Rahmenwerk für eine europaweite, risikobasierte und präventive Aufsicht

Mit dem strategischen Ziel, eine proaktive Rolle in der frühzeitigen Schadenabwehr für Versicherungsnehmer einzunehmen, hat EIOPA am 18. Januar 2016 ihren neuen strategischen Ansatz veröffentlicht. Dieser sieht die Schaffung eines umfassenden, risikobasierten und präventiven Rahmenwerks für die Beaufsichtigung auf europäischer Ebene vor. Damit sollen im Sinne des Versicherungsnehmerschutzes einheitliche Methoden umgesetzt werden, um die Auswirkungen von Produktmerkmalen und Vertriebsprozessen auf die Finanzposition des Unternehmens und den Verbraucherschutz zu bewerten.

Vor dem Hintergrund des in der Vergangenheit zu verzeichnenden signifikanten Vertrauensverlustes und der finanziellen Schädigungen der Verbraucher, die die zahlreichen Skandale um Falschberatung und die missbräuchlichen Geschäftspraktiken von Versicherungsunternehmen herbeigeführt haben und zu einem systemischen Risiko beitragen können, ist innerhalb der Unternehmen ein Wandel in Richtung verbraucherorientierter Unternehmensführung gefragt. Für die Beaufsichtigung ist ein umfassendes, präventive Vorgehen erforderlich, welches den gesamten Produktlebenszyklus umfasst. Diese Beaufsichtigung sollte weniger formal Anforderungen abhaken und stärker ergebnisorientiert ausgerichtet sein.

Durch eine enge Kooperation zwischen EIOPA und den nationalen Aufsichtsbehörden soll die Umsetzung des Rahmenwerks gefördert sowie die Aufsicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette durch einheitliche Sprache, einheitliche Methoden und Indikatoren innerhalb Europas umgesetzt werden und dadurch das Vertrauen der Verbraucher innerhalb Europas wiedergewonnen werden.

Das Rahmenwerk wird sowohl auf qualitativen als auch quantitativen Daten basieren, so dass Unternehmen ihren Aufsichtsbehörden produktspezifisch Daten bereitstellen werden, die frühzeitig und zielorientiert auf konkrete Fälle von Verbraucherschaden hinweisen sollen. Um Doppelanforderungen zu vermeiden, werden dabei relevante Daten aus den bereits vorhandenen Berichts- und Meldepflichten unter Solvency II verarbeitet.

Zur Erarbeitung des Rahmenwerks hat EIOPA die CCPFI (Committee on Consumer Protection and Financial Innovation) hinzugezogen, die auch für die Umsetzung der Instrumente der Aufsicht beitragen sollen. Für die Umsetzung der Aufsicht wird auf bestehende und erweitere Aufsichtspraktiken zurückgegriffen. Dies sind insbesondere folgende Instrumente:

  • Jährliche Analysen zu Verbrauchertrends und Ad-hoc-Umfragen durch EIOPA
  • Nachhaltige und effektive Überwachung der Marktaktivitäten durch EIOPA und die nationalen Aufsichtsbehörden (u.a. durch Initiativen wie der „PRIIPS Regulation“ oder der Überarbeitung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD))
  • Überprüfungen zu spezifischen Themen oder Produkten im Markt
  • Analysen anhand von Kennzahlen zu Vertriebsrisiken (wie Schadenquoten, Kostenquote, Combined Ratio, Provisionen etc.)

Um die Überwachung durch solche Instrumente zu ermöglichen, ist ein Verfahren zur Erfassung der notwendigen Daten erforderlich. Hinsichtlich der Generierung von Daten wird EIOPA schrittweise vorgehen:

  • Laufende Bemühungen zur Verbesserung der Datenqualität bei Verbraucherbeschwerden im Rahmen der Analyse der Verbrauchertrends
  • Sammlung von Informationen über neu auftretende Risiken im Verbraucherschutz durch Auswertung der Kennzahlen zu Vertriebsrisiken
  • Übergang zu einem produktbezogenen Ansatz bei der Verwendung von Kennzahlen zu Vertriebsrisiken
  • Generierung von Daten aus dem Solvency II Berichtswesen zu einzelnen Sparten

Zur Gewährleistung einer widerstandsfähigen und wirksamen Umsetzung des Rahmenwerks, wird dem „Board of Supervisors“ der EIOPA eine Überprüfung der Strategie bis voraussichtlich Frühjahr 2017 vorgelegt.

 

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