Klimabedingte Risiken: IAIS und SIF veröffentlichen Empfehlungen zur Stärkung der Bemühungen im Umgang mit klimabedingten Risiken für Versicherungsaufsichtsbehörden

Am 25. Mai 2021 hat die International Association of Insurance Supervisors (IAIS) in Zusammenarbeit mit dem von den Vereinten Nationen einberufenen Sustainable Insurance Forum (SIF) das finale Application Paper zur Beaufsichtigung von klimabedingten Risiken im Versicherungssektor veröffentlicht. Die IAIS hat bereits einen ersten Entwurf für ein solches Papier am 13. Oktober 2020 veröffentlicht, worauf hin eine Konsultationsphase bis zum 12. Januar 2021 folgte (vgl. Blog-Beitrag vom 28. Oktober 2020). 

Das finale Papier beinhaltet gezielte Hinweise für die Versicherungsaufsichtsbehörden, inwieweit sie ihre Bemühungen bei der Bewertung und dem Umgang mit Risiken des Klimawandels weiter verstärken können. Ebenfalls beinhaltet das Papier Empfehlungen sowie Beispiele für Praktiken, die mit den IAIS Insurance Core Principles (ICPs) übereinstimmen.

Die folgenden ICPs-Themen sind Gegenstand des finalen Papiers:

Aufsichtliche Überprüfung und Berichterstattung:

Für eine angemessene Bewertung der Risiken sollen die Aufsichtsbehörden über quantitative und qualitative Informationen über die Exposition von Versicherungen gegenüber physischen, transitorischen und Haftungsrisiken verfügen. Relevante öffentliche Daten können beispielsweise aus TCFD-konformen Offenlegungen, aus Berichterstattungen gemäß der UN Principles for Responsible Investments, der Bewertung der Geschäftsstrategie und Governance des Versicherungsunternehmens und/oder aus dem Risikomanagement des Versicherers entnommen werden.

Unternehmensführung:

Das finale Application Paper zur proaktiven Beaufsichtigung von Corporate Governance kann den Aufsichtsbehörden dabei helfen, Governance-bezogene Probleme im Hinblick auf das Management von klimabezogenen Risiken zu identifizieren. Eine Möglichkeit, wie Versicherer mit Risiken (einschließlich des Klimarisikos) umgehen können, ist die Einrichtung eines internen Risikokomittees, welches die Aufgabe hat, die sich verändernde Risikolandschaft sowie potentielle Möglichkeiten zur Bewältigung des Risikos zu identifizieren.

Risikomanagement, einschließlich der Szenarioanalyse und Stresstesting:

Angesichts potentieller Auswirkungen klimabezogener Risiken auf die Solvabilitätsposition eines Versicherers sollen solche Auswirkungen innerhalb der bestehenden Risikokategorien berücksichtigt werden, was ggf. zu einer Überprüfung des Risikomanagementsystems im Falle einer wesentlichen Veränderung dieser Risiken führen kann. Dies bedeutet, dass der Versicherer nach den Risikomanagementrichtlinien bewerten und in diesen dokumentieren sollte, wie sich klimabezogene Risiken in jedem Bereich des Risikomanagementsystems materialisieren könnten, insbesondere in der Anlage- und Zeichnungspolitik, unter Berücksichtigung möglicher Risikominderungsmaßnahmen und der Geschwindigkeit, mit der sich Risiken im Laufe der Zeit manifestieren können. Um klimabezogene Risiken zu identifizieren, zu überwachen, zu bewerten und zu managen sowie deren Interaktion mit anderen identifizierten Risiken zu überprüfen, sollten Versicherer Instrumente entwickeln, um zuverlässige qualitative und quantitative Daten zu sammeln. Dies ermöglicht dem Versicherer auch, eine aggregierte Analyse der verschiedenen Elemente klimabezogener Risiken durchzuführen.

Kapitalanlagen:

ICP 15.1.1 besagt, dass die Qualität und die Merkmale des Vermögensportfolios eines Versicherers sowie die Interdependenz zwischen den Vermögenswerten und den Verbindlichkeiten des Versicherers von zentraler Bedeutung und daher ein wichtiger Aspekt sind, den ein Versicherer zu managen hat. Bei der Beurteilung der mit dem Vermögensportfolio verbundenen Risiken kann es je nach Dauer und Qualität des Portfolios und des vorhandenen Asset-Liability-Managements (ALM) für die Aufsichtsbehörden relevant sein, sich nach den Auswirkungen des Klimawandels auf die Anlagen des Versicherers zu erkundigen.

Offenlegung:

Gemäß ICP 20 (Public Disclosure) verlangt die Aufsichtsbehörde von den Versicherern eine zeitnahe Offenlegung von relevanten und umfassenden Informationen, um den Versicherungsunternehmen und Marktteilnehmern ein klares Bild über ihre Geschäftsaktivitäten, Risiken, Performance und Finanzlage zu vermitteln. Die Offenlegung von aufkommenden Risiken, einschließlich der Risiken aus dem Klimawandel, ist von primärer Relevanz für dieses Ziel. Bei der Festlegung von Offenlegungspflichten für die Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel sollte die Aufsichtsbehörde die bestehenden einschlägigen Anforderungen sowie proprietäre und vertrauliche Informationen berücksichtigen, die die Wettbewerbsposition eines Versicherers negativ beeinflussen könnten, wenn sie Konkurrenten zugänglich gemacht werden.

 

Ausblick:

Die IAIS organisiert am 9. Juni von 13 bis 14 Uhr ein Webinar, welches weitere Hintergründe zum Papier erläutert sowie eine Frage-Antwort-Runde beinhaltet. Eine Anmeldung kann unter dem folgendem Link erfolgen: Anmeldung.

Das von den Vereinten Nationen einberufene SIF, die UNEP PSI und die IAIS werden außerdem am 14. und 15. Juni 2021 gemeinsam Webinare zum Thema „Insurance Supervisors and Climate Action” veranstalten. In den Webinaren werden Referenten aus dem privaten Sektor zusammen mit Vertretern der Aufsichtsbehörden (SIF- und IAIS-Mitglieder) Stellung zu dem Thema nehmen.

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