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Solvency II Newsletter Nr. 11, Juni 2016

Mit unserer elften Ausgabe des interaktiven Solvency II-Newsletters greifen wir wieder aktuelle Themen rund um Solvency II auf und informieren Sie außerdem ĂŒber weitere Themen, die zurzeit im Fokus der Aufsicht stehen.

In dieser Ausgabe finden Sie somit die folgenden Artikel:

  • Gesetzgebungsverfahren: „Verbraucherschutz und WiderstandsfĂ€higkeit der Versicherer im Fokus der Aufsicht“
  • SolvabilitĂ€tsĂŒbersicht & Eigenmittel: „Erkenntnisse aus den Day 1-PrĂŒfungen – Handlungsfelder bis zur PflichtprĂŒfung der SolvabilitĂ€tsĂŒbersicht zum 31.12.2016“
  • Prozesse, Kontrollen, Daten & IT: „Herausforderung DatenqualitĂ€t –  Wer ist hier eigentlich zustĂ€ndig?“
  • Versicherungsgruppen: „Aktuelle Entwicklungen in der internationalen Regulierung von Versicherungsunternehmen“

Über folgenden Link steht Ihnen der Solvency II-Newsletter außerdem in einer fĂŒr Ihr iPad-optimierten Version zur VerfĂŒgung: http://www.pwc.de/de/newsletter/finanzdienstleistung/newsletter-fuer-solvency2.jhtml.

Neben diesen Themen halten wir Sie außerdem mit unseren Blog-BeitrĂ€gen ĂŒber aktuelle Entwicklungen zu Solvency II informiert. Den Solvency II-Blog können Sie einfach ĂŒber folgenden Link auf unserer Homepage abrufen: https://blogs.pwc.de/solvency-2/

Über unsere Solvency II-App können Sie sich darĂŒber hinaus jederzeit ĂŒber Ihr iPad ĂŒber wesentliche Kernaspekte von Solvency II informieren. Zur kostenfreien Download-Möglichkeit fĂŒr die Solvency II-App gelangen Sie ĂŒber den folgenden Link bzw. Quellcode: https://itunes.apple.com/de/app/solvency-ii/id636538801?mt=8.

Weitere Interessenten fĂŒr unseren Solvency II-Newsletter können sich ganz unkompliziert unter folgender E-Mail-Adresse anmelden: SUBSCRIBE_Solvency_II_News@de.pwc.com. Sofern Sie unseren Newsletter kĂŒnftig nicht mehr erhalten möchten, bitten wir um eine kurze Benachrichtigung an: UNSUBSCRIBE_Solvency_II_News@de.pwc.com.

Rahmenwerk fĂŒr eine europaweite, risikobasierte und prĂ€ventive Aufsicht

Mit dem strategischen Ziel, eine proaktive Rolle in der frĂŒhzeitigen Schadenabwehr fĂŒr Versicherungsnehmer einzunehmen, hat EIOPA am 18. Januar 2016 ihren neuen strategischen Ansatz veröffentlicht. Dieser sieht die Schaffung eines umfassenden, risikobasierten und prĂ€ventiven Rahmenwerks fĂŒr die Beaufsichtigung auf europĂ€ischer Ebene vor. Damit sollen im Sinne des Versicherungsnehmerschutzes einheitliche Methoden umgesetzt werden, um die Auswirkungen von Produktmerkmalen und Vertriebsprozessen auf die Finanzposition des Unternehmens und den Verbraucherschutz zu bewerten.

Vor dem Hintergrund des in der Vergangenheit zu verzeichnenden signifikanten Vertrauensverlustes und der finanziellen SchĂ€digungen der Verbraucher, die die zahlreichen Skandale um Falschberatung und die missbrĂ€uchlichen GeschĂ€ftspraktiken von Versicherungsunternehmen herbeigefĂŒhrt haben und zu einem systemischen Risiko beitragen können, ist innerhalb der Unternehmen ein Wandel in Richtung verbraucherorientierter UnternehmensfĂŒhrung gefragt. FĂŒr die Beaufsichtigung ist ein umfassendes, prĂ€ventive Vorgehen erforderlich, welches den gesamten Produktlebenszyklus umfasst. Diese Beaufsichtigung sollte weniger formal Anforderungen abhaken und stĂ€rker ergebnisorientiert ausgerichtet sein.

Durch eine enge Kooperation zwischen EIOPA und den nationalen Aufsichtsbehörden soll die Umsetzung des Rahmenwerks gefördert sowie die Aufsicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette durch einheitliche Sprache, einheitliche Methoden und Indikatoren innerhalb Europas umgesetzt werden und dadurch das Vertrauen der Verbraucher innerhalb Europas wiedergewonnen werden.

Das Rahmenwerk wird sowohl auf qualitativen als auch quantitativen Daten basieren, so dass Unternehmen ihren Aufsichtsbehörden produktspezifisch Daten bereitstellen werden, die frĂŒhzeitig und zielorientiert auf konkrete FĂ€lle von Verbraucherschaden hinweisen sollen. Um Doppelanforderungen zu vermeiden, werden dabei relevante Daten aus den bereits vorhandenen Berichts- und Meldepflichten unter Solvency II verarbeitet.

Zur Erarbeitung des Rahmenwerks hat EIOPA die CCPFI (Committee on Consumer Protection and Financial Innovation) hinzugezogen, die auch fĂŒr die Umsetzung der Instrumente der Aufsicht beitragen sollen. FĂŒr die Umsetzung der Aufsicht wird auf bestehende und erweitere Aufsichtspraktiken zurĂŒckgegriffen. Dies sind insbesondere folgende Instrumente:

  • JĂ€hrliche Analysen zu Verbrauchertrends und Ad-hoc-Umfragen durch EIOPA
  • Nachhaltige und effektive Überwachung der MarktaktivitĂ€ten durch EIOPA und die nationalen Aufsichtsbehörden (u.a. durch Initiativen wie der „PRIIPS Regulation“ oder der Überarbeitung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD))
  • ÜberprĂŒfungen zu spezifischen Themen oder Produkten im Markt
  • Analysen anhand von Kennzahlen zu Vertriebsrisiken (wie Schadenquoten, Kostenquote, Combined Ratio, Provisionen etc.)

Um die Überwachung durch solche Instrumente zu ermöglichen, ist ein Verfahren zur Erfassung der notwendigen Daten erforderlich. Hinsichtlich der Generierung von Daten wird EIOPA schrittweise vorgehen:

  • Laufende BemĂŒhungen zur Verbesserung der DatenqualitĂ€t bei Verbraucherbeschwerden im Rahmen der Analyse der Verbrauchertrends
  • Sammlung von Informationen ĂŒber neu auftretende Risiken im Verbraucherschutz durch Auswertung der Kennzahlen zu Vertriebsrisiken
  • Übergang zu einem produktbezogenen Ansatz bei der Verwendung von Kennzahlen zu Vertriebsrisiken
  • Generierung von Daten aus dem Solvency II Berichtswesen zu einzelnen Sparten

Zur GewĂ€hrleistung einer widerstandsfĂ€higen und wirksamen Umsetzung des Rahmenwerks, wird dem „Board of Supervisors“ der EIOPA eine ÜberprĂŒfung der Strategie bis voraussichtlich FrĂŒhjahr 2017 vorgelegt.

 

EIOPA Jahreskonferenz – Im Wandel der Aufgaben und strategische Ziele

Der EIOPA-Chef Gabriel Bernardino gab in seiner Rede am 18. November 2015 im Rahmen der 5. Jahreskonferenz einen Ausblick auf die zukĂŒnftige Arbeit der Behörde und nannte dabei die wichtigsten strategischen Aufgaben.

Das Aufgabenfeld der EIOPA werde sich nach der EinfĂŒhrung von der Regulierung hin zur effektiven Aufsicht verschieben, wobei Gabriel Bernardinos auch weiterhin seine Rolle als EIOPA-Chef ausĂŒben soll. So wurde sein auslaufender Vertrag als EIOPA-Vorsitzender kĂŒrzlich um 5 Jahre verlĂ€ngert und muss aktuell noch durch das EU-Parlament bestĂ€tigt werden.

Zum Ende der Übergangsphase und unmittelbar vor der EinfĂŒhrung von Solvency II zum 1. Januar 2016 sollen kĂŒnftig drei strategische Ziele verfolgt werden:

  • Aufsichtliche Konvergenz
  • StĂ€rkung des Verbraucherschutzes
  • Erhaltung der finanziellen StabilitĂ€t der Versicherer und Pensionsfonds.

Diese werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt:

Aufsichtliche Konvergenz

Mit der EinfĂŒhrung von Solvency II will Gabriel Bernardino eine europaweit einheitliche und konsistente Umsetzung der Anforderungen gewĂ€hrleisten. Diese Aufgabe definiert er als das strategische Hauptziel der europĂ€ischen Aufsicht. Die aufsichtliche Konvergenz sei so wichtig, weil sie eine wesentliche Rolle bei der Erreichung weiterer grundlegender Ziele spiele:

  • Anwendung von EU-Regelungen und Vorschriften
  • Wettbewerbsgleichheit (“Level playing field”) und Verhindern von unterschiedlichen Aufsichtspraktiken in den nationalen MĂ€rkten
  • EU-weit vergleichbares Niveau des Verbraucherschutzes fĂŒr alle Versicherungsnehmer, BegĂŒnstigte bzw. Anspruchsberechtigte.

Alle nationalen Aufsichtsbehörden sollten sich bei den gemeinschaftlichen BemĂŒhungen um eine europĂ€ische Aufsichtskultur beteiligen, denn das „europĂ€ische Aufsichtssystem werde nur so stark sein, wie sein schwĂ€chstes Glied“. Solvency II werde höhere AnsprĂŒche an die Aufsichtsbehörden stellen. Diese benötigten dafĂŒr die KapazitĂ€ten, um mit den Unternehmen in den Dialog zu treten und diese kritisch zu hinterfragen. Zur UnterstĂŒtzung der nationalen Behörden entwickelt die EIOPA ein Aufsichtshandbuch, das unterschiedliche Bereiche der Solvency II – Anforderungen abdeckt.

StÀrkung des Verbraucherschutzes

Verbraucherschutz sei aktuell EU-weit sehr uneinheitlich geregelt. Die EIOPA werde daher kĂŒnftig den Verbraucherschutz noch mehr stĂ€rken und damit die folgenden Ziele unterstĂŒtzen:

  • Wettbewerbsgleichheit (“Level playing field”),
  • gesunder Wettbewerb und Konkurrenz,
  • Kundenvertrauen und FinanzstabilitĂ€t.

Gabriel Bernardino wĂŒnscht sich von den Unternehmen eine klarere Kundenorientierung, wobei das Management mehr Verantwortung zur Vermeidung mangelnder Produktaufsicht und schlecht ausgestalteter Vertriebsanreize ĂŒbernehmen solle. Vor diesem Hintergrund werde ein strategischer Ansatz fĂŒr risikobasierte Aufsicht von GeschĂ€ftspraktiken von der EIOPA implementiert.

Erhaltung der finanziellen StabilitÀt der Versicherer und Pensionsfonds

In der aktuellen schwierigen Marktsituation wĂŒrden sowohl die Solvenz der Unternehmen aber auch die TragfĂ€higkeit ihrer Versprechen bzw. Verpflichtungen und ihre GeschĂ€ftsmodelle in Frage gestellt. Gabriel Bernardino verlangt, dass Versicherungen und Pensionsfonds, die aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfeldes Übergangsmaßnahmen nutzen, ihr GeschĂ€ftsmodell neu strukturierten.

Die EIOPA werde weiterhin Stresstests durchfĂŒhren, um Hauptrisiken und Schwachstellen zu identifizieren. Um einer systemischen Krise vorzubeugen, wird EIOPA die folgenden Ziele verfolgen:

  • StĂ€rkung der WiderstandsfĂ€higkeit des Versicherungssektors,
  • Risikoreiches Verhalten („search for yield“) der Versicherer kollektiv einschrĂ€nken,
  • Prozyklische Effekte vermeiden.

 

Neben den strategischen Zielen ging Gabriel Bernardino auf weitere Aufgabenfelder im Fokus der EIOPA ein:

ÜberprĂŒfung von Solvency II

Die Aufsicht werde Solvency II grĂŒndlich und faktenbasiert prĂŒfen. Dabei wĂŒrden die Vorzugsprinzipien wie Vereinfachung und ProportionalitĂ€t thematisiert. Besondere Aufmerksamkeit werde man den Kapitalanlagen der Versicherer und der ProduktverfĂŒgbarkeit schenken.

DarĂŒber hinaus soll auch die Kalibrierung der unterschiedlichen Anlageklassen, inklusive der Staatsanleihen, soll weiter analysiert werden, so Gabriel Bernardino. Die Finanzkrise habe allen gezeigt, dass Staatsanleihen nicht immer risikofrei seien. Die Aufsicht mĂŒsste angemessene Anreize setzen, um eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Konzentration in einer bestimmten Anleihe zu vermeiden.

In Zusammenhang mit der ÜberprĂŒfung von Solvency II kann an dieser Stelle auch nochmal auf den Aktionsplan 2015/2016 von EIOPA verwiesen werden, der Anfang Oktober 2015 von EIOPA aktualisiert wurde (vgl. dazu Blog-Beitrag vom 12. Oktober 2015).

Renten & Pensionen

Bei den leistungsorientierten Versorgungsprogrammen durch den Arbeitgeber („benefit pension schemes“) sieht Gabriel Bernardino die Notwendigkeit Anreize fĂŒr einen Dialog ĂŒber die langfristige ZukunftsfĂ€higkeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu schaffen. So will er die aktuellen Herausforderungen angehen und eine weitere Zuspitzung der Situation vermeiden.

Zudem wird sich EIOPA weiterhin bei der Entwicklung der Kapitalmarktunion (Capital Markets Union) einsetzen. So könnten Verbraucher die Vorteile eines europaweiten Rentenmarktes nutzen (wie Kostenreduktion, höhere ErtrÀge, langfristige und stabile Finanzierung der Wirtschaft der EU).

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