Schlagwort: versicherungstechnische Rückstellung

Bleiben Sie auf dem laufenden - der versicherungstechnische Rückstellung RSS-Feed

Versicherungstechnische Rückstellungen – Auslegungsentscheidung der BaFin zur Beurteilung der Angemessenheit der Bewertungsmethode

Am 15.11.2018 hat die BaFin eine Auslegungsentscheidung veröffentlicht, die sich auf die Prüfung der Angemessenheit der Bewertungsmethode für versicherungstechnische (vt.) Rückstellungen und somit auf die Konkretisierung des Artikels 56 der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 bezieht.

Unter Solvency II sind für sämtliche Versicherungsverpflichtungen gegenüber Versicherungsnehmern und Anspruchsberechtigten vt. Rückstellungen zu bilden. Die zu deren Berechnung verwendeten Methoden müssen in Bezug auf die Art, den Umfang und die Komplexität der ihnen zugrunde liegenden Risiken angemessen sein.

Änderung der Regelungen zum Rechnungszins für Lebensversicherungsunternehmen und Pensionsfonds

Das Bundesministerium der Finanzen hat am 22. Oktober 2018 im Bundesanzeiger (siehe BGBl. Teil I Nr. 35 vom 22. Oktober 2018) die Dritte Verordnung zur Änderung von Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz veröffentlicht. Hierin werden die Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV) und die Pensionsfonds-Aufsichtsverordnung (PFAV) zur Bestimmung des Referenzzinses geändert. Zusätzlich zur Auslegung der Änderungen ist eine Begründung veröffentlicht worden. Die Änderungen bei der Berechnung der Deckungsrückstellung für Lebens- und Pensionsfondsverträge sind erstmals in dem Geschäftsjahr zu berücksichtigen, das nach dem 31. Dezember 2017 begonnen hat.

IDW EPS 580 zur Prüfung der Solvabilitätsübersicht

Am 20. Dezember 2016 veröffentlichte das IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V.) den vom HFA (Hauptfachausschuss) verabschiedeten Entwurf eines Prüfungsstandards „Prüfung der Solvabilitätsübersicht nach § 35 Abs. 2 VAG (IDW EPS 580)“. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Konsultationsphase. Ergänzungs- und Änderungsvorschläge können schriftlich bis zum 31. Mai 2017 eingereicht werden.

Im IDW EPS 580 stellt das IDW die Berufsauffassung zu den Besonderheiten der Anwendung der vom IDW festgestellten Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung auf die Prüfungen der Solvabilitätsübersicht nach § 35 Abs. 2 VAG dar. Der Standard enthält Anforderungen an die Prüfungsplanung, Prüfungsdurchführung und Berichterstattung sowie Anwendungshinweise und weitergehende Erläuterungen für einzelne Prüfungsgebiete.

Die Prüfung der Solvabilitätsübersicht stellt eine gesetzliche Erweiterung der Abschlussprüfung für aufsichtsrechtliche Zwecke dar, über deren Ergebnisse gesondert zu berichten ist. Ziel der Prüfung ist es, dem Abschlussprüfer die Abgabe eines Urteils mit hinreichender Sicherheit zu ermöglichen, über die ein eigenständiger Prüfungsvermerk erteilt wird.

Neben Definitionen, Gegenstand und Zielsetzung der Prüfung der Solvabilitätsübersicht, enthält der Standard Anforderungen an die:

  • Definition der Wesentlichkeit des Abschlussprüfers als Grundlage der Prüfung,
  • Prüfung des Vorgehens bei der unternehmensindividuellen Erstellung der Solvabilitätsübersicht,
  • Beurteilung der Datenqualität in Bezug auf die Erstellung der Solvabilitätsübersicht und deren Validierung, insb. in Bezug auf die versicherungstechnischen Rückstellungen,
  • Prüfung der Ansatz- und Bewertungsvorschriften der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten,
  • Beurteilung der Angemessenheit der ökonomischen Szenarien sowie zur Prüfung des Bewertungsansatzes der Risikomarge als Teil der Prüfung der versicherungstechnischen Rückstellungen,
  • Angemessenheit und Implementierung der Bewertungsmodelle,
  • Beurteilung zur Ausübung von Ermessenspielräumen und Vereinfachungen.

Außerdem geht der Prüfungsstandard auf „besondere Prüfungsgebiete“ ein, wie die Bewertung der Kapitalanlagen (hier insb. Beteiligungen und verbundene Unternehmen), die Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen, latente Steuern sowie Eventualverbindlichkeiten.

Der IDW Prüfungsstandards 580 soll für Prüfungen von Solvabilitätsübersichten Anwendung finden, die für Stichtage nach dem 31. Dezember 2016 aufgestellt werden, wobei eine frühere Anwendung zulässig ist.

Auslegungsentscheidung zu Anforderungen zur Bewertung von Kapitalmarktmodellen

Die BaFin hat am 10. November 2016 eine Auslegungsentscheidung zu Anforderungen an Kapitalmarktmodelle, die im Rahmen der Ermittlung des besten Schätzwertes der versicherungstechnischen Rückstellungen zur Projektion von Zahlungsströmen genutzt werden, veröffentlicht. Die Auslegungsentscheidung reflektiert in diesem Zusammenhang insbesondere Anforderungen an die Wahl der verwendeten Kapitalmarktmodelle und die Kalibrierung der zugrundeliegenden Modelle sowie die Prüfung der Angemessenheit der Kapitalmarktmodelle und der erzeugten Kapitalmarktszenarien.

Die Bewertung der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten folgt unter Solvency II einem marktwertorientierten Ansatz. Da für versicherungstechnische Rückstellungen in der Regel jedoch keine Preise an einem aktiven Markt abgelesen werden können, wird deren Wert als Summe aus dem besten Schätzwert und der Risikomarge ermittelt. Für die Ermittlung des besten Schätzwerts werden die mit den Versicherungsverträgen verbundenen Zahlungsströme in die Zukunft projiziert und unter Berücksichtigung des Zeitwertes des Geldes unter Verwendung der maßgeblichen risikofreien Zinskurve bewertet.

In Bezug auf die dabei betrachteten zukünftigen Zahlungsströme ist vor allem für fonds- und indexgebundene Versicherungsverträge und solche, die den Versicherungsnehmer an der Kapitalmarktentwicklung beteiligen oder Zinsgarantien beinhalten, die zukünftige Entwicklung der Kapitalmärkte und deren Antizipation von Relevanz. Die Projektionen in den Kapitalmarktmodellen beruhen in der Regel auf einer Monte-Carlo Simulation stochastischer Kapitalmarktszenarien. Hierfür werden üblicherweise sogenannte ökonomische Szenariogeneratoren (Ecomomic Scenario Generator – ESG) verwendet, für die mit der vorliegenden Auslegungsentscheidung die von der BaFin erwarteten Anforderungen reflektiert werden.

Anforderungen an Kapitalmarktmodelle

Spezifische Anforderungen an Kapitalmarktmodelle ergeben sich insbesondere aus Artikel 22 Absatz 3 der Delegierten Verordnung. Demnach müssen diese Modelle angemessen und mit der marktnahen Bewertung gemäß Artikel 75 der Solvency II-Rahmenrichtlinie in Einklang stehen. Dies bedeutet zum einen, dass für die Kalibrierung des Kapitalmarktmodells angemessene Referenzinstrumente heranzuziehen sind und die hierfür ermittelten Preise mit den an den Finanzmärkten beobachtbaren Preisen im Einklang stehen müssen. In diesem Rahmen werden unter anderem folgende Anforderungen definiert:

Auswahl der Referenzinstrumente:

  • Nachweis der unternehmensindividuellen Angemessenheit
  • Begründung der Auswahl der Referenzinstrumente (typischerweise Swaption-Kontrakte)
  • Berücksichtigung der Merkmale der versicherungstechnischen Rückstellungen (insbesondere Laufzeit sowie Höhe und Art von Optionen & Garantien) bei Wahl der Swaptions

Kalibrierung und weitere Anforderungen an Kapitalmarktmodelle:

  • Kalibrierung anhand aktueller Marktpreise
  • Berücksichtigung der Beschaffenheit des Kapitalanlagebestandes
  • Nachweis der Arbitragefreiheit
  • Parametrisierung des Zinsmodells im Einklang mit der maßgeblichen risikofreien Zinskurve
  • Begründung der Vorgehensweise zur Kalibrierung

Überprüfung der Angemessenheit:

  • Nachweis der Angemessenheit des Kapitalmarktmodells und der erzeugten Szenarien (u.a. in Bezug auf Anzahl der Szenarien, Stabilität der Berechnungsergebnisse gegenüber Parameteränderungen)
  • Sensitivitätsanalysen

 

EIOPA veröffentlicht Aktualisierung der Methode zur Berechnung der Zinsstrukturkurve

Am 29. September 2016 hat EIOPA die technische Dokumentation zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurven unter Solvency II aktualisiert. Diese Dokumentation gibt detaillierte Erläuterungen zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurve, die EIOPA im Rahmen der ökonomischen und marktgerechten Bewertung unter Solvency II monatlich veröffentlicht (vgl. Blog-Artikel vom 11. März 2016).

In den folgenden Bereichen hat EIOPA Änderungen in der technischen Dokumentation vorgenommen:

  • Bei der Berechnung der Volatilitätsanpassung und des Spreads für die Renditen zyprischer Staatsanleihen wurde das „Peer Country“ geändert sowie dazugehörige Bsp. von EIOPA zu „EU-area country“ und „non EU-area country“ veröffentlicht.
  • Die Herleitung von Renditen für Unternehmensanleihen mit höchster Kreditqualität wurde für den Fall von negativen Zinsen angepasst.
  • Die Datenquelle für Renditen isländischer Staatsanleihen wurde geändert.
  • Die Referenzportfolios für die Berechnung des Volatilitätsanpassung wurden aktualisiert. Sie werden ab dem 30. September 2016 angewendet.

Ebenfalls in diesem Zusammenhang aktualisiert und veröffentlicht wurde das Coding („Risk Free Interest Rate Term Structure Coding“), das bei der Berechnung des risikofreien Zinses verwendet wird, sowie die zur Herleitung der Zinskurve verwendeten Finanzinstrumente („Changes of relevant financial instruments“). Das aktualisierte Coding wird ab Ende September 2016 verwendet, die Änderungen der Finanzinstrumente werden ab dem 31. Dezember 2016 implementiert.

BaFin Auslegungsentscheidungen zu latente Steuern auf vt. Rückstellungen unter SII

Am 22. Februar 2016 veröffentlichte die BaFin ihre Auslegungsentscheidung zur Ermittlung der temporären Differenz zwischen dem Ansatz und der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen in der Solvabilitätsübersicht und dem Ansatz und der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen zu Steuerzwecken.

Für den Ansatz und Bewertung latenter Steuern unter Solvency II sind die Vorschriften der internationalen Rechnungslegung (IFRS) maßgeblich. Für die vt. Rückstellungen ist die Differenz aus der Bewertung für Solvabilitätszwecke und der Bewertung für Steuerzwecke in voller Höhe als temporär im Sinne des IAS 12 zu betrachten. Daher erfolgt ein Ansatz von latenten Steuern auf Grundlage der gesamten Differenz.

Ein Ansatz von latenten Steuerguthaben (aktive latente Steuern) ist nur dann zulässig, wenn die Anforderungen an deren Werthaltigkeit gemäß Artikel 15 (3) der Delegierte Verordnung (EU) 2015/13 durch das Versicherungsunternehmen erfüllt werden.

Der Wert der versicherungstechnischen Rückstellungen in der Solvabilitätsübersicht wird gemäß den Artikeln 76 bis 85 der Solvency II-Richtlinie 2009/138/EG ermittelt. Hierbei müssen evtl. Wechselwirkungen zwischen Überschussbeteiligung und Neugeschäft (siehe dazu weitere Auslegungsentscheidung) sowie die Auswirkungen der Übergangsmaßnahmen nach § 351 und § 352 VAG Berücksichtigung finden.

Für die Bewertung der latenten Steuern heranzuziehende steuerliche Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen sind folgende Rückstellungen einzubeziehen:

  • HGB-Deckungsrückstellung einschl. Zinszusatzreserve
  • Rückstellung für erfolgsabhängige und erfolgsunabhängige Beitragsrückerstattung
  • Beitragsüberträge
  • Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle
  • Sonstige versicherungstechnische Rückstellungen
  • Schwankungsrückstellung und ähnliche Rückstellungen
  • Versicherungstechnische Rückstellungen der fondsgebundenen Lebensversicherung
  • Ansammlungsguthaben in der Lebensversicherung
  • Noch nicht fällige Ansprüche aus Forderungen s. a. G. an Versicherungsnehmer sind mindernd zu berücksichtigen.

Die Bewertung der temporären Differenz erfolgt Brutto, d.h. vor abgegebener Rückversicherung.

Neben den Ausführungen der BaFin zur Ermittlung der temporären Differenz bei der Versicherungstechnik möchten wir an dieser Stelle auf die umfassenden Anforderungen in den EIOPA-Leitlinien Level 3 zum Ansatz & Bewertung (EIOPA-BoS-15/113), sowie an die detaillierten erforderlichen Informationspflichten in den EIOPA-Leitlinien Level 3 zum Reporting (EIOPA-BoS-15/209) im Zusammenhang mit latenten Steuern hinweisen. Sofern nicht bereits durch die Unternehmen erfolgt, sollte zeitnah eine Analyse der Verfügbarkeit der erforderlichen Daten und Informationen für die geforderten Nachweise bzw. Berichtspflichten erfolgen.

Durchführungsverordnung zu risikofreien Zinskurven für Solvency II veröffentlicht

Am 9. Februar 2016 wurde die Durchführungsverordnung (EU) 2016/165 (DVO 2016/165) der Europäischen Kommission im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Die DVO 2016/165 enthält Informationen für die Berechnung von versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmitteln zu Stichtagen vom 1. Januar bis zum 30. März 2016.

Inhalt der DVO 2016/165 sind Technische Informationen für jede relevante Währung zu den

  • maßgeblichen risikofreien Zinskurven,
  • grundlegenden Spreads für die Berechnung der Matching-Anpassung und
  • den Volatilitätsanpassungen.

Die Informationen sind für die Ermittlung der versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmittel auf Basis der risikofreien Zinskurven (nach § 77 VAG 2016), ggf. unter Berücksichtigung der Matching-Anpassung (nach §§ 80-81 VAG 2016) oder der Volatilitätsanpassung (nach § 82 VAG 2016) nach Solvency II.

Die risikofreien Zinsstrukturkurven stellen einen der Hauptparameter für die Berechnung der Solvenzbedeckung der Versicherungsunternehmen dar. EIOPA veröffentlichte bereits in der Vorbereitungsphase die Technische Dokumentation zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurven, beantwortete häufig gestellte Fragen „FAQ“ dazu und veröffentlicht seitdem monatlich die aktuellen Zinsstrukturkurven (vgl. Blog-Beitrag vom 2. März 2015). Diese werden von der Kommission aufgegriffen und in Durchführungsverordnungen, wie der DVO 2016/165, veröffentlicht.

Damit soll sichergestellt werden, dass Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen ihre versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmittel nach Solvency II auf Grundlage von einheitlichen Vorgaben berechnen. Dies unterstützt die Wettbewerbsgleichheit („level playing field“) im Versicherungsmarkt der EU. Sollte es zwischen den technischen Informationen der EIOPA und einer Durchführungsverordnung der Kommission zu Abweichungen kommen, sind die Vorgaben der Kommission maßgeblich.

BaFin Auslegungsentscheidungen zu Säule 1 – Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten und der einforderbaren Beträge aus RV und ggü. Zweckgesellschaften

Mit Blog-Beitrag vom 5. Januar 2016 berichteten wir über die Veröffentlichung zahlreicher Auslegungsentscheidungen zur Anwendung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften zur Säule 1 und 2 von Solvency II durch die BaFin.

Im nachfolgenden Blogbeitrag stellen wir die wesentlichen Aspekte der Solvency II-Bilanzierung für die Erstellung der Solvabilitätsübersicht (ohne vt. Rückstellungen) und der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und gegenüber Zweckgesellschaften dar.

Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ohne vt. Rückstellungen – HGB vs. Solvency II Bewertung

Am 4. Dezember 2015 veröffentlichte die BaFin ihre Auslegungsentscheidung zu Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ohne vt. Rückstellungen – HGB vs. Solvency II. Von Interesse dürfte insbesondere die Sichtweise der BaFin zur Anwendung der handelsrechtlichen Vorschriften für Solvency II-Zwecke sein, z.B. für Unternehmen, die ausschließlich nach handelsrechtlichen Vorschriften bilanzieren. Insbesondere untersucht die BaFin in ihrer Auslegungsentscheidung – ähnlich wie dies seitens EIOPA für die Anwendung der IFRS Standards erfolgte – ob bei einzelnen Bilanzposten etwaige Wahlrechte, Sondervorschriften oder Ausnahmen für die Ermittlung des Zeitwerts nach RechVersV bestehen, die einer analogen Anwendung für Zwecke von Solvency II entgegenstehen. Das Ergebnis der Untersuchung hat die BaFin in ihrer Auslegungsentscheidung in der Spalte „Kompatibilität“ dokumentiert.

Die Solvency II Vorschriften sehen vor, dass für den Ansatz und die Bewertung der Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten (ohne versicherungstechnische Rückstellungen) die Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) maßgeblich sind, es sei denn es liegen explizit spezifische Solvency II-Vorschriften vor. Gemäß Art. 9 (4) der Delegierte Verordnung (EU) 2015/13 können jedoch von IFRS abweichende Methoden (z.B. Verwendung lokaler Rechnungslegungsstandards) unter Beachtung des Proportionalitätsprinzips nach Solvency II zur Bewertung verwendet werden. An deren Verwendung sind jedoch mehrere Voraussetzungen geknüpft.

Im Hinblick auf die Bewertung der Kapitalanlagen führt die BaFin aus, dass die verwendeten Methoden zur Zeitwertermittlung nach der RechVersV grundsätzlich dem aktuellen Stand der Bewertungspraxis entsprechen und sich somit nicht von den Zeitwerten unterscheiden, die im Rahmen der Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS 13) zur Ermittlung von Zeitwerten vorgesehen werden. Versicherungsunternehmen sollten daher kritisch prüfen, ob die Anforderungen aus IFRS 13 für die Ermittlung von Zeitwerten eingehalten werden.

Hinsichtlich der Bewertung der Anteile in verbundene Unternehmen und Beteiligungen führt die BaFin „überraschend“ aus, dass sofern ein Börsen- oder Marktpreis nicht verfügbar ist, der Zeitwert gemäß RechVersV für die Zwecke der Solvabilitätsübersicht herangezogen werden kann. Dieser entspricht einem objektivierten Unternehmenswert entsprechend den Vorschriften des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Die Auslegung der BaFin weicht hier von den Vorschriften in Art. 13 (1) der Delegierte Verordnung (EU) 2015/13) ab, wonach zunächst eine Bewertung nach der Solvency II Adjusted-Equity-Methode vorzunehmen ist, sofern keine Börsen- oder Marktpreise vorhanden sind. Erst wenn diese Methode ebenfalls nicht anwendbar ist, darf ausschließlich bei der Bewertung von Beteiligungen (die keine Tochterunternehmen sind) auf alternative Methoden, wie oben erwähnt, zurückgegriffen werden.

Bewertung der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und gegenüber Zweckgesellschaften

In einer weiteren am 4. Dezember 2015 veröffentlichten Auslegungsentscheidung spezifiziert die BaFin die Anforderungen an die Bewertung der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und gegenüber Zweckgesellschaften.

Im Rahmen der Darstellung in der Solvabilitätsübersicht werden die versicherungstechnischen Rückstellungen getrennt nach Bruttorückstellungen und den einforderbaren Beträgen aus Rückversicherungsverträgen und von Zweckgesellschaften ausgewiesen. Für die Bestimmung der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und von Zweckgesellschaften werden die zum Stichtag bestehenden Rückversicherungsverträge und zukünftige Rückversicherungsverträge berücksichtigt, sofern die Bedingungen der Leitlinie 78 der EIOPA-Leitlinien zur Bewertung von versicherungstechnischen Rückstellungen (EIOPA-BoS-14/166 DE) erfüllt werden.

Die Leitlinie 19 der EIOPA-BoS-14/166 DE konkretisiert die Anforderung des Art. 86 Abs. 1 i.V.m. Art.  75 Abs. 3 Delegierte Verordnung (EU) 2015/13 einer Segmentierung der einforderbaren Beträge in homogene Risikogruppen in der Art, dass eine Einheitlichkeit zwischen den homogenen Risikogruppen für die Berechnung der einforderbaren Beträge und der Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen sichergestellt werden soll.

Für die Ermittlung der einforderbaren Beträge sind innerhalb der Zahlungsströme nur Zahlungen zu betrachten, die sich auf die Regulierung von Versicherungsfällen und nicht regulierte Versicherungsansprüche beziehen. Dies beinhaltet auch die Prämienzahlungen des Zedenten an den Rückversicherer.

Wird für Zahlungsströme ein Depot angelegt, müssen die einforderbaren Beträge entsprechend angepasst werden, damit eine doppelte Berücksichtigung der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in Bezug auf das Depot unterbleibt. Die BaFin geht in ihrer Auslegungsentscheidung nicht näher auf diesen Vorgang ein. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle näher erläutert, wie sich ein Depot auf die einforderbaren Beträge aus Rückversicherung auswirken könnte:

Der Erstversicherer erhält durch die Stellung eines Depots durch einen Rückversicherer Aktiva in Höhe des Depotwertes. Im Gegenzug wird in der Solvabilitätsübersicht eine Depotverbindlichkeit in derselben Höhe angesetzt. Da der Erstversicherer eine Leistung durch den Rückversicherer erhalten hat, hat dies Auswirkungen auf die einforderbaren Beträge an diesen Rückversicherer, welche sich um den Depotwert verringern. Gleichzeitig entsteht eine Forderung an das Depot, um eine Doppelzählung von Verbindlichkeiten zu vermeiden. Diese führt zu der oben beschriebenen Anpassung (Erhöhung) der einforderbaren Beträge. Für den Rückversicherer und das Depot können sich die erwarteten Ausfallwahrscheinlichkeiten unterscheiden (im Allgemeinen wird dies der Fall sein), was zu einer Anpassung der Höhe der einforderbaren Beträge durch diesen Vorgang führen kann.

Laut BaFin werden diese Forderungen an das Depot innerhalb der einforderbaren Beträge weder bei der Bestimmung des erwarteten Verlustes durch den Gegenparteiausfall noch bei der Bestimmung des Gegenparteiausfallrisikos in der Standardformel berücksichtigt.

BaFin Auslegungsentscheidungen zu Säule 2 – ORSA

Als Bestandteil einer Reihe von Auslegungsentscheidungen zu Säule 2 wurde am 23. Dezember 2015 die Auslegungsentscheidung zu Own Risk and Solvency Assessment (ORSA) von der BaFin veröffentlicht (vgl. Blog-Beitrag vom 15. Januar 2016 zu weiteren Themen der Säule 2). In dieser Auslegungsentscheidung wurden die folgenden Verlautbarungen der Vorbereitungsphase konsolidiert und in das geltende Solvency II Regime überführt:

Die wesentlichen Aspekte der Auslegungsentscheidung werden nachfolgend aufgegriffen.

Grundsatz der Proportionalität

Die BaFin hebt auch hinsichtlich der unternehmenseigenen Risiko-und Solvabilitätsbeurteilung (Own Risk and Solvency Assessment, ORSA) den Grundsatz der Proportionalität hervor. Folgende wesentliche Aspekte sind weiterhin besonders relevant:

  • Die zur Beurteilung des Gesamtsolvabilitätsbedarfs (GSB) verwendeten Methoden sollen der Art, dem Umfang und der Komplexität der Risiken (nicht des Geschäftsmodells) angemessen sein.
  • Einfache Ansätze zur Modellierung der Risiken für den ORSA sind möglich, sofern dies dem Risikoprofil entspricht und vom Unternehmen begründet werden kann. Es ist kein (partielles) internes Modell erforderlich.
  • Anwendung der Proportionalität wird nicht zu Vereinfachungen hinsichtlich der mehrjährigen Perspektive oder der Quantifizierung des Kapitalbedarfs für den GSB führen.
  • Die Berichterstattung an die Aufsicht muss trotz Anwendung des Proportionalitätsgrundsatzes vollständig sein. Ausführungen dürfen lediglich einfacher und knapper dargestellt werden, sofern das Risikoprofil dies rechtfertigt.
  • Bei der Beurteilung der Kapitalanforderungen und vt. Rückstellungen kann sich die Proportionalität auf die Länge der Zukunftsperspektive, die verwendeten Methoden einschl. der Ausgestaltung und Häufigkeit der Szenario- und Stresstests auswirken.
  • Bei der Beurteilung der Signifikanz der Abweichung des unternehmenseigenen Risikoprofils von den Annahmen der Standardformel kann sich die Proportionalität in der Prüfungstiefe und der Methodenwahl niederschlagen. jedes Unternehmen hat jedoch Eine gründliche Analyse durchzuführen; zudem ist bei signifikanten Abweichungen stets eine Quantifizierung vorzunehmen.

Zeitpunkt und Frequenz

Für die Durchführung des ORSA spielen Zeitpunkt und Frequenz eine Rolle. Die BaFin verdeutlicht, wie bereits in der Vorbereitungsphase, dass es keinen verbindlichen Zeitpunkt gibt und damit auch keine zwingende Übereinstimmung mit dem Bilanzstichtag. Ein ORSA muss regelmäßig, mindestens einmal jährlich, durchgeführt werden. Zudem sind Vorkehrungen für einen nicht-regelmäßigen (Ad hoc) ORSA einzurichten. Eine angemessene Frequenz ist unternehmensindividuell unter Proportionalitätsaspekten festzulegen.

Rolle des Vorstandes und Verknüpfung mit strategischem Management

Der Vorstand spielt im Rahmen des ORSA eine aktive Rolle. So liegt es in der nicht delegierbaren Verantwortung aller Vorstände die ORSA-Ergebnisse nachzuvollziehen, zu hinterfragen und dies zu dokumentieren. Vor allem die Verknüpfung des ORSA mit dem strategischen Management und der unternehmensinternen Entscheidungsfindung ist von zentraler Bedeutung und stellt in der Praxis eine große Herausforderung dar.

Wie bereits in der Vorbereitungsphase von der BaFin verlangt, sind sowohl die Geschäftsstrategie als auch andere strategische und wichtige Entscheidungen in der vorausschauenden Beurteilung zu berücksichtigen. Andersherum ist auch sicher zu stellen, dass die Ergebnisse des ORSA in die strategischen Entscheidungs- und Planungsprozesse des Unternehmens einfließen.

Dokumentation

Im Zusammenhang mit der Durchführung des ORSA gibt es eine Vielzahl an Dokumentationsanforderungen. Im Folgenden werden die Dokumentationspflichten zusammenfassend genannt:

  • ORSA-Leitlinie: Beschreibung Soll-Ablauf eines ORSA, Dokumentation als eigenständiges Dokument oder als abgeschlossener Teil der Risikomanagement-Leitlinie.
  • Prozessdokumentation: Nachvollziehbare Darstellung der Durchführung, Ergebnisse und Schlussfolgerungen jedes ORSA-Prozesses, für sachkundigen Dritten verständlich. Es besteht keine Einreichungspflicht, jedoch jederzeitige Einsichtnahme durch BaFin möglich. Es gelten die allgemeinen Aufbewahrungsfristen.
  • Interner ORSA-Bericht: Dieser dient der internen Kommunikation der wichtigsten Grundlagen und Ergebnisse aus dem ORSA; dieser kann identisch sein mit Bericht an die Aufsichtsbehörde.
  • ORSA-Bericht an die Aufsichtsbehörde: Zusätzlich zur internen Berichterstattung ist in jedem Fall die Darstellung der Zukunftsperspektive nicht „en bloc“, sondern separat pro Jahr darzustellen sowie die genutzten Vereinfachungen.
  • Berichterstattung im Rahmen des RSR und SFCR über die ORSA Durchführung.

Beurteilung GSB, gesetzliche Kapitalanforderungen & vt. Rückstellungen, Beurteilung von Abweichungen des Risikoprofils

Die Beurteilung des Gesamtsolvabilitätsbedarfs (GSB) ist einer der zentralen Bestandteile des ORSA. Hierbei wird der tatsächliche Bedarf an Kapital und Eigenmitteln ermittelt, um die unternehmensspezifischen Risiken zu decken. Eine Quantifizierung des GSB ist stets erforderlich (trotz ggf. geringer Abweichungen zum SCR). Für die Ermittlung des GSB ist grundsätzlich eine Marktwertsicht zugrunde zu legen. Dabei ist – anders als bei der Bestimmung von SCR und MCR – die begründete Verwendung von im Vergleich zu Solvency II abweichenden Ansatz- und Bewertungsvorschriften möglich, sofern der Effekt auf den GSB hieraus quantifiziert wird. Bei einer „Unterdeckung“ im GSB folgen nicht die gleichen Konsequenzen wie bei einer Unterschreitung der gesetzlichen Kapitalanforderungen (MCR, SCR). Dennoch wäre eine solche Unterdeckung aufsichtsrechtlich relevant, da diese ggf. ein Indikator für Defizite in den Geschäftsprozessen und im Management sein kann.

Bei der Beurteilung der jederzeitigen Einhaltung der gesetzlichen Kapitalanforderungen (MCR, SCR) und der Anforderungen an die versicherungstechnischen Rückstellungen spielt das Kapitalmanagement eine große Rolle. Zudem führen Unterdeckung und drohende Unterdeckung der gesetzlichen Kapitalanforderungen zu Offenlegungspflichten (Aktualisierung des SFCR auf der Internetseite) und Berichtspflichten an die Aufsicht. Im Gegensatz zur Ermittlung des GSB ist zudem eine Abweichung von den Ansatz- und Bewertungsvorschriften nach Solvency II nicht gestattet.

Neben der Beurteilung des GSB und der gesetzlichen Kapitalanforderungen sind alle Unternehmen dazu verpflichtet, eine Beurteilung der Signifikanz der Abweichungen des Risikoprofils von den dem SCR zugrundeliegenden Annahmen vorzunehmen. Abweichungen von 10 % des gesamten SCR gelten als signifikant, sind aber widerlegbar; Abweichungen von 15 % des gesamten SCR gelten als unwiderlegbar signifikant. Folgende Aspekte sind in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben:

  • Eine festgestellte signifikante Abweichung führt nicht zwingend zu einer SCR-Erhöhung.
  • Ein solches Ergebnis gibt der BaFin allerdings Anlass zur Prüfung einer evtl. Verwendung von USPs (unternehmensspezifische Parameter), eines (partiellen) internen Modells oder zur Auferlegung eines Kapitalaufschlags.
  • Besonderes Augenmerk ist auf Abweichungen zu richten, die zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Risiken im SCR führen.
  • Die Verrechnung von Abweichungen ist unter bestimmten Voraussetzungen (vgl. Delegierte Verordnung) möglich, so dass im Ergebnis insgesamt keine signifikante Abweichung mehr vorliegen kann.
  • Eine Quantifizierung der Abweichung ist letztlich nur erforderlich, soweit bei der qualitativen Beurteilung der Abweichung eine Signifikanz festgestellt wird.

Gruppenaspekte

Grundsätzlich gelten die Anforderungen dieser Auslegungsentscheidungen für die Solo- und Gruppenebene. Zusätzlich werden für die Gruppe die folgenden Aspekte gesondert hervorgehoben:

  • Beurteilung von gruppenspezifischen Risiken einschließlich der Gruppenunternehmen aus Drittstaaten.
  • Dokumentation des Umgangs mit auf Gruppenebene relevanten Faktoren.
  • Berichterstattung gegenüber der Aufsicht insbesondere hinsichtlich Herkunft der Eigenmittel innerhalb der Gruppe sowie der Verfügbarkeit, Transferierbarkeit oder Fungibilität der Eigenmittel entgegenstehende Umstände. Außerdem sind Ausführungen zu Drittstaatenäquivalenz zu machen.
  • Beurteilung der Signifikanz von Abweichungen auf Gruppenebene und Berichterstattung darüber an die Aufsicht. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, welches der Gruppenunternehmen für signifikante Abweichungen verantwortlich ist und wie auf Gruppenebene reagiert wurde.

BaFin Auslegungsentscheidungen zu Säule 1 – Aktuarielle Themen Leben/Kranken

In unserem Blog-Beitrag vom 5. Januar 2016 haben wir auf die Auslegungsentscheidungen der BaFin rund um Säule 1 und 2 der seit 1. Januar 2016 geltenden Solvency II-Regeln verwiesen.

Im Folgenden gehen wir näher auf die Veröffentlichungen zu den aktuariellen Themen ein, welche ausschließlich die Lebens- und Krankenversicherung betreffen:

Invaliditätsbegriff unter Solvency II sowie Zuordnung von Verpflichtungen aus Berufsunfähigkeitsversicherungen

Bereits in den im April erschienenen „Erläuterungen zur Anwendung von Solvabilität-II-Bestimmungen der Säule 1 in der Vorbereitungsphase“ (siehe auch Blog-Beitrag vom 9. April 2015) wurde die Zuordnung von Verpflichtungen aus Berufsunfähigkeitsversicherungen zum Geschäftsbereich 29 (Krankenversicherung nach Art der Leben) sowie die Entbündelung von Verpflichtungen aus Zusatzversicherungen geregelt. Die BaFin hat dies in ihrer Auslegungsentscheidung vom 4. Dezember 2015 ergänzt, um zusätzliche Ausführungen zum Invaliditätsbegriff unter Solvency II.

Im Rahmen der rechtlichen Grundlagen zu Solvency-II wird keine konkrete Definition der „Invalidität“ gegeben. Daher konnte es bislang zu Missverständnissen bezüglich der korrekten Segmentierung eingegangener Versicherungsverpflichtungen bei der Ermittlung der Solvabilitätskapitalanforderungen kommen. Die BaFin konkretisiert in ihrer Auslegungsentscheidung den Begriff der Invalidität unter Solvency II als Ursache für Verpflichtungen aus Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherungsverträgen. Dabei wird auf die Segmentierung von Verträgen, die Leistungen aus Invalidität abdecken, eingegangen.

Als „Leistungen aus Invalidität“ sind gemäß Solvency II-Begriffsbestimmung alle Verpflichtungen in Folge von

  • Vollständiger oder teilweiser Berufs- bzw. Arbeitsunfähigkeit,
  • Pflegebedürftigkeit,
  • Erwerbsunfähigkeit oder Erwerbsminderung,

anzusehen, die unabhängig von der zu erwarteten Leistungsdauer sind. Diese Leistungen sind dem Geschäftsbereich der Krankenversicherung zuzuordnen und in dem entsprechenden Risikomodul (mit den entsprechenden Korrelationen) zu berücksichtigen.

Die BaFin nennt dazu beispielhaft die folgenden Versicherungsprodukte, welche unabhängig vom Anbieter dem Geschäftsbereich 29 (Krankenversicherung nach Art der Leben) zuzuordnen sind:

  • Produkte mit Zahlung fester Beträge bei dauerhafter/vorübergehender Invalidität mit Beitragsanpassungsmöglichkeit (u.a. private Pflegepflichtversicherung, ergänzende geförderte Pflegeversicherung, Krankentagegeldversicherung),
  • Produkte mit Zahlung fester Beträge bei dauerhafter/vorübergehender Invalidität ohne Beitragsanpassungsmöglichkeit (u.a. Berufsunfähigkeit-, Erwerbsunfähigkeits-, Arbeitsunfähigkeitsversicherung),
  • Produkte mit Leistungen in Höhe der angefallenen Kosten für medizinische Behandlungen oder Pflege im Falle von dauerhafter/vorübergehender Invalidität mit/ohne Beitragsanpassungsmöglichkeit (u.a. private Krankenkostenversicherung, Pflegekostenversicherung)

Zuordnung von Produkten der Krankenversicherung zu den Geschäftsbereichen unter Solvency II

In einer weiteren Auslegungsentscheidung vom 4. Dezember 2015 hat die BaFin Anhaltspunkte zur Segmentierung von Krankenversicherungsverpflichtungen in die Geschäftsbereiche der Lebens- und Nicht-Lebensversicherung gegeben. Die Ausführungen sind inhaltlich identisch zu den oben genannten, im April 2015 erschienenen „Erläuterungen zur Anwendung von Solvabilität-II-Bestimmungen der Säule 1 in der Vorbereitungsphase“.

Als Hauptkriterium für die Zuordnung einer Verpflichtung unter Solvency II gilt dabei die Wesensart des Risikos. Sie entscheidet, ob die entsprechende Verpflichtung dem Lebensversicherungsgeschäft (SLT Health) oder dem Schadensversicherungsgeschäft (NSLT Health) zuzuordnen ist. Die (handels-)rechtliche Segmentierung von Verpflichtungen der privaten Krankenversicherung ist dahingehend zu prüfen, ob unter Solvency II eine Umgruppierung von Produkten erforderlich ist.

Typische Versicherungsarten, die dem Geschäftsbereich SLT Health zuzuordnen sind, sind

  • die substitutive Krankenversicherung und
  • alle langlaufenden Krankenversicherungsverträge, bei der die Wesensart der Risiken typische Merkmale der Lebensversicherung aufweist oder durch diese dominiert wird (Tod, Erleben, Storno, Zins).

Beispiele für typische Versicherungen, die in den NSLT Health Geschäftsbereich fallen, sind Auslandsreisekrankenversicherungen und nach Art der Schadenversicherung betriebene Zusatzversicherungen.

/* */