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BaFin-Verlautbarung zu Themenblock 11 „Berechnung der Solvabilitätskapitalanforderung (SCR)“

Am 13. März 2015 hat die BaFin im Rahmen der Dialog- und Verlautbarungsphase zur Vorbereitung auf Solvency II die angekündigte Verlautbarung des Themenblocks 11 „Berechnung und Prüfung der Solvabilitätskapitalanforderung (SCR)“ veröffentlicht.

Bis auf diejenigen Unternehmen, die den Abschluss neuer (Rück)Versicherungsverträge bis zum 1. Januar 2016 einstellen werden, sind im Rahmen der unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA) nach § 27 Abs. 2 Nr. 3 VAG-E alle Unternehmen dazu verpflichtet, eine Beurteilung der Signifikanz der Abweichung des Risikoprofils von den Annahmen, die der Berechnung der Solvabilitätskapitalanforderung zugrunde liegen, vorzunehmen. Im Rahmen der Vorbereitungsphase erwartet die BaFin von allen Unternehmen, die sich nicht in der Vorantragsphase für ein internes Modell befinden, in 2015 die Durchführung einer solchen Beurteilung.

Da die Standardformel als universell einsetzbare Berechnungsmethode nicht die individuelle Risikosituation eines jeden Unternehmens genau berücksichtigen kann und eine mögliche Nichterfassung aller materiellen quantifizierbaren Risiken unter Umständen zu einer Gefahr für die Belange der Versicherten führen kann, sind die dort getroffenen Annahmen mit dem unternehmenseigenen Verständnis des Risikoprofils zu vergleichen und eine angemessene Überprüfung der ausreichenden Abbildung der Risikoprofils vorzunehmen. Hierbei spielt nicht die Signifikanz der Abweichung einzelner Risiken eine Rolle, sondern die der Abweichung der tatsächlichen Risiken von den berechneten Risiken insgesamt.

Als signifikante Abweichungen werden gem. Artikel 279 der Delegated Acts (DA) Abweichungen des Gesamt-SCR von 10% und als unwiderlegbar Abweichungen von 15% definiert. Die Beurteilung dieser Abweichungen hat auf Basis der Erläuterungen zur Leitlinie 16 der Vorbereitungsleitlinie auf Grundlage der Annahmen, die den (Unter-)Modulen der SCR-Berechnung, der Korrelation zwischen den (Unter-)Modulen und den Bausteinen der (Unter-)Module zugrunde liegen, sowie mit Hilfe der von EIOPA veröffentlichten und von der BaFin übersetzten zugrunde liegenden Annahmen zu erfolgen (siehe Blog-Artikel vom 27. Februar 2015).

Die Folge einer signifikanten Abweichung ist nicht automatisch eine Erhöhung des SCR, vielmehr eine Entscheidungspflicht, wie mit dieser Feststellung umzugehen ist. An dieser Stelle haben die Unternehmen die Möglichkeit, unternehmensspezifische Parameter anzuwenden, ein internes Partial- oder Vollmodell zu entwickeln oder unter bestimmten Voraussetzungen Abweichungen, bei denen Risiken unterschätzt bzw. überschätzt werden, zu verrechnen, so dass keine signifikante Abweichung mehr vorliegt. Um solche potentiellen aufsichtlichen Maßnahmen zu vermeiden, können die Unternehmen das Risikoprofil dahingehend verändern, dass eine Abweichung von den der SCR Berechnung zugrunde liegenden Annahmen beseitigt oder auf ein nicht signifikantes Maß reduziert wird. Die Aufsichtsbehörde wird dennoch in jedem Fall prüfen, ob die Voraussetzungen für einen Kapitalaufschlag gegeben sind.

Die nachstehend zusammen gefassten Aspekte beschreiben die mit der Beurteilung der Signifikanz der Abweichungen des Risikoprofils von den der Berechnung des SCR zugrunde liegenden Annahmen in Zusammenhang stehenden Anforderungen der BaFin, die von den Unternehmen im Rahmen der unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung beachtet werden müssen:

Beurteilung der Signifikanz der Abweichung des Risikoprofils von den Annahmen, die der Berechnung des SCR zugrunde liegen
  • Qualitative Auseinandersetzung mit dem Umfang der Abweichung des Risikoprofils von den zugrunde liegenden Annahmen
  • Quantifizierung der Abweichung bei Feststellung einer signifikanten Abweichung im Rahmen der qualitativen Beurteilung
  • Begründung einer als nicht signifikant eingeschätzten Abweichung
  • Möglichkeit der „Verrechnung“ bei Unter- und Überschätzung mit Begründung gegenüber der Aufsichtsbehörde
  • Analyse und Erläuterung der Angemessenheit der Standardformel inklusive der etwaigen Anwendung von Vereinfachungen
  • Analyse des Einflusses der Standardformel auf den Entscheidungsprozess

Ziel: Begründetes Urteil des Unternehmens hinsichtlich der Angemessenheit der Verwendung der Standardformel und einer möglichen wesentlichen Über- oder Unterschätzung der Risiken durch die Standardformel

 Proportionalität
  • Ungeachtet der Proportionalität: Aussagekräftige Beurteilung über die Abweichung des Risikoprofils von den der SCR Berechnung zugrunde liegenden Annahmen im Rahmen der Risikoberichterstattung nach §55c VAG
 Rolle des Vorstandes
  • Allgemeines Verständnis der den Berechnungen zugrunde liegenden Annahmen
  • Kenntnis über das Risikoprofil des Unternehmens (bzw. der Gruppe)
  • Pflicht zur angemessenen Informationsübermittlung gegenüber der Aufsichtsbehörde hinsichtlich signifikanter Abweichung des unternehmens- /gruppeneigenen Risikoprofils
Dokumentation (des FLAOR/ORSA Prozesses)
  • Darstellung der Grundlage für die Annahmen bei der Beurteilung
  • Beschreibung der Grundlage für die Feststellungen zu Abweichungen
  • Darstellung der Durchführung und der Ergebnisse der Quantifizierung
  • Dokumentation der Grundlage zur Annahme sowie der Erfüllung der Voraussetzungen für die „Verrechnungsmöglichkeit“ überschätzter Risiken
Berichterstattung gegenüber der Aufsicht (zum FLAOR/ORSA)
  • Qualitative Angaben zu allen identifizierten Abweichungen
  • Begründung der (teilweisen) Angemessenheit der Annahmen für das Risikoprofil
  • Ausführungen zu den bei der Beurteilung verwendeten Methoden und möglichen angewandten Vereinfachungen
  • Quantifizierung der Abweichungen im Falle von signifikanten Abweichungen
  • Ausführungen zu zusätzlichen Risiken bei vom Unternehmen als nicht SCR relevant eingeschätzten Risiken
  • Darstellung von Maßnahmen sowie deren potentielle Auswirkungen bei Planung von Maßnahmen zur Reduzierung der signifikanten Abweichung
Gruppenaspekte Auf Gruppenebene sind zusätzlich die folgenden Punkte zu beachten:

  • Erfassung der Risiken von Unternehmen in (allen) Drittländern
  • Dokumentation bzw. Berichterstattung der Verteilung der wesentlichen und signifikanten Abweichungen des Risikoprofils der Gruppe auf die Unternehmen der Gruppe im Rahmen des FLAOR/ORSA
  • Reaktion auf Gruppenebene auf diese Abweichungen
  • Im Falle von signifikanten Abweichungen Darstellung des Unternehmens mit maßgeblichem Anteil an der Signifikanz der Abweichung

 

EIOPA veröffentlicht hilfreiche Informationen zu den Annahmen für die Berechnung des SCR nach der Standardformel für den eigenen FLAOR/ORSA-Prozess

Mit der Veröffentlichung des EIOPA-Papiers zu „Underlying Assumptions in the standard formula for the Solvency Capital Requirement calculation“ (EIOPA-14-322) am 31. Juli 2014 unterstützt EIOPA Aufsichtsbehörden sowie (Rück-)Versicherungsunternehmen und Gruppen in Hinblick auf ihre Vorbereitung auf die Anforderungen aus den Preparatory Guidelines zur vorausschauenden Beurteilung der unternehmenseigenen Risiken (forward looking assessment of own risks, FLAOR).

Im Rahmen des FLAOR-Prozesses werden (Rück-)Versicherungsunternehmen und Gruppen ab dem Jahr 2015 verpflichtend beurteilen müssen, inwieweit ihr Risikoprofil von den der Standardformel zugrunde liegenden Annahmen abweicht. Das Papier ist im Rahmen der Vorbereitungsphase als Spezifikation der in 2013 veröffentlichten „Leitlinien zur vorausschauenden Beurteilung der eigenen Risiken (basierend auf den ORSA Grundsätzen)“ (EIOPA-CP- 13/09 bzw. EIOPA-CP- 13/09 DE) zu betrachten. Es richtet sich als solches sowohl an die nationalen Aufsichtsbehörden als auch an (Rück-)Versicherungsunternehmen und Gruppen und hat einen vergleichbaren Charakter wie die am 30. April 2014 von EIOPA herausgegebenen Technical Specifications für die Vorbereitungsphase (siehe Blog vom 9. Mai 2014).

EIOPA erläutert in ihrem Dokument die Annahmen, die in den Risikomodulen der Standardformel enthalten sind, einschließlich der Annahmen hinsichtlich der Korrelation zwischen den Modulen. Sie gibt Hintergrundinformationen zu den durchgeführten technischen Analysen zur Kalibrierung von Schlüsselparametern der Standardformel und unterstützt damit die Unternehmen bei ihrer eigenen Analyse der Angemessenheit der Annahmen mit Blick auf ihr Risikoprofil im Zuge des FLAOR/ORSA-Prozesses.

Auch wenn EIOPA nicht auf alle Annahmen eingeht, weist sie darauf hin, dass daraus nicht zu schlussfolgern ist, dass die Unternehmen diese Annahmen nicht im Zuge des FLAOR-Prozesses zu betrachten haben. Vom Verwaltungs-, Management- oder Aufsichtsorgan (VMAO bzw. AMSB) erwartet EIOPA explizit, dass sich diese der der Standardformel zugrunde liegenden Annahmen bewusst sind, um ihre Rolle im Rahmen des FLAOR/ORSA Prozesses erfüllen zu können.

EIOPA hat mit dieser Veröffentlichung der berechtigten Anforderung zahlreicher Stakeholder entsprochen, transparente und verständliche Leitlinien herauszugeben, die die Umsetzung der Anforderungen hinsichtlich der Beurteilung der Abweichungen des eigenen Risikoprofils von den dem FLAOR-Prozess zugrunde liegenden Annahmen unterstützen. Die hier veröffentlichten Spezifikationen EIOPAs werden für die Unternehmen ein wichtiges Dokument im Zuge der Umsetzung des FLAOR-Prozesses ab dem Jahr 2015 sein, wenn die Anforderung an die Beurteilung von Abweichungen zwischen den der Standardformel zugrundeliegenden Annahmen von dem eigenen Risikoprofil verpflichtend vorzunehmen ist.

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