Sustainable Finance: NGFS-Berichte über die aktuelle aufsichtsrechtliche Praxis und zukünftige Maßnahmen

Am 27. Mai 2020 hat die Gruppe von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden im Network for Greening the Financial System (NGFS) zwei Berichte (Technical Documents) zum Thema Nachhaltigkeit veröffentlicht. In ihrem Statusbericht (Status report on financial institutions’ experiences from working with green, non-green and brown financial assets and a potential risk differential) geht es um klima- und umweltbezogene Anlage- und Risikomanagementstrategien. Insbesondere die Integration von Klima- und Umweltrisiken in die aufsichtsrechtliche Überwachung wird in dem Aufsichtsleitfaden (Guide for Supervisors: integrating climate-related and environmental risks into prudential supervision) behandelt. Beide Berichte geben einen fundierten Überblick über die derzeitige Praxis und enthalten Vorschläge für künftige Maßnahmen.

Der Statusbericht stellt fest, dass die Banken und Versicherer mangels einer klaren Taxonomie und verfügbarer granularer Daten Schwierigkeiten haben, ihre Exponierungen zu bewerten, und keine eindeutigen Schlussfolgerungen zu einem Risikounterschied zwischen Grünen und Braunen Assets ziehen können. Der Mangel an harmonisierten Kundendaten wird als Haupthindernis für die Definition des grünen Risikos eines Vermögenswertes angesehen. Die Ergebnisse der Umfrage erlauben es dem NGFS nicht, auf eine Risikodifferenz zwischen grünen und braunen Vermögenswerten zu schließen, da die überwiegende Mehrheit der Institutionen noch keine Schlussfolgerungen über die Beziehung zwischen Grünen Anlagen und Kreditrisiko ziehen kann. Das NGFS stellt fest, dass es möglich sein sollte, die für traditionellere Risikokategorien bereits verwendeten Instrumente des Risikomanagements auf klima- und umweltbedingte Risiken auszudehnen, und dass mehr vorausschauende Methoden erforderlich sind, um die Auswirkungen auf einzelne Finanzinstitute zu bewerten.

Der Leitfaden für Aufsichtsbehörden betont zu den möglichen aufsichtsrechtlichen Anforderungen, dass mehr Forschung zu den Übermittlungskanälen und Verlustpotenzialen von Klima- und Umweltrisiken erforderlich ist, bevor Kapital- oder Solvabilitätsanforderungen speziell in Bezug auf diese Risiken auferlegt werden sollten. Der Bericht steht einer möglichen Einführung von Kapitalanforderungen in Säule 2 offen gegenüber. Was jedoch Säule 1 betrifft, so kommt das NGFS zu dem Schluss, dass mehr evidenzbasierte Analysen erforderlich sind, um festzustellen, ob unterschiedliche Risikoprofile bestimmter Gruppen von Vermögenswerten bestehen und was sie antreibt. Das NGFS stellt fest, dass die potenzielle Rolle von Anpassungsfaktoren aus aufsichtsrechtlicher Sicht sehr begrenzt erscheint.

Empfehlungen für Aufsichtsbehörden:

  1. Identifizierung der Risiken: Die Aufsichtsbehörden sollten feststellen, wie Klima- und Umweltrisiken auf die Volkswirtschaften und Finanzsektoren übertragen werden, und ermitteln, inwiefern diese Risiken für die beaufsichtigten Unternehmen wesentlich sind. Dabei sollten sowohl physische (akute und chronische) als auch Übergangsrisiken berücksichtigt werden.
  2. Entwicklung einer klaren Strategie auf Vorstandsebene: Die Vorstände von Aufsichtsbehörden und Zentralbanken sollten eine interne Organisation einrichten und dieser angemessene Ressourcen zuweisen, um Risiken zu begegnen. Zudem sollte eine Strategie entwickelt werden, um Nachhaltigkeitsrisiken in die Arbeit zu integrieren.
  3. Identifizierung von Risikobelastungen der beaufsichtigten Unternehmen und Bewertung der potenziellen Verluste: Die Aufsichtsbehörden sollten verschiedene Faktoren des physischen Risikos und des Übergangsrisikos bewerten und dabei potenzielle Datenlücken identifizieren. Hierbei sollten Methoden wie Szenarioanalyse und Stresstests entwickelt werden, um die Auswirkungen der Risikobelastungen abzuschätzen.
  4. Festlegung von aufsichtlichen Erwartungen: Der Bericht fasst fünf Bereiche zusammen, die von den Aufsichtsbehörden derzeit untersucht werden:
  • Governance: Umgang mit Risiken durch definierte und zugewiesene Verantwortlichkeiten;
  • Strategie: Bewusstsein für potenzielle Veränderungen und für die Annahme eines strategischen Ansatzes in Bezug auf Klimarisiken, wie z.B. Risiken bei langfristigen Investitionen;
  • Risikomanagement: Entwicklung von Richtlinien und Verfahren zur Identifizierung, Bewertung, Überwachung, Berichterstattung und Verwaltung aller wesentlichen Risiken. Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken in bestehende Prozesse und Verfahren für Kredit-, Markt-, Liquiditäts-, Betriebs-, Versicherungs- und andere Risiken sowie die Entwicklung adäquater Metriken für ihre interne Überwachung und die externe Berichterstattung und Verwaltung;
  • Szenarioanalyse und Stresstests: Entwicklung von Methoden und Instrumenten, die notwendig sind, um die Größe und das Ausmaß der Risiken zu erfassen;
  • Offenlegung: das NGFS empfiehlt, auf den TCFD-Empfehlungen (Task Force on Climated related Financial Disclosures) aufzubauen.
  1. Gewährleistung eines angemessenen Risikomanagements durch Finanzinstitutionen: Die Aufsichtsbehörden können sich auf ihr bestehendes Aufsichtsinstrumentarium stützen, um unterstützende Maßnahmen zu ergreifen, z.B. Aufforderung zur Stärkung von Risikomanagement- und internen Kontrollsystemen, verfahren und -prozessen oder die Reduzierung von Risiken.

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