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Durchführungsverordnung zu risikofreien Zinskurven für Solvency II veröffentlicht

Am 9. Februar 2016 wurde die Durchführungsverordnung (EU) 2016/165 (DVO 2016/165) der Europäischen Kommission im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Die DVO 2016/165 enthält Informationen für die Berechnung von versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmitteln zu Stichtagen vom 1. Januar bis zum 30. März 2016.

Inhalt der DVO 2016/165 sind Technische Informationen für jede relevante Währung zu den

  • maßgeblichen risikofreien Zinskurven,
  • grundlegenden Spreads für die Berechnung der Matching-Anpassung und
  • den Volatilitätsanpassungen.

Die Informationen sind für die Ermittlung der versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmittel auf Basis der risikofreien Zinskurven (nach § 77 VAG 2016), ggf. unter Berücksichtigung der Matching-Anpassung (nach §§ 80-81 VAG 2016) oder der Volatilitätsanpassung (nach § 82 VAG 2016) nach Solvency II.

Die risikofreien Zinsstrukturkurven stellen einen der Hauptparameter für die Berechnung der Solvenzbedeckung der Versicherungsunternehmen dar. EIOPA veröffentlichte bereits in der Vorbereitungsphase die Technische Dokumentation zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurven, beantwortete häufig gestellte Fragen „FAQ“ dazu und veröffentlicht seitdem monatlich die aktuellen Zinsstrukturkurven (vgl. Blog-Beitrag vom 2. März 2015). Diese werden von der Kommission aufgegriffen und in Durchführungsverordnungen, wie der DVO 2016/165, veröffentlicht.

Damit soll sichergestellt werden, dass Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen ihre versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmittel nach Solvency II auf Grundlage von einheitlichen Vorgaben berechnen. Dies unterstützt die Wettbewerbsgleichheit („level playing field“) im Versicherungsmarkt der EU. Sollte es zwischen den technischen Informationen der EIOPA und einer Durchführungsverordnung der Kommission zu Abweichungen kommen, sind die Vorgaben der Kommission maßgeblich.

EIOPA veröffentlicht technische Dokumentation zu risikofreien Zinsstrukturkurven für Solvency II

Am 28. Februar 2015 veröffentlichte EIOPA die Technische Dokumentation und begleitend dazu die relevanten risikofreien Zinsstrukturkurven (technische Information) sowie dazugehörige Questions&Answers (Q&A’s).

Die Technische Dokumentation zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurve wurde im November 2014 konsultiert (vgl. Blog-Artikel aus November 2014) und nun final veröffentlicht. Die Dokumentation erläutert im Detail die Methoden, Annahmen sowie die Identifizierung der relevanten Datenbasis zur Berechnung der Zinsstrukturkurve.

Die Technischen Informationen beinhalten die relevanten risikofreien Zinsstrukturkurven zum Stichtag 31. Dezember 2014. Das Paket der „Technischen Informationen“ ist Excel-basiert und beinhaltet

  • Zinsstrukturkurven für 53 Länder, jeweils mit und ohne Volatility Adjustment für die Basiskurve ohne Schock sowie nach Zinsaufwärts- und -abwärtsschock,
  • die Höhe des Volatility Adjustment pro relevantem Portfolio,
  • den „fundamental Spread“ pro relevantem Portfolio, der für die Berechnung des Matching Adjustment zu verwenden ist,
  • die verwendeten Parameter für die Extrapolation mittels Smith-Wilson-Methode.

Die risikofreien Zinsstrukturkurven stellen einen der Hauptparameter für die Berechnung der Solvenzbedeckung der Versicherungsunternehmen dar. Die Verwendung einheitlicher Zinsstrukturkurven garantiert dabei eine europaweit konsistente Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen. EIOPA plant ab sofort eine monatliche Veröffentlichung der Zinsstrukturkurven, um den Versicherungsunternehmen eine angemessene Vorbereitungsphase zu ermöglichen. Zinsstrukturkurven zum Stichtag 31. Januar und 28. Februar 2015 sollen Anfang März veröffentlicht werden.

Die Q&A’s geben letztlich Antworten zu häufigen Fragestellungen bezüglich der Inhalte der Veröffentlichungen zur Zinsstrukturkurve, der Verbindlichkeit der Anwendung in der Vorbereitungsphase und der Anwendung ab dem Inkrafttreten von Solvency II. Ebenso steht ein Formular zur Verfügung, über welches Fragen zu dieser Thematik an EIOPA übermittelt werden können.

Konsultationspapier zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurve nach Solvency II

Am 2. November 2014 veröffentlichte EIOPA ein Konsultationspapier zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurve nach Solvency II.

Das Konsultationspapier erläutert die Methoden, Annahmen sowie die Identifizierung der relevanten Datenbasis zur Berechnung der Zinsstrukturkurve. Ab Februar 2015 plant EIOPA eine monatliche Veröffentlichung der Zinsstrukturkurve, um den Versicherungsunternehmen eine entsprechende Vorbereitung zu ermöglichen.

Die Parameter und Methoden für die Berechnung der Zinsstrukturkurve wurden bereits in den vergangenen Jahren im Rahmen der Ausgestaltung der Omnibus II-Richtlinie kontrovers diskutiert. Einige der Aspekte wurden in den finalen Solvency II-Vorschriften berücksichtigt, einige fanden nicht bzw. nur unzureichend Anklang, sodass EIOPA Bedarf für weitere technische Standards sieht.

Die folgenden Aspekte stehen in der Konsultation im Fokus:

  • Identifizierung von zulässigen Marktdaten
  • Einschätzung eines hinreichend entwickelten, liquiden und transparenten Marktes
  • Credit Risk Adjustment
  • Extrapolation und Interpolation
  • Volatility adjustment
  • Matching adjustment

Die oben genannten Aspekte sowie weitere Parameter und Methoden werden in dem Konsultationspapier genauer definiert. Als obersten Grundsatz für die Ausgestaltung nennt EIOPA insbesondere die Transparenz im Rahmen der Berechnungsprozesse, wobei EIOPA folgende Zielsetzung zugrunde legt:

  • Replikation: Die risikolose Zinsstrukturkurve sollte anhand der EIOPA Dokumentation von den Versicherungsunternehmen und anderen Stakeholdern replizierbar sein.
  • Marktkonsistenz: Die risikolose Zinsstrukturkurve soll anhand von entwickelten, liquiden und transparenten Märkten berechnet werden.
  • Sicherstellung Solvency II Berichterstattung: Die risikolose Zinsstrukturkurve wird auf monatlicher Basis veröffentlicht.
  • Stabilität von Versicherungsunternehmen: Ein künstlicher Anstieg der Volatilität der Passiv-Seite durch die risikolose Zinsstrukturkurve soll verhindert werden.
  • Schutz der Versicherungsnehmer: Die oben aufgelisteten Ziele dienen dem Schutz der Versicherungsnehmer, wobei auch die Bewertung von Unternehmen sowie die Arbeit der Aufsichtsbehörden erleichtert werden.

Die Zinsstrukturkurve wird letztlich von den Versicherern verwendet, um die Positionen innerhalb der Solvabilitätsübersicht nach Solvency II zu ermitteln. Einen erheblichen Effekt hat die Verwendung der Zinsstrukturkurve vor allem auf die Höhe der versicherungstechnischen Rückstellungen. Außerdem wirkt sie die Zinsstrukturkurve auf die Ermittlung des SCR aus. Einerseits ist das Niveau der Vermögenswerte und Verpflichtungen eine wichtige Eingangsgröße für die Berechnung des SCR, zusätzlich werden mögliche Änderungen des Zinsniveaus direkt über das Risikomodul Zinsänderungsrisiko abgebildet.

Stakeholder haben bis zum 21. November 2014 die Möglichkeit ihre Stellungnahmen an EIOPA zu übermitteln.

Paket 1 an Technischen Standards zur Vorgehensweise im aufsichtsrechtlichen Genehmigungsprozess an die EU Kommission übersandt

Wie zu Beginn des Konsultationsverfahrens (April bis Juni 2014) angekündigt (siehe Blog-Artikel vom 3. April 2014) übersandte EIOPA am 31. Oktober 2014 das erste Paket an „Technische Standards zum Genehmigungsprozess“ an die EU Kommission. Die Technischen Standards (Implementing Technical Standards, ITS) richten sich sowohl an die europäischen Versicherungsunternehmen als auch an die nationalen Aufsichtsbehörden.

Dieses erste Paket umfasst sechs ITS, die die Anforderungen an die Vorgehensweise im Genehmigungsprozess für ergänzende Eigenmittel, Interne Modelle, den Prozess der Entscheidungsfindung für gruppeninterne Modelle, Matching Adjustment (MA), Zweckgesellschaften (SPVs) und die Verwendung von unternehmensspezifischen Parametern beinhalten. Sie sollen eine Grundlage schaffen für einen risikoorientierten Genehmigungsprozess unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips einzelner Versicherungsunternehmen.

Ergebnisse der Konsultationsphase zu den ITS

Die im Rahmen des Konsultationsverfahrens eingereichten Kommentare wurden von EIOPA überprüft. Ein finaler Bericht von EIOPA zu den einzelnen Konsultationspapieren beinhaltet die Ergebnisse des „Impact Assessments“, die Kommentare der Stakeholder sowie Stellungnahme von EIOPA‘s „Insurance and Reinsurance Stakeholder Group“ (IRSG). In der folgenden Übersicht werden die wesentlichen Ergebnisse der Konsultationsphase zusammenfassend dargestellt:

CP-14/004 Consultation Paper on the proposal for ITS with regard to the procedures to be used for granting supervisory approval for the use of ancillary own-fund items (Konsultation zum Genehmigungsprozess für ergänzende Eigenmittel)
 
  • Konsistenz des ITS zur Solvency II-Rahmenrichtlinie (SII-RL) und den Delegierten Rechtsakten (Level 2) wurde überprüft und Anpassungen zur konsistenten Darstellung vorgenommen
  • Genehmigungszeiträume werden als angemessen erachtet: 3 Monate unter normalen Umständen, 6 Monate unter besonderen Umständen
  • Vorgenehmigungsprozess für ergänzende Eigenmittel ist nicht vorgesehen (weder für die Vorbereitungsphase, noch ab Inkrafttreten von SII), da eine Beurteilung zum Zeitpunkt der Anrechnung erforderlich ist
  • Genehmigungsprozess für die Vorbereitungsphase soll in 2015 starten
  • Die Verfügbarkeit von ergänzenden Eigenmitteln sicherzustellen, liegt in der Verantwortung des Versicherungsunternehmens
CP-14/005 Consultation Paper on the proposal for ITS on Internal Models approval processes (Konsultation zum Genehmigungsprozess Interner Modelle)
 
  • Kein separater Technischer Standard für den Genehmigungsprozess von Gruppeninnternen Modellen vorgesehen, da keine Ermächtigung hierzu gegeben
  • Erweiterung des Internen Modells (z.B. durch Aufnahme neuer Risiken oder neuer Geschäftsbereiche) erfordert, wie beim erstmaligen Genehmigungsprozess, eine Neubeantragung des Internen Modells
  • Anforderung, das SCR nach Standformel mit der Beantragung einzureichen, soll beibehalten werden um auf eine mögliche Ablehnung des Antrags vorzubereiten und für Zwecke des Ergebnisvergleichs
CP-14/006 Consultation Paper on the proposal for ITS on the process to reach a joint decision for group internal models (Konsultation zum Prozess der Entscheidungsfindung für gruppeninterne Modelle)
 
  • Zeitplanung der in diesem ITS formulierten wesentlichen Schritte und Ergebnisse wird nicht in einem sog. Koordinationsabkommen („Coordination Arrangement“) der Aufsichts-Kollegien erfolgen, sondern in einem separaten Dokument, das mehr Flexibilität gewährleistet
CP-14/007 Consultation Paper on the proposal for ITS on the procedures to be followed for the approval of the application of a matching adjustment (Konsultation zum Matching Adjustment (MA))
 
  • Maximale Genehmigungsdauer bleibt bei 6 Monaten
  • Einführung eines „Fast-Track“-Genehmigungsprozesses wurde mit Verweis auf mangelnde EIOPA-Ermächtigung abgelehnt
  • Die SII-RL definiert allgemeine Anforderungen an Genehmigungsprozesse die nicht konsistent sind mit den Anforderungen des ITS zu MA, d.h. Aufsichtsbehörden können nach den übergreifenden Grundsätzen der SII-RL entscheiden und nicht nach den strengeren Anforderungen des ITS
CP-14/008 Consultation Paper on the proposal for ITS on special purpose vehicles (Konsultation zu Zweckgesellschaften (SPVs))
 
  • Genehmigungsdauer bleibt ebenfalls bei 6 Monaten
  • Damit ein SPV als risikominderndes Instrument (z.B. im Rahmen Interner Modelle) berücksichtigt werden darf, muss es erst zugelassen werden,
  • Es wurde konkretisiert, dass ein SPV als juristische Person genehmigt wird und nicht als individueller Vertrag
  • Interne Ratings werden als zulässig erachtet, sofern keine externen Ratings verfügbar sind
  • Unter bestimmten Umständen sind Dokumente in Entwurfsfassung für die Beantragung von SPVs zulässig
  • Für Konkretisierungen der Übergangsregelungen sowie Auflösungsprozesse ist keine Ermächtigung für EIOPA ersichtlich
CP-14/009 Consultation Paper on the proposal for ITS with regard to the supervisory approval procedure to use undertaking-specific parameters (Konsultation zur Verwendung von unternehmensspezifischen Parametern)
 
  • Maximale Genehmigungsdauer von 6 Monaten wird weiterhin als angemessen erachtet
  • Formaler Vorgenehmigungsprozess für USP ist nicht vorgesehen, aber ein frühzeitiger Austausch mit der Aufsicht wird empfohlen

Ausblick

Die EU Kommission hat die Technischen Standards binnen 3 Monaten zu genehmigen. Im Anschluss erfolgt die Übersetzung in alle offiziellen EU-Amtssprachen, womit die Technischen Standards ihre unmittelbar rechtlich bindende Wirkung entfalten.

Neben dem ersten Paket an Technischen Standards zum Genehmigungsprozess hat EIOPA in 2014 ergänzende Level 3-Leitlinien (Guidelines) zum Genehmigungsprozess konsultiert (siehe Blog-Artikel vom 3. Juni 2014). Die finalen Level 3-Leitlinien sollen planmäßig noch im Dezember 2014 von EIOPA veröffentlicht werden.

EIOPA eröffnet Konsultationsverfahren zum ersten Paket an Technischen Standards (Genehmigungsprozess)

Entsprechend der Ankündigung EIOPAs (siehe Blog-Beitrag vom 7. Februar 2014) steht nun seit 1. April 2014 das erste Paket „Technische Standards zum Genehmigungsprozess“ zur öffentlichen Konsultation zur Verfügung.

Im Einzelnen umfasst dieses die folgenden sechs Technischen Standards, die die Vorgehensweise im Genehmigungsprozess für ergänzende Eigenmittel, Interne Modelle, den Prozess der Entscheidungsfindung für gruppeninterne Modelle, Matching Adjustment, SPVs und die Verwendung von unternehmensspezifischen Parametern konkretisieren.

CP-14/004 Consultation Paper on the proposal for ITS with regard to the procedures to be used for granting supervisory approval for the use of ancillary own-fund items
CP-14/005 Consultation Paper on the proposal for ITS on Internal Models approval processes
CP-14/006 Consultation Paper on the proposal for ITS on the process to reach a joint decision for group internal models
CP-14/007 Consultation Paper on the proposal for ITS on the procedures to be followed for the approval of the application of a matching adjustment
CP-14/008 Consultation Paper on the proposal for ITS on special purpose vehicles
CP-14/009 Consultation Paper on the proposal for ITS with regard to the supervisory approval procedure to use undertaking-specific parameters

Versicherungsunternehmen können sich auf dieser Grundlage nun zielgerichtet auf alle erforderlichen Informationen für ihre jeweiligen Genehmigungsanträge und den Genehmigungsprozess bei der Aufsichtsbehörde vorbereiten. Genehmigungsanträge können ab dem 1. April 2015 bei den nationalen Aufsichtsbehörden eingereicht werden.

Die erste Konsultationsphase dauert planmäßig bis Ende Juni 2014. Kommentare zu den Konsultationspapieren können anhand von spezifischen, vorgegebenen Rückmeldungsformularen bis 30. Juni 2014 eingereicht werden.

Nach Abschluss der Konsultationsphase werden die Technischen Standards bis 31. Oktober 2015 der EU Kommission zur Genehmigung vorgelegt. Im Falle einer Zustimmung informiert die EU Kommission das EU Parlament und den EU Rat, und die Technischen Standards werden rechtlich bindend. Die Entwicklungen bei den Technischen Standards lassen ein zeitnahes und planmäßiges Fortschreiten der weiteren Konsultationspakete erwarten.

Solvency II – EIOPA veröffentlicht Ergebnisse der LTG-Studie

Nach Durchführung der europaweiten Auswirkungsstudie zur Bewertung langfristiger Garantien unter Solvency II veröffentlichte die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA am  14. Juni 2013 den finalen Bericht ihrer Ergebnisanalyse. Auf dieser Basis sollen nun die Trilog-Verhandlungen zur Verabschiedung der Omnibus II Richtlinie wieder aufgenommen werden.

Im Rahmen der neunwöchigen Testphase (28.01.2013-31.03.2013)  hatten sich zuvor europaweit insgesamt 437 Versicherungsunternehmen (darunter 211 Leben-, 142 Schaden-, 65 Komposit- sowie 9 Rückversicherungsunternehmen) den qualitativen und quantitativen Herausforderungen gestellt und verschiedene Maßnahmen zur Bewertung langfristiger Garantien getestet. Die Ergebnisse aus bis zu 13 Testszenarien wurden über die nationalen Aufsichtsbehörden an EIOPA übermittelt. Der finale Ergebnisbericht ist zusammen mit den derzeit vorliegenden nationalen Ergebnisanalysen parallel an die Trilog-Parteien versandt worden. Aus deutscher Sicht nahmen 97 Unternehmen an der Studie teil.

Zu den im Fokus des Assessments getesteten Methoden sind nachfolgend die Kernaussagen der EIOPA-Analyse zusammengefasst:

  • Die Verwendung der adaptierten, maßgeblichen risikolosen Zinsstrukturkurve (antizyklische Prämie, CCP) in Zeiten gestresster Finanzmärkte.

Die Testergebnisse haben gezeigt, dass die gegenwärtige Gestaltung der CCP sowie deren Auslöser bislang nicht zielführend sind. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in einem starken Anstieg der Kapitalanforderungen bei gleichzeitig nur limitiertem oder gar negativem Einfluss auf die Solvenzquoten der Teilnehmer wieder. Darüber hinaus stellt EIOPA die Fähigkeit, ein Krisenumfeld auf den Finanzmärkten für die Anwendung einer CCP zu definieren, offenkundig in Frage. Folglich wird vorgeschlagen, die CCP künftig durch eine einfachere, für die Unternehmen vermeintlich besser prognostizierbare Maßnahme, dem sogenannten „Volatility Balancer“ (VB) zu ersetzen. Diese Volalitätsbremse soll  die Wertschwankungen in Kapitalanlagen rechnerisch ausgleichen und somit einerseits eine bessere Anwendung gewährleisten, sowie andererseits Wettbewerbsvorteile bei grenzübergreifendem Geschäft verhindern. Eine Anwendung des VB erfolge dabei unabhängig vom Zustand der Finanzmärkte. Nach aktuellem Entwicklungsstand könnte dieser alternative Anpassungsmechanismus aus Symmetriegründen u.U. auch negativ ausfallen.  Dies obliegt jedoch laut EIOPA der finalen Kalibrierung des vorgestellten Hilfsmittels. Aus Sicht der Industrie scheint dieser Ansatz allerdings noch nicht vollständig ausgereift und Bedarf laut aktuellen Diskussionen weiterer Konkretisierungen und Anpassungen.

  • Die Extrapolationsmethodik der risikolosen Zinsstrukturkurve zur langfristigen Bewertung.

Die getesteten Konvergenzgeschwindigkeiten der Forwards Rates zur langfristigen Zinsannahme in der Eurozone i.H.v. 4,2% (UFR) zeigen, dass eine kürzere Konvergenzperiode (binnen 10 Jahre nach dem „Last Liquid Point“) zwar einen stabileren Wert der versicherungstechnischen Rückstellungen gewährleistet, jedoch im Vergleich zu einer längeren Konvergenzphase (und insbesondere in Zeiten starker Finanzmarktschwankungen) höhere Wertschwankungen der Eigenmittel und somit der Solvenzquoten impliziert. Darüber hinaus besteht laut EIOPA im Falle einer verkürzten Konvergenzphase das Risiko den Finanzmarkt nicht realitätsgetreu abzubilden. Insgesamt plädiert EIOPA auf eine Ausweitung der Konvergenzperiode auf beispielsweise 40 Jahre für den Euro.

  • Das Matching Adjustment („Classical“ und „Extended“) an die risikolose Zinsstrukturkurve zur Eliminierung der Bewertungsdiskrepanz zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten.

Im Gegensatz zur „klassischen“ Variante rät EIOPA, das „Extended“ Matching Adjustment nicht weiter zu verfolgen. Die Ergebnisse zeigen, dass der hohe Berechnungs- sowie Implementierungsaufwand wenig effektiv und zu komplex erscheint, um transparent beaufsichtigt zu werden. Diese Meinung teilt auch die deutsche Versicherungswirtschaft, für die jedoch das „klassische“ Matching Adjustment  aufgrund der lokalen Geschäftsspezifika im Rahmen der Studie nicht anwendbar war. An einer Implementierung der „klassischen“ Variante, inklusive der damit verbundenen strikten Bonitätsvoraussetzungen zugrundeliegender Investments, hält EIOPA auch nach der Studie unter leichten Anpassungsvorschlägen weiterhin fest.

  • Übergangsmaßnahmen zur schrittweisen Einführung der vollen Wirkung von Solvency II über eine ausreichend lange Zeitspanne.

Laut EIOPA wir die Gewährleistung eines reibungslosen Übergangs zwischen den beiden verschiedenen regulatorischen Regimen durch die getesteten Maßnahmen grundsätzlich sichergestellt und damit die Stabilisierung des Versicherungssektors weiter verfolgt. Eine Implementierung im Rahmen des LTG-Paketes wird demnach befürwortet. Mit dem Ziel eine breitere Anwendung im Versicherungsbestand zu ermöglichen, empfehle es sich die getestete Übergangsmaßnahme zu erweitern. Hierdurch sollen insbesondere weitere Probleme in den Bewertungsansätzen der versicherungstechnischen Rückstellungen unter Solvency I versus Solvency II erfasst werden.

Deutsche Versicherungsunternehmen hatten vor dem Hintergrund des langfristigen Garantiegeschäfts die gegenwärtig vorgeschlagene Anwendungsdauer von sieben Jahren als unzureichend erklärt. Eine Verlängerung der Übergangsfrist sieht EIOPA jedoch nicht vor.

  • Die Ausweitung der „Recovery Periode“ im Falle gerissener SCR-Grenzwerte

Folgt man den Erläuterungen des Ergebnisberichts so scheint eine Ausweitung der Wiederherstellungsfrist, die ausschließlich an die Duration der Verpflichtungen gebunden ist, angesichts der Vielzahl an Einflussfaktoren, als zu einfach und daher nicht vollumfänglich angemessen.  Dennoch sollte nach Meinung EIOPA die im Stresstest gegebene Wiederherstellungsfrist binnen sieben Jahren nicht überschritten werden.

Abschließend empfiehlt die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde die Versicherer künftig zur Offenlegung der Auswirkungen aller LTG-Maßnahmen auf ihre Solvabilitätspositionen im Rahmen des allgemeinen Melde- und Veröffentlichungsverfahrens zu verpflichten.

Der finale Abschlussbericht der EU-Kommission wird voraussichtlich am 12. Juli 2013 an die anderen Gesetzgeber übergeben. Im Anschluss daran sollen die Trilog-Verhandlungen auf Basis der gewonnen Studienresultate zur Umsetzung der Omnibus II Richtlinie erneut aufgenommen werden.

Mit der LTGA Studie liefert EIOPA einige Antworten auf bis dato offene Fragen bei der zukünftigen Bewertung von langfristigen Garantien unter Solvency II.  Auch wenn die Ergebnisse deutlich zeigen, dass bei nicht allen getesteten Maßnahmen von einer angemessenen Lösung gesprochen werden kann, so liefern sie jedoch eine adäquate Hilfestellung im Rahmen der Fortentwicklung der Bewertungsmechanismen und der Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene.

Hot Topic: Neuer ‘base case’ mit Start des LTGA

Bis voraussichtlich Ende März 2013 werden viele europäische Versicherer zu Testzwecken insgesamt 13 volle Sovabilitätsübersichten im Rahmen der Auswirkungsstudie zur Bewertung langfristiger Garantien – kurz LTGA – aufstellen. Für jedes Szenario ist das jeweils benötigte Solvenzkapital zu berechnen. Dies erweist sich als äußerst ressourcen- und zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll. Zwar ist die Teilnahme an der Auswirkungsstudie laut EIOPA zunächst freiwillig, dennoch wählen einige nationale Aufsichten vorab eine gezielte Auswahl an Versicherern, um der Anforderung, eine möglichst angemessene Repräsentation des lokalen Versicherungsmarktes zu gewährleisten, gerecht zu werden. Auch der GDV hat seine Mitglieder zur Teilnahme aufgefordert.

Ziel des Assessments ist es, valide Aussagen über den Einfluss verschiedener Bewertungsszenarien auf Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigte, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, Aufsichtsbehörden sowie das europäische Finanzsystem als Ganzes zu erhalten.

Die zusätzliche Belastung durch die Auswirkungsstudie stieß in der Branche zunächst auf heftige Kritik. Da die Erkenntnisse aus der Studie als Diskussionsgrundlage für die folgenden Trilog-Verhandlungen zu Omnibus II dienen sollen, sind sie jedoch äußerst wichtig für die europäische Versicherungsindustrie. Dies gilt insbesondere für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft, das sich gerade im Vergleich zu anderen Märkten durch die langfristig gewährten Garantien (speziell im Bereich der Rentenprodukte) auszeichnet. Folglich werden die resultierenden Entscheidungen einen signifikanten Einfluss auf den Wert der versicherungstechnischen Verpflichtungen und auf die Höhe der zusätzlichen Kapitalanforderungen haben und gleichermaßen das Risikomanagement beeinflussen.

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht die geeignete Herleitung der risikolosen Zinsstrukturkurve zur Diskontierung der zukünftigen Zahlungsströme. Verschiedene Sichtweisen über die Annahmen, die Ausgestaltung und die Extrapolation der Zinskurve haben in der Branche eine zunehmende Unsicherheit bei der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen bewirkt. Auch wenn auf europäischer Ebene eine finale Entscheidung noch nicht in Sicht ist, so kann doch das „BASE Szenario mit LTG-Maßnahmen“ aus den Technical Specifications Part II (erhältlich unter https://eiopa.europa.eu/) als ein aussagekräftiger Indikator für die endgültige Handhabung angesehen werden.

Die Relevanz der Studieninhalte und die Implikationen für die individuelle Positionierung sollten Versicherer motivieren, am LTGA teilzunehmen. Eine Teilnahme wird dabei nicht nur das Verständnis möglicher Auswirkungen der unterschiedlichen Optionen auf das eigene Geschäft fördern, sondern darüber hinaus dazu beitragen, fundierte Handlungs- und Modellierungsalternativen zu identifizieren.

Die Wahl der geeigneten Diskontrate wird für Produkte mit langfristigen Garantien (wie z.B. Renten) einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der versicherungstechnischen Rückstellungen haben. Die Trilog-Verhandlungen im Juli 2012 führten zunächst zu keinem finalen Ergebnis. Primärer Grund hierfür war, dass zunächst keine Übereinkunft bezüglich der zu verwendenden Diskontrate – die risikofreie Zinsstrukturkurve –, sowie der Berücksichtigung eines „Matching Adjustment“ zustande kam. Nichtsdestotrotz waren sich die Trilog-Parteien einig, dass der Einfluss der LTG-Maßnahmen evaluiert werden sollte. Im Zeitraum vom 28. Januar 2013 bis 31.März 2013 haben die Versicherer im Rahmen der LTGA-Studie nun Zeit, ihre Berechnungen durchzuführen und die Ergebnisse an die nationalen Aufsichten zu übermitteln. Den finalen Abschlussbericht der Auswirkungsstudie mit technischen Befunden sowie zentralen Schlussforderungen plant die europäische Versicherungsaufsicht (EIOPA) in der zweiten Juni Hälfte 2013 zu veröffentlichen.

Background

Die Wahl der geeigneten Diskontrate wird für Produkte mit langfristigen Garantien (wie z.B. Renten) einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der versicherungstechnischen Rückstellungen haben. Die Trilog-Verhandlungen im Juli 2012 führten zunächst zu keinem finalen Ergebnis. Primärer Grund hierfür war, dass zunächst keine Übereinkunft bezüglich der zu verwendenden Diskontrate – die risikofreie Zinsstrukturkurve –, sowie der Berücksichtigung eines „Matching Adjustment“ zustande kam. Nichtsdestotrotz waren sich die Trilog-Parteien einig, dass der Einfluss der LTG-Maßnahmen evaluiert werden sollte. Im Zeitraum vom 28. Januar 2013 bis 31.März 2013 haben die Versicherer im Rahmen der LTGA-Studie nun Zeit, ihre Berechnungen durchzuführen und die Ergebnisse an die nationalen Aufsichten zu übermitteln. Den finalen Abschlussbericht der Auswirkungsstudie mit technischen Befunden sowie zentralen Schlussforderungen plant die europäische Versicherungsaufsicht (EIOPA) in der zweiten Juni Hälfte 2013 zu veröffentlichen.

Auswirkungen für Versicherer

Die debattierten Optionen können einen wesentlichen Einfluss auf das überschüssige Kapital haben und somit starke Anforderungen an ein effektives Risikomanagement mit sich bringen. Zum Beispiel:

  • Der „beste Schätzwert (Best Estimate)“ der versicherungstechnischen Verpflichtungen kann sich erhöhen, sofern die Bereinigung der Swap-Kurve um das Kreditrisiko ansteigt, die Anwendung des klassischen „Matching Adjustment“ reduziert oder gar beschränkt wird, oder eine Anwendung des „Erweiterten Matching Adjustment“ bzw. der antizyklischen Prämie („Counter-Cyclical Premium“, CCP) nicht erlaubt sind.
  • Die Kapitalanforderungen (sowie die Risikomarge) können sich erhöhen, falls die zugrunde liegenden Verpflichtungen aufgrund des Verlaufs der Diskontraten weniger risikosensitiv sind oder falls willkürliche Bedingungen an die nach Anwendung der SCR-Stresstests modellierte Zinsstrukturkurve geknüpft werden.
  • Hedging-Optionen können an Effektivität verlieren, wenn das Basisrisiko durch eine beliebige Wahl von Limits der Diskontraten verschärft wird, einschließlich der Gefahr, dass die zugrunde liegende risikolose Zinskurve inkonsistent zur aktuellen Finanzmarktsituation extrapoliert wird.
  • Instabilität des Kapital- und Unternehmensanleihenmarktes kann entstehen, falls keine Übergangsmaßnahmen erlaubt sind. Einige Versicherer müssten möglicherweise zusätzliches Kapital (sofern möglich) an den Kapitalmärkten erwirtschaften oder gar von Unternehmensanleihen Abstand nehmen und in weniger kapitalintensive Alternativen investieren.

Quantitative Anforderungen

Der quantitative Teil der Auswirkungsstudie erfordert in 13 verschiedenen Szenarien neben einer Aufstellung der vollständigen Solvabilitätsübersicht nach Solvency II sowie entsprechender Kapitalanforderungen (SCR und MCR) auch die Angabe resultierender Eigenmittel und Kapitalüberschüsse. Innerhalb der Szenarien werden zu drei verschiedenen Stichtagen (2011, 2009, 2004) folgende fünf Schlüsselprobleme getestet:

  • „Klassisches Matching Adjustment“, um den Einfluss der Anwendung eines „Matching Adjustment“ auf das Rentengeschäft zu testen.
  • „Erweitertes Matching Adjustment“, um den Einfluss der Anwendung eines partiellen „Matching Adjustment“ auf ausfallrisikobehaftetes Geschäft zu testen.
  • „Counter-Cyclical Premium (CCP)“, um den Einfluss eines fixen Basispunkteaufschlags auf den liquiden Bereich der risikofreien Zinskurve in Zeiten gestresster Finanzmärkte zu testen.
  • Extrapolation der risikofreien Zinskurve, um die unterschiedlichen Ansätze zur Extrapolation der risikofreien Zinskurve für Laufzeiten zu testen, für die keine verlässlichen Marktinformationen mehr beobachtbar sind.
  • Übergangsmaßnahmen, um den Einfluss unterschiedlicher Übergangsmaßnahmen zu testen, die über eine Zeitspanne von sieben Jahren eine schrittweise Einführung der risikolosen Zinskurve nach Solvency II gewährleisten sollen.

Qualitative Anforderungen

Der qualitative Teil der Umfrage enthält eine Vielzahl von Fragen: Neben allgemeinen Fragen zum Risikomanagement, zu Implementierungskosten, zum Investitionsverhalten sowie möglichen Konsequenzen für den Versicherungsnehmer muss zusätzlich zu den Auswirkungen jeder der fünf Schlüsselmaßnahmen umfangreich Stellung bezogen werden. Erfragt wird ein Mix aus unterstützenden Informationen (z.B. „Welche Ressourcenkapazität war nötig, um die technische Studie zu bewältigen?“) und Meinungen zu festgelegten Aspekten des vorgeschlagenen Maßnahmenpaketes (z.B. „Bitte erläutern Sie sämtliche Einschätzungen über die Anreize für ein effektives Risikomanagement.“). Einige Fragen schließen insbesondere unternehmensspezifische Schätzungen ein (z.B. Stornoraten, Ausfall von Kapitalanlagen nach Rating).

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