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BaFin Auslegungsentscheidungen zu Säule 1 – Aktuarielle Themen spartenübergreifend

In unserem Blog-Beitrag vom 5. Januar 2016 haben wir auf die Veröffentlichung der Auslegungsentscheidungen der BaFin rund um Säule 1 und 2 der seit 1. Januar 2016 geltenden Solvency II-Regeln verwiesen.

Nun gehen wir näher auf die Veröffentlichungen zu den folgenden spartenübergreifenden aktuariellen Themen ein:

Der bei künftigen Prämien einkalkulierte erwartete Gewinn (EPIFP)

In der Auslegungsentscheidung der BaFin vom 4. Dezember 2015 wird die Berechnung des erwarteten Gewinns aus künftigen Prämien (Expected Profits in Future Premiums – EPIFP) erläutert. Diese Ausführung ist besonders interessant, da die BaFin das Thema nicht in ihren Erläuterungen zur Anwendung der Säule 1 – Bestimmungen in der Vorbereitungsphase behandelt hat.

Die BaFin liefert in Ihrer Auslegungsentscheidung eine kurze Zusammenfassung der Grundlagen des EPIFP. Die Definition erfolgt nach Art. 1 Abs. 46 Delegierten Verordnung (DVO) und die Kalkulation nach Art. 260 Abs. 2 – 4 DVO; die BaFin nennt zusätzlich die Anforderungen aus den entsprechenden EIOPA Leitlinien mit Bezug zum EPIFP.

EPIFP wird in der DVO definiert als „der erwartete Barwert künftiger Zahlungsströme, die daraus resultieren, dass für die Zukunft erwartete Prämien für bestehende Versicherungs- und Rückversicherungsverträge — die aber ungeachtet der gesetzlichen oder vertraglichen Rechte des Versicherungsnehmers auf Beendigung des Vertrags aus einem beliebigen Grund außer dem Eintritt des versicherten Ereignisses möglicherweise nicht gezahlt werden — in die versicherungstechnischen Rückstellungen aufgenommen werden.“

Berechnet wird der EPIFP als Differenz aus:

a) Versicherungstechnischen Rückstellungen ohne Risikomarge und

b) Versicherungstechnischen Rückstellungen ohne Risikomarge, unter der Annahme, dass die für die Zukunft erwarteten Prämien für bestehende Versicherungs- und Rückversicherungsverträge nicht gezahlt werden (ungeachtet der Rechte des Versicherungsnehmers (VN) auf Beendigung des Vertrags aus einem anderen Grund als dem Eintritt des versicherten Ereignisses).

Die BaFin erwartet in diesem Zusammenhang, dass die Zahlungsströme unter b) auf Grundlage der bereits für die versicherungstechnischen Rückstellungen unter a) vorliegenden Zahlungsströme ermittelt werden. Es sind die künftigen Prämienzahlungen zu identifizieren, wobei der dabei einkalkulierte erwartete Gewinn als (negative) Verbindlichkeit zu berücksichtigen ist. Eine Ermittlung im Rahmen einer Schock-Berechnung bewertet die BaFin als nicht angemessen. Im Ergebnis entspricht die Berechnung des EPIFP damit einem Davon-Ausweis in Bezug auf die versicherungstechnischen Rückstellungen.

EPIFP bei Lebensversicherungsverpflichtungen

Die BaFin stellt außerdem einen Ermittlungsansatz für Lebensversicherungsverpflichtungen dar. Die Zuordnung der Zahlungsströme für b) folgt dem versicherungsmathematischen Äquivalenzprinzip, das der klassischen Prämien- und Leistungsberechnung zugrunde liegt:

Erwarteter Barwert künftiger Leistungen =
Vorhandene Mittel des Versicherungsbestandes + erwarteter Barwert künftiger Prämien

Auf dieser Grundlage können die zukünftigen Leistungen in zwei Teile aufgeteilt werden:

  1. Aus den vorhandenen Mitteln finanziert (vorhandene Mittel sind den bereits eingezahlten Prämien zuzuordnen) und
  2. Aus den zukünftigen Prämien finanziert.

Diese Aufteilung kann auf die Zahlungsströme der zukünftigen Gewinne übertragen werden. Die BaFin betont an dieser Stelle, dass die Besonderheiten des deutschen Versicherungsgeschäftes, insbesondere die Regelung zur Überschussbeteiligung, zu beachten sind. Bei der Zuordnung der zukünftigen Gewinne ist deren Entstehung angemessen zu berücksichtigen, besonders auch die Verweildauer der Mittel im Bestand und damit deren zeitlicher Beitrag zur Gewinnentstehung. Die künftigen Leistungen umfassen sämtliche Leistungen, die durch die gezahlte Prämie finanziert werden, darunter auch die Verwaltungskosten. Die künftigen Prämien sind als Bruttoprämie inklusive sämtlicher Kostenbeiträge, Ratenzuschläge und Anteile von Rückversicherern zu verstehen. Überschussverwendung in Form der Beitragsverrechnung wird nicht berücksichtigt.

Der Zahlungsstrom der Gewinne kann mit dem nachfolgenden Faktor den zukünftigen Prämien zugeordnet werden:

                Barwert zukünftiger Prämien                  
Vorhandene Mittel + Barwert zukünftiger Prämien

Voraussetzung dafür ist, dass die Aufteilung der Leistungen über den Zeitverlauf gleich bleibt und sich keine Effekte aus der Verweildauer im Bestand ergeben. Bei der Berechnung des Faktors sind die einzelnen Komponenten auf Basis der Rechnungsgrundlagen der HGB-Bilanzierung zu verwenden.

Anwendung der Übergangsmaßnahmen bei risikofreien Zinssätzen und versicherungstechnischen Rückstellungen

Die BaFin legt in dieser Auslegungsentscheidung vom 2. Dezember 2015 konkrete Berechnungsvorschriften für die Übergangsmaßnahmen nach § 351 VAG 2016 (risikofreie Zinssätze) und § 352 VAG 2016 (versicherungstechnische Rückstellungen) fest. Inhaltlich unterscheiden sich die Vorgaben nicht wesentlich von den Ausführungen, die die BaFin bereits in der Vorbereitungsphase veröffentlicht hat (vgl. Blog-Beitrag vom 9. April 2015). Die Berechnungsansätze werden zum Teil konkretisiert.

Die Übergangsmaßnahme bei risikofreien Zinssätzen resultiert in der vorübergehenden Parallelverschiebung der maßgeblichen risikofreien Zinskurve für jede Währung. Maßgeblich sind dabei:

  • Der Solvabilität-I-Zinssatz
  • Der Solvency-II-Zinssatz
  • Der für die Anpassung wirksamer prozentuale Anteil der Differenz zwischen beiden Zinssätzen. Die Werte reduzieren sich linear von 100% im Jahr 2016 auf 0% im Jahr 2032. Die BaFin liefert die entsprechende Tabelle in der Auslegungsentscheidung.

Beide Zinssätze werden im Detail definiert.

Die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen führt zu einer vorübergehenden Senkung der versicherungstechnischen Rückstellungen auf der Solvabilitätsübersicht. Die BaFin konkretisiert an dieser Stelle die Kalkulation des Abzugsterms. Den Abzug im ersten Jahr bildet die Differenz aus den versicherungstechnischen Rückstellungen nach Solvency II und den versicherungstechnischen Rückstellungen nach Solvabilität I. In den Folgejahren wird unter Berücksichtigung des oben genannten prozentualen Anteils (gemäß der angegebenen Tabelle) reduziert.

Die BaFin stellt klar, dass sie die Höhe des im ersten Jahr des Übergangszeitraums geltenden Abzugs begrenzen wird, wenn die für das Unternehmen geltenden Finanzmittelanforderungen (Summe aus versicherungstechnischen Rückstellungen und SCR) im Vergleich zu den Anforderungen sinken, die gemäß der bis zum 31. Dezember 2015 gültigen Rechtslage berechnet wurden.

Die BaFin konkretisiert in dieser Auslegungsentscheidung zudem die Berechnung der Solvabilität I- und Solvency II-Rückstellungen. Folgende Positionen zählen, soweit vorhanden, zur Solvabilität I-Rückstellung:

  • HGB-Deckungsrückstellung inklusive der Zinszusatzreserve (ZZR)
  • Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) – in der Lebensversicherung davon abweichend nur die festgelegte RfB (Positionen a) bis e) zuzüglich der garantierten Teile der RfB aus f) und g) nach § 28 Abs. 8 RechVersV)
  • Beitragsüberträge
  • Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle
  • Sonstige versicherungstechnische Rückstellungen
  • Schwankungsrückstellung und ähnliche Rückstellungen
  • Ansammlungsguthaben (Bilanzposition „andere Verbindlichkeiten ggü. VN“)
  • Versicherungstechnische Rückstellungen der fondsgebundenen Lebensversicherung

In der Lebensversicherung sind noch nicht fällige Ansprüche aus Forderungen aus dem selbst abgeschlossenen Versicherungsgeschäft an Versicherungsnehmer nicht mindernd zu berücksichtigen.

Die Solvency II-Rückstellung wird, ggf. unter Berücksichtigung einer Volatilitätsanpassung, gemäß den einschlägigen Solvency II-Anforderungen berechnet.

Die Übergangsmaßnahme kann auch auf einen Teilbestand angewendet werden. Die BaFin konkretisiert, dass in diesem Fall ein Teilbestand eine oder mehrere homogene Risikogruppen umfassen muss.

Die BaFin äußert sich auch zur Neuberechnung des Abzugsbetrags. Eine Neuberechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen erfolgt auf Verlangen der BaFin alle 24 Monate oder auf Antrag des Unternehmens mit anschließender Genehmigung der BaFin. Auslöser für eine Neuberechnung ist die wesentliche Veränderung des Risikoprofils eines Unternehmens, bspw. nach Bestandsübertragung. Neuberechnung und Fortführung der Übergangsmaßnahme folgen der oben beschriebenen Logik.

Projektion des Referenzzinses gemäß § 5 Abs. 3 Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV)

In der Auslegungsentscheidung vom 2. Dezember 2015 konkretisiert die BaFin, was bei der Projektion des Referenzzinses für die Berechnung des Besten Schätzwerts nach Solvency II-Anforderungen zu beachten ist. Der Geltungsbereich dieser Veröffentlichung erstreckt sich auf die Lebensversicherung und die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr.

Die Auslegungsentscheidung ist inhaltlich identisch mit den bereits in der Vorbereitungsphase erschienenen Erläuterungen (siehe auch Blog-Beitrag vom 9. April 2015). Auch die dort vorgestellten Beispiele zur Durchführung der Projektion des Referenzzinses sind weiterhin gegeben.

Der zukünftige Verlauf des Referenzzinses zur Ermittlung der Zinszusatzreserve hat Auswirkungen auf die zukünftige Überschussbeteiligung. Um die Zahlungsströme aus der zukünftigen Überschussbeteiligung herzuleiten, ist daher eine Solvency II-konforme Projektion des zukünftigen Verlaufs des Referenzzinses erforderlich.

Erfolgt diese Fortschreibung auf Basis der maßgeblichen risikofreien Zinsstrukturkurve gemäß § 77 VAG 2016, so ist diese um eventuelle Aufschläge aus Volatilitäts- und Matching-Anpassung zu bereinigen. Das in den Swap-Zinssätzen enthaltene Kreditrisiko darf für die Bestimmung des Referenzzinses ebenfalls nicht berücksichtigt werden. De facto ist die Projektion des Referenzzinses daher auf Basis der risikolosen Basiszinskurve gemäß Art. 44 der Delegierten Verordnung, d.h. ohne Anpassung für langfristige Garantien und vor der Anpassung um das Kreditrisiko durchzuführen. Für detaillierte Informationen zur Ermittlung und Extrapolation der maßgeblichen risikofreien Zinskurve verweisen wir auf die „technische Dokumentation“ von EIOPA (vgl. auch Blog-Beitrag vom 2. März 2015).

Risikofreie Zinsstrukturkurven zum 31. Januar und 28. Februar 2015 von EIOPA veröffentlicht

Am 6. März 2015 veröffentlichte EIOPA ein Update zu technischen Informationen relevanter risikofreier Zinsstrukturkurven, in der die zu verwendenden Zinsstrukturkurven zum Stichtag 31. Januar und 28. Februar 2015 bekannt gegeben wurden.

Ende Februar erfolgte bereits die Veröffentlichung der finalen technischen Dokumentation einschließlich begleitender technischer Informationen zu den Zinsstrukturkurven per Stichtag 31. Dezember 2014 sowie den Q&A’s von EIOPA (vgl. Blog-Artikel vom 2. März). Analog dieser Veröffentlichungen umfassen die aktuellen Informationen die Zinsstrukturkurven pro Land mit und ohne Volatility Adjustment, den zusätzlichen Informationen zum Volatility Adjustment und Matching Adjustment sowie den verwendeten Parametern zur Extrapolation.

Die Verfügbarkeit der risikofreien Zinsstrukturkurven soll Unternehmen in der laufenden Vorbereitungsphase in 2015 weiter unterstützen, insbesondere solche, die bereits ab 1. April 2015 Antrags- und Genehmigungsprozesse starten. Eine verbindliche Anwendung hat jedoch erst ab dem Inkrafttreten von Solvency II ab 1. Januar 2016 zu erfolgen (vgl. EIOPA’s Q&A).

Hot Topic: Neuer ‘base case’ mit Start des LTGA

Bis voraussichtlich Ende März 2013 werden viele europäische Versicherer zu Testzwecken insgesamt 13 volle Sovabilitätsübersichten im Rahmen der Auswirkungsstudie zur Bewertung langfristiger Garantien – kurz LTGA – aufstellen. Für jedes Szenario ist das jeweils benötigte Solvenzkapital zu berechnen. Dies erweist sich als äußerst ressourcen- und zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll. Zwar ist die Teilnahme an der Auswirkungsstudie laut EIOPA zunächst freiwillig, dennoch wählen einige nationale Aufsichten vorab eine gezielte Auswahl an Versicherern, um der Anforderung, eine möglichst angemessene Repräsentation des lokalen Versicherungsmarktes zu gewährleisten, gerecht zu werden. Auch der GDV hat seine Mitglieder zur Teilnahme aufgefordert.

Ziel des Assessments ist es, valide Aussagen über den Einfluss verschiedener Bewertungsszenarien auf Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigte, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, Aufsichtsbehörden sowie das europäische Finanzsystem als Ganzes zu erhalten.

Die zusätzliche Belastung durch die Auswirkungsstudie stieß in der Branche zunächst auf heftige Kritik. Da die Erkenntnisse aus der Studie als Diskussionsgrundlage für die folgenden Trilog-Verhandlungen zu Omnibus II dienen sollen, sind sie jedoch äußerst wichtig für die europäische Versicherungsindustrie. Dies gilt insbesondere für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft, das sich gerade im Vergleich zu anderen Märkten durch die langfristig gewährten Garantien (speziell im Bereich der Rentenprodukte) auszeichnet. Folglich werden die resultierenden Entscheidungen einen signifikanten Einfluss auf den Wert der versicherungstechnischen Verpflichtungen und auf die Höhe der zusätzlichen Kapitalanforderungen haben und gleichermaßen das Risikomanagement beeinflussen.

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht die geeignete Herleitung der risikolosen Zinsstrukturkurve zur Diskontierung der zukünftigen Zahlungsströme. Verschiedene Sichtweisen über die Annahmen, die Ausgestaltung und die Extrapolation der Zinskurve haben in der Branche eine zunehmende Unsicherheit bei der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen bewirkt. Auch wenn auf europäischer Ebene eine finale Entscheidung noch nicht in Sicht ist, so kann doch das „BASE Szenario mit LTG-Maßnahmen“ aus den Technical Specifications Part II (erhältlich unter https://eiopa.europa.eu/) als ein aussagekräftiger Indikator für die endgültige Handhabung angesehen werden.

Die Relevanz der Studieninhalte und die Implikationen für die individuelle Positionierung sollten Versicherer motivieren, am LTGA teilzunehmen. Eine Teilnahme wird dabei nicht nur das Verständnis möglicher Auswirkungen der unterschiedlichen Optionen auf das eigene Geschäft fördern, sondern darüber hinaus dazu beitragen, fundierte Handlungs- und Modellierungsalternativen zu identifizieren.

Die Wahl der geeigneten Diskontrate wird für Produkte mit langfristigen Garantien (wie z.B. Renten) einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der versicherungstechnischen Rückstellungen haben. Die Trilog-Verhandlungen im Juli 2012 führten zunächst zu keinem finalen Ergebnis. Primärer Grund hierfür war, dass zunächst keine Übereinkunft bezüglich der zu verwendenden Diskontrate – die risikofreie Zinsstrukturkurve –, sowie der Berücksichtigung eines „Matching Adjustment“ zustande kam. Nichtsdestotrotz waren sich die Trilog-Parteien einig, dass der Einfluss der LTG-Maßnahmen evaluiert werden sollte. Im Zeitraum vom 28. Januar 2013 bis 31.März 2013 haben die Versicherer im Rahmen der LTGA-Studie nun Zeit, ihre Berechnungen durchzuführen und die Ergebnisse an die nationalen Aufsichten zu übermitteln. Den finalen Abschlussbericht der Auswirkungsstudie mit technischen Befunden sowie zentralen Schlussforderungen plant die europäische Versicherungsaufsicht (EIOPA) in der zweiten Juni Hälfte 2013 zu veröffentlichen.

Background

Die Wahl der geeigneten Diskontrate wird für Produkte mit langfristigen Garantien (wie z.B. Renten) einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der versicherungstechnischen Rückstellungen haben. Die Trilog-Verhandlungen im Juli 2012 führten zunächst zu keinem finalen Ergebnis. Primärer Grund hierfür war, dass zunächst keine Übereinkunft bezüglich der zu verwendenden Diskontrate – die risikofreie Zinsstrukturkurve –, sowie der Berücksichtigung eines „Matching Adjustment“ zustande kam. Nichtsdestotrotz waren sich die Trilog-Parteien einig, dass der Einfluss der LTG-Maßnahmen evaluiert werden sollte. Im Zeitraum vom 28. Januar 2013 bis 31.März 2013 haben die Versicherer im Rahmen der LTGA-Studie nun Zeit, ihre Berechnungen durchzuführen und die Ergebnisse an die nationalen Aufsichten zu übermitteln. Den finalen Abschlussbericht der Auswirkungsstudie mit technischen Befunden sowie zentralen Schlussforderungen plant die europäische Versicherungsaufsicht (EIOPA) in der zweiten Juni Hälfte 2013 zu veröffentlichen.

Auswirkungen für Versicherer

Die debattierten Optionen können einen wesentlichen Einfluss auf das überschüssige Kapital haben und somit starke Anforderungen an ein effektives Risikomanagement mit sich bringen. Zum Beispiel:

  • Der „beste Schätzwert (Best Estimate)“ der versicherungstechnischen Verpflichtungen kann sich erhöhen, sofern die Bereinigung der Swap-Kurve um das Kreditrisiko ansteigt, die Anwendung des klassischen „Matching Adjustment“ reduziert oder gar beschränkt wird, oder eine Anwendung des „Erweiterten Matching Adjustment“ bzw. der antizyklischen Prämie („Counter-Cyclical Premium“, CCP) nicht erlaubt sind.
  • Die Kapitalanforderungen (sowie die Risikomarge) können sich erhöhen, falls die zugrunde liegenden Verpflichtungen aufgrund des Verlaufs der Diskontraten weniger risikosensitiv sind oder falls willkürliche Bedingungen an die nach Anwendung der SCR-Stresstests modellierte Zinsstrukturkurve geknüpft werden.
  • Hedging-Optionen können an Effektivität verlieren, wenn das Basisrisiko durch eine beliebige Wahl von Limits der Diskontraten verschärft wird, einschließlich der Gefahr, dass die zugrunde liegende risikolose Zinskurve inkonsistent zur aktuellen Finanzmarktsituation extrapoliert wird.
  • Instabilität des Kapital- und Unternehmensanleihenmarktes kann entstehen, falls keine Übergangsmaßnahmen erlaubt sind. Einige Versicherer müssten möglicherweise zusätzliches Kapital (sofern möglich) an den Kapitalmärkten erwirtschaften oder gar von Unternehmensanleihen Abstand nehmen und in weniger kapitalintensive Alternativen investieren.

Quantitative Anforderungen

Der quantitative Teil der Auswirkungsstudie erfordert in 13 verschiedenen Szenarien neben einer Aufstellung der vollständigen Solvabilitätsübersicht nach Solvency II sowie entsprechender Kapitalanforderungen (SCR und MCR) auch die Angabe resultierender Eigenmittel und Kapitalüberschüsse. Innerhalb der Szenarien werden zu drei verschiedenen Stichtagen (2011, 2009, 2004) folgende fünf Schlüsselprobleme getestet:

  • „Klassisches Matching Adjustment“, um den Einfluss der Anwendung eines „Matching Adjustment“ auf das Rentengeschäft zu testen.
  • „Erweitertes Matching Adjustment“, um den Einfluss der Anwendung eines partiellen „Matching Adjustment“ auf ausfallrisikobehaftetes Geschäft zu testen.
  • „Counter-Cyclical Premium (CCP)“, um den Einfluss eines fixen Basispunkteaufschlags auf den liquiden Bereich der risikofreien Zinskurve in Zeiten gestresster Finanzmärkte zu testen.
  • Extrapolation der risikofreien Zinskurve, um die unterschiedlichen Ansätze zur Extrapolation der risikofreien Zinskurve für Laufzeiten zu testen, für die keine verlässlichen Marktinformationen mehr beobachtbar sind.
  • Übergangsmaßnahmen, um den Einfluss unterschiedlicher Übergangsmaßnahmen zu testen, die über eine Zeitspanne von sieben Jahren eine schrittweise Einführung der risikolosen Zinskurve nach Solvency II gewährleisten sollen.

Qualitative Anforderungen

Der qualitative Teil der Umfrage enthält eine Vielzahl von Fragen: Neben allgemeinen Fragen zum Risikomanagement, zu Implementierungskosten, zum Investitionsverhalten sowie möglichen Konsequenzen für den Versicherungsnehmer muss zusätzlich zu den Auswirkungen jeder der fünf Schlüsselmaßnahmen umfangreich Stellung bezogen werden. Erfragt wird ein Mix aus unterstützenden Informationen (z.B. „Welche Ressourcenkapazität war nötig, um die technische Studie zu bewältigen?“) und Meinungen zu festgelegten Aspekten des vorgeschlagenen Maßnahmenpaketes (z.B. „Bitte erläutern Sie sämtliche Einschätzungen über die Anreize für ein effektives Risikomanagement.“). Einige Fragen schließen insbesondere unternehmensspezifische Schätzungen ein (z.B. Stornoraten, Ausfall von Kapitalanlagen nach Rating).

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