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EIOPA veröffentlicht ĂŒberarbeitete technische DurchfĂŒhrungsstandards und Leitlinien zum Reporting und finale Taxonomie V2.2.0

Am 17. Juli 2017 hat EIOPA die Änderungen und Korrekturen an den folgenden technischen DurchfĂŒhrungsstandards hinsichtlich der Berichterstattung und Offenlegung veröffentlicht (vgl. Blog-Beitrag vom 28. April 2017) und zur Billigung an die EuropĂ€ische Kommission ĂŒbermittelt:

  • Technische DurchfĂŒhrungsstandards hinsichtlich der Meldebögen fĂŒr die Übermittlung von Informationen an die Aufsichtsbehörde
  • Technische DurchfĂŒhrungsstandards hinsichtlich der Verfahren, Formate und Meldebögen fĂŒr den Bericht ĂŒber SolvabilitĂ€t und Finanzlage

Die Überarbeitung der technischen DurchfĂŒhrungsstandards hat auch Auswirkungen auf die folgenden Leitlinien:

  • Leitlinien ĂŒber die Berichterstattung zum Zwecke der finanziellen StabilitĂ€t
  • Leitlinien fĂŒr die Beaufsichtigung von Zweigniederlassungen von Versicherungsunternehmen aus DrittlĂ€ndern

Die Änderungen bestehen sowohl aus redaktionellen als auch aus inhaltlichen Korrekturen, wie beispielsweise der Bezeichnung einzelner QRT-Zellen, Referenzen zu anderen QRT-Zellen sowie detaillierten ErgĂ€nzungen fĂŒr die Beschreibung der QRT-Zellen. Mit der Überarbeitung der genannten Dokumente sollen Rechtssicherheit geschaffen sowie korrekte Berichterstattungs- und Offenlegungsprozesse erleichtert werden.

DarĂŒber hinaus hat EIOPA die finale Version der Taxonomie 2.2.0 (vgl. Blog-Beitrag vom 13. Juni 2017) einschließlich aller im Rahmen der Konsultationsphase erhaltenen Kommentare veröffentlicht.

Die vollstĂ€ndigen Unterlagen umfassen die folgenden Dokumente und sind hier verfĂŒgbar:

  • Draft amendment of the ITS on Reporting
  • Draft amendment of the ITS on Disclosure
  • Impact assessment of the draft amendment of the ITS on Reporting
  • Revised Annex 1, 2 and 3 of the ITS on Reporting
  • Amendment of the Guidelines on Reporting for Financial Stability Purposes and revised annexes
  • Amendment of the Guidelines on the Supervision of Branches of Third-Country Insurance Undertakings and revised annexes
  • Publication of Taxonomy version 2.2.0
  • Feedback Statement on comments received from the call for comments

Update der EIOPA Q&A

Im Laufe des Oktobers 2016 wurden von EIOPA weitere Fragen und Antworten im „Q&A on Regulation“ zu Solvency II veröffentlicht. Diese beziehen sich sowohl auf EIOPA-Leitlinien und technische DurchfĂŒhrungsstandards als auch auf andere Themen, wie beispielsweise das Meinungspapier von EIOPA zur Anwendung der kombinierten Methode zur Berechnung des Gruppen-SCR (vgl. Q&A vom 6. Oktober 2016).

DarĂŒber hinaus wurden zuletzt am 26. Oktober 2016 die Fragen und Antworten zu folgenden Themen aktualisiert bzw. neu veröffentlicht:

 

BaFin wendet grundsĂ€tzlich alle EIOPA-Leitlinien an – mit wenigen Ausnahmen

Nach Finalisierung des zweiten Pakets der Level 3 EIOPA-Leitlinien (vgl. Blogbeitrag vom 15. September 2015) ist das sog. „Comply-or-Explain“-Verfahren der nationalen Aufsichtsbehörden nun ebenfalls abgeschlossen. Die BaFin hat gegenĂŒber der EIOPA erklĂ€rt, dass sie die Leitlinien vollstĂ€ndig, bis auf wenige Ausnahmen anwenden wird. Dies hat die BaFin auf der BaFin-Webseite am 15. Dezember 2015 veröffentlicht. DarĂŒber hinaus können die DetailrĂŒckmeldungen der nationalen Aufsichten sĂ€mtlicher EU/EWR-Staaten auf der EIOPA-Webseite abgerufen werden.

Auf ihrer Internetseite veröffentlichte die BaFin eine Übersicht mit entsprechenden ErlĂ€uterungen zu den betroffenen Leitlinien, die nur teilweise angewandt werden sollen. Die Ausnahmen betreffen neun Leitlinien zu sieben verschiedenen Themen und beziehen sich in der Regel nur auf einen Teil der jeweiligen Leitlinie. Diese seien zwar inhaltlich akzeptabel, aber die BaFin sieht entweder rechtliche Hindernisse auf nationaler Ebene diese umsetzen oder eine mögliche EinschrĂ€nkung aufgrund des ProportionalitĂ€tsprinzips.

Die BaFin veröffentlichte darĂŒber hinaus eine Zusammenstellung der Rechtsgrundlagen und Leitlinien von Solvency II. Die Zusammenstellung umfasst eine ErlĂ€uterung des zugrundeliegenden Rechtsetzungsverfahrens, eine Übersicht der technischen DurchfĂŒhrungsstandards (Level 2) der EU-Kommission und der EIOPA-Leitlinien (Level 3) sowie den BaFin- Auslegungsentscheidungen zu Solvency II. FĂŒr die Level 2 und 3 Dokumente wird sowohl die englische Originalversion als auch die deutschen Übersetzung, soweit vorhanden, aufgefĂŒhrt. Einzig ausstehende Leitlinie des zweiten Pakets in deutscher Sprache ist aktuell die Leitlinie zur Aufsicht ĂŒber Zweigniederlassungen von Versicherungsunternehmen aus Drittstaaten. Diese Leitlinie wurde verspĂ€tet fertig gestellt, sodass hier noch keine offizielle deutsche Fassung vorliegt, diese aber im ersten Quartal 2016 erwartet wird.

EIOPA veröffentlicht Paket 2 der ITS und GL

Am 6. Juli 2015 veröffentlichte EIOPA das zweite Paket (Set 2) der Finalen Reports der Technischen Standards (Implementing Technical Standards, ITS) und Leitlinien (Guidelines, GL). Dieses zweite Paket umfasst nun weitere ITS und GL mit umfangreichen Anforderungen zu SÀule 1 (quantitative Anforderungen), SÀule 2 (qualitative Anforderungen) und SÀule 3 (Anforderungen an die Berichterstattung) und sind das Ergebnis der Konsultationsphase (siehe Blog-Beitrag vom 5. Dezember 2014), welche am 2. MÀrz dieses Jahres endete.

Die folgende Tabelle listet die ITS und GL des zweiten Pakets mit Verlinkungen zu den jeweiligen Dokumenten auf:

SĂ€ule 1  
ITS  
EIOPA-Bos-15/119 Final Report on the public consultation CP-14-057 ITS on regional governments and local authorities treated as exposures ​
EIOPA-Bos-15/120 Final Report on the public consultation CP-14-058 ITS on equity index for the equity dampener
EIOPA-Bos-15/121 Final Report on the public consultation CP-14-059 ITS on adjustment for pegged currencies
EIOPA-Bos-15/122 Final Report on the public consultation CP-14-060 ITS on health risk equalisation systems standard deviations
Guidelines  
EIOPA-BoS-15/113 Final Report on the public consultation CP-14-043 Guidelines on Valuation assets and liabilities
EIOPA-BoS-15/111 Final Report on the public consultation CP-14-049 Guidelines on long term guarantees and transitional measures
SĂ€ule 2  
ITS  
EIOPA-Bos-15/114 Final Report on the public consultation CP-14-051 ITS on supervisory transparency and accountability ​
EIOPA-Bos-15/116 Final Report on the public consultation CP-14-053 ITS on capital add-on
EIOPA-Bos-15/117 Final Report on the public consultation CP-14-054 ITS on risk management: procedures when assessing external credit assessments
Guidelines  
EIOPA-BoS-15/108 Final Report on the public consultation CP-14-046 Guidelines on extension of the recovery period
SĂ€ule 3  
ITS  
EIOPA-Bos-15/115 Final Report on the public consultation CP-14-052 ITS on regular supervisory reporting
  Resolution comments on final Report on the public consultation CP-14-052 ITS on regular supervisory reporting
  Annexes (clean) to final Report on the public consultation CP-14-052 ITS on regular supervisory reporting
  Annexes (track changes) to final Report on the public consultation CP-14-052 ITS on regular supervisory reporting
EIOPA-Bos-15/118 Final Report on the public consultation CP-14-055 ITS on public disclosure: procedures, formats and templates
  Resolution comments on final Report on the public consultation CP-14-055 ITS on public disclosure: procedures, formats and templates
  Annexes to final Report on the public consultation CP-14-055 ITS on public disclosure: procedures, formats and templates
Guidelines  
EIOPA-BoS-15/106 Final Report on the public consultation CP-14-044 Guidelines on methods to determine the market share for the purpose of exemptions to supervisory reporting
EIOPA-BoS-15/107 Final Report on the public consultation CP-14-045 Guidelines on financial stability reporting
  Annexes to final Report on the public consultation CP-14-045 Guidelines on financial stability reporting
EIOPA-BoS-15/109 Final Report on the public consultation CP-14-047 Guidelines on reporting and disclosure
EIOPA-BoS-15/112 Final Report on the public consultation CP-14-050 Guidelines on exchange of information on a systematic basis within colleges
EIOPA-BoS-15/110 Final Report on the public consultation CP-14-048 Guidelines on third country branches
  Annexes to final Report on the public consultation CP-14-048 Guidelines on third country branches

Die Final Reports werden nun der EU Kommission vorgelegt und sind von dieser binnen 3 Monaten zu genehmigen. Im Anschluss erfolgt die Übersetzung und Veröffentlichung in alle offiziellen EU-Amtssprachen. Die ITS entfalten mit finaler Veröffentlichung unmittelbar rechtlich bindende Wirkung. FĂŒr die GL startet mit Veröffentlichung der Übersetzungen das „Comply-or-explain“-Verfahren der nationalen Aufsichtsbehörden. Diese haben innerhalb von 2 Monaten Stellung zu nehmen, inwiefern sie den GL auf nationaler Ebene nachkommen werden oder aus welchen GrĂŒnden eine Umsetzung der GL nicht erfolgen soll.

Als nĂ€chste Schritte wird EIOPA zudem im Laufe des Juli 2015 die XBRL-Taxonomie auf Basis der DurchfĂŒhrungsstandards fĂŒr die aufsichtsrechtliche Berichterstattung veröffentlichen. Dies ermöglicht es Versicherungsunternehmen ihre Vorbereitungen fĂŒr die Berichterstattung im Rahmen von Solvency II abzuschließen. Fragen zur Anwendung der Vorschriften, insbesondere im Hinblick auf die EIOPA Leitlinien und den risikofreien Zinssatz, werden durch ein Q&A-Tool auf der Homepage der EIOPA beantwortet.

Zu ausgewÀhlten Themen der Final Reports von EIOPA werden Sie in den kommenden Tagen weitere BeitrÀge von PwC in unserem Solvency II Blog finden.

EIOPA veröffentlicht die finalen Guidelines fĂŒr die Verwendung der Legal Entity Identifier (LEI) in den jeweiligen Amtssprachen

AnknĂŒpfend an die am 29. August 2014 abgeschlossene Konsultation zur Verwendung der Legal Entity Identifier veröffentlichte EIOPA am 11. September 2014 die finalen „Guidelines on the use of the Legal Entity Identifier (LEI)“. Die Bereitstellung der Leitlinien in den jeweiligen Amtssprachen folgte am 20. Oktober 2014 (deutsche Übersetzung).

Bei dem LEI-Code handelt es sich eine 20-stellige alphanumerische Kennung, welche die eindeutige Identifizierung der an globalen FinanzmĂ€rkten teilnehmenden Unternehmen ermöglicht. Mit der Veröffentlichung der Leitlinien unterstĂŒtzt EIOPA somit die Übernahme des LEI-Systems, welches vom Financial Stability Board (FSB) vorgeschlagen und von den G20 empfohlen wird.

EIOPA will mit der EinfĂŒhrung der LEI-Codes fĂŒr die Versicherungswirtschaft eine Verbesserung der Konvergenz und Effizienz des aufsichtsrechtlichen Überwachungssystems bei einer gleichzeitigen Sicherstellung hoher DatenqualitĂ€t, VerlĂ€sslichkeit und Vergleichbarkeit erzielen.

Die nationalen Aufsichtsbehörden sind nun in einem „comply-or-explain“-Verfahren dazu aufgefordert innerhalb der nĂ€chsten zwei Monate zu bestĂ€tigen, dass sie den Leitlinien (rechtskrĂ€ftig ab 31.12.2014) nachkommen bzw. beabsichtigen dies zu tun. Im Falle einer Ablehnung ist darzulegen, aus welchen GrĂŒnden eine Umsetzung nicht möglich ist.

Sofern die BaFin die Leitlinien annimmt, gilt es fĂŒr Unternehmen der Versicherungswirtschaft in einem nĂ€chsten Schritt einen LEI-Code zu beantragen. FĂŒr Unternehmen, welche in den Geltungsbereich der Solvency II-Richtlinie fallen, hat dies bis zum 30. Juni 2015 zu erfolgen. Die Vergabe der LEI-Codes wird dabei von sogenannten Local Operating Units (LOU) geregelt und kann bei diversen Anbietern beantragt werden.

Der LEI-Code ist im QRT „Basic Information“ anzugeben, welches bereits im Rahmen der Preparatory Phase in 2015 zu berichten ist. Liegt dieser bis zum Berichtszeitpunkt nicht vor, so muss gemĂ€ĂŸ der EIOPA Log-Files entweder ein Pre-LEI (auch GEI, Global Entity Identifier) oder, wenn auch dieser nicht verfĂŒgbar ist, der jeweils im lokalen Markt verwendete Code berichtet werden.

EIOPA startet öffentliche Konsultation zum ersten Paket der Level 3-Leitlinien (Guidelines)

Wie von EIOPA am 31. Januar 2014 angekĂŒndigt (siehe Blog-Beitrag vom 7. Februar 2014) startet im Juni 2014 pĂŒnktlich die öffentliche Konsultation zum ersten Paket der Level 3-Leitlinien (Guidelines). Kommentare hierzu können bis zum Ende der Konsultationsphase am 29. August 2014 ĂŒber das Template auf der EIOPA-Homepage eingereicht werden. Nach Abschluss der Konsultationsphase werden die Leitlinien von EIOPA final erarbeitet (inkl. der Übersetzung in alle EU-Amtssprachen) und erlassen. Der EU-Kommission steht in diesem Zusammenhang nur ein Informationsrecht zu.

Die nicht bindenden Leitlinien richten sich an die nationalen Aufsichtsbehörden und Finanzinstitute und verfolgen dabei zwei Ziele. Sie sollen zum einen die einheitliche, gleichmĂ€ĂŸige und konsistente Umsetzung des europĂ€ischen Rechts innerhalb der Mitgliedstaaten sicherstellen. Zum anderen unterstĂŒtzen sie eine konsistente, effiziente und effektive Aufsichtspraxis. Die nationalen Aufsichtsbehörden sind verpflichtet gegenĂŒber EIOPA zu erklĂ€ren, inwieweit sie die Leitlinien national umsetzen (“comply” bzw. “intend to comply”) oder nicht (“not comply”). Anschließend ist EIOPA verpflichtet eine Übersicht der non-compliance-ErklĂ€rungen zu veröffentlichen.

Die öffentliche Konsultationsphase umfasst im Einzelnen folgende sechs Leitlinien, deren Inhalte nachstehend kurz skizziert sind:

Thema  Inhalt der Leitlinie
1. Konsultation zu SĂ€ule 1
Versicherungstechnische RĂŒckstellungen Das Ziel der Leitlinie zu den versicherungstechnischen RĂŒckstellungen ist eine verbesserte Konsistenz hinsichtlich der Berechnung der versicherungstechnischen RĂŒckstellungen zwischen den verschiedenen Arten von Versicherern.Dazu enthĂ€lt die Leitlinie Abschnitte zu DatenqualitĂ€t, Segmentierung, Annahmen, Methodenwahl und Validierung fĂŒr die Berechnung der versicherungstechnischen RĂŒckstellungen (insbesondere relevant fĂŒr Aktuare, die die Versicherungsmathematische Funktion innehaben) sowie Klarstellungen bei der Bestimmung von Contract Boundaries.
Eigenmittel Die Leitlinie zu Eigenmitteln enthÀlt die folgenden Themenschwerpunkte

  • ErgĂ€nzende Eigenmittel – Klassifizierung, Identifizierung, Anforderungen fĂŒr die Genehmigung,
  • Klassifizierung von Eigenmitteln – Genehmigungsprozess fĂŒr Bestandteile, die nicht aufgefĂŒhrt sind, und Interpretationen von SchlĂŒsselbegriffen und Konzepten in der Rahmenrichtlinie und den Implementing Technical Standards (ITS, Level 2,5),
  • Ring Fenced Funds (RFF) – Identifizierung, Bestimmung der Vermögenwerte und Verbindlichkeiten innerhalb von RFF, Einfluss der RFF auf die SCR-Berechnung, Wesentlichkeit von RFF),
  • Behandlung von verbundenen Unternehmen einschließlich Beteiligungen – Identifizierung von verschiedenen Arten von verbundenen Unternehmen, einschließlich strategischer Beteiligungen.
SCR – Standard Formel Die Leitlinie zur SCR Standard Formel umfasst folgende Themen:

  • Marktrisiko – Behandlung von Short-Positionen, Vereinbarungen zur Wertpapierleihe, Hybridkapitalinstrumente und Sozialleistungsverpflichtungen.
  • Durchschau – ErklĂ€rung der FĂ€lle, in denen die Durchschau anzuwenden ist, Berechnung im Fall von indirekten versicherungstechnischen Risiken (wie Cat Bonds), Behandlung indirekter Risiken innerhalb indirekter Risiken (das Investieren in Mittel der Mittel).
  • Existenz von Basisrisiko – Versicherer dĂŒrfen den Effekt von Risikominderungstechniken bei der Berechnung des SCR nicht berĂŒcksichtigen, wenn diese zu einem wesentlichen Basisrisiko fĂŒhren; ErklĂ€rung der Kriterien, um die Existenz von Basisrisiko festzustellen.
  • Lebensversicherungstechnisches Risiko – Berechnung von Stressszenarien fĂŒr die meisten Unterrisiken, Behandlung von VertrĂ€gen, bei denen Leistungen vom Grad der BerufsunfĂ€higkeit abhĂ€ngen.
  • Kranken Cat Risiko – Leitlinie als Hilfestellung, um das einzubeziehende Volumen und die zu verwendenden Daten fĂŒr die Berechnung der Kapitalanforderungen fĂŒr das Kranken Cat Risiko zu bestimmen.
  • VerlustabsorptionskapazitĂ€t von versicherungstechnischen RĂŒckstellungen und latenten Steuern – Level der GranularitĂ€t, Annahmen zu zukĂŒnftigen Managemententscheidungen und andere Elemente der Berechnung.
  • Verwendung der RĂŒckversicherung fĂŒr  das Cat Risiko (Events, Disaggregation von Verlusten, etc., inklusive der Anwendung auf Gruppen), Anwendung des Sub-Moduls fĂŒr das durch den Menschen verursachte Cat Risiko, Allokation von Versicherungspolicen zu den Risikogruppen fĂŒr das Sub-Modul Man-Made Liability Catastrophe Risk.
  • USPs – DatenqualitĂ€t, Datenanpassungen, Verwendung externer Daten und Rolle von ExpertenschĂ€tzungen.
Gruppen-SolvabilitĂ€tsberechnung Die Leitlinie zur Gruppen-SolvabilitĂ€tsberechnung umfasst die Klarstellung des Umfangs der Gruppenaufsicht im Kontext von Drittstaaten, analoge Anwendung auf die Solo-SolvabilitĂ€tsberechnung auf Gruppenebene, Berechnung der GruppensolvabilitĂ€t bei Anwendung der Konsolidierungsmethode, Abzugs-/ Aggregationsmethode und Kombinationsmethode. DarĂŒber hinaus werden die Beurteilung der VerfĂŒgbarkeit von Eigenmitteln auf Gruppenebene und die Behandlung von Minderheitenanteilen, der Umgang mit RFFs, die Behandlung von (RĂŒck-)Versicherungsholdinggesellschaften und gemischten Finanzholdinggesellschaften, die Kriterien fĂŒr die Identifizierung von Tochterunternehmen mit beschrĂ€nkter Haftung und die Spezifizierung von deren Behandlung adressiert.
2. Konsultation zum Internen Modell
Verwendung des Internen Modells

Vergleichbar mit den Preparatory Guidelines werden den (RĂŒck-) Versicherungsunternehmen mit dieser Leitlinie zum Internen Modell mehr Hinweise dazu gegeben, wie sie die Anforderungen an das Interne Modell erfĂŒllen können und wie die Aufsichtskollegien bei gruppeninternen Modellen funktionieren.

Die Leitlinien umfassen das Antragsverfahren (was mĂŒssen die (RĂŒck-) Versicherungsunternehmen bei der Antragseinreichung beachten), ModellĂ€nderungen, Tests und Standards fĂŒr die Genehmigung des Internen Modells und fĂŒr die Aufsichtskollegien.

Sie enthalten zudem einen Abschnitt zu Annahmen und ExpertenschĂ€tzungen (entsprechend Artikel 4 der Draft Implementing Measures), der in gleicher Weise fĂŒr alle Unternehmen relevant ist.

3. Konsultation zu SĂ€ule 2
Governance Die Leitlinie zur Governance umfasst neben allgemeinen Governance-Themen spezifischere Themen wie VergĂŒtungsrichtlinie, Fit and Proper, Risikomanagement, Prudent Person Prinzip, Eigenmittelanforderungen und das Governance-System, Interne Kontrollen, Interne Revision, Versicherungsmathematische Funktion, Outsourcing und Gruppenspezifika.Zudem enthĂ€lt die Leitlinie auch Abschnitte zur Bewertung der Vermögenswerte und sonstigen Verbindlichkeiten.
ORSA Die Leitlinie zu ORSA basiert auf den Preparatory Guidelines und umfasst die ‚Governance‘ des ORSA Prozesses, die Assessments, die Berichterstattung und Dokumentation sowie gruppenspezifische Aspekte.
4. Konsultation zum aufsichtsrechtlichen ÜberprĂŒfungsprozess
Aufsichtsrechtlicher ÜberprĂŒfungsprozess Die Leitlinie zum aufsichtsrechtlichen ÜberprĂŒfungsprozess beinhaltet zum einen allgemeine durch die nationalen Aufsichtsbehörden anzuwendende Prinzipien im Zuge des aufsichtsrechtlichen ÜberprĂŒfungsprozesses und zum anderen eine Beschreibung verschiedener Stufen des aufsichtsrechtlichen ÜberprĂŒfungsprozesses (im Wesentlichen relevant fĂŒr die Aufsichtsbehörden).
5. Konsultation zur Gleichwertigkeit
Gleichwertigkeit Die Leitlinie zu Gleichwertigkeit umfasst die Beschreibung des Prozesses der nationalen Aufsichtsbehörden bei der Beurteilung der Gleichwertigkeit auf nationaler Ebene und die Bereitstellung eines Fragebogens, welcher verpflichtend bei der Informationssammlung von betroffenen Drittstaaten/ Versicherungsunternehmen heranzuziehen ist.
6. Konsultation zur Auswirkungsstudie
Auswirkungsstudie Dieses Papier soll helfen, die Verlinkungen zwischen einigen Themen zu schaffen und die gemeinsame Basis der Auswirkungsstudie zu verstehen.

EIOPA weist darauf hin, dass trotz der Aufteilung der Themen in die sechs Konsultationspapiere einige Themenbereiche in verschiedenen Konsultationspapieren behandelt werden. So enthĂ€lt das Konsultationspapier zu den Leitlinien fĂŒr das Interne Modell einen Abschnitt zu Annahmen und ExpertenschĂ€tzungen (entsprechend Artikel 4 der Draft Implementing Measures), der in gleicher Weise fĂŒr alle Unternehmen relevant ist und nicht nur fĂŒr Unternehmen mit einem Internen Modell. Daher sind diese Leitlinien in Zusammenhang mit denjenigen zum Governance-System bezĂŒglich der Bewertung der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten ohne versicherungstechnische RĂŒckstellungen sowie mit den Leitlinien zur Bewertung der versicherungstechnischen RĂŒckstellungen zu lesen.

Verlautbarungen zu Themenblock 5 „Eigenmittelanforderungen und Governance-System“ veröffentlicht

Entsprechend der verkĂŒndeten Dialog- und Verlautbarungsphasen der BaFin zu den EIOPA-Leitlinien (siehe Blog-Beitrag vom 28. Februar 2014) veröffentlichte die BaFin am 5. Mai 2014 die Verlautbarung zu Themenblock 5 „Eigenmittelanforderungen und Governance-System“. InlĂ€ndische Erst- und RĂŒckversicherungsunternehmen sowie der BaFin unterliegende (auslĂ€ndische) Versicherungsgruppen können zur Verlautbarung zu Themenblock 5 bis zum 28. Mai 2014 ErklĂ€rungswĂŒnsche und Kommentare bei der BaFin einreichen (Vorbereitungsphase@bafin.de).

Die Eigenmittelleitlinien aus dem Bereich der Anforderungen an die GeschĂ€ftsorganisation und das Risikomanagement umfassen die Anforderungen an Kapitalmanagementleitlinien (Leitlinie 31) und den mittelfristigen Kapitalmanagementplan (Leitlinie 32). Im Rahmen der Vorbereitung auf Solvency II erwartet die BaFin von Versicherungsunternehmen und -gruppen, dass sie gemĂ€ĂŸ den Anforderungen der Eigenmittelleitlinien eine Kapitalmanagementleitlinie aufstellen sowie einen mittelfristigen Kapitalmanagementplan entwerfen. Hierzu fĂŒhrt die BaFin spĂ€testens ab der 32. Kalenderwoche 2014 eine Sachstandabfrage zu den Eigenmittelleitlinien durch, deren Teilnahme fĂŒr inlĂ€ndische (RĂŒck-)Versicherungsunternehmen sowie der BaFin unterliegende (auslĂ€ndische) Versicherungsgruppen verbindlich ist. Im Folgenden sind die wesentlichen inhaltlichen Aspekte dargestellt.

Kapitalmanagementleitlinien (Leitlinie 31)

Das Solvency II-Regime bringt wesentliche Neuerungen hinsichtlich der Eigenmittelsituation von Versicherungsunternehmen und -gruppen mit sich, die sich in der Kapitalmanagementleitlinie widerspiegeln sollen. FĂŒr Unternehmen, die einer Gruppe angehören, sind Kapitalmanagementleitlinien und -plĂ€ne auf Einzelunternehmensbasis und fĂŒr das oberste Gruppenunternehmen, sofern gruppeninterne Kapitalströme existieren, zu erstellen. Die Kapitalmanagementleitlinie ist als Leitlinie im Sinne des Artikels 41 Abs. 3 Solvency II-Rahmenrichtlinie durch den Vorstand zu verabschieden und mindestens einmal jĂ€hrlich zu ĂŒberprĂŒfen und bei Bedarf anzupassen.

Die VerĂ€nderung unter Solvency II hin zu einer marktwertbasierten Bewertung der Eigenmittel auf der einen Seite, die eine höhere VolatilitĂ€t der Soll- und Ist-Werte in sich birgt, sowie die Anforderung an die jederzeitige ErfĂŒllung der SolvabilitĂ€tsanforderungen auf der anderen Seite, macht eine konstante Überwachung der Bedeckung unabdingbar. Dadurch ist die zukunftsorientierte Auseinandersetzung der Unternehmen mit ihrer Eigenmittelsituation unter Solvency II unverzichtbar.

Gleichermaßen mĂŒssen Unternehmen auch ihre derzeitige Eigenmittelsituation unter dem aktuellen Aufsichtsregime im Zuge der Erstellung der Kapitalmanagementleitlinie und des mittelfristigen Kapitalmanagementplanes betrachten und untersuchen, inwieweit das emittierte Kapital jeweils den derzeitigen Anforderungen entspricht, insbesondere bei Genussrechten und nachrangigen Verbindlichkeiten die speziellen Kriterien erfĂŒllt und die Anrechnungsgrenzen eingehalten werden. Zum anderen ist zu untersuchen, inwieweit die kĂŒnftigen Solvency II-Kriterien erfĂŒllt werden und von den Übergangsregelungen („Grandfathering“) Gebrauch gemacht werden kann. Bei Inanspruchnahme von Übergangsregelungen sind jedoch die gesonderten Anrechnungsgrenzen und zeitlich begrenzte Anrechnung zu beachten.

Unter Solvency II wird grundsĂ€tzlich zwischen drei unterschiedliche QualitĂ€tsklassen (‚Tiers‘) unterschieden, in die die Eigenmittel eines Versicherungsunternehmens einzuordnen sind. Bei der Anrechnung an die SolvabilitĂ€ts- und Mindestkapitalanforderung unterliegen die Eigenmittel dabei folgenden Anrechnungsgrenzen.

Eigenmittelklassen  Anrechenbarkeit
SolvabilitĂ€tsanforderung (SCR)  
 Tier 1-Eigenmittel  UnbeschrĂ€nkt
 Hybridkapitalinstrumente, die Tier 1-Kriterien erfĂŒllen  Maximal 20% der Tier 1-Eigenmittel
 Summe von Tier 2- und 3- Eigenmitteln  Maximal 50% der SolvabilitĂ€tsanforderung
 Tier 3-Eigenmittel  Weniger als 15% der SolvabilitĂ€tsanforderung
 Mindestkapitalanforderung (MCR)  
 Tier 1-Eigenmittel  UnbeschrĂ€nkt, Mindestens 80% der Mindestkapitalanforderung
 Tier 2-Eigenmittel  Weniger als 20% der Mindestkapitalanforderung
 Tier 3-Eigenmittel  Nicht anrechnungsfĂ€hig

FĂŒr die Klassifizierung der Eigenmittel in die drei Tiers sind die Solvency II Kriterien sorgfĂ€ltig zu untersuchen. Dies betrifft im Besonderen Kapitalemissionen wie beispielsweise von Kapital mit GewĂ€hrung von Genussrechten oder aufgrund der Eingehung von nachrangigen Verbindlichkeiten. Zum anderen ist sicherzustellen, dass Bedingungen von Eigenmittelbestandteilen klar und unmissverstĂ€ndlich definiert werden. DafĂŒr ist u.a. eine juristische PrĂŒfung von Vertragsbedingungen von Eigenmitteln hinsichtlich KonformitĂ€t mit den geltenden Anforderungen durchzufĂŒhren. Ein weiteres Kriterium fĂŒr die Anerkennung als Eigenmittel ist die Möglichkeit eines Aufschubs oder einer Aussetzung von Zahlungen wie z.B. Dividenden- oder Zinszahlungen.

Bis zur rechtsverbindlichen Veröffentlichung der delegierten Rechtsakte bleibt jedoch abzuwarten, welche Bedingungen letztlich bei der Anrechnung von Eigenmitteln zu erfĂŒllen sind. Eine Durchsicht der vertraglichen Regelungen durch die BaFin stellt daher keine verbindliche Bewertung der Eigenmittel dar.

Mittelfristiger Kapitalmanagementplan (Leitlinie 32)

FĂŒr den Kapitalmanagementplan ist ein mittelfristiger Zeithorizont anzusetzen, der in der Regel dem Unternehmensplanungshorizont entspricht, aber auch in AbhĂ€ngigkeit von laufenden VertrĂ€gen und KĂŒndigungsmöglichkeiten gewĂ€hlt werden sollte. Im Hinblick auf die aktuelle Vorbereitungsphase auf Solvency II sollte der Kapitalmanagementplan die regulatorischen Entwicklungen bis hin zum Inkrafttreten von Solvency II berĂŒcksichtigen.

Um stĂ€ndig eine ausreichende Bedeckung der SolvabilitĂ€tsanforderungen sicherstellen zu können, sind im Kapitalmanagementplan insbesondere bestehende kĂŒnftige RĂŒckzahlungsverpflichtungen, die reduzierte Anrechenbarkeit von Eigenmitteln (§ 53c Abs. 3b S. 1 Nr. 4 VAG) und die Ausgestaltung von KĂŒndigungsrechten wichtige zu berĂŒcksichtigende Aspekte. Dabei sind bei auch verschiedene Szenarien zu betrachten und Fragen hinsichtlich der Kapitalersetzung nachzugehen.

Insgesamt sind entsprechend der VerĂ€nderungen mit Inkrafttreten von Solvency II in der Kapitalmanagementleitlinie und im mittelfristigen Kapitalmanagementplan sowohl die Eigenmittelsituation unter dem geltenden Solvency I-Regime als auch die zukĂŒnftige Betrachtung unter Solvency II darzustellen.

ProportionalitÀtsprinzip

Der Grundsatz der ProportionalitĂ€t hat auch fĂŒr die Eigenmittelleitlinien GĂŒltigkeit. So können können die Kapitalmanagementleitlinie und die mittelfristige Kapitalmanagementplanung bei einer geringen EigenmittelkomplexitĂ€t (z.B. wenn kein Hybridkapital emittiert wurde) jedoch weniger umfangreich und mit einer geringeren Detailtiefe erstellt werden. Allerdings kann weder in der Vorbereitungsphase noch bei Inkrafttreten von Solvency II von einer Kapitalmanagementleitlinie und mittelfristigen Kapitalmanagementplanung abgesehen werden. Die PrĂŒfung der ProportionalitĂ€t soll dabei laufend erfolgen mit entsprechender Entwicklung der Leitlinien und PlĂ€ne.

BaFin veröffentlicht aktualisierte Verlautbarung zum Themenblock 2 „Fachliche Qualifikation und persönliche ZuverlĂ€ssigkeit“

Nachdem die BaFin am 24. MĂ€rz 2014 im Zuge der Dialog- und Verlautbarungsphase (siehe Blogbeitrag vom 28. Februar 2014) einen ersten Entwurf zum Themenblock 2 „Fachliche Qualifikation und persönliche ZuverlĂ€ssigkeit“ – den sogenannten „Fit & Proper“-Kriterien – (siehe Blogbeitrag vom 27. MĂ€rz 2014) veröffentlicht hat, wurde am 30. April 2014 die nach Einholen der ErgĂ€nzungs- und ErklĂ€rungswĂŒnsche sowie der sonstigen Kommentare der betroffenen Unternehmen ĂŒberarbeitete Verlautbarung zum Thema „PrĂŒfung der fachlichen Eignung und ZuverlĂ€ssigkeit“ auf der BaFin Homepage veröffentlicht.

Im Vergleich zum Entwurf der Verlautbarung wurden in der finalen Version einige Anpassungen vorgenommen, die ĂŒberwiegend redaktioneller Art sind. Die wichtigsten Anpassungen sind im Folgenden genannt:

Zum besseren VerstĂ€ndnis wurde der Begriff der „SchlĂŒsselaufgabe“ konkretisiert. Hierunter werden solche Aufgaben verstanden, die die tatsĂ€chliche Leitung des Unternehmens betreffen sowie „andere SchlĂŒsselaufgaben“. Dazu gehören neben den Aufgaben der vorgeschriebenen vier SchlĂŒsselfunktionen explizit auch die Aufgaben der Mitglieder des Aufsichtsrats. DarĂŒber hinaus kann es weitere „andere SchlĂŒsselaufgaben“ geben, die von den Unternehmen zu identifizieren sind und Bereiche meinen, die fĂŒr den GeschĂ€ftsbetrieb des Unternehmens von erheblicher Bedeutung sind. Damit ist jedes Unternehmen gefordert zu prĂŒfen, welche Personen entsprechende SchlĂŒsselaufgaben verantworten bzw. fĂŒr diese tĂ€tig sind, um sicherzustellen, dass die Anforderungen an die fachliche Qualifikation und persönliche ZuverlĂ€ssigkeit bei allen relevanten Personen erfĂŒllt werden.

Die AusfĂŒhrungen zum personenbezogenen Anwendungsbereich wurden in der Hinsicht konkretisiert, dass die Anzeigepflicht gegenĂŒber der Aufsicht ausdrĂŒcklich nur auf die Verantwortlichen Inhaber der SchlĂŒsselaufgabe zutrifft, nicht jedoch auf solche Personen, die fĂŒr die SchlĂŒsselaufgabe tĂ€tig sind. Die Qualifikationsanforderungen treffen allerdings auch auf Stellvertreter der Personen zu, die SchlĂŒsselaufgaben verantwortlich innehaben bzw. fĂŒr solche tĂ€tig sind. Unternehmen mĂŒssen daher ĂŒber klar definierte und transparente Stellvertreterregelungen verfĂŒgen, anhand derer die entsprechenden Stellvertreter ermittelt und eine Anwendung der Anforderungen an die fachliche Qualifikation und persönliche ZuverlĂ€ssigkeit gewĂ€hrleistet werden kann.

Hinsichtlich der Angaben zum ProportionalitĂ€tsprinzip im Zusammenhang mit der fachlichen Eignung und ZuverlĂ€ssigkeit wurden die Anforderungen im Falle der Wahrnehmung von Leitungspositionen minimal reduziert. Nunmehr ist es nicht mehr erforderlich, dass eine ÜberprĂŒfung des Vorliegens der Leitungserfahrung stattfinden muss; diese sollte lediglich berĂŒcksichtigt werden. Daneben wurde klargestellt, dass im Zusammenhang mit den Anforderungen an Aufsichtsratsmitglieder die Vorschriften zur Mitbestimmung der Arbeitnehmer unberĂŒhrt bleiben.

In der schriftlichen internen Leitlinie zu „Fit & Proper“ sind alle SchlĂŒsselaufgaben und ZustĂ€ndigkeiten zu benennen und der Prozess zur Analyse der fachlichen Eignung und persönlichen ZuverlĂ€ssigkeit dieser zu beschreiben.

Die Anforderungen bei Ausgliederungen von SchlĂŒsselaufgaben (Sicherstellung ausreichender Qualifikation der (Sub-)Dienstleister, Darlegung des PrĂŒfprozesses zur fachlichen Qualifikation der (Sub-)Dienstleister, Ergebnis der ProzessprĂŒfung, Benennung von anzeigepflichtigen Ausgliederungsbeauftragten) wurden nun auch explizit auf konzern- oder gruppeninterne Ausgliederungen ausgeweitet. Im Detail soll es hierzu in 2015 im Themenblock 8 eine weitere Veröffentlichung geben.

Zur zukĂŒnftigen Beurteilung der Anforderungen durch die BaFin wurde ergĂ€nzt, dass die Unterlagen zur Beurteilung der fachlichen Eignung und ZuverlĂ€ssigkeit von verantwortlichen Inhabern der SchlĂŒsselaufgaben erneut bei der BaFin einzureichen sind, auch wenn die Person bereits bei der BaFin angezeigt ist (z.B. als GeschĂ€ftsleiter). Hierauf kann die BaFin im Einzelfall verzichten. DarĂŒber hinaus kann die BaFin im Rahmen ihrer gesetzlichen Befugnisse weitere Unterlagen anfordern oder bei örtlichen PrĂŒfungen einsehen (bspw. unternehmensinterne Leitlinien).

BaFin veröffentlicht Verlautbarungen zu Themenblock 1 „Allgemeine Governance Anforderungen“

In Vorbereitung auf Solvency II hat die BaFin ein strukturiertes und dialogorientiertes Vorgehen bei der Anwendung der EIOPA Leitlinien entwickelt. In diesem Zusammenhang wurden die EIOPA Leitlinien in 15 Themenblöcke gruppiert (siehe Blog-Beitrag vom 5. November 2013 und 28. Februar 2014).

Neben den Themenblöcken 9 „Beurteilung des GesamtsolvabilitĂ€tsbedarfs und allgemeine Anforderungen fĂŒr den ORSA“ und 2 „PrĂŒfung der fachlichen Eignung und ZuverlĂ€ssigkeit“ hat die BaFin am 16. April 2014 nun auch Verlautbarungen zu Themenblock 1 „Allgemeine Governance Anforderungen“ veröffentlicht. Die inlĂ€ndischen Erst- und RĂŒckversicherungsunternehmen sowie der BaFin unterliegende (auslĂ€ndische) Versicherungsgruppen können zur Verlautbarung zu Themenblock 1 bis zum 9. Mai 2014 ErklĂ€rungswĂŒnsche und Kommentare bei der BaFin einreichen (Vorbereitungsphase@bafin.de).

Die Verlautbarungen dienen dazu, die bereits veröffentlichten EIOPA Leitlinien zu den allgemeinen Governance Anforderungen (Leitlinie 3 bis 10 der EIOPA Leitlinien zum Governance-System) zu konkretisieren und den Unternehmen praktische Umsetzungshinweise und Beispiele fĂŒr die Vorbereitungsphase an die Hand zu geben. Die Erwartungen der BaFin an die konkrete Umsetzung lassen sich aus den Verlautbarungen ableiten. Insbesondere im Themenblock 1 „Allgemeine Governance Anforderungen“ verweist die BaFin an zahlreichen Stellen auf geltendes Recht. Hieraus wird ersichtlich, dass die bereits im nationalen Gesellschafts- und Versicherungsaufsichtsrecht verankerten Governance-Vorschriften als Mindestvoraussetzung bei der Beurteilung des Umsetzungsstands gesehen werden.

Im Folgenden werden die wesentlichen inhaltlichen Aspekte zusammengefasst und dabei vor allem diejenigen Aspekte aufgegriffen, die ĂŒber den Detaillierungsgrad der EIOPA Leitlinien hinausgehen. Dabei spielt bei der Umsetzung der allgemeinen Governance-Anforderungen der Grundsatz der ProportionalitĂ€t eine wichtige Rolle. Alle Anforderungen sind daher auch unter dem ProportionalitĂ€tsgrundsatz und somit in Bezug auf das individuelle Risikoprofil zu betrachten.

Aufbau- und Ablauforganisation

GrundsĂ€tzlich sind die Unternehmen in der Ausgestaltung der Solvency II-Anforderungen frei. Eine Bewertung der Angemessenheit der Aufbau- und Ablauforganisation sollte unter BerĂŒcksichtigung des individuellen Risikoprofils erfolgen. Die Aufbau- und Ablauforganisation sollte sich an den strategischen Zielen orientieren. Eine Anpassung der Strukturen bei Änderungen der strategischen Ziele (bspw. BestandsĂŒbertragungen, Änderungen in der Gruppenstruktur, Run-offs) ist zu berĂŒcksichtigen. Unabdingbar ist eine klare Definition von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, Schnittstellen und Berichtslinien. Zudem sind effektive Verfahren und Prozesse zu etablieren, um kontinuierlich potentielle Interessenkonflikte aufzudecken und abzumildern.

GeschĂ€ftsablĂ€ufe, die mit wesentlichen Risiken einhergehen, sind anhand geeigneter Kriterien zu ĂŒberprĂŒfen. HierfĂŒr ist es zweckmĂ€ĂŸig, zunĂ€chst eine unternehmensindividuelle Wesentlichkeitsgrenze zu definieren. Wichtig ist, dass hierbei Wesentlichkeit ĂŒber den Wesentlichkeitsbegriff, wie er in den MaRisk (VA) beschrieben ist, hinausgeht. Dies haben die Unternehmen in der Vorbereitungsphase gegebenenfalls bei der Festlegung ihrer individuellen Wesentlichkeitsgrenzen zu beachten.

Um eine angemessene Steuerung und Überwachung der identifizierten Prozesse zu gewĂ€hrleisten, sollten die einzelnen Prozessschritte klar festgelegt werden. In diesem Rahmen sind die erforderlichen KontrollaktivitĂ€ten und gegebenenfalls Eskalationsschritte, die prozessspezifischen ZustĂ€ndigkeiten und die InformationsflĂŒsse einzuschließen. Um die sorgfĂ€ltige und gewissenhafte Aufgabenwahrnehmung weiter zu unterstĂŒtzen, sollte die Erstellung und Umsetzung eines Verhaltenskodex fĂŒr das gesamte Personal in Betracht gezogen werden.

Die Aufbau- und Ablauforganisation ist fĂŒr Dritte nachvollziehbar zu dokumentieren und die Dokumentation auf aktuellem Stand zu halten. VorgĂ€ngerversionen sind mindestens sechs Jahre aufzubewahren.

Die BaFin erwartet von der GeschĂ€ftsleitung des auf Gruppenebene zustĂ€ndigen Unternehmens eine angemessene Kenntnis der internen Organisation der Gruppe, der GeschĂ€ftsmodelle der verschiedenen Unternehmen, der Verbindungen und Beziehungen zwischen ihnen und der aus der Gruppenstruktur resultierenden Risiken. Die Verantwortung fĂŒr Anpassungen der Aufbau- und Ablauforganisation auf Ebene eines Einzelunternehmens liegt jedoch bei der GeschĂ€ftsleitung des betreffenden Unternehmens. Gegebenenfalls sind Vorgaben des fĂŒr die Gruppe zustĂ€ndigen Unternehmens zu beachten und unternehmensindividuell umzusetzen.

Interne ÜberprĂŒfung des Governance-Systems

Neben der durch die interne Revision durchzufĂŒhrenden Bewertung, ob das interne Kontrollsystem und andere Bestandteile des Governance-Systems angemessen und wirksam sind, hat zusĂ€tzlich eine ÜberprĂŒfung des Governance-Systems als Ganzes zu erfolgen. Als Grundlage fĂŒr diese interne ÜberprĂŒfung können neben Erkenntnissen aus PrĂŒfungen der Internen Revision, insbesondere auch Informationen dienen, die die weiteren SchlĂŒsselfunktionen bei der DurchfĂŒhrung ihrer Aufgaben erhalten. Im Regelfall ist eine jĂ€hrliche ÜberprĂŒfung ausreichend. Wenn die GeschĂ€ftsleitung den Umfang und die HĂ€ufigkeit der internen ÜberprĂŒfung des Governance-Systems festlegt, ist es aber auch sinnvoll, Kriterien zu bestimmen, nach denen eine außerplanmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung stattfinden soll.

Die Ergebnisse der internen ÜberprĂŒfung sind von der GeschĂ€ftsleitung unter Einbeziehung der SchlĂŒsselfunktionen zu diskutieren und entsprechende Maßnahmen abzuleiten sowie zu dokumentieren.

Interne Leitlinien

Die Unternehmen sind bereits heute dazu angehalten, fĂŒr die mit wesentlichen Risiken behafteten GeschĂ€ftsablĂ€ufe innerbetriebliche Leitlinien aufzustellen. Da der Anwendungsbereich von Solvency II insgesamt weiter gefasst ist als die MaRisk VA gehen die Anforderungen an die schriftlich festzulegenden Leitlinien unter Solvency II darĂŒber hinaus. Die bisher geltenden Regelungen bilden laut BaFin jedoch eine solide Grundlage, um die Bedingungen an schriftlich festzulegende Leitlinien unter Solvency II erfĂŒllen zu können.

Die Festlegung der GeschÀfts- und Risikostrategie liegt in der nicht delegierbaren Gesamtverantwortung der GeschÀftsleitung. Leitlinien, welche auf Gruppenebene beschlossen wurden, gelten nach Auffassung der BaFin nicht automatisch in den rechtlich selbststÀndigen Einzelunternehmen. Dies gilt auch, wenn BeherrschungsvertrÀge bestehen.

Die Unternehmen sollten im Vorfeld festlegen, welche Änderungen in den schriftlich festgelegten Leitlinien als geringfĂŒgig einzuschĂ€tzen sind. Andernfalls bedĂŒrfen sie grundsĂ€tzlich der Zustimmung durch die GeschĂ€ftsleitung.

Folgende Mindestanforderungen an die schriftlich festgelegten Leitlinien sind zu berĂŒcksichtigen:

  • Darstellung der Ziele, Aufgaben und Verantwortlichkeiten.
  • BerĂŒcksichtigung von Schnittstellen und Abgrenzungen.
  • Vorgabe von Prozessen und Berichtsverfahren zur Umsetzung.
  • Definition der Befugnisse der SchlĂŒsselfunktionen in den relevanten Leitlinien und Festlegung, welche Informationen an die SchlĂŒsselfunktionen zu ĂŒbermitteln sind.

Eine Abstimmung der schriftlichen Leitlinien hat sowohl untereinander, als auch mit der GeschĂ€ftsstrategie zu erfolgen, sofern sie das Governance-System betreffen. Alle schriftlichen Leitlinien mĂŒssen auf einheitliche Art und Weise sowie vollstĂ€ndig ĂŒberprĂŒft werden. Die ÜberprĂŒfung der schriftlich festgelegten Leitlinien muss angemessen dokumentiert werden. Festgestellte Probleme und daraus resultierende Empfehlungen gegenĂŒber der GeschĂ€ftsleitung sollen dokumentiert werden.

Aus den Leitlinien sollten sich Arbeitsprozesse herausbilden lassen, welche von den relevanten Mitarbeitern einzuhalten sind. Die Unternehmen sollten dementsprechend interne Kontrollen einfĂŒhren, die sicherstellen, dass entsprechend den internen Leitlinien gehandelt und nicht dagegen verstoßen wird bzw. VerstĂ¶ĂŸe zeitnah bekannt werden.

Das Verwaltungs-, Management- oder Aufsichtsorgan

Die BaFin stellt klar, dass im Zusammenhang mit dem Governance-System mit dem Verwaltung-, Management- oder Aufsichtsorgan (VMAO) national regelmĂ€ĂŸig zunĂ€chst die GeschĂ€ftsleitung angesprochen ist. Dies bedeutet aber nicht, dass das Governance-System fĂŒr den Aufsichtsrat nicht von Bedeutung ist.

GeschĂ€ftsleitung und Aufsichtsrat eines Unternehmens haben in angemessener Interaktion mit von ihnen eingesetzten AusschĂŒssen sowie mit FĂŒhrungskrĂ€ften und SchlĂŒsselaufgaben innerhalb des Unternehmens zu stehen. Die BaFin erwartet, dass GeschĂ€ftsleitung und Aufsichtsrat auch weiterhin von sich aus alle potentiell relevanten Informationen einfordern und bei Bedarf hinterfragen.

Die GeschĂ€ftsleitung hat die fĂŒr ihre FĂŒhrungsaufgaben nötige Entscheidungskompetenz sowie die Umsetzung ihrer Entscheidungen sicherzustellen. Dies umfasst regelmĂ€ĂŸige- und ad-hoc-Informationsrechte und -pflichten sowie entsprechende Beratungen. DafĂŒr sollten bereits nach geltendem Recht angemessene Prozesse etabliert sein.

GeschĂ€ftsleitung und Aufsichtsrat haben in eigener Verantwortung zu ĂŒberlegen, ob eine – und falls ja welche – Ausschussstruktur fĂŒr das Unternehmen geeignet ist (bspw. Risiko-, PrĂŒfungs-, Anlage-, RĂŒckversicherungs- oder VergĂŒtungsausschuss). Auch das Einsetzen von AusschĂŒssen fĂŒhrt nicht zu einer Verlagerung der Verantwortung. Die GeschĂ€ftsleitung ist und bleibt verantwortlich fĂŒr die ordnungsgemĂ€ĂŸe GeschĂ€ftsorganisation, insbesondere fĂŒr ein angemessenes Risikomanagement. Auf Gruppenebene muss die GeschĂ€ftsleitung des zustĂ€ndigen Unternehmens in angemessener Interaktion mit den GeschĂ€ftsleitungen aller Unternehmen innerhalb der Gruppe stehen.

In der Tradition des nationalen Gesellschafts- und Versicherungsaufsichtsrechts, misst die BaFin dem Vier-Augen-Prinzip auf GeschÀftsleitungs-Ebene und auf den Ebenen darunter seit langem eine bedeutende Rolle bei.

Bei wesentlichen Entscheidungen sollte sich die GeschÀftsleitung als Gesamtorgan die Entscheidungsgewalt vorbehalten.

Die GeschĂ€ftsleitung hat die von ihr getroffenen Entscheidungen sowie die Art und Weise, wie Informationen aus dem Risikomanagementsystem berĂŒcksichtigt werden, in angemessener Weise zu dokumentieren. Die BaFin betont an dieser Stelle ausdrĂŒcklich die Wichtigkeit des Nachweises, wie die Risikomanagementfunktion in Entscheidungen eingebunden wird und wenn nicht, warum dies nicht als notwendig erachtet wird. Die Dokumentation muss vollstĂ€ndig, exakt und mit den wesentlichen Hintergrundinformationen angereichert sein, so dass eine fachkundige Person die Entscheidung inhaltlich nachvollziehen und gegebenenfalls ĂŒberprĂŒfen kann.

SchlĂŒsselfunktionen

Ausschließlich interne Revisionsfunktion, Compliance-Funktion, Risikomanagementfunktion (URCF) und versicherungsmathematische Funktion sind SchlĂŒsselfunktionen.

In dieser Verlautbarung geht es vornehmlich um ĂŒbergeordnete organisatorische Aspekte, die alle SchlĂŒsselfunktionen betreffen. In weiteren Veröffentlichungen wird die BaFin sich speziell zur internen Revisionsfunktion und Compliance-Funktion (Themenblock 6), zur Risikomanagementfunktion (URCF – Themenblock 3) und zur versicherungsmathematischen Funktion (Themenblock 7) Ă€ußern.

Die Solvency II-Richtlinie enthĂ€lt keinerlei Ausnahmen fĂŒr bestimmte Arten von Unternehmen; ebenso wenig ermĂ€chtigt sie die nationalen Aufsichtsbehörden, im Einzelfall Ausnahmen zu gewĂ€hren.

Im Vergleich zum geltenden § 64a VAG ist nur die versicherungsmathematische Funktion ganz neu. Die Schaffung einer internen Revision und einer unabhÀngigen Risikocontrollingfunktion ist bereits gesetzlich im VAG verankert.

In Bezug auf Compliance ist zu unterscheiden: Es gibt bisher zwar keine organisatorische Vorgabe, eine Compliance-Funktion einzurichten. Jedes Unternehmen muss aber schon jetzt „compliant“ sein, also alle auf seinen GeschĂ€ftsbetrieb anwendbaren Gesetze und sonstigen Vorgaben einhalten. Außerdem unterliegt die GeschĂ€ftsleitung der aus dem Aktiengesetz folgenden LegalitĂ€tspflicht.

Die SchlĂŒsselfunktionen mĂŒssen in „angemessener“ Weise eingerichtet werden. Mit Ausnahme der internen Revisionsfunktion kommen neben zentralen/stabsstellenartigen auch dezentrale/ integrierte Gestaltungsformen sowie gruppenbezogene Mischformen in Betracht.

Laut BaFin ist es denkbar, die fĂŒr eine SchlĂŒsselfunktion notwendige PersonenkapazitĂ€t und das erforderliche Know-how aus verschiedenen organisatorischen Einheiten eines Unternehmens (etwa verschiedenen Abteilungen) zu generieren. Durch die Zuordnung der funktionsspezifischen Aufgaben bilden die Mitarbeiter dann die SchlĂŒsselfunktion im Sinne einer eigenen organisatorischen Einheit. Eine gruppenbezogene Mischform wĂ€re beispielsweise die Abbildung einer SchlĂŒsselfunktion ĂŒber eine eigenstĂ€ndige Abteilung auf Ebene des Mutterunternehmens und eine integrierte Organisation auf Ebene des Tochterunternehmens.

Besonders bei integrierten AnsĂ€tzen zur Organisation einer SchlĂŒsselfunktion kommt es auf eine eindeutige und transparente Aufgabendefinition und -zuweisung an. Diese muss in internen Leitlinien festgehalten werden. Potentielle Interessenkonflikte sind zu vermeiden. Die SchlĂŒsselfunktionen mĂŒssen jederzeit frei von EinflĂŒssen sein, die eine objektive, faire und unabhĂ€ngige AufgabenerfĂŒllung verhindern.

In allen – auch dezentralen – Gestaltungsformen muss es ungeachtet der nicht delegierbaren Letztverantwortung der GeschĂ€ftsleitung eine natĂŒrliche Person geben, die die operative Verantwortung dafĂŒr trĂ€gt, dass die jeweilige SchlĂŒsselfunktion ihre Aufgaben ordnungsgemĂ€ĂŸ erfĂŒllt („verantwortlicher Inhaber“ einer SchlĂŒsselfunktion).

Im Modell der „Three Lines of Defense“ bildet die interne Revisionsfunktion die dritte Verteidigungslinie, die anderen SchlĂŒsselfunktionen gehören zur zweiten Verteidigungslinie. UnabhĂ€ngig von dieser Einordnung stehen die SchlĂŒsselfunktionen unter Solvency II gleichrangig und gleichberechtigt nebeneinander, ohne untereinander weisungsbefugt zu sein. Die GeschĂ€ftsleitung bildet die Eskalationsinstanz im Falle von Kontroversen zwischen den SchlĂŒsselfunktionen. Alle SchlĂŒsselfunktionen mĂŒssen direkt und unmittelbar an die – letztverantwortliche − GeschĂ€ftsleitung berichten. Spiegelbildlich hierzu muss die GeschĂ€ftsleitung eigeninitiativ und angemessen mit den SchlĂŒsselfunktionen interagieren.

SchlĂŒsselfunktionen benötigen uneingeschrĂ€nkten Zugang zu den fĂŒr die ErfĂŒllung ihrer Aufgabe relevanten Informationen und mĂŒssen ĂŒber die relevanten Sachverhalte zeitnah, gegebenenfalls ad hoc, informiert werden.

Im Prinzip ist bei jedem Unternehmen eine Ausgliederung aller vier SchlĂŒsselfunktionen möglich. Im Falle des Outsourcing muss das Unternehmen jedoch einen Ausgliederungsbeauftragten benennen. Im Hinblick auf die Gefahr von Interessenskonflikten werden Konstellationen, die eine PersonenidentitĂ€t der involvierten VorstĂ€nde aufweisen, von der BaFin kritisch gesehen. Generell nicht zulĂ€ssig ist, dass der Ausgliederungsbeauftragte bei dem Gruppenunternehmen angestellt ist, auf das die SchlĂŒsselfunktion ausgegliedert wurde.

NotfallplÀne

Alle Unternehmen haben sich fortlaufend mit einer Notfallplanung auseinanderzusetzen. Verantwortlich fĂŒr die Notfallplanung ist die GeschĂ€ftsleitung. Die Verantwortung kann nicht delegiert werden. NotfallplĂ€ne sind mindestens fĂŒr diejenigen Bereiche und Prozesse zu erstellen, bei denen der Eintritt einer unvorhergesehenen Störung den Fortbestand des Unternehmens gefĂ€hrden könnte. Die ausgegliederten Bereiche und Prozesse sind in die Notfallplanung einzubeziehen. Die Wirksamkeit und Angemessenheit der NotfallplĂ€ne sind fortlaufend sicherzustellen.

BaFin startet Dialog- und Verlautbarungsphase zu Themenblock 2 „Fit & Proper“

Die Umsetzung der Übergangsregelungen von Solvency II wĂ€hrend der Vorbereitungsphase nimmt weiter Form an. Mit dem Ziel der aktiven Mitgestaltung im Rahmen der nationalen Umsetzung bis zum Inkrafttreten von Solvency II ab 1. Januar 2016 hat die BaFin am 24. MĂ€rz 2014 im Zuge der derzeitigen Dialog- und Verlautbarungsphase (siehe Blogbeitrag vom 28. Februar 2014) zum Bereich „Anforderungen an die GeschĂ€ftsorganisation und das Risikomanagement“ eine Verlautbarung zum Themenblock 2 „Fachliche Qualifikation und persönliche ZuverlĂ€ssigkeit“ – den sogenannten „Fit & Proper“ Kriterien – veröffentlicht. Die inlĂ€ndischen Erst- und RĂŒckversicherungsunternehmen sowie der BaFin unterliegende (auslĂ€ndische) Versicherungsgruppen können zur Verlautbarung zu Themenblock 2 bis zum 4. April 2014 ErgĂ€nzungs- und/ oder ErklĂ€rungswĂŒnsche sowie sonstige Kommentare bei der BaFin einsenden (Vorbereitungsphase@bafin.de). Die mit der Verlautbarung veröffentlichten Anforderungen gehen nach Meinung der BaFin nicht ĂŒber die bisher bekannten Solvency II Anforderungen hinaus.

Betroffene Personenkreise

Die Solvency II Rahmenrichtlinie (SII-RL) legt mit Art. 42 Abs. 1 fest, dass Personenkreise die (a) das Unternehmen leiten und (b) eine der SchlĂŒsselfunktion (Versicherungsmathematische Funktion, Risikomanagement-Funktion, Compliance Funktion, Interne Revisionsfunktion) wahrnehmen, jederzeit den Qualifikationsanforderungen an die (1) persönliche ZuverlĂ€ssigkeit („Proper“ Kriterium) und (2) die fachliche Eignung („Fit“ Kriterium) gerecht werden mĂŒssen.

Unter leitenden Personen werden solche Personen erfasst, die wesentliche Entscheidungen fĂŒr das Unternehmen treffen. Neben den GeschĂ€ftsleitern selbst können dies auch vom Unternehmen identifizierte andere Personen mit erheblichem Einfluss auf das Risikoprofil, wie bspw. Vertreter der Schadenregulierung, sein. Ebenfalls treffen die Fit & Proper Anforderungen auf die Mitglieder des Aufsichtsrats zu.

Neben den Personen, die eine der mindestens vier SchlĂŒsselfunktionen wahrnehmen, treffen die Qualifikationsanforderungen im Sinne der Fit & Proper Kriterien auch auf solche Personen zu, die von erheblicher Bedeutung fĂŒr den GeschĂ€ftsbetrieb sein können.

Ansatz der BaFin

Die BaFin erwartet eine ErfĂŒllung der derzeit geltenden Qualifikationsanforderungen (vgl. „Merkblatt fĂŒr die PrĂŒfung der fachlichen Eignung und ZuverlĂ€ssigkeit von GeschĂ€ftsleitern gemĂ€ĂŸ VAG, KWG, ZAG und InvG“ vom 20. Februar 2013 und „Merkblatt zur Kontrolle der Mitglieder von Verwaltungs- und Aufsichtsorganen gemĂ€ĂŸ KWG und VAG“ vom 3. Dezember 2012) sowie eine angemessene Vorbereitung auf die zukĂŒnftigen Anforderungen wĂ€hrend der Übergangsphase von Solvency II. Durch die Auslegung der aktuellen gesetzlichen Anforderungen an GeschĂ€ftsleiter und Aufsichtsratsmitglieder gem. VAG i.S.d. EIOPA-Leitlinien, wird eine Einhaltung der Qualifikationen dieser Personen bereits in der Vorbereitungsphase erwartet. Nach den Anforderungen an die GeschĂ€ftsorganisation gem. § 64a VAG sind die bereits heute erforderlichen SchlĂŒsselfunktionen Interne Revision und unabhĂ€ngiges Risikocontrolling ebenfalls durch qualifizierte Personen zu besetzten. Dies trifft auch auf die bereits wĂ€hrend der Vorbereitungsphase einzurichtende versicherungsmathematische Funktion und die Compliance-Funktion zu. Werden unternehmensindividuell weitere SchlĂŒsselaufgaben identifiziert, sind diese ebenfalls angemessen qualifiziert zu besetzen.

ProportionalitÀt

FĂŒr die Anforderungen an die fachliche Qualifikation ist der Grundsatz der ProportionalitĂ€t zu beachten. Jedoch muss jedes einzelne Mitglied der GeschĂ€ftsleitung selbst ĂŒber ausreichende Kenntnisse in allen Bereichen verfĂŒgen, um der gegenseitigen Kontrolle im Rahmen der Gesamtverantwortung der GeschĂ€ftsleitung gerecht zu werden. Als Mindestmaß fĂŒr die kollektiven FĂ€higkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen der GeschĂ€ftsleitung gelten die in den EIOPA Leitlinien genannten Bereiche

  •  Versicherungs- und FinanzmĂ€rkte
  • GeschĂ€ftsstrategie und GeschĂ€ftsmodell
  • Governance-System
  • Finanzanalyse und versicherungsmathematische Analyse
  • regulatorischer Rahmen und regulatorische Anforderungen

Die fachlichen Anforderungen an die Inhaber der SchlĂŒsselfunktionen und deren Mitarbeiter richten sich nach den spezifischen Verantwortlichkeiten und TĂ€tigkeiten der jeweiligen Person. Ebenfalls mĂŒssen Aufsichtsratsmitglieder ĂŒber erforderliche Kenntnisse verfĂŒgen (vgl. „Merkblatt zur Kontrolle der Mitglieder von Verwaltungs- und Aufsichtsorganen gemĂ€ĂŸ KWG und VAG“ vom 3. Dezember 2012). BezĂŒglich der Anforderungen an die ZuverlĂ€ssigkeit ist das ProportionalitĂ€tsprinzip dagegen nicht anwendbar.

Sicherstellen der „Fit & Proper“-Anforderungen

Die Beurteilung der fachlichen Eignung und der ZuverlĂ€ssigkeit ist nicht anhand einer Stichtagsbetrachtung vorzunehmen, sondern stellt vielmehr einen laufenden Prozess dar, der zum einen eine stetige Weiterbildung und zum anderen eine laufende Beurteilung der betroffenen Personen erfordert. Eine Neubeurteilung der Qualifikation ist mindestens bei den gem. EIOPA-Leitlinie 13 zu definierenden AnlĂ€ssen vorzunehmen. FĂŒr die Beurteilung sind geeignete Nachweise heranzuziehen. Die Qualifikationsanforderungen sind fĂŒr alle als relevant identifizierten Personen entsprechend sicherzustellen.

Leitlinie

In ihren internen Leitlinien mĂŒssen Unternehmen alle SchlĂŒsselaufgaben und ZustĂ€ndigkeiten aufzĂ€hlen sowie das Verfahren fĂŒr die Beurteilung der Qualifikation dokumentieren. In diesem Zusammenhang sind auch die hierfĂŒr benötigten Unterlagen festzulegen. Gleichwohl ist auch darzustellen wie die Qualifikationsanforderungen im Vertretungsfall gewĂ€hrleistet sind. Wie alle Leitlinien ist auch die Leitlinie „Fachliche Qualifikation und persönliche ZuverlĂ€ssigkeit“ regelmĂ€ĂŸig zu ĂŒberprĂŒfen und ggf. anzupassen.

Ausgliederung

Bei Ausgliederung von SchlĂŒsselfunktionen ist die Einhaltung der Qualifikationsanforderungen auch bei dem Dienstleister bzw. bei dem Sub-Dienstleister zu gewĂ€hrleisten. Dazu hat der Dienstleister den entsprechenden PrĂŒfprozess gegenĂŒber dem ausgliedernden (RĂŒck-) Versicherungsunternehmen darzustellen sowie diesem eine schriftliche BestĂ€tigung ĂŒber das Ergebnis dieses Prozesses auszuhĂ€ndigen. Der fĂŒr die Überwachung der Ausgliederung zu benennende Ausgliederungsbeauftragte muss ebenfalls seiner Überwachungsaufgabe gerecht werden (Anforderungen an Ausgliederungen gem. EIOPA-Leitlinien 44 – 47 sind Gegenstand des Themenblocks 8, dessen Veröffentlichung noch aussteht).

ZukĂŒnftige Beurteilung

FĂŒr die Beurteilung der Qualifikation von GeschĂ€ftsleitern und AufsichtsrĂ€ten verlangt die BaFin zusĂ€tzlich zum GeschĂ€ftsverteilungsplan auch zukĂŒnftig im Zuge der Bestellung weiterhin die Vorlage folgender Unterlagen:

  • detaillierter Lebenslauf
  • Formular „Angaben zur ZuverlĂ€ssigkeit“ im Anhang der aktuellen MerkblĂ€tter
  • ein „(EuropĂ€isches) FĂŒhrungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde“
  • einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister

Die Qualifikationsanforderungen an Mitglieder des Aufsichtsrats werden sich auch zukĂŒnftig an der gegenwĂ€rtig im VAG verwendeten Begrifflichkeit „erforderliche Sachkunde“ orientieren. Weiterhin bleiben die besonderen Regelungen fĂŒr mitbestimmte Aufsichtsorgane und freigestellte Mitglieder des Betriebs- oder Personalrats sowie Arbeitnehmervertreter der Gewerkschaften im Aufsichtsrat gemĂ€ĂŸ dem „Merkblatt zur Kontrolle der Mitglieder von Verwaltungs- und Aufsichtsorganen gemĂ€ĂŸ KWG und VAG“ vom 3. Dezember 2012 bestehen.

Nach dem Inkrafttreten der Regelungen zu verantwortlichen Inhabern von SchlĂŒsselfunktionen sind auch von diesen Personen mindestens die oben aufgefĂŒhrten Unterlagen bei der BaFin vorzulegen. DarĂŒber hinaus kann die BaFin weitere Unterlagen zu den Personen und die unternehmensinternen Leitlinien anfordern bzw. einsehen.

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