EU Kommission startet Konsultation zum Solvency II Review 2020

Die EU-Kommission hat am 1. Juli 2020 eine Konsultation zum Solvency II Review gestartet. SÀmtliche Marktteilnehmer haben die Möglichkeit bis zum 21. Oktober 2020 an der Konsultation teilzunehmen. 

Die Konsultation bildet einen weiteren Baustein und folgt damit dem geplanten Prozess der seit Februar 2019 zur DurchfĂŒhrung des Solvency II Reviews aufgesetzt wurde (siehe auch Blog-Beitrag vom 11. MĂ€rz 2020). 

Die vorliegende Konsultation fokussiert mit den insgesamt 44 Fragen die folgenden vier Themenbereiche, jeweils auch mit den Auswirkungen zur COVID-19 Krise:

Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der AktivitÀten und PrioritÀten der Versicherer im EuropÀischen Rahmen

Derzeit fĂŒhrt die COVID-19 Krise zu einer erhöhten VolatilitĂ€t der Aktien- und Kreditspreads sowie zur Börsenkontraktion. Weiterhin sind Schwachstellen im Immobiliensektor zu beobachten, die ebenfalls eine ÜberprĂŒfung der bestehenden Regeln erfordern. Der aufsichtsrechtliche Rahmen sollte daher die richtigen Anreize fĂŒr ein robustes Risikomanagement schaffen und gleichzeitig eine zu starke Risikobereitschaft vermeiden sowie Auswirkungen auf den Finanzsektor begrenzen. DarĂŒber hinaus fehlt die angemessene Darstellung von Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel. 

Die Fragen der Konsultation greifen daher unter anderem folgende Aspekte auf:

  • Die erneuerten Ziele der Versicherungsgesetzgebung im gegenwĂ€rtigen wirtschaftlichen Kontext
  • Kapitalanforderungen fĂŒr Investitionen in KMU, fĂŒr langfristige und nachhaltige Investitionen
  • Der Beitrag der Versicherer zum Ziel eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums
  • Kurzfristige VolatilitĂ€ten, ProzyklizitĂ€t sowie Versicherungsprodukte mit langfristigen Garantien (dient insbesondere zur Bewertung der Mechanismen, die die VolatilitĂ€t der SolvabilitĂ€t vermindern und ein prozyklisches Verhalten vermeiden sollen)
  • Aufsichtsregeln und COVID 19, insbesondere um die StabilitĂ€t des Regulierungsrahmen wĂ€hrend der Krise zu beurteilen
  • Die Behandlung von Versicherungsunternehmen, die einer Gruppe angehören und gegebenenfalls die Befreiung, wenn die Gruppe einer verschĂ€rften Aufsicht unterliegt

ProportionalitĂ€t des EU Rahmenwerks zu Solvency II und Transparenz gegenĂŒber der Öffentlichkeit

Es wird diskutiert, eine Anhebung der Schwellen zum Ausschluss vorzusehen, um den Anwendungsbereichs des Solvency II-Rahmens zu reduzieren. Dies erfordert allerdings eine stÀrkere regelbasierte Koordination des ProportionalitÀtsprinzips und die Festlegung eindeutiger Kriterien. In der Praxis könnte es schwierig sein geeignete Kriterien zu definieren, die den tatsÀchlichen Risiken Rechnung tragen.

Es werden daher folgende Aspekte konsultiert: 

  • Umfang des Geltungsbereichs von Solvency II
  • ProportionalitĂ€t bei der Anwendung von Solvency II
  • Umfang der Berichtspflichten
  • BerĂŒcksichtigung der Besonderheiten von gemeinnĂŒtzigen Versicherern
  • Transparenz gegenĂŒber der Öffentlichkeit, darunter auch die Verbesserung und Veröffentlichung der SFCR

StÀrkung des Vertrauens und der Harmonisierung des europÀischen Versicherungsmarktes

In diesem Zusammenhang wird u.a. die nationale Umsetzung der Versicherungsgarantiesysteme in den Mitgliedstaaten aufgegriffen, da hinsichtlich deren Umsetzung SicherheitslĂŒcken und Überschneidungen festgestellt wurden. Die Kommission bittet um RĂŒckmeldung zu folgenden Aspekten:

  • Beaufsichtigung grenzĂŒberschreitender GeschĂ€fte und ob diese durch EIOPA oder die jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden erfolgen sollte
  • Verhinderung und Behebung von AusfĂ€llen der Versicherung durch angemessene Ausgestaltung von Versicherungsgarantiesystemen
  • Verhinderung von Risiken fĂŒr die FinanzstabilitĂ€t und GewĂ€hrleistung des Schutzes der Versicherungsnehmer 
  • FlexibilitĂ€t in Krisensituationen 

Neu aufkommende Chancen und Risiken (“emerging chances & risks”) wie z.B. Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Das Thema Nachhaltigkeit hat enorm an Bedeutung gewonnen und eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten. Allerdings verfĂŒgen die meisten Versicherungsunternehmen (insbesondere solche, die kein internes Modell verwenden) nicht ĂŒber geeignete Modelle, um die resultierenden Risiken angemessen zu erfassen. Zur BerĂŒcksichtigung von Nachhaltigkeit in der Delegierten Verordnung zu Solvency II und der IDD (Versicherungsvertriebs-Richtlinie) lĂ€uft aktuell eine Konsultation (siehe Blog-Beitrag vom 12. Juni 2020). Im Zuge der Digitalisierung hat vor allem das Cyberrisiko an Relevanz gewonnen. Im Rahmen der EU “Digital Finance Strategy” plant die EU Kommission mit einem konkreten Aktionsplan den Auswirkungen auf die Finanzindustrie zu begegnen. Im April 2020 wurde von der Kommission eine Konsultation vorgelegt, um dem Thema Rechnung zu tragen (siehe Blog-Beitrag vom 2. Juli 2020).

Die Kommission greift in diesem Zusammenhang folgende Aspekte in ihrer Konsultation auf:

  • Gefahren im Modul Naturkatastrophen
  • Verwendung historischer Daten in Bezug auf den Klimawandel
  • Explizite BerĂŒcksichtigung von Klimaszenarien als Teil der qualitativen Regelungen
  • Solvency II-Regelungen in Bezug auf das Underwriting
  • Herausforderungen der Digitalisierung

 

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