahme zur Anwendung des Proportionalitätsprinzips bei der Aufsicht der Solvenzkapitalanforderungen (SCR), die nach der Standardformel berechnet werden. Hintergrund ist, dass EIOPA mögliche Abweichungen identifiziert hat, die im Zusammenhang mit der Aufsicht der Berechnung von immateriellen SCR-Submodulen entstehen.

Durch unterschiedliche Ansätze entsteht eine Arbitrage zwischen den Aufsichtsrechtlichen Anforderungen an (Rück-) Versicherungsunternehmen. Aus diesem Grund betont EIOPA, dass eine konsistente Implementierung des Proportionalitätsprinzips maßgeblich ist, um eine Konsistenz in den Aufsichtspraktiken bei der Überwachung des SCRs sicherzustellen. Um eine konsistente Anwendung des Proportionalitätsprinzips zu gewährleisten, hat EIOPA fünf Bereiche identifiziert, die bei der Aufsicht berücksichtigt werden sollten:

  • Proportionaler Ansatz
    Aufsichtsbehörden können grundsätzlich (Rück-) Versicherungsunternehmen gestatten einen proportionalen Ansatz für die Ermittlung von immateriellen SCR Submodulen im Rahmen der SCR Berechnung zu implementieren. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass das Unternehmen in der Lage ist der Aufsichtsbehörde bestimmte Informationen (wie beispielsweise Art und Komplexität des Risikos oder Konsistenz mit dem zukünftigen Business-Model und Strategie) bereitzustellen.
  • Konservative Berechnung
    Für solche immateriellen SCR Submodule müssen die Inputparameter konservativ geschätzt werden. Dies führt konsequenterweise zu einem konservativen Gesamtergebnis.
  • Risikomanagementsystem und ORSA
    Unter Berücksichtigung jeglicher möglichen Entwicklungen, muss eine angemessene Überwachung der Risiken sichergestellt werden. Hierfür sollten Frühwarnindikatoren durch die Unternehmen definiert und im Rahmen des ORSA Prozesses etabliert werden.
  • ORSA, RSR und SFCR
    Informationen zum Risikomanagementsystem sollten Teil des ORSA Reports sein. Darüber hinaus sollten strukturierte Informationen zu den SCR Submodulen im RSR und SFCR aufgenommen werden.
  • Aufsichtsrechtlicher Überprüfungsprozess
    Die Aufsichtsbehörden müssen in jedem Fall dem gewählten Ansatz des (Rück-) Versicherungsunternehmen im Vorfeld zustimmen und bei wesentlichen Änderungen informiert werden. Sollte die Aufsichtsbehörde bedenken bzgl. dem Ansatz haben, ist diese verpflichtet die Unternehmen darüber in Kenntnis zu setzen.

EIOPA hat angekündigt, dass sie auch weiterhin die Anwendung des Proportionalitätsprinzips intensiv überwachen wird.

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