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IAIS startet öffentliche Konsultation zu einem globalen risikobasierten Kapitalstandard für Versicherungen (ICS)

Das IAIS (International Association of Insurance Supervisors) veröffentlichte am 17. Dezember 2014 ein Konsultationspapier zu einem globalen risikobasierten Kapitalstandard für Versicherungen (Risk-based Global Insurance Capital Standard (ICS)). Die Entwicklung eines solchen war von IAIS bereits am 9. Oktober 2013 angekündigt worden (siehe Blog-Beitrag vom 16. Oktober 2013).

Als Bestandteil von ComFrame (Comprehensive Framework for the Supervision of IAIGs) soll mit dem ICS ein Minimum-Kapitalstandard für international tätige Versicherungsgruppen (Internationally Active Insurance Groups (IAIGs)) etabliert werden. Ziel dieses Konsultationspapiers ist es, Regelungen für die Standardmethoden zur Ableitung der Kapitalanforderungen, für Bewertungsansätze und anrechenbare Eigenmittel zu definieren.

Der Entwurf sieht dabei zwei Varianten für die Ermittlung der Kapitalanforderungen vor:

  • Auf Basis einer marktnahen Bewertungen der einzelnen Bilanzposten oder
  • Auf Basis der lokalen Bilanzierungsregeln unter Berücksichtigung von Korrekturfaktoren.

Die ICS-Quote (Bedeckungsquote) wird aus dem Verhältnis von „Qualifying Capital Resources“ (Eigenmitteln) zu „ICS Capital Requirement“ (Kapitalanforderungen) ermittelt.

Bei den Eigenmitteln (Qualifying Capital Resources) soll im Rahmen der Klassifizierung mindestens zwischen zwei Kategorien unterschieden werden: Tier 1 und Tier 2. Die hierfür vorgeschlagenen Kriterien umfassen: Nachrangigkeit, Verfügbarkeit, Verlustabsorptionsfähigkeit, keine feste Laufzeit, keine obligatorischen Servicekosten oder sonstigen Belastungen.

Für die Bestimmung der Kapitalanforderungen (ICS Capital Requirement) sollen folgende Risikokategorien berücksichtigt werden: Versicherungstechnisches Risiko, Marktrisiko, Kreditrisiko und Operationelles Risiko. Gruppen- und Liquiditätsrisiken sollen zunächst nicht für die Kapitalanforderungen quantifiziert werden. Als Risikomaß werden derzeit Value-at-Risk und Tail-Value-at-Risk über den Zeithorizont von einem Jahr diskutiert. Als Arbeitshypothese für die Kalibrierung des Risikomaßes wurden Minimum 99,5 % Value-at-Risk über 1 Jahr und Minimum 90 % Tail Value-at-Risk über 1 Jahr benannt.

IAIS hat für die Finalisierung der ICS folgenden Zeitplan vorgesehen:

7. Januar 2015 bis Februar 2015 Erste Konsultationsphase ICS
April bis Juni 2015 Quantitative Auswirkungsstudie (Field Test)
Juli bis August 2015 Analyse der quantitativen Auswirkungsstudie
Ende 2015 bis Februar 2016 Zweite Konsultationsphase zu ComFrame einschl. ICS
April bis Juni 2016 Weitere quantitativen Auswirkungsstudie (Field Test)
Juli bis August 2016 Analyse der quantitativen Auswirkungsstudie
Ende 2016 Finalisierung der ICS
ab 2017 Berichterstattung zu ICS an Aufsichtsbehörden
Ende 2017 Dritte Konsultationsphase (nach erster Berichterstattung zu ICS an die Aufsichtsbehörden)
Q4 2018 Inkrafttreten ComFrame einschl. ICS

Langfristig sollen die ICS die im Oktober 2014 verabschiedeten Basiskapitalanforderungen (BCR) für global systemrelevante Versicherer (G-SII) ersetzen (vgl. Blog-Beitrag v. 27. Oktober 2014). Aktuell bilden die BCR jedoch auch die Basis für die Ermittlung der zusätzlichen Kapitalanforderungen (Higher Loss Absorbency (HLA)) für global systemrelevante Versicherer. Für die Weiterentwicklung dieser zusätzlichen Kapitalanforderungen (HLA) ist daher eine weitere Konsultation für 2015 vorgesehen.

IAIS beschließt die Entwicklung eines weltweiten Kapitalstandards für Versicherungen

Der IAIS (The International Association of Insurance Supervisors) hat am 9. Oktober 2013 in einer Pressemittelung veröffentlicht, bis Ende 2016 einen weltweiten Kapitalstandard für Versicherungen („insurance capital standard“ (ICS)) zu entwickeln, welcher nach einer Testphase von zwei Jahren mit den Aufsehern und den international tätigen Versicherungsgruppen (internationally active insurance groups (IAIGs)) in Kraft treten soll.

Die ICS sollen der weltweiten Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen dienen und insbesondere zu einer Stabilisierung der globalen Finanzmärkte beitragen. Vor der Verabschiedung der ICS erfolgt neben der angedachten Testphase auch eine öffentliche Konsultation der Anforderungen mit den Stakeholdern.

Die ICS sollen künftig als weiterer Bestandteil im sogenannten ComFrame (Comprehensive Framework for the Supervision of IAIGs) integriert werden. Gegenstand des ebenfalls derzeit durch den IAIS entwickelten ComFrame ist ein Set internationaler aufsichtsrechtlicher Anforderungen für IAIGs mit dem Fokus auf einer effektiven Gruppenaufsicht. ComFrame beinhaltet bereits eine quantitative Kapitalkomponente im Rahmen der dort kodifizierten Solvabilitätsbeurteilung, die als Grundlage für die Entwicklung des ICS dienen soll. Weitere Details hinsichtlich der konzeptionellen Ausgestaltung der Kapitalregeln wurden durch den IAIS bislang nicht veröffentlicht. Anwendung finden die Anforderungen des ComFrame und somit auch die künftigen Kapitalstandards (ICS) auf international tätige Versicherungsgruppen (IAIGs). Diese sind durch den IAIS als eine Gruppe mit mindesten einem großen Versicherungsunternehmen als Tochterunternehmen definiert. Die Beurteilung, ab wann eine Gruppe als IAIGs klassifiziert wird, legen die nationalen Aufsichtsbehörden auf Basis der durch den IAIS verabschiedeten Kriterien fest.

Eine Parallele stellen die Entwicklungen der Kapitalanforderungen für global systemrelevante Versicherer dar (G-SII), die sogenannten „backstop capital requirements“ (BCRs). Diese sollen bereits Ende 2014 durch die G-SII (siehe hierzu Blog Beitrag vom 19. Juli 2013) als Basis für die Bestimmung der zusätzlichen Kapitalanforderungen („higher loss absorbency“ (HLA)) aufgrund deren systemischem Risiko angewendet werden. Es ist anzunehmen, dass die Entwicklung der BCRs einen unmittelbaren Einfluss auf die ICS haben wird. G-SII grenzen sich von den IAIGs dahingehend ab, dass deren Insolvenz ein Risiko für die Stabilität der globalen Finanzmärkte und der Weltwirtschaft darstellt.

Eine spannende Frage hinsichtlich der Entwicklung der weltweiten Kapitalstandards für Versicherungen bleibt mit Sicherheit, wie diese mit nationalen und regionalen Entwicklungen wie beispielsweise Solvency II in Einklang gebracht werden können, um den Aufwand bei den Versicherungsunternehmen auf einem akzeptablen Niveau zu halten. Es bleibt kritisch abzuwarten, ob dies erreicht wird, zumal sich beispielsweise bei der derzeitigen Entwicklung der BCRs für G-SII abzeichnet, dass sich die Bewertungsgrundsätze von denen unter Solvency II unterscheiden.

Die geplanten Entwicklungen des IAIS haben wir in der nachfolgenden Übersicht zusammenfassend dargestellt:

Datum Aktivität
Oktober bis Dezember 2013 Öffentliche Konsultation des ComFrame Entwurfs
Frühjahr 2014 Field Testing ComFrame

  • Beginn des Testings zu BCRs
  • Beginn der Entwicklung der ICS
November 2014 Implementierung der BCRs durch die G-SII
2015 Entwicklung der HLA auf Basis der BCRs (relevant für G-SII)
2015-2016 Testing der ICS
Ende 2016 Abschließende Entwicklung der ICS
2017-2018 Erneutes Testing und Verfeinerung der ICS
Ende 2018 Verabschiedung von ComFrame inklusive ICS
2019
  • Implementierung der Anforderung aus ComFrame inklusive ICS
  • Inkrafttreten der HLA für G-SII

 

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