EIOPA veröffentlicht Sensitivitätsanalyse zu klimawandelbedingten transitorischen Risiken

EIOPA hat am 15.12.2020 eine erste Sensitivitätsanalyse zu transitorischen Klimarisiken in den Investmentportfolios europäischer Versicherer veröffentlicht. In dem Bericht untersucht EIOPA dafür die aktuellen Bestände von Versicherern an Corporate Bonds und Aktien inkl. durch Fonds indirekt gehaltene Vermögenswerte, die mit klimapolitisch relevanten Schlüsselsektoren wie der Gewinnung fossiler Brennstoffe, kohlenstoffintensiven Industrien, der Fahrzeugproduktion und dem Energiesektor in Verbindung gebracht werden können. Für diese Untersuchung werden unter Solvency II berichtete Daten sowie zusätzlich externe Daten verwendet. In dem Bericht werden zudem auch potenzielle klimawandelbedingte Übergangsrisiken quantifiziert und mögliche Auswirkungen auf die oben genannten Investments präsentiert, die entstehen können wenn sich Volkswirtschaften von der kohlenstoffintensiven Produktion und Energiegewinnung abwenden.

Um diese Risiken zu quantifizieren, wird in diesem Bericht eine „was-wäre-wenn“ Szenarioanalyse basierend auf den identifizierten Beständen an Corporate Bonds, Aktien und zudem Staatsanleihen angewendet. Das Ziel dieser Szenarioanalyse ist vor allem, die Versicherungsbranche sowie die Aufsichtsbehörden dabei zu unterstützen, mögliche Auswirkungen des Klimawandels unter einer Reihe von Annahmen besser zu verstehen. In den Bericht flossen aktuelle Forschungs- und Analyseergebnisse aus verschiedenen Quellen mit dem Ziel, diese in einem Gesamtrahmen zu kombinieren, ein. Diese Analyse soll in die zukünftige Arbeit der EIOPA einschließlich möglicher zukünftiger Stresstests einfließen. So könnten beispielsweise die in diesem Bericht analysierten Sektoren, Treiber und Preissensitivitäten als Grundlage für die Betrachtung von Risiken für den Versicherungssektor in späteren Stresstests dienen.

Die Analyse in dem Bericht erfolgt auf Grundlage eines späten und plötzlichen Politikwechsels, um die globale Erwärmung in Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen unter einer Erhöhung von 2 Grad Celsius verglichen mit dem vorindustriellen Niveau zu halten. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass obwohl die Risikoexponierung in den klimapolitisch relevanten Sektoren relativ gering ist sowie aufgrund des Solvency II Regimes die Versicherer ein grundsätzlich breit aufgestelltes Kapitalanlageportfolio aufweisen, sich hohe Verluste einstellen können. Insgesamt können unter Verwendung der beschriebenen Methodik und Annahmen die Verluste aus Aktieninvestments in kohlenstoffintensiven Sektoren hoch sein, in der Untersuchung im Durchschnitt bis zu 25% (vor Berücksichtigung etwaiger ausgleichender Investitionen in z.B. erneuerbare Energien). Insgesamt werden diese Verluste durch die Tatsache, dass die betrachteten kohlenstoffintensiven Investitionen nur einen kleinen Teil der Gesamtinvestitionen europäischer Versicherer ausmachen, durch Investitionen in erneuerbare Energien ausgeglichen. Die Verluste bei Anleiheportfolios sind im Vergleich zu den Aktienportfolios geringer, werden allerdings von den gleichen Sektoren getrieben.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass Solvency II ein risikobasiertes System ist und Versicherer daher ein relativ gut diversifiziertes Portfolio halten, was sich in der relativ geringen Gesamtgröße der Verluste in der Analyse widerspiegelt. Trotzdem sind die Auswirkungen im Vergleich zum Überschuss der Vermögenswerte über die Verbindlichkeiten (Excess of Assets over Liabilities) teilweise nicht vernachlässigbar gering und können in Abhängigkeit vom betrachteten Szenario erheblich sein.

Allerdings hat die von EIOPA durchgeführten Untersuchung Einschränkungen. Einerseits konnte nicht das komplette Portfolio der europäischen Versicherer untersucht werden, andererseits wurden der Agrar- und der Real Estate Sektor, für die die klimawandelbedingten transitorischen Risiken ebenfalls sehr relevant wären aufgrund von Datenbeschränkungen nicht in der Analyse berücksichtigt. Außerdem wurden sowohl physische Risiken, die ebenso große Auswirkungen auf die Asset-Seite haben können, als auch Effekte von Schocks auf makroökonomische Variablen nicht berücksichtigt.

Für die Zukunft arbeitet die EIOPA zudem gemeinsam mit nationalen Behörden sowie Marktteilnehmern daran, neben den transitorischen Risiken für die Asset-Seite auch das Verständnis über transitorischen Risiken im Hinblick auf den Klimawandel auf der Liability-Seite zu verbessern.

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