Verordnung zur Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35

Die EU Kommission hat die Delegierte Verordnung (EU) 2019/981 vom 8. März 2019 gemäß des Legislativvorschlags (siehe hierzu Blogbeitrag vom 2. April 2019) zur Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 (SII-DVO) im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Mit der Verordnung werden die im Zuge des Standardformel Reviews diskutierten Anpassungen einzelner Regelungen zur Ermittlung der Solvenzkapitalanforderungen umgesetzt.

Neben der Berichtigung der Delegierten Verordnung (EU) 2019/981, welche im Amtsblatt der Europäischen Union L 161 am 18. Juni 2019 publiziert wurde, gab es bisher keine offiziellen Einwände der Mitgesetzgeber (Europäischer Rat und Europäisches Parlament) zu verkünden. Die Berichtigung betrifft lediglich Ergänzungen zu Artikel 199 und betrifft eine Aktualisierung der Ausfallwahrscheinlichkeiten bzgl. der im Artikel genannten Risikoexponierungen.

Die Verordnung zur Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 gilt somit als verabschiedet und tritt 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft. Hiervon ausgenommen sind die Änderungen der Standardparameter im Prämien- und Reserverisiko und die Verlustausgleichsfähigkeit latenter Steuern. Diese neuen Regelungen sind indes ab 1. Januar 2020 anzuwenden.

Nachfolgend geben wir einen Überblick über die Inhalte der Änderungsverordnung mit entsprechender Referenz auf die geänderten Artikel der Delegierten Verordnung 2015/35:

Thema Änderungen Artikel DVO 2015/35
Look Through
  • Ausweitung auf verbundene Unternehmen
  • Ausweitung der vereinfachten Anwendung
  • Konsistenz zw. Einzel- und Gruppenaufsicht
84
Marktrisiko
  • Aktienrisiko: Anwendung Typ 1-Aktienschock für nicht notierte Aktien (bei Kriterienerfüllung)
168
  • Aktienrisiko: Einführung Submodul für langfristige Aktieninvestitionen (sehr restriktive praktische Anwendbarkeit durch Matching Anforderung)
169, 171
  • Ratings: bei nicht gerateten Anleihen und Darlehen die Möglichkeit einer Interne Bewertung oder durch Koinvestor
176
  • Spreadrisiko: Regionale / lokale Anleihen und Darlehen können als Risikoexponierungen gegenüber dem Zentralstaat betrachtet werden und weisen dementsprechend ein Spreadrisikofaktor von 0 auf
180, 182, 187
  • Währungsrisiko Gruppe: Verwendung anderer Währung als lokaler Währung bei wesentlichem Beitrag der Eigenmittel/vt. Rst. in dieser Währung
337
Gegenparteiausfallrisiko
  • Ausschließen des Kreditrisikos bei insolvenzgeschützten Vermögenswerten
189
  • Bei Vorliegen vertraglicher Nettingvereinbarungen von Derivaten: Möglichkeit der Berechnung des LGD auf Basis der wirtschaftlichen Gesamtwirkung
192
  • Klarstellung: Andere Derivate als Kreditderivate werden als Typ 1-Exponierung im Gegenparteiausfallrisiko behandelt
189
Risikominderung
  • Neue Regelungen zu rollierenden Hedges, Wirksamkeit der Risikoübertragung bei Kombination mehrerer vertraglicher Vereinbarungen
209, 210
  • Möglichkeit zur Berücksichtigung von Risikominderung auch bei Absinken der Solvabilitätsquote der Gegenpartei unter 100%
211 – 213
KAT-Risiko Leben
  • Wegfall der Ereignisart „10 Jahre dauernde Invalidität durch Unfall“
Anhang XIV
Vt. Risiko Nichtleben (inkl. KAT)
  • Prämien-, Reserverisiko: Rekalibrierung der Standardparameter
Anhang II
  • Prämienrisiko: Berücksichtigung von Mehrjahresverträgen im Volumenmaß
116, 146
  • Anpassungen in den Untermodulen Sturm-, Erdbeben-, Überschwemmungs-, Hagel-, Bodensenkungs- und Erdrutsch-, Seefahrt- und Luftfahrt- sowie Feuerrisiko

121 – 125,

130 – 132,

Anhang

LACDT

 

  • Umfassende Änderungen bezüglich Berechnung, Reporting und Dokumentation

207, 260,

297, 311

Vereinfachungen
  • Spreadrisiko: Neue vereinfachte Berechnung für Anleihen
  • Ausfallrisiko: Möglichkeit zur Gruppierung bei Berechnung des LGD; vereinfachte Berechnung des LGD für Rückversicherung
  • Ausfallrisiko: Vereinfachte Berechnung für Typ-1-Exponierungen
  • Vt. Risiken: Vereinfachte Berechnung des risikomindernden Effekts
  • Sterblichkeitsrisiko LV/KV: Änderung der Formel
  • Stornorisiken: Gruppierung von Verträgen
  • Naturkatastrophenrisiko: Gruppierung von Risikozonen
  • Feuerrisiko: Berechnung SCR anhand der 5 größten Risikokonzentrationen

90, 91,

95 – 97,

102, 105,

107, 108,

110, 111

 

Eigenmittel
  • Festlegung von Bedingungen für die Eignung von partiellen Kapitalverlustausgleichsmechanismen
71
  • Möglichkeit der Rückzahlung / Tilgung eines Basiseigenmittelbestandteils vor 5 Jahren nach Ausgabe bei unvorhergesehenen regulatorischen oder steuerlichen Ereignissen
73, 77
Sonstiges
  • Weitere Spezifikationen zu Methoden, Grundsätzen und Techniken zur Bestimmung der relevanten risikofreien Zinsstrukturkurve
43
  • USP: Korrekturfaktor für die nichtproportionale Rückversicherung (Ergänzung um Vorliegen eines Jahresüberschaden-Rückversicherungsvertrags)
218, 220

Aus dem Blickwinkel der Versicherer sind insbesondere die nachstehenden Änderungen von größerer Bedeutung:

  • reduzierte Risikofaktoren für das Katastrophenrisiko Sturm und das Reserverisiko der Rechtsschutzversicherung
  • Anerkennung der Ratings aus internen Bewertungen und von Bundesländergarantien
  • Erweiterte Möglichkeiten für Vereinfachungen
  • Anerkennung von rollierenden Hedging-Programmen mit kürzeren Laufzeiten
  • Gestärkte Rolle der Kommission bei der Berechnung der Zinsstrukturkurve
  • Verlustausgleichsfähigkeit der latenten Steuern kann nur noch eingeschränkt in der Berechnung der Solvenzkapitalanforderungen berücksichtigt werden (Werthaltigkeitsnachweis bei Aufbau aktiver latenter Steuern wird erschwert)

Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Auswirkungen und den Implikationen der Änderungsverordnung für die Versicherungsbranche erfolgt in der Sommerausgabe unseres in Kürze erscheinenden Risk & Regulation Newsletters.

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