Schlagwort: Niedrigzinsumfeld

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Novelle der MindestzufĂŒhrungsverordnung sowie der Pensionsfondsaufsichtsverordnung

Mit Wirkung vom 7. Juli 2020 sind Änderungen in der MindestzufĂŒhrungsverordnung sowie der Pensionsfonds-Aufsichtsverordnung in Kraft getreten (Vierte Verordnung zur Änderung von Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz). Ziel der neuen Regelung ist es, die Rahmenbedingungen fĂŒr externe, freiwillige EinschĂŒsse bei Lebensversicherungsunternehmen und Pensionseinrichtungen zu verbessern. Insbesondere sollen EigentĂŒmer und andere Beteiligte einen Anreiz erhalten, den Unternehmen zusĂ€tzliche Mittel zur Finanzierung der ZinsrĂŒckstellung, d.h. der ZinszusatzrĂŒckstellung im Neubestand und der ZinsverstĂ€rkung im Altbestand, bereitzustellen.

BaFin priorisiert aufsichtsrechtliche Anforderungen an GewinnabfĂŒhrungsvertrĂ€ge als Reaktion auf COVID-19 und das Niedrigzinsumfeld

Zum Schutz der Versicherungsnehmer sensibilisiert die BaFin in ihrem aktuellen BaFin Journal (April 2020) Versicherungsunternehmen zur laufenden PrĂŒfung der Werthaltigkeit von GewinnabfĂŒhrungsvertrĂ€gen. Es gilt die TragfĂ€higkeit der VerlustĂŒbernahmezusagen von Versicherungskonzernen gegenĂŒber ihren Töchtern trotz schwieriger Wirtschaftslage zu gewĂ€hrleisten.

Aktuelle aufsichtsrechtliche Herausforderungen

Besonders Versicherer, die langfristige Garantien ĂŒbernehmen, stehen im aktuellen Marktumfeld durch COVID-19 und dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld vor besonders großen Herausforderungen die vertraglich vereinbarten Renditen ihrer Kunden zu erwirtschaften.

Aufsichtsrechtliche Stellungnahme zu den Auswirkungen des ultraniedrigen negativen Zinsumfelds

Am 19. Februar 2020 veröffentlichte EIOPA eine Stellungnahme zu den Auswirkungen des ultraniedrigen / negativen Zinsumfelds auf die Versicherungsbranche und sprach Empfehlungen fĂŒr nationale Aufsichtsbehörden und Unternehmen aus, weiterhin Maßnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds auf den EU-Versicherungssektor zu verringern.

Schwerpunkte der Versicherungsaufsicht 2019

Die BaFin hat am 18. Dezember 2018 im Sinne ihres Anspruchs an eine klare, nachvollziehbare und transparente Aufsicht ihre Schwerpunkte fĂŒr das Jahr 2019 bekannt gegeben.

Als ĂŒbergreifende Aufsichtsschwerpunkte werden die Themen Digitalisierung und Brexit genannt.

EIOPA veröffentlicht Abschlussbericht des Stresstests 2014

Am 30. November 2014 veröffentlichte EIOPA den Abschlussbericht mit Ergebnissen zum Stresstest 2014. Ziel des EIOPA-Stresstests war es, die Auswirkungen von unterschiedlichen Stressszenarien (gebĂŒndelt in zwei Modulen) auf die Eigenmittelausstattung europĂ€ischer Versicherungsunternehmen zu testen sowie die Methoden zur Berechnung von Solvency Capital Requirement (SCR) und regulatorischen Eigenmitteln nach Solvency II weiter zu erproben. Stichtag fĂŒr diese Berechnungen ist der 31.12.2013.

FĂŒr die deutschen Lebensversicherer war der EIOPA-Stresstest nach der von der BaFin durchgefĂŒhrten „Vollerhebung Leben“ bereits die zweite Proberechnung innerhalb kurzer Zeit.

Der EIOPA-Stresstest besteht im Wesentlichen aus zwei Modulen (Kernmodul und Modul Niedrigzinsumfeld) mit jeweils einem Basisszenario sowie zwei Stressszenarien.

1. Kernmodul

Das Kernmodul basiert auf einer Datenbasis von insgesamt 167 Versicherungsgruppen und Einzelgesellschaften. Zusammen reprĂ€sentieren diese, gemessen an den Brutto-Beitragseinnahmen, 55% des EU-Gesamtmarktes. Im Folgenden werden die drei Szenarien des Kernmoduls beschrieben und anschließend die Ergebnisse in einer Tabelle zusammengefasst.

a. Basisszenario, „ohne jegliche Stresse“:

Dies ist das Ausgangsszenario im Kernmodul ohne jegliche Stresse.

b. Stressszenario 1, „Einbruch der europĂ€ischen AktienmĂ€rkte“:

Das erste Stressszenario besteht aus einer Kombination aus:

  • Fallenden Immobilienpreisen,
  • einer Ausweitung der Spreads sowohl fĂŒr Unternehmensanleihen im Non-Investment-Grade Bereich als auch fĂŒr Staatsanleihen (hauptsĂ€chlich fĂŒr Peripherie LĂ€nder),
  • sinkenden Zinsen ĂŒber die gesamte Zinsstrukturkurve,
  • einem negativen Schock der europĂ€ischen AktienmĂ€rkte um 41%.

c. Stressszenario 2, „Turbulenzen an den MĂ€rkten fĂŒr Unternehmensanleihen“:

Im zweiten Stressszenario liegt der Schwerpunkt des Schocks auf den MĂ€rkten fĂŒr Unternehmensanleihen, beeinflusst aber auch die MĂ€rkte fĂŒr Staatsanleihen und Anleihen von Banken. Das Szenario besteht aus einer Kombination von:

  • Einer inversen Zinsstrukturkurve[1],
  • einem negativen Aktienschock von 21%,
  • einer Ausweitung der Spreads sowohl fĂŒr Unternehmensanleihen im Investment-Grade Bereich als auch fĂŒr Staatsanleihen (hauptsĂ€chlich einige nord- und osteuropĂ€ische LĂ€nder),
  • fallenden Immobilienpreisen.

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der zuvor beschriebenen Szenarien im Kernmodul des EIOPA-Stresstests zusammen:

Ergebnisse Kernmodul

 

Versicherungsunternehmen die SCR erfĂŒllen (in %)
Gesamt Top 30 VU Kleine und mittelgroße VU
Basisszenario: „ohne jegliche Stresse“ 86 96 84
Stressszenario 1: „Einbruch der europĂ€ischen AktienmĂ€rkte“ 56 69 53
Stressszenario 2: „Turbulenzen an den MĂ€rkten fĂŒr Unternehmensanleihen“ 73 85 70

Insgesamt lĂ€sst sich feststellen, dass das Stressszenario 1 eine negativere Auswirkung auf die Eigenmittelausstattung der europĂ€ischen Versicherer hat als Stressszenario 2 und, dass große Versicherer ĂŒber alle Szenarien hinweg besser aufgestellt sind als kleine und mittelgroße Versicherer.

 

2. Modul Niedrigzinsumfeld

Das zweite Modul basiert auf einer Datenbasis von 225 Einzel-Versicherungsunternehmen, welche zusammen 60% aller versicherungstechnischen RĂŒckstellungen in der EU bilden. Auch hier werden wieder verschiedene Szenarien simuliert:

a. Basisszenario, „ohne jegliche Stresse“:

Dies ist das Ausgangsszenario im Modul Niedrigzinsumfeld ohne jegliche Stresse.

b. Stressszenario 1, „Japanszenario“:

In diesem Szenario wird eine lang anhaltende Niedrigzinsphase („japanische VerhĂ€ltnisse“) simuliert.

c. Stressszenario 2, „inverses Stressszenario“:

Hier wird eine atypische Änderung der Zinskurve simuliert, mit einem Anstieg der Zinsen fĂŒr kurze Laufzeiten bei gleichzeitigem Absinken der Zinsen bei mittleren und langen Laufzeiten.

Die Ergebnisse der beschriebenen Szenarien im Modul Niedrigzinsumfeld des EIOPA-Stresstests werden in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst:

Ergebnisse Modul Niedrigzinsumfeld

 

Versicherungsunternehmen die SCR erfĂŒllen (in %)
Basisszenario: „ohne jegliche Stresse“ 84
Stressszenario 1: „Japanszenario“ 76
Stressszenario 2: „inverses Stressszenario“ 80

Aufgrund der von deutschen Lebensversicherern vergebenen langfristigen Garantien wirkt sich das Japanszenario besonders ungĂŒnstig auf die Situation der deutschen Versicherungsindustrie aus. Die Solvenzquote, also der Quotient aus verfĂŒgbaren Eigenmitteln und SCR, sinkt im Japanszenario um fast 50% verglichen mit dem Basisszenario, allerdings auf einen immer noch recht hohen Wert von etwa 180%.

 

Trotz der ĂŒberwiegend positiven Ergebnisse verbleibt die große Herausforderung fĂŒr die Versicherer im Falle einer andauernden Niedrigzinsphase auch kĂŒnftig die Solvenzkapitalanforderungen erfĂŒllen zu können. Der EIOPA-Stresstest sowie auch die BaFin Vollerhebung zu Solvency II dienten jeweils als Übung in einem Zinsumfeld Ende 2013. Seither hat sich das Zinsumfeld weiter verschlechtert, so dass damit zu rechnen ist, dass die Ergebnisse insgesamt zum Ende des Jahres 2014 tendenziell schlechter aussehen. Umso wichtiger ist es, weiterhin interne Szenariorechnungen durchzufĂŒhren und eine entsprechende BerĂŒcksichtigung im ORSA abzubilden, um rechtzeitig entsprechende SchlĂŒsse ziehen zu können und (Gegen-)Steuerungsmaßnahmen zu ergreifen.

[1] Ausgegangen von einer „normalen“ Zinsstrukturkurve (ZSK), in der fĂŒr Anleihen mit lĂ€ngeren Laufzeiten auch höhere Zinsen gezahlt werden mĂŒssen, ist bei einer inversen ZSK das Gegenteil der Fall. Ab Laufzeiten von ĂŒber 7 Jahren dreht sich in dem vorliegenden Szenario die angenommene ZSK jedoch wieder und der „inverse Effekt“ mildert ab.

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