Schlagwort: EIOPA-Stresstest

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EIOPA: Diskussionspapier zu Stresstests

Am 24. Juni 2020 hat EIOPA ein zweites Diskussionspapier ver√∂ffentlicht, welches sich auf die methodischen Grunds√§tze f√ľr Stresstests im Versicherungsbereich bezieht (erstes Diskussionspapier siehe Blog vom 9. M√§rz 2020). Zweck dieses Papiers ist die Anreicherung der Stresstest-Toolbox mit neuen Elementen. Das Feedback kann bis zum 2. Oktober 2020 eingereicht werden.

 Das vorliegende Papier wurde in drei Abschnitte aufgeteilt:

EbAV: EIOPA ver√∂ffentlicht Ergebnisse des Stresstests f√ľr EbAV 2019

Am 17. Dezember 2019 hat EIOPA die Ergebnisse des diesj√§hrigen europaweiten Stresstests f√ľr EbAV ver√∂ffentlicht. Nach den ersten beiden Stresstests 2015 und 2017 war das Ziel des dritten Stresstests, die Widerstandsf√§higkeit des EbAV-Sektors in einem negativen Marktszenario einzusch√§tzen. Des Weiteren wurde analysiert, wie sich die daraus ergebenden Schocks auf die Finanzm√§rkte √ľbertragen (siehe Blogbeitrag vom 28. Mai 2019).

EIOPA kam zu dem Ergebnis, dass die Kapitalanlagen der EbAV teilweise nicht ausreichen, um deren Verpflichtungen zu decken. Hauptfaktor hierf√ľr ist der anhaltende Niedrigzins, weswegen Arbeitgeber sich mit h√∂heren finanziellen Aufwendungen konfrontiert sehen k√∂nnten. Unter Umst√§nden hat das negative Folgen f√ľr die Finanzm√§rkte. Viele der EbAV stellen sich bereits den daraus resultierenden Herausforderungen. Dabei ist zu beachten, dass EbAV aufgrund des langfristigen Charakters der Pensionsverpflichtungen nat√ľrlich in der Lage sind, kurzfristige Marktvolatilit√§ten in ihrem Anlageportfolio √ľber einen l√§ngeren Zeitraum aufrechtzuerhalten als andere Arten von Finanzinstituten.

EIOPA veröffentlicht Diskussionspapier zum Thema Versicherungs-Stresstests

Am 22. Juli 2019 hat EIOPA ein Diskussionspapier bez√ľglich der methodischen Grundlagen f√ľr Stresstests von (R√ľck-) Versicherungsunternehmen ver√∂ffentlicht. Das Feedback der Stakeholder kann bis zum 18. Oktober 2019 eingereicht werden.

Hintergrund

Stresstests dienen der Analyse von qualitativen oder quantitativen Auswirkungen nachteiliger Szenarien und werden deshalb von verschiedenen Stakeholdern mit unterschiedlichen Zielsetzungen durchgef√ľhrt. Aufsichtsbeh√∂rden nutzen sie beispielsweise als Aufsichtsinstrument, wohingegen Versicherungsunternehmen Stresstests im Rahmen ihrer unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilit√§tsbeurteilung (Own Risk and Solvency Assessment – ORSA) oder zur Entwicklung von Steuerungsma√ünahmen im Risikomanagement verwenden.

EIOPA veröffentlicht Ergebnisse zum Stresstest 2018

Am 14. Dezember 2018 hat EIOPA die Ergebnisse zum vierten Stresstest f√ľr Versicherungsunternehmen ver√∂ffentlicht (siehe auch Blog-Beitrag vom 15. Mai 2018).

In der Analyse werden die Ergebnisse von 42 teilnehmenden (R√ľck-)Versicherungsgruppen, davon f√ľnf aus Deutschland, betrachtet. Ziel der regelm√§√üigen EIOPA Stresstests ist, die derzeitigen Schwachstellen des Sektors zu identifizieren, um potenzielle pr√§ventive Ma√ünahmen zu entwickeln.

Start des vierten EU Stresstests: Europäische Versicherungsgruppen im Fokus

Am 14. Mai 2018 war Start des¬†vierten europ√§ischen Stresstests¬†f√ľr Versicherungsunternehmen. Der Stresstest 2018 legt dabei den Fokus auf gro√üe europ√§ische Versicherungsgruppen aus Belgien, D√§nemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, √Ėsterreich, Spanien, Schweden und dem Vereinigten K√∂nigreich. Insgesamt werden 42 Gruppen, davon die folgenden f√ľnf aus Deutschland, teilnehmen:

  • Allianz SE
  • HDI V.a.G.
  • HUK-Coburg Versicherungsgruppe
  • MunichRe
  • R+V Versicherung

Neben der Zeitplanung stellt EIOPA zur Durchf√ľhrung des Stresstests weitere Spezifikationen und Templates bereit:

  • Technische Spezifikationen zu Verfahren und Methoden des Stresstests
  • Technische Informationen mit einer Anleitung zur Durchf√ľhrung des Stresstests
  • Templates f√ľr die Berichterstattung an EIOPA
  • Q&A Templates zur Einreichung von Fragestellungen an EIOPA
  • Hintergrundinformationen zum Stresstest
  • FAQs

Ziel des im Zeitraum 14. Mai bis 16. August 2018 durchgef√ľhrten Stresstests ist es die Widerstandsf√§higkeit und Anf√§lligkeit der Gruppen auf m√∂gliche unerwartete Entwicklungen zu bewerten und deren Ma√ünahmen zu beurteilen. Bis zum Ende der Frist m√ľssen die teilnehmenden Gruppen ihre Berichtsformulare an die nationalen Aufsichtsbeh√∂rden √ľbermitteln. Diese werden nach anschlie√üender Validierung im September 2018 an die EIOPA zur Auswertung weitergeleitet.

Bis zum 14. Juni 2018 können die deutschen Teilnehmer Fragen zu den Unterlagen des Stresstest an die BaFin richten. Fragen mit europaweiter Bedeutung werden ebenfalls bis Mitte Juni regelmäßig auf der Internetseite der EIOPA beantwortet und veröffentlicht.

Bereits 2016 wurde ein Stresstest mit dem Fokus auf Lebensversicherungsunternehmen durchgef√ľhrt (siehe Blog-Beitrag vom 27. Mai 2016). Die Ergebnisse des EIOPA-Stresstest 2016¬†wurden in einem Abschlussbericht im Dezember 2016 ver√∂ffentlicht (siehe Blog-Beitrag vom 19. Dezember 2016). Einen entsprechenden Abschlussbericht zum diesj√§hrigen Stresstest plant EIOPA im Dezember 2018 / Januar 2019 zu ver√∂ffentlichen.

EIOPA startet EbAV-Stresstest 2017

Am 18. Mai 2017 wurde zum zweiten Mal (vgl. auch Blog-Beitrag vom 21. Mai 2015) der europaweite EIOPA-Stresstest f√ľr Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) gestartet. Die teilnehmenden Einrichtungen m√ľssen ihre Ergebnisse bis zum 13. Juli 2017 bei den nationalen Aufsichtsbeh√∂rden einreichen, welche ihrerseits die gesammelten R√ľckmeldungen bis zum 22. August 2017 bei der EIOPA einreichen m√ľssen.

Das Ziel des Stresstests ist eine Absch√§tzung der Belastbarkeit der europ√§ischen EbAV unter adversen Kapitalmarktszenarien mit einheitlichen Methoden. Zudem soll analysiert werden, wie die Pensionskassen und Pensionsfonds den unter adversen Kapitalmarktszenarien entstehenden Schock auf die Realwirtschaft und Finanzm√§rkte √ľbertragen.

Einbezogen in den Stresstest werden alle L√§nder des EWR, in denen der EbAV-Sektor 500 Millionen Euro an Kapitalanlagen √ľberschreitet. Dabei setzte sich EIOPA zum Ziel, dass mindestens die Pensionskassen und Pensionsfonds, die f√ľr 50% der Gesamtkapitalanlagen im EbAV-Sektor des jeweiligen Landes verantwortlich sind, am Stresstest teilnehmen. In Deutschland nehmen laut BaFin-Angaben ausgew√§hlte Pensionskassen und Pensionsfonds am Stresstest teil, allerdings werden die Namen der teilnehmenden Einrichtungen sowie der Unternehmen, die diese finanzieren, nicht bekanntgegeben.

Der Stresstest enth√§lt ein sogenanntes ‚ÄěDouble-Hit‚Äú Stress-Szenario, das von EIOPA in Kooperation mit dem Europ√§ischen Ausschuss f√ľr Systemrisiken entwickelt wurde. Dieses Stress-Szenario besteht zum einen aus einer Senkung der risikolosen Zinss√§tze, was tendenziell die H√∂he der Verpflichtungen der EbAV erh√∂ht. Die zweite Komponente ist ein R√ľckgang der Marktwerte der Kapitalanlagen. Dadurch wird erreicht, dass sich der Schock auf beiden Seiten der Bilanz niederschl√§gt. Der Stresstest erfolgt sowohl nach nationalen Bewertungsregeln, als auch nach einer von EIOPA entwickelten europaweit einheitlichen, marktkonsistenten Bewertungsmethodik.

Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung am 18. Mai 2017 in Frankfurt stellte EIOPA den Teilnehmern praktische Informationen zur Testdurchf√ľhrung bereit und bot Mitarbeitern der EbAV, der nationalen Aufsichtsbeh√∂rden sowie Vertretern anderer Interessengruppen die M√∂glichkeit, sich zu diesem Thema auszutauschen.

F√ľr die Durchf√ľhrung des Stresstests stellt EIOPA auf ihrer Webseite mehrere Spezifikationen und Templates bereit:

  • Technische Spezifikationen zu Verfahren und Methoden des Stresstests
  • Quantitative und qualitative Frageb√∂gen
  • Templates f√ľr die Einreichung der Ergebnisse an EIOPA
  • Technische Informationen zu Inputdaten (EIOPA-Zinsstrukturkurven)
  • Berechnungs-Tool sowie
  • Hintergrundinformationen zum Stresstest

Dar√ľber hinaus will EIOPA regelm√§√üig Fragen der teilnehmenden Versicherungsunternehmen und die dazugeh√∂rigen Antworten ver√∂ffentlichen.

Die Ver√∂ffentlichung des Stresstest-Berichts, in dem die Ergebnisse von EIOPA in Zusammenarbeit mit nationalen Aufsichtsbeh√∂rden analysiert werden sollen, ist f√ľr Dezember 2017 angedacht.

EIOPA ver√∂ffentlicht den ersten Bericht zu den Ma√ünahmen f√ľr langfristige Garantien und das Aktienrisiko

Im Rahmen des von Mai bis Juli 2016 durchgef√ľhrten Stresstests hat EIOPA Erkenntnisse √ľber die Ma√ünahmen f√ľr langfristige Garantien (Long Term Guarantees, LTG) und die Aktienrisiko-Ma√ünahmen gesammelt (vgl. Blog-Beitrag vom 19. Dezember 2016). Am 16. Dezember 2016 √ľbermittelte EIOPA infolgedessen den ersten Bericht zur Nutzung und Wirkung dieser Ma√ünahmen an das Europ√§ische Parlament, den Europ√§ischen Rat und die Europ√§ische Kommission (‚ÄěTrilogparteien‚Äú). Dieser Bericht ist Teil des in der Rahmenrichtlinie verankerten Reviews der genannten Ma√ünahmen und wird bis 2021 j√§hrlich durch weitere Berichte erg√§nzt.

Der Bericht erfasst zum ersten Mal die Gesamtauswirkung der LTG-Maßnahmen und der Aktienrisiko-Maßnahmen auf die finanzielle Lage der europäischen Versicherer. Zusammenfassend bestätigen die Ergebnisse einen signifikanten Einfluss der Maßnahmen auf die Eigenmittel und die Kapitalanforderungen der Versicherer.

Im Fokus stehen die folgenden Maßnahmen:

  • LTG-Ma√ünahmen: Extrapolation der risikofreien Zinskurve, Matching-Anpassung, Volatilit√§tsanpassung, Verl√§ngerung der Frist f√ľr die Wiederherstellung gesunder Finanzverh√§ltnisse nach Art. 138 Abs. 4 der SII-Rahmenrichtlinie, √úbergangsma√ünahme f√ľr risikofreie Zinss√§tze, √úbergangsma√ünahme f√ľr versicherungstechnische R√ľckstellungen.
  • Aktienrisiko-Ma√ünahmen: Anwendung des symmetrischen Anpassungsmechanismus, Anwendung des durationsbasierten Aktienrisikomoduls.

Ziel der Ma√ünahmen ist es, die Prozyklizit√§t zu begrenzen und auch unter den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen einen flie√üenden √úbergang in das neue Aufsichtssystem Solvency II zu erm√∂glichen. Die LTG-Ma√ünahmen zielen dabei prim√§r auf eine angemessene Abbildung von Versicherungsprodukten mit langfristigen Garantien ab. Die Ma√ünahmen f√ľr das Aktienrisiko sollen eine angemessene Bewertung dieses Risikos erm√∂glichen, indem die entsprechende Kapitalanforderung im Verh√§ltnis zu den aus Ver√§nderungen der Aktienpreise entstehenden Risiken ermittelt wird.

Der Bericht gibt dazu zun√§chst einen √úberblick √ľber die Nutzung der Ma√ünahmen:

  • 901 Versicherer in 24 L√§ndern (Marktanteil 69 %) nutzen mindestens eine der Ma√ünahmen;
  • 852 Versicherer (Marktanteil 61 %) nutzen die Volatilit√§tsanpassung;
  • 154 Versicherer (Marktanteil 24 %) nutzen die √úbergangsma√ünahme f√ľr versicherungstechnische R√ľckstellungen;
  • 38 Versicherer (Marktanteil 16 %) nutzen die Matching-Anpassung;
  • 6 Versicherer nutzen die √úbergangsma√ünahme f√ľr risikofreie Zinss√§tze;
  • 1 Versicherer nutzt das durationsbasierte Aktienrisikomodul.

Anschlie√üend werden die Auswirkungen der Ma√ünahmen ausf√ľhrlich analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass im Fall einer Nichtanwendung der Ma√ünahmen

  • die Eigenmittel um insgesamt 107 Mrd. ‚ā¨ geringer und
  • die Solvabilit√§tskapitalanforderungen um 50 Mrd. ‚ā¨ h√∂her w√§ren.

Als Basis f√ľr die Analyse dienten die am Stresstest 2016 teilnehmenden Unternehmen. Laut Gabriel Bernardino, Vorsitzender EIOPAs, wird durch die Ergebnisse der signifikante Einfluss der Ma√ünahmen auf die finanzielle Lage der Versicherer und somit deren beabsichtigte Wirkungsweise best√§tigt. Folglich zeige sich auch die gew√ľnschte Wirkung f√ľr die Finanzstabilit√§t.

Als zus√§tzlichen Themenschwerpunkt berichtet EIOPA unter anderem auch √ľber den Review der Genehmigungsverfahren, welche f√ľr einige der Ma√ünahmen erforderlich sind. Dies beinhaltet je relevanter Ma√ünahme auch einen √úberblick √ľber die durchgef√ľhrten Genehmigungsverfahren pro Land und deren Ergebnisse.

EIOPA veröffentlicht Abschlussbericht zum Stresstest 2016

Am 15. Dezember 2016 hat EIOPA den Abschlussbericht zu dem von Mai bis Mitte Juli 2016 durchgef√ľhrten europaweiten Stresstest (vgl. auch Blog-Beitrag und 27. Mai 2016) sowie dazugeh√∂rige ‚ÄěFAQ‚Äú und eine zusammengefasste Ergebnispr√§sentation ver√∂ffentlicht.

Der Stresstest 2016 war der erste von EIOPA durchgef√ľhrte Stresstest seit Inkrafttreten des neuen europaweiten Aufsichtsregimes Solvency II und betraf lediglich Einzelversicherungsunternehmen, deren Gesch√§ftsmodelle in besonderem Ma√üe auf Produkte mit langfristigen Zinsgarantien ausgerichtet sind und die daher besonders anf√§llig gegen√ľber l√§nger anhaltenden Niedrigzinsphasen sind (insbesondere Lebensversicherungsunternehmen). Die Auswirkungen solcher nachteiliger Kapitalmarktsituationen wurden auf Basis der folgenden Stressszenarien ermittelt:

  • ‚ÄěLow for Long‚Äú-Szenario: Simulation eines dauerhaft niedrigen Zinsniveaus unter Anwendung einer Zinsstrukturkurve, die von EIOPA zu diesem Zweck f√ľr verschiedene Laufzeiten aus dem niedrigsten Stand der Null-Kupon-Euro-Swapkurve der letzten zwei Jahre abgeleitet wurde.
  • ‚ÄěDouble Hit‚Äú-Szenario: Simulation anhaltend niedriger Zinsen in Kombination mit einem Schock auf die Marktwerte bestimmter Verm√∂genswerte.

Marktabdeckung

Der Stresstest erstreckte sich nicht √ľber den gesamten Versicherungsmarkt, sondern lediglich auf ausgew√§hlte Versicherungsunternehmen, durch deren Auswahl eine m√∂glichst exakte Abbildung des jeweiligen nationalen Marktes erreicht werden sollte. Letztlich wurden von den nationalen Aufsichtsbeh√∂rden europaweit insgesamt 236 kleine, mittlere und gro√üe Versicherungsunternehmen ausgew√§hlt, was auf Basis der versicherungstechnischen R√ľckstellungen f√ľr das Lebensversicherungsgesch√§ft (insgesamt EUR 5.200 Milliarden) einer Marktabdeckung von 77% entspricht. Die Summe der von den ausgew√§hlten Versicherungsunternehmen gehaltenen Kapitalanlagen betr√§gt insgesamt EUR 6.300 Milliarden und repr√§sentiert damit fast 60% aller von europ√§ischen Versicherungsunternehmen gehaltenen Kapitalanlagen. Aus Deutschland beteiligten sich insgesamt 20 kleine, mittlere und gro√üe Lebensversicherer (etwa 75% dt. Marktabdeckung) an dem Stresstest).

Stresstest-Ergebnisse

Vor Anwendung der Stressszenarien stellte EIOPA mit einer aggregierten Bedeckung der Solvabilitätskapitalanforderungen (SCR) von 196% eine insgesamt angemessene Kapitalausstattung der Versicherungsunternehmen fest. Unter den ausgewählten Versicherungsunternehmen befanden sich dabei lediglich zwei, deren Bedeckungsquote unter 100% lag. Ohne Anwendung aller LTG-Maßnahmen sank die aggregierte SCR-Bedeckung auf 136%, wobei bereits 32 Versicherungsunternehmen nicht mehr in der Lage gewesen wären ihr SCR mit ausreichend Eigenmitteln zu bedecken.

Nach Anwendung der beiden beschrieben Stressszenarien f√ľhrte in Bezug auf die Verm√∂genswerte und Verbindlichkeiten der Versicherungsunternehmen zu folgenden Ergebnissen. Ver√§nderungen der SCR-Bedeckungsquoten wurden von EIOPA nicht explizit mitgeteilt.

  ‚ÄěLow for Long‚Äú-Szenario ‚ÄěDouble Hit‚Äú-Szenario
EUR Mrd.  % EUR Mrd. %
√Ąnderung der Verm√∂genswerte 282,4 4,5% – 608,5 – 9,7%
√Ąnderung der Verbindlichkeiten 381,5 6,7% – 449,5 – 7,8%
√Ąnderung des √úberschusses der Verm√∂genswerte √ľber die Verbindlichkeit – 99,1 – 18% – 159 – 28,9%

Laut EIOPA indizieren die Ergebnisse des Stresstests im Hinblick auf den √úberschuss der Verm√∂genswerte √ľber die Verbindlichkeiten eine erhebliche Anf√§lligkeit gegen√ľber dem als besonders extrem eingestuften Szenario des Double Hits. Trotz der niedrigeren Auswirkungen, die das Low for Long-Szenario den √úberschuss der Verm√∂genswerte √ľber die Verbindlichkeiten hat, wird jedoch die Relevanz dieses Szenarios von EIOPA angesichts der erwarteten Zinsentwicklungen als bedeutender und herausfordernder f√ľr die Versicherungswirtschaft erachtet. EIOPA empfiehlt den nationalen Aufsichtsbeh√∂rden in diesem Zusammenhang und zur Sicherstellung europaweit abgestimmte regulatorische Ma√ünahmen, unter anderem Folgende:

  • Sicherstellung, dass die Versicherungsunternehmen in ihren internen Risikomanagement-Prozessen externe Risiken angemessen ber√ľcksichtigen;
  • √úberpr√ľfung und Bewertung der Modelle in Bezug auf das Verhalten von Management und Versicherungsnehmern;
  • √úberpr√ľfung von Vertragsklauseln in Bezug auf langfristige Garantien;
  • Reduzierung der maximal zul√§ssigen Garantien und unpassender Gewinnbeteiligungen der Versicherungsnehmer;
  • Sicherstellung, dass die auf Einzelunternehmensebene festgestellten Anf√§lligkeiten auch auf Gruppenebene angemessen ber√ľcksichtigt werden.

Laut Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor der BaFin f√ľr den Bereich Versicherungsaufsicht, decke sich die im europ√§ischen Vergleich relativ hohe Sensitivit√§t deutscher Lebensversicherungsunternehmen gegen√ľber dem Low for Long-Szenario mit den Einsch√§tzungen der BaFin. Vor diesem Hintergrund seien mit dem Lebensversicherungsreformgesetz und der mehrmaligen Absenkung des zul√§ssigen H√∂chstrechnungszins bereits fr√ľhzeitig entsprechende Gegenma√ünahmen ergriffen worden. Zudem w√ľrden Versicherungsunternehmen, die besonders sensitiv gegen√ľber dem derzeitigen Zinsumfeld seien einer intensiveren Aufsicht unterzogen. Hierzu verweisen wir auf die entsprechende Ver√∂ffentlichung der BaFin.

EIOPA startet Stresstest 2016

Am 24. Mai 2016 wurde der europaweite EIOPA-Stresstest 2016 gestartet. Das Startdatum liegt damit eine Woche vor dem urspr√ľnglich von EIOPA geplanten Termin am 31. Mai 2016 (vgl. auch Blog-Beitrag vom 27. April 2016). Als Enddatum, bis zu dem die ausgew√§hlten Versicherungsunternehmen ihre Ergebnisse bei den nationalen Aufsichtsbeh√∂rden einreichen m√ľssen, wurde der 15. Juli 2016 unver√§ndert beibehalten.

Neben der Zeitplanung stellt EIOPA zur Durchf√ľhrung des Stresstests weitere Spezifikationen und Templates bereit:

  • Technische Spezifikationen zu Verfahren und Methoden des Stresstests
  • Technische Informationen zu Inputdaten (Zinsstrukturkurven, Swaps)
  • Templates f√ľr die Berichterstattung an EIOPA
  • Q&A Templates zur Einreichung von Fragestellungen an EIOPA
  • Hintergrundinformationen zum Stresstest
  • FAQs und nationale Ansprechpartner (‚Äěnational contact points‚Äú)

Der Stresstest fokussiert sich auf Einzelversicherungsunternehmen, die Produkte mit langfristigen Zinsgarantien anbieten und damit besonders anf√§llig f√ľr lang anhaltende Niedrigzinsphasen sind (insbesondere Lebensversicherungsunternehmen). Bei der durch die nationalen Aufsichtsbeh√∂rden vorgenommenen Auswahl der teilnehmenden Versicherungsunternehmen soll eine Marktabdeckung von mindestens 75% des jeweiligen nationalen Marktes in Bezug auf die versicherungstechnischen R√ľckstellungen (Leben) erreicht werden. Um eine m√∂glichst repr√§sentative Auswahl zu gew√§hrleisten, soll dabei auch eine hinreichende Anzahl an Versicherungsunternehmen mittlerer und kleiner Gr√∂√üe einbezogen werden. Die deutschen Teilnehmer wurden bereits durch die BaFin informiert.

Bei dem Stresstest handelt es sich ausdr√ľcklich nicht um einen ‚Äěpass-or-fail‚Äú-Test, sondern um eine Ma√ünahme zur Beurteilung der Widerstandsf√§higkeit und Anf√§lligkeit der Versicherungsunternehmen in Bezug auf besonders adverse Marktsituationen. Um deren Auswirkungen auf die gem√§√ü der Vorgaben von Solvency II und auf Datenbasis vom 1. Januar 2016 berechneten Solvabilit√§tsposition der Versicherungsunternehmen zu analysieren, sieht EIOPA die folgenden beiden Stressszenarien vor:

  • ‚ÄěLow for Long‚Äú: Simulation eines dauerhaft niedrigen Zinsniveaus unter Anwendung einer Zinsstrukturkurve, die von EIOPA zu diesem Zweck f√ľr verschiedene Laufzeiten aus dem niedrigsten Stand der Null-Kupon-Euro-Swapkurve der letzten zwei Jahre abgeleitet wurde.
  • ‚ÄěDouble Hit‚Äú: Simulation anhaltend niedriger Zinsen in Kombination mit einem Schock auf die Marktwerte bestimmter Verm√∂genswerte.

EIOPA wird die Ergebnisse des Stresstests im Dezember 2016 in anonymisierter bzw. aggregierter Form ver√∂ffentlichen. R√ľckschl√ľsse auf die Versicherungsunternehmen sollen nicht m√∂glich sein.

Erste FAQs wurden von EIOPA bereits bereitgestellt. Im Verlauf des Stresstestes wird EIOPA dar√ľber hinaus w√∂chentlich Fragen der teilnehmenden Versicherungsunternehmen und die dazugeh√∂rigen Antworten ver√∂ffentlichen. F√ľr Fragen mit ausschlie√ülich nationaler Bedeutung hat die BaFin ihrerseits entsprechende Ver√∂ffentlichungen angek√ľndigt.

EIOPA-Stresstest 2016

EIOPA plant die regelm√§√üige Durchf√ľhrung von Stresstests, um die Widerstandsf√§higkeit von Versicherungsunternehmen in Bezug auf nachteilige Marktentwicklungen einzusch√§tzen. Diese Stresstests dienen nicht der Ermittlung einer zus√§tzlichen Kapitalanforderung, sondern zur Beurteilung der Auswirkungen, die besonders ung√ľnstige makro√∂konomische oder versicherungsspezifische Schockszenarien auf die Versicherungsunternehmen haben k√∂nnen. Zudem werden Stresstests im Hinblick auf die makroprudenzielle Aufsicht auch zur Identifikation und Beurteilung von Risiken, die die Stabilit√§t des Finanzsystems als Ganzes gef√§hrden k√∂nnten, verwendet.

Im Rahmen des von EIOPA hierzu angedachten Zwei-Jahres-Intervalls wurden im Zuge der Vorbereitungsphase auf Solvency II bereits in den Jahren 2011 und 2014 Stresstests durchgef√ľhrt. Der n√§chste Stresstest ist f√ľr dieses Jahr 2016 geplant und ist damit der erste Stresstest seit der zum 1. Januar 2016 erfolgten Einf√ľhrung von Solvency II. In diesem Zusammenhang sieht EIOPA derzeit folgenden Zeitplan vor:Stresstest

Der f√ľr 2016 geplante Stresstest umfasst zwei Szenarien und fokussiert die Einzelunternehmenssicht von Lebensversicherungsunternehmen. In einem Szenario soll die Widerstandsf√§higkeit der in den Stresstest einbezogenen Versicherungsunternehmen im Hinblick auf ein anhaltend niedriges Zinsniveau simuliert werden. Im anderen Szenario sollen zus√§tzlich zu den Auswirkungen eines dauerhaft niedrigen Zinsumfeldes auch die Folgen gleichzeitig sinkender Marktwerte, der von den Versicherungsunternehmen gehaltenen Kapitalanlagen, beurteilt werden (Double-Hit-Szenario).

Die Durchf√ľhrung des Stresstests erfolgt in enger Kooperation mit den nationalen Aufsichtsbeh√∂rden, welche unter anderem f√ľr die Auswahl und die Ansprache der relevanten Versicherungsunternehmen zust√§ndig sind.

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