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EIOPA startet Stresstest 2016

Am 24. Mai 2016 wurde der europaweite EIOPA-Stresstest 2016 gestartet. Das Startdatum liegt damit eine Woche vor dem ursprĂŒnglich von EIOPA geplanten Termin am 31. Mai 2016 (vgl. auch Blog-Beitrag vom 27. April 2016). Als Enddatum, bis zu dem die ausgewĂ€hlten Versicherungsunternehmen ihre Ergebnisse bei den nationalen Aufsichtsbehörden einreichen mĂŒssen, wurde der 15. Juli 2016 unverĂ€ndert beibehalten.

Neben der Zeitplanung stellt EIOPA zur DurchfĂŒhrung des Stresstests weitere Spezifikationen und Templates bereit:

  • Technische Spezifikationen zu Verfahren und Methoden des Stresstests
  • Technische Informationen zu Inputdaten (Zinsstrukturkurven, Swaps)
  • Templates fĂŒr die Berichterstattung an EIOPA
  • Q&A Templates zur Einreichung von Fragestellungen an EIOPA
  • Hintergrundinformationen zum Stresstest
  • FAQs und nationale Ansprechpartner („national contact points“)

Der Stresstest fokussiert sich auf Einzelversicherungsunternehmen, die Produkte mit langfristigen Zinsgarantien anbieten und damit besonders anfĂ€llig fĂŒr lang anhaltende Niedrigzinsphasen sind (insbesondere Lebensversicherungsunternehmen). Bei der durch die nationalen Aufsichtsbehörden vorgenommenen Auswahl der teilnehmenden Versicherungsunternehmen soll eine Marktabdeckung von mindestens 75% des jeweiligen nationalen Marktes in Bezug auf die versicherungstechnischen RĂŒckstellungen (Leben) erreicht werden. Um eine möglichst reprĂ€sentative Auswahl zu gewĂ€hrleisten, soll dabei auch eine hinreichende Anzahl an Versicherungsunternehmen mittlerer und kleiner GrĂ¶ĂŸe einbezogen werden. Die deutschen Teilnehmer wurden bereits durch die BaFin informiert.

Bei dem Stresstest handelt es sich ausdrĂŒcklich nicht um einen „pass-or-fail“-Test, sondern um eine Maßnahme zur Beurteilung der WiderstandsfĂ€higkeit und AnfĂ€lligkeit der Versicherungsunternehmen in Bezug auf besonders adverse Marktsituationen. Um deren Auswirkungen auf die gemĂ€ĂŸ der Vorgaben von Solvency II und auf Datenbasis vom 1. Januar 2016 berechneten SolvabilitĂ€tsposition der Versicherungsunternehmen zu analysieren, sieht EIOPA die folgenden beiden Stressszenarien vor:

  • „Low for Long“: Simulation eines dauerhaft niedrigen Zinsniveaus unter Anwendung einer Zinsstrukturkurve, die von EIOPA zu diesem Zweck fĂŒr verschiedene Laufzeiten aus dem niedrigsten Stand der Null-Kupon-Euro-Swapkurve der letzten zwei Jahre abgeleitet wurde.
  • „Double Hit“: Simulation anhaltend niedriger Zinsen in Kombination mit einem Schock auf die Marktwerte bestimmter Vermögenswerte.

EIOPA wird die Ergebnisse des Stresstests im Dezember 2016 in anonymisierter bzw. aggregierter Form veröffentlichen. RĂŒckschlĂŒsse auf die Versicherungsunternehmen sollen nicht möglich sein.

Erste FAQs wurden von EIOPA bereits bereitgestellt. Im Verlauf des Stresstestes wird EIOPA darĂŒber hinaus wöchentlich Fragen der teilnehmenden Versicherungsunternehmen und die dazugehörigen Antworten veröffentlichen. FĂŒr Fragen mit ausschließlich nationaler Bedeutung hat die BaFin ihrerseits entsprechende Veröffentlichungen angekĂŒndigt.

EIOPA-Stresstest 2016

EIOPA plant die regelmĂ€ĂŸige DurchfĂŒhrung von Stresstests, um die WiderstandsfĂ€higkeit von Versicherungsunternehmen in Bezug auf nachteilige Marktentwicklungen einzuschĂ€tzen. Diese Stresstests dienen nicht der Ermittlung einer zusĂ€tzlichen Kapitalanforderung, sondern zur Beurteilung der Auswirkungen, die besonders ungĂŒnstige makroökonomische oder versicherungsspezifische Schockszenarien auf die Versicherungsunternehmen haben können. Zudem werden Stresstests im Hinblick auf die makroprudenzielle Aufsicht auch zur Identifikation und Beurteilung von Risiken, die die StabilitĂ€t des Finanzsystems als Ganzes gefĂ€hrden könnten, verwendet.

Im Rahmen des von EIOPA hierzu angedachten Zwei-Jahres-Intervalls wurden im Zuge der Vorbereitungsphase auf Solvency II bereits in den Jahren 2011 und 2014 Stresstests durchgefĂŒhrt. Der nĂ€chste Stresstest ist fĂŒr dieses Jahr 2016 geplant und ist damit der erste Stresstest seit der zum 1. Januar 2016 erfolgten EinfĂŒhrung von Solvency II. In diesem Zusammenhang sieht EIOPA derzeit folgenden Zeitplan vor:Stresstest

Der fĂŒr 2016 geplante Stresstest umfasst zwei Szenarien und fokussiert die Einzelunternehmenssicht von Lebensversicherungsunternehmen. In einem Szenario soll die WiderstandsfĂ€higkeit der in den Stresstest einbezogenen Versicherungsunternehmen im Hinblick auf ein anhaltend niedriges Zinsniveau simuliert werden. Im anderen Szenario sollen zusĂ€tzlich zu den Auswirkungen eines dauerhaft niedrigen Zinsumfeldes auch die Folgen gleichzeitig sinkender Marktwerte, der von den Versicherungsunternehmen gehaltenen Kapitalanlagen, beurteilt werden (Double-Hit-Szenario).

Die DurchfĂŒhrung des Stresstests erfolgt in enger Kooperation mit den nationalen Aufsichtsbehörden, welche unter anderem fĂŒr die Auswahl und die Ansprache der relevanten Versicherungsunternehmen zustĂ€ndig sind.

Stresstest und Quantitative Assessment fĂŒr Einrichtungen betrieblicher Altersvorsorge

Am 11. Mai 2015 veröffentlichte EIOPA Unterlagen zur DurchfĂŒhrung eines Stresstests sowie eines Quantitative Assessment von Einrichtungen betrieblicher Altersvorsorge (EbAV) in 17 europĂ€ischen LĂ€ndern. Die Aufforderung richtet sich an alle LĂ€nder, in denen der EbAV Sektor 500 Millionen Euro an Kapitalanlagen ĂŒberschreitet. Die DurchfĂŒhrung ist jedoch nicht fĂŒr alle Einrichtungen verpflichtend, sondern eine Auswahl der Teilnehmer erfolgt in Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichten.

Ziel des Stresstests ist eine umfassende Analyse hinsichtlich der Belastbarkeit der EbAV und ihrer Pensionszusagen unter adversen Kapitalmarktszenarien sowie einem Langlebigkeitsszenario, wobei Einrichtungen mit leistungsbezogenen PensionsplÀnen die Auswirkungen sowohl im Holistic Balance Sheet (HBS) als auch in der nationalen Handelsbilanz darzustellen haben.

Zeitgleich zum Stresstest fĂŒhrt EIOPA ein Quantitative Assessment (QA) durch, um Erfahrungen zu sammeln und die Angemessenheit der in 2014 von EIOPA veröffentlichten VorschlĂ€ge zur quantitativen Bewertung zu ĂŒberprĂŒfen. Dies soll es EIOPA ermöglichen, im FrĂŒhjahr 2016 eine entsprechende Empfehlung an die EuropĂ€ische Kommission zu adressieren.

Sowohl der Stress Test als auch das QA können bis zum 10. August 2015 bei der nationalen Aufsicht eingereicht werden. Eine entsprechende Veröffentlichung der Ergebnisanalyse ist fĂŒr Dezember 2015 angedacht.

EIOPA veröffentlicht Abschlussbericht des Stresstests 2014

Am 30. November 2014 veröffentlichte EIOPA den Abschlussbericht mit Ergebnissen zum Stresstest 2014. Ziel des EIOPA-Stresstests war es, die Auswirkungen von unterschiedlichen Stressszenarien (gebĂŒndelt in zwei Modulen) auf die Eigenmittelausstattung europĂ€ischer Versicherungsunternehmen zu testen sowie die Methoden zur Berechnung von Solvency Capital Requirement (SCR) und regulatorischen Eigenmitteln nach Solvency II weiter zu erproben. Stichtag fĂŒr diese Berechnungen ist der 31.12.2013.

FĂŒr die deutschen Lebensversicherer war der EIOPA-Stresstest nach der von der BaFin durchgefĂŒhrten „Vollerhebung Leben“ bereits die zweite Proberechnung innerhalb kurzer Zeit.

Der EIOPA-Stresstest besteht im Wesentlichen aus zwei Modulen (Kernmodul und Modul Niedrigzinsumfeld) mit jeweils einem Basisszenario sowie zwei Stressszenarien.

1. Kernmodul

Das Kernmodul basiert auf einer Datenbasis von insgesamt 167 Versicherungsgruppen und Einzelgesellschaften. Zusammen reprĂ€sentieren diese, gemessen an den Brutto-Beitragseinnahmen, 55% des EU-Gesamtmarktes. Im Folgenden werden die drei Szenarien des Kernmoduls beschrieben und anschließend die Ergebnisse in einer Tabelle zusammengefasst.

a. Basisszenario, „ohne jegliche Stresse“:

Dies ist das Ausgangsszenario im Kernmodul ohne jegliche Stresse.

b. Stressszenario 1, „Einbruch der europĂ€ischen AktienmĂ€rkte“:

Das erste Stressszenario besteht aus einer Kombination aus:

  • Fallenden Immobilienpreisen,
  • einer Ausweitung der Spreads sowohl fĂŒr Unternehmensanleihen im Non-Investment-Grade Bereich als auch fĂŒr Staatsanleihen (hauptsĂ€chlich fĂŒr Peripherie LĂ€nder),
  • sinkenden Zinsen ĂŒber die gesamte Zinsstrukturkurve,
  • einem negativen Schock der europĂ€ischen AktienmĂ€rkte um 41%.

c. Stressszenario 2, „Turbulenzen an den MĂ€rkten fĂŒr Unternehmensanleihen“:

Im zweiten Stressszenario liegt der Schwerpunkt des Schocks auf den MĂ€rkten fĂŒr Unternehmensanleihen, beeinflusst aber auch die MĂ€rkte fĂŒr Staatsanleihen und Anleihen von Banken. Das Szenario besteht aus einer Kombination von:

  • Einer inversen Zinsstrukturkurve[1],
  • einem negativen Aktienschock von 21%,
  • einer Ausweitung der Spreads sowohl fĂŒr Unternehmensanleihen im Investment-Grade Bereich als auch fĂŒr Staatsanleihen (hauptsĂ€chlich einige nord- und osteuropĂ€ische LĂ€nder),
  • fallenden Immobilienpreisen.

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der zuvor beschriebenen Szenarien im Kernmodul des EIOPA-Stresstests zusammen:

Ergebnisse Kernmodul

 

Versicherungsunternehmen die SCR erfĂŒllen (in %)
Gesamt Top 30 VU Kleine und mittelgroße VU
Basisszenario: „ohne jegliche Stresse“ 86 96 84
Stressszenario 1: „Einbruch der europĂ€ischen AktienmĂ€rkte“ 56 69 53
Stressszenario 2: „Turbulenzen an den MĂ€rkten fĂŒr Unternehmensanleihen“ 73 85 70

Insgesamt lĂ€sst sich feststellen, dass das Stressszenario 1 eine negativere Auswirkung auf die Eigenmittelausstattung der europĂ€ischen Versicherer hat als Stressszenario 2 und, dass große Versicherer ĂŒber alle Szenarien hinweg besser aufgestellt sind als kleine und mittelgroße Versicherer.

 

2. Modul Niedrigzinsumfeld

Das zweite Modul basiert auf einer Datenbasis von 225 Einzel-Versicherungsunternehmen, welche zusammen 60% aller versicherungstechnischen RĂŒckstellungen in der EU bilden. Auch hier werden wieder verschiedene Szenarien simuliert:

a. Basisszenario, „ohne jegliche Stresse“:

Dies ist das Ausgangsszenario im Modul Niedrigzinsumfeld ohne jegliche Stresse.

b. Stressszenario 1, „Japanszenario“:

In diesem Szenario wird eine lang anhaltende Niedrigzinsphase („japanische VerhĂ€ltnisse“) simuliert.

c. Stressszenario 2, „inverses Stressszenario“:

Hier wird eine atypische Änderung der Zinskurve simuliert, mit einem Anstieg der Zinsen fĂŒr kurze Laufzeiten bei gleichzeitigem Absinken der Zinsen bei mittleren und langen Laufzeiten.

Die Ergebnisse der beschriebenen Szenarien im Modul Niedrigzinsumfeld des EIOPA-Stresstests werden in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst:

Ergebnisse Modul Niedrigzinsumfeld

 

Versicherungsunternehmen die SCR erfĂŒllen (in %)
Basisszenario: „ohne jegliche Stresse“ 84
Stressszenario 1: „Japanszenario“ 76
Stressszenario 2: „inverses Stressszenario“ 80

Aufgrund der von deutschen Lebensversicherern vergebenen langfristigen Garantien wirkt sich das Japanszenario besonders ungĂŒnstig auf die Situation der deutschen Versicherungsindustrie aus. Die Solvenzquote, also der Quotient aus verfĂŒgbaren Eigenmitteln und SCR, sinkt im Japanszenario um fast 50% verglichen mit dem Basisszenario, allerdings auf einen immer noch recht hohen Wert von etwa 180%.

 

Trotz der ĂŒberwiegend positiven Ergebnisse verbleibt die große Herausforderung fĂŒr die Versicherer im Falle einer andauernden Niedrigzinsphase auch kĂŒnftig die Solvenzkapitalanforderungen erfĂŒllen zu können. Der EIOPA-Stresstest sowie auch die BaFin Vollerhebung zu Solvency II dienten jeweils als Übung in einem Zinsumfeld Ende 2013. Seither hat sich das Zinsumfeld weiter verschlechtert, so dass damit zu rechnen ist, dass die Ergebnisse insgesamt zum Ende des Jahres 2014 tendenziell schlechter aussehen. Umso wichtiger ist es, weiterhin interne Szenariorechnungen durchzufĂŒhren und eine entsprechende BerĂŒcksichtigung im ORSA abzubilden, um rechtzeitig entsprechende SchlĂŒsse ziehen zu können und (Gegen-)Steuerungsmaßnahmen zu ergreifen.

[1] Ausgegangen von einer „normalen“ Zinsstrukturkurve (ZSK), in der fĂŒr Anleihen mit lĂ€ngeren Laufzeiten auch höhere Zinsen gezahlt werden mĂŒssen, ist bei einer inversen ZSK das Gegenteil der Fall. Ab Laufzeiten von ĂŒber 7 Jahren dreht sich in dem vorliegenden Szenario die angenommene ZSK jedoch wieder und der „inverse Effekt“ mildert ab.

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