ESRB Bericht (Issues Note) zu Auswirkungen von COVID 19 auf Vermögensverwalter und Versicherer

Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (European Systemic Risk Board – ESRB) hat am 14. Mai 2020 einen Bericht über den, durch die Coronavirus Pandemie (COVID 19) verursachten, Schock für die europäische Wirtschaft veröffentlicht. Zuvor hatte das ESRB, in seiner Sitzung vom 2. April 2020 , beschlossen, fünf vorrangige Bereiche zu priorisieren, in denen die Koordination zwischen den Behörden besonders wichtig sei.

In dem vorliegenden Bericht (Issues Note) werden zwei der fünf zentralen Bereiche behandelt. Der erste dieser Bereiche betrifft Fragen der Marktliquidität und Illiquidität, mit besonderem Schwerpunkt auf den Auswirkungen auf Vermögensverwalter und Versicherer. Der zweite Schwerpunktbereich befasst sich mit den prozyklischen Auswirkungen durch Wertverluste von Unternehmensanleihen auf Märkte und Unternehmen im gesamten Finanzsystem.

Folgen für Versicherer

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie führte zu einer erheblichen Verschlechterung der Liquidität des Marktes für Unternehmensanleihen, insbesondere im Hochzinssegment. Somit kam es auch zu beträchtlichen Rückkäufen von Investmentfonds, insbesondere von solchen mit Exposure gegenüber Unternehmensanleihen. Im Falle von High-Yield-Anleihenfonds waren die Mittelabflüsse in Prozent des gesamten verwalteten Vermögens so hoch wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr. Die Zusammensetzung der Abflüsse weist auf besonders akute Schwachstellen in Fonds hin, die in weniger liquide Vermögenswerte investieren.

Die Diskrepanz zwischen dem Rückzahlungsprofil einiger dieser Fonds und der Liquidität ihrer Vermögenswerte erhöht das Risiko eines verstärkten Drucks auf die Vermögensbewertungen, insbesondere bei weniger liquiden oder vorübergehend illiquide gewordenen Vermögenswerten. Investmentfonds und Versicherer, mit bedeutenden fondsgebundenen Portfolios, könnten gezwungen sein, liquidere Vermögenswerte über einen kurzen Zeitraum zu verkaufen, um die Rückforderungen zu erfüllen. Dies könnte zu höheren Marktwertverlusten bei anderen Finanzinstitutionen mit Positionen in denselben oder korrelierten Vermögenswerten führen, wodurch sich die Finanzstabilität weiter verschlechtern könnte.

Weitere Rückkäufe von Investmentfonds und fondsgebundenen Versicherungsprodukten sowie die Herabstufungen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Non-Financial Corporations – NFCs) könnten die Liquiditätsproblematik verschärfen. Zusammen halten Investmentfonds und Versicherer (auch über ihre fondsgebundenen Produkte) mehr als die Hälfte des geschätzten ausstehenden Bestands an NFC-Anleihen in der Eurozone. Jeder weitere Rückzahlungsdruck durch offene Fonds mit kurzen Rückzahlungsfristen könnte dazu führen, dass Fondsmanager Vermögenswerte verkaufen, was zu einer weiteren Verschlechterung der Liquiditätsbedingungen auf den Märkten für Unternehmensschulden führen könnte.

Reformen, die nach der globalen Finanzkrise durchgeführt wurden, haben die Abhängigkeit von externen Ratings verringert. Bei Versicherungsunternehmen werden im Rahmen der Standardformel externe Kreditratings verwendet und die Kapitalkosten für herabgestufte Vermögenswerte erhöht. Solvency II beugt dadurch steigenden Kapitalkosten vor, indem frühzeitig, die Kreditqualität von Risikopositionen zu bewerten ist.

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