Welche Risiken dominieren die Versicherungsindustrie in 2019? – Banana Skins Survey

Im Juni 2019 veröffentlichte PwC und das Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI) die siebte „Insurance Banana Skins Survey“ zu den aktuellen Risiken in der Versicherungsbranche. Im Vergleich zu den Top Risiken 2017, haben aus Sicht der rund 1.000 befragten Personen insbesondere Risiken in Zusammenhang mit Digitalisierung, Regulierung sowie dem Klimawandel eine signifikante Bedeutung.

Seit Beginn der Banana Skin Umfrage im Jahr 2007 hat sich die Welt und die Versicherungsbranche stark verändert. Die Versicherungsbranche hat sich weiterentwickelt, um auf die sich ändernden Bedürfnisse ihrer Kunden, Aktionäre und Aufsichtsbehörden zu reagieren. Neue Formen der Unternehmensführung und Kundenansprache wurden entwickelt. Auch das wirtschaftliche, politische und soziale Umfeld hat sich verändert. Diese Veränderungen bergen Risiken und Herausforderungen – für Managements und Aufsichtsbehörden gleichermaßen.

In diesem Jahr haben wir eine Rekordzahl von rund 1.000 Antworten von Versicherungs Executives aus 53 Ländern erhalten und konnten auf dieser Basis die wesentlichen Risiken für die nächsten 2-3 Jahre identifizieren. In der nachfolgenden Übersicht sind die identifizierten Top-Risiken aus der diesjährigen Umfrage zusammengefasst (sowohl übergreifend für die Versicherungsbranche sowie unterteilt nach Sparten):

Im Ergebnis resultieren die größten Risiken aus dem technologischen Wandel, der die traditionellen Strukturen eines Versicherungsunternehmens in Frage stellt. Hierzu gehören Technologierisiken, Cyber Risiko und Risiken aus dem Change Management. Diese Risiken gehörten auch schon bereits in der Umfrage von 2017 zu den Top 3 Risiken. Im Gegensatz zur letzten Banana Skin Umfrage ist das Risiko aus Regulierung wieder gestiegen. Dies ist auf die neuen Regulierungen zurückzuführen, die seit 2017 eingeführt wurden (IDD und GDPR in Europa und verschiedene neue Conduct Standards auf der ganzen Welt) und die bevorstehende Einführung neuer Rechnungslegungsstandards, insbesondere IFRS 17. Für die Versicherer stellt sich damit die Herausforderung, sich mit diesen neuen regulatorischen Normen zu befassen und sie umzusetzen. Das Zinsrisiko verliert hingegen an Bedeutung, da viele Versicherungsunternehmen inzwischen eine Anpassung ihrer Anlagestrategie vorgenommen haben. Als eines der sogenannter „Big mover“ steigt das Risiko des Klimawandels 2019 in die Top 6 Risiken weltweit auf. Auswirkungen des Klimawandels und Nachhaltigkeitsaspekte werden sich weiterhin auf die Tagesordnungen der Versicherungsbranche, der Wirtschaft und der Länder auswirken. Das finanzielle Risiko der Branche durch den Klimawandel und die Unsicherheiten der Versicherer, wie die Aufsichtsbehörden und Regierungen darauf reagieren werden, führten zu solch einer hohen Platzierung.

Risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, sind für Schaden- und Rückversicherer von besonderer Bedeutung. Wird lediglich der Lebensversicherungsbereich betrachtet, belegt der Klimawandel nur Platz 19. Begründen lässt sich dies mit der Tatsache, dass Schaden- und Rückversicherer unmittelbar von der gestiegenen Anzahl an Naturkatastrophen infolge des Klimawandels betroffen sind. Extreme Wetterereignisse, wie u.a. Hurrikans, Dürren oder Waldbrände treten immer häufiger auf und verursachen immer größere Schäden. In der Folge ist es zukünftig möglich, dass bestimmte Risiken nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen, wie z.B. der Einschränkung von Deckungen, versicherbar sind. Die Befragten sind sich einig, dass seitens der Versicherer mehr Wert auf die Prävention, d.h. auf die Vermeidung von Umweltrisiken, als auf die reine Entschädigung gelegt werden muss. Demgegenüber betrifft der Klimawandel in der Lebensversicherungsbranche aufgrund der langlaufenden Kapitalanlagen indirekt zwar das Anlageportfolio, jedoch weniger die tatsächliche Anzahl an Versicherungsfällen, weshalb die Risiken (noch) als gering eingeschätzt werden. Hohen Stellenwert hat der Klimawandel auch bei Maklern und Vermittlern (Platz 5). Dies lässt sich dadurch begründen, dass sich der Klimawandel als zentrales Thema in der Gesellschaft etabliert hat und Kunden nun bewusster auf Nachhaltigkeitsaspekte bei der Geldanlage bzw. beim Abschluss einer Versicherungspolice achten, woraus auch für Vermittler Risiken resultieren.

Der Aufstieg des Klimawandels in die Top 10-Risiken spiegelt die aktuelle Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit in der Versicherungsbranche wider. Sowohl auf Seiten der Versicherungsunternehmen als auch auf Seiten der Aufsichtsbehörden war das Thema Nachhaltigkeit noch nie so präsent wie heute, obwohl die Umwelt seit langer Zeit zum Kerngeschäft von (Sach- und Rück-) Versicherungsunternehmen gehört. Durch neue Anforderungen seitens der Aufsichtsbehörden (Kapitalanlage, Offenlegung, Vertrieb / Produktdesign / IDD, Solvency II) können zukünftig Mehraufwendungen auf Versicherungsunternehmen zukommen und neue Kompetenzen und Ressourcen benötigt werden, weshalb Unternehmen möglichst frühzeitig eine Strategie zum Umgang mit diesen Risiken entwickeln sollten.

Durch die Banana Skin Umfrage 2019 wurde deutlich, dass der Status quo in Frage gestellt werden muss. Ein Wechsel von traditionellem Denken, Haltung und Verhalten ist notwendig, um diese Top-Risiken steuern bzw. bewältigen zu können.

 

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