GDV: Nachhaltigkeitspositionierung der deutschen Versicherer

Am 22. Januar 2021 hat das GDV-PrĂ€sidium ein Positionspapier zur Nachhaltigkeitspositionierung verabschiedet, mit dem die deutsche Versicherungsbranche zu einem nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft verpflichtet wird. Im Zuge der zahlreichen Diskussionen rund um den Klimawandel bezieht der GDV sehr konkret Stellung, trifft weitreichende BeschlĂŒsse und setzt ambitionierte Nachhaltigkeitsziele fĂŒr die Versicherungsbranche.

„Die Verabschiedung der Nachhaltigkeitspositionierung durch das PrĂ€sidium des GDV ist ein erster und gleichzeitig entscheidender Schritt. Wir gehen dabei weit ĂŒber die bereits ohnehin hohen rechtlichen Anforderungen hinaus.“ so Assmussen, GDV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer.

Die BeschlĂŒsse des GDV umfassen Auswirkungen auf das gesamte GeschĂ€ftsmodell und gehen von Anforderungen an die Ausgestaltung von verantwortungsvollen und ressourcenschonenden GeschĂ€ftsprozessen, ĂŒber klimaneutrale Kapitalanlagen, die Vermeidung der Zeichnung von gewerblichen und industriellen Risiken die einer klimaneutralen Transformation zuwiderlaufen, hin zu Anforderungen an Versicherungsprodukte und der Transparenz von Informationen. Im Einzelnen werden diese im Folgenden kurz zusammengefasst:

GeschÀftsprozesse

Die Integration von Nachhaltigkeit in die bestehende Prozesslandschaft kann auf verschiedenen Weisen durchgefĂŒhrt werden. Ziel ist es, die GeschĂ€ftsprozesse bis 2025 klimaneutral zu gestalten, z.B. durch Erhöhung der Energieeffizienz und/oder Reduzierung der CO2-Emmissionen. Nachhaltigkeit ist zudem in den vorhandenen Governance-Strukturen und dem Risikomanagement als fester Bestandteil zu verankern. Dadurch können Nachhaltigkeitsdaten zur Risikosteuerung herangezogen und Nachhaltigkeitsstrategien definiert werden.

Durch die Förderung der DiversitĂ€t und Erhöhung des Frauenanteils in FĂŒhrungspositionen erfolgt zudem eine starke Positionierung im Bereich Social.

Kapitalanlage

Aufgrund des langfristigen Anlagehorizonts der Versicherungsunternehmen werden Investitionen zunehmend in Nachhaltigkeitskonzepte gelenkt. Insbesondere wird in den Kapitalanlagen die TreibhausgasneutralitĂ€t angestrebt. Dadurch sollen Portfolios bis zum Jahr 2025 und schrittweise darĂŒber hinaus Co2-Reduktionen in den Anlageportfolien realisieren, dem Ziel bis 2050 Co2-neutral zu sein. DafĂŒr sind viele Versicherer bereits freiwilligen Initiativen, wie beispielsweise der „Principles for Responsible Investment“ (PRI) oder der „Net Zero Asset Owner Alliance“, beigetreten und möchten diese auch zukĂŒnftig vorantreiben. Außerdem ermöglicht die frĂŒhzeitige Realisierung der ESG-Kriterien im Anlageportfolio eine rechtzeitige Identifikation bestehender Risiken sowie Konvergenz in der Allokation des Rendite-Risiko-Profils.

Versicherung von Risiken

Die Versicherbarkeit von einigen Risiken wird sich aufgrund des Klimawandels zunehmend schwieriger gestalten. Außerdem wird es wichtiger, die KlimaneutralitĂ€t bis 2050 zu erreichen, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken gewĂ€hrleisten zu können und eine Besserung des nachhaltigen Risikotransfers zu erreichen.

Angesichts des Klimawandels besteht darĂŒber hinaus die Möglichkeit neue Risiken zu versichern. Zum Beispiel die Anlagen der erneuerbaren Energie und andere umweltschonende Technologien sowie das Angebot von Klimaversicherungen. Weiterhin sollte angestrebt werden bis 2025 Nachhaltigkeitsaspekte auch in die Zeichnungspolitik zu integrieren. DafĂŒr mĂŒssen Versicherer dem „Prinzip der risikogerechten PrĂ€mienkalkulation“ folgen. DarĂŒber hinaus soll es Ziel sein, gewerbliche und industrielle Risiken im Portfolio weitestgehend auszuschließen.

Auch in diesem Kontext unterstreicht der GDV den Beitritt freiwilliger Initiativen, wie den „Principles for Sustainable Insurance“ (PSI), die Ansatzpunkte geben, um ESG-Aspekte in das Risikomanagement bzw. das Underwriting zu integrieren.

Produkte und Schadenregulierung

Nachhaltigkeit wird bei der Gestaltung von neuen Versicherungsprodukten, aber auch bei der Schadenregulierung eine bedeutende Rolle spielen. Der GDV geht davon aus, dass bis 2025 bereits zunehmend Nachhaltigkeitskriterien in der Praxis der Schadenregulierung integriert sein werden. Daher sollte letztlich nicht nur die Kapitalanlagen umweltfreundlicher gestaltet werden, sondern auch das die steigende Nachfrage bedient und das Angebot an nachhaltigen Versicherungs- und Altersvorsorgeprodukte ausgebaut werden.

Transparenz und Forschung

Der GDV hebt hervor, dass die Branche grundsĂ€tzlich die Zielrichtung einer höheren Transparenz unterstĂŒtzt. Den Unternehmen mĂŒssen kĂŒnftig jedoch ESG-Daten sowie Messmethoden und Modelle zur VerfĂŒgung stehen, um die wesentlichen Aspekte in der GeschĂ€ftsorganisation umsetzten zu können. SĂ€mtliche Verlautbarungen wie die Taxonomie- und Transparenz-Verordnung erfordern daher eine erhöhte Transparenz in der Gestaltung und Offenlegung von ESG-Informationen.

Auf der anderen Seite besitzen Versicherer bereits eine langjĂ€hrige Erfahrung in Bezug auf NatCat-Risiken und können diese auch auf die Analyse des Klimawandels ĂŒbertragen. DafĂŒr wurden sĂ€mtliche Studien in Bezug auf den positiven Effekt auf Kapitalanalgen sowie regelmĂ€ĂŸige Forschung und Dokumentation im Naturgefahrenreport durchgefĂŒhrt.

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