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IAIS schließt Entwicklung der Higher Loss Absorption (HLA) ab

The International Association of Insurance Supervisors (IAIS) verkündete am 5. Oktober 2015 den planmäßigen Abschluss der ersten Entwicklung der zusätzlichen Kapitalanforderungen, sog. „Higher Loss Absorption“ (HLA), für global systemrelevante Versicherer (G-SII). Die formale Annahme der HLA ist für das IAIS General Meeting am 12. November 2015 geplant.

Die HLA bauen auf der vorangegangenen Entwicklung der Basiskapitalanforderungen (Basic Capital Requirements (BCR), siehe Blog-Beitrag vom 27. Oktober 2014) auf und bilden mit diesen zusammen die Kapitalanforderung für G-SIIs ab 2019. Langfristig sollen die BCR durch globale risikobasierte Kapitalstandards (ICS) ersetzt werden.

Bis dahin ermittelt sich die internationale Kapitalanforderung aus insgesamt sechs Komponenten, die sich aus folgenden drei Komponenten jeweils für „Insurance“ und „Non-insurance“ zusammensetzen:

  • BCR2014
  • BCRUplift
  • HLA

Die BCR2014 entspricht der in 2014 veröffentlichten Berechnungsweise der BCR.

Basierend auf den Erkenntnissen aus der Entwicklung der HLA wurde eine Rekalibrierung der BCR vorgenommen, die eine Annäherung an den erwarteten ICS darstellt. Mit der Einführung des BCRUplift soll eine schrittweise Angleichung auf diesen rekalibrierten BCR erfolgen, bei der sich der BCR Alpha-Faktor über einen Zeitraum von drei Jahren in gleichmäßigen Schritten erhöht. Der HLA ist von dieser schrittweisen Angleichung ausgenommen und bezieht sich direkt auf die rekalibrierten BCR.

Die Ermittlung der HLA folgt einem faktorbasierten Ansatz, bei dem ein HLA Faktor mit der jeweiligen BCR Anforderung multipliziert wird. Für die Festlegung des HLA-Faktors werden die G-SIIs entsprechend ihrer systemischen Relevanz in drei Gruppen (sog. „Buckets“) aufgeteilt: Untere Gruppe, Mittlere Gruppe und Obere Gruppe. Von Gruppe zu Gruppe erhöht sich der HLA-Faktor jeweils um 50 %. Nach der derzeitigen Zuteilung befindet sich kein G-SII in der Oberen Gruppe, wodurch G-SIIs unter anderem ein Anreiz gesetzt wird, ihre systemische Relevanz nicht weiter auszubauen:

BCR Anforderung HLA Faktor
Untere Gruppe
(„Low Bucket“)
Mittlere Gruppe („Middle Bucket“) Obere Gruppe
(„High Bucket“)
Traditional Life Insurance 6 % 9 % 13,5 %
Traditional Non-Life Insurance
Assets
Non-Traditional Insurance 12 % 18 % 27 %
Non-Insurance – Assets under management
Non-Insurance – Other
Non-Insurance – Regulated Banking 8,5 % 12,5 % 18,75 %
Non-Insurance – Unregulated Banking 12,5 % 18,75 % 25 %

Quelle: Tabelle entspricht IAIS, HLA Requirements for G-SII, 4.1: HLA required capital formula factors, S. 19.

Zur kontinuierlichen Analyse und Weiterentwicklung der internationalen Kapitalanforderungen erfolgt eine nicht-öffentliche Berichterstattung von G-SIIs an die Gruppenaufsicht – für die BCR bereits seit 2015 und für die HLA ab 2016.

Als nächsten Schritt ist die Entwicklung eines globalen risikobasierten Kapitalstandards (ICS) vorgesehen. Dieser soll bis Mitte 2017 in einem ersten Entwurf veröffentlicht werden und nach Überarbeitungen in den darauffolgenden Jahren ab 2020 für international tätige Versicherungsgruppen (Internationally Active Insurance Groups (IAIGs)) Anwendung finden. Mit Blick auf die ICS sollen G-SIIs als IAIGs angesehen werden.

 

IAIS startet öffentliche Konsultation zu einem globalen risikobasierten Kapitalstandard für Versicherungen (ICS)

Das IAIS (International Association of Insurance Supervisors) veröffentlichte am 17. Dezember 2014 ein Konsultationspapier zu einem globalen risikobasierten Kapitalstandard für Versicherungen (Risk-based Global Insurance Capital Standard (ICS)). Die Entwicklung eines solchen war von IAIS bereits am 9. Oktober 2013 angekündigt worden (siehe Blog-Beitrag vom 16. Oktober 2013).

Als Bestandteil von ComFrame (Comprehensive Framework for the Supervision of IAIGs) soll mit dem ICS ein Minimum-Kapitalstandard für international tätige Versicherungsgruppen (Internationally Active Insurance Groups (IAIGs)) etabliert werden. Ziel dieses Konsultationspapiers ist es, Regelungen für die Standardmethoden zur Ableitung der Kapitalanforderungen, für Bewertungsansätze und anrechenbare Eigenmittel zu definieren.

Der Entwurf sieht dabei zwei Varianten für die Ermittlung der Kapitalanforderungen vor:

  • Auf Basis einer marktnahen Bewertungen der einzelnen Bilanzposten oder
  • Auf Basis der lokalen Bilanzierungsregeln unter Berücksichtigung von Korrekturfaktoren.

Die ICS-Quote (Bedeckungsquote) wird aus dem Verhältnis von „Qualifying Capital Resources“ (Eigenmitteln) zu „ICS Capital Requirement“ (Kapitalanforderungen) ermittelt.

Bei den Eigenmitteln (Qualifying Capital Resources) soll im Rahmen der Klassifizierung mindestens zwischen zwei Kategorien unterschieden werden: Tier 1 und Tier 2. Die hierfür vorgeschlagenen Kriterien umfassen: Nachrangigkeit, Verfügbarkeit, Verlustabsorptionsfähigkeit, keine feste Laufzeit, keine obligatorischen Servicekosten oder sonstigen Belastungen.

Für die Bestimmung der Kapitalanforderungen (ICS Capital Requirement) sollen folgende Risikokategorien berücksichtigt werden: Versicherungstechnisches Risiko, Marktrisiko, Kreditrisiko und Operationelles Risiko. Gruppen- und Liquiditätsrisiken sollen zunächst nicht für die Kapitalanforderungen quantifiziert werden. Als Risikomaß werden derzeit Value-at-Risk und Tail-Value-at-Risk über den Zeithorizont von einem Jahr diskutiert. Als Arbeitshypothese für die Kalibrierung des Risikomaßes wurden Minimum 99,5 % Value-at-Risk über 1 Jahr und Minimum 90 % Tail Value-at-Risk über 1 Jahr benannt.

IAIS hat für die Finalisierung der ICS folgenden Zeitplan vorgesehen:

7. Januar 2015 bis Februar 2015 Erste Konsultationsphase ICS
April bis Juni 2015 Quantitative Auswirkungsstudie (Field Test)
Juli bis August 2015 Analyse der quantitativen Auswirkungsstudie
Ende 2015 bis Februar 2016 Zweite Konsultationsphase zu ComFrame einschl. ICS
April bis Juni 2016 Weitere quantitativen Auswirkungsstudie (Field Test)
Juli bis August 2016 Analyse der quantitativen Auswirkungsstudie
Ende 2016 Finalisierung der ICS
ab 2017 Berichterstattung zu ICS an Aufsichtsbehörden
Ende 2017 Dritte Konsultationsphase (nach erster Berichterstattung zu ICS an die Aufsichtsbehörden)
Q4 2018 Inkrafttreten ComFrame einschl. ICS

Langfristig sollen die ICS die im Oktober 2014 verabschiedeten Basiskapitalanforderungen (BCR) für global systemrelevante Versicherer (G-SII) ersetzen (vgl. Blog-Beitrag v. 27. Oktober 2014). Aktuell bilden die BCR jedoch auch die Basis für die Ermittlung der zusätzlichen Kapitalanforderungen (Higher Loss Absorbency (HLA)) für global systemrelevante Versicherer. Für die Weiterentwicklung dieser zusätzlichen Kapitalanforderungen (HLA) ist daher eine weitere Konsultation für 2015 vorgesehen.

IAIS schließt Entwicklung der Basic Capital Requirements (BCR) ab

Am 23. Oktober 2014 verkündete der IAIS (The International Association of Insurance Supervisors) den planmäßigen Abschluss der Entwicklung der Basiskapitalanforderungen (BCR) für global systemrelevante Versicherer (G-SIIs). Nach Annahme durch das Financial Stability Board (FSB) im Oktober 2014 wird die Bestätigung des BCR Vorgehens durch den G20-Gipfel im November 2014 erwartet.

Die BCR schaffen eine weltweit einheitliche Berechnungsbasis für die Ermittlung der zusätzlichen Kapitalanforderungen für G-SII (sog. „Higher Loss Absorption“ (HLA)), die ein Kernelement des IAIS Rahmenwerks für G-SII sind („Policy Measures“, siehe Blog-Beitrag vom 16. Oktober 2013). Ab 2019 werden als G-SII eingestufte Unternehmen Kapital in Höhe des BCR und des HLA vorhalten müssen.

Die BCR-Quote wird mit dem Verhältnis von ‚Total Qualifying Capital Resources‘ zu ‚Required Capital‘ ermittelt.

Die ‚Total Qualifying Capital Resources‘ setzen sich zusammen aus Kern- und ergänzendem Kapital. Sie müssen verfügbar und frei von Belastungen sein, nachrangig in Bezug auf die Rechte der Versicherungsnehmer; zudem darf die Ausschüttungshöhe nicht gekoppelt sein an die Finanzsituation oder Kreditwürdigkeit des G-SII.

Kernkapital muss zudem u.a. folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Volle Einzahlung,
  • Unbeschränkte Laufzeit,
  • Keine Einziehungsmöglichkeit durch den Inhaber,
  • Rückzahlungsmöglichkeit frühestens nach fünf Jahren, wobei die Rückzahlung an die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde gekoppelt sein muss,
  • Möglichkeit der Aussetzung oder Kündigung von Ausschüttungen,
  • Frei von Verpflichtungen, Ansprüchen oder sonstigen Nachteilen.

Als Kernkapital nicht anrechenbar und daher abzuziehen sind hingegen insbesondere ein Geschäfts- und Firmenwert, immaterielle Vermögensgegenstände, aktive latente Steuern, die sich auf die künftige Profitabilität des G-SII beziehen.

Die beiden wesentlichen Merkmale für ergänzendes Kapital sind Nachrangigkeit und die Möglichkeit zur Verlustabsorption im Falle der Abwicklung.

Die Ermittlung des ‚Required Capital‘ erfolgt anhand eines faktorbasierten Ansatzes, der sich auf folgende wesentliche Aktivitäten der G-SII bezieht:

  • Traditionelles Lebens- und Nichtlebensversicherungsgeschäft
  • Nicht traditionelles Versicherungsgeschäft
  • Kapitalanlagen
  • Nichtversicherungsgeschäft

In die Berechnung der BCR-Quote fließen alle Finanzaktivitäten und wesentlichen nicht-Finanzaktivitäten der G-SII ein und berücksichtigen auf konsolidierter Basis alle Holdinggesellschaften, Versicherungsunternehmen, Kreditinstitute und weitere Unternehmen der G-SII. Vereinzelte Institute, die keine Finanzinstitute sind, brauchen nur dann nicht in die Betrachtung einbezogen werden, wenn die daraus resultierenden Risiken zu vernachlässigen sind. Den Startpunkt der Berechnung bildet die allgemeine, geprüfte und veröffentlichte konsolidierte Bilanz (nach IFRS oder anderen lokalen Rechnungslegungsvorschriften), die zwecks Vergleichbarkeit bei wesentlichen Posten Anpassungen unterzogen wird; dies betrifft insbesondere versicherungstechnische Rückstellungen, einschließlich Rückversicherungspositionen sowie Finanzinstrumente.

Nach Abschluss dieses Meilensteins sollen für G-SII nun bis Ende 2015 die Anforderungen an die zusätzlichen Kapitalanforderungen (HLA) für nicht traditionelles oder versicherungsfremdes Geschäft entwickelt werden.

Parallel entwickelt der IAIS einen globalen risikobasierten Kapitalstandard (ICS), der ab 2019 für alle international tätigen Versicherungsgruppen (IAIGs) Anwendung finden und den BCR ablösen soll.

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