Schlagwort: versicherungstechnische Rückstellung

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Alternative Investments in der Versicherungsbranche

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld zwingt Anleiheinvestoren schon seit einiger Zeit zum Umdenken. Um ansatzweise attraktive Renditen zu erwirtschaften, müssen höhere Risiken in Kauf genommen werden. Die Kapitalmärkte waren nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 von hohen Volatilitäten geprägt, was sich auch auf die Solvabilität der Lebensversicherer übersetzte. Die Ableitung konkreter Maßnahmen zur Stabilisierung der Solvency-II-Quote über den kritischen 100% wird für einige Lebensversicherungen im aktuellen Kapitalmarktumfeld daher zu einer immer wichtigeren Aufgabe. Dabei spielen Investitionen in alternative und illiquide Kapitalanlagen zunehmend eine zentrale Rolle.

Festlegung von Annahmen in Zeiten von COVID 19

Der Blogbeitrag zum Modellmanagament in Zeiten von COVID 19 vom 2. Juli beleuchtete Handlungsfelder bei aktuariellen Bewertungsmodellen in der Personenversicherung. Ein umfassendes Modellmanagement behandelt aber auch die hierbei zu berücksichtigenden Annahmen. Die COVID-19-Pandemie und die damit einhergehende Volatilität an den Kapitalmärkten sowie die Unsicherheit in den aktuariellen Annahmen wirkt sich auf die interne und externe Berichterstattung aus. Was ist nun im Rahmen des Modellmanagements bei der Festlegung der Annahmen und Parameter zu beachten?

Versicherungstechnische Rückstellungen – Auslegungsentscheidung der BaFin zur Beurteilung der Angemessenheit der Bewertungsmethode

Am 15.11.2018 hat die BaFin eine Auslegungsentscheidung veröffentlicht, die sich auf die Prüfung der Angemessenheit der Bewertungsmethode für versicherungstechnische (vt.) Rückstellungen und somit auf die Konkretisierung des Artikels 56 der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 bezieht.

Unter Solvency II sind für sämtliche Versicherungsverpflichtungen gegenüber Versicherungsnehmern und Anspruchsberechtigten vt. Rückstellungen zu bilden. Die zu deren Berechnung verwendeten Methoden müssen in Bezug auf die Art, den Umfang und die Komplexität der ihnen zugrunde liegenden Risiken angemessen sein.

Änderung der Regelungen zum Rechnungszins für Lebensversicherungsunternehmen und Pensionsfonds

Das Bundesministerium der Finanzen hat am 22. Oktober 2018 im Bundesanzeiger (siehe BGBl. Teil I Nr. 35 vom 22. Oktober 2018) die Dritte Verordnung zur Änderung von Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz veröffentlicht. Hierin werden die Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV) und die Pensionsfonds-Aufsichtsverordnung (PFAV) zur Bestimmung des Referenzzinses geändert. Zusätzlich zur Auslegung der Änderungen ist eine Begründung veröffentlicht worden. Die Änderungen bei der Berechnung der Deckungsrückstellung für Lebens- und Pensionsfondsverträge sind erstmals in dem Geschäftsjahr zu berücksichtigen, das nach dem 31. Dezember 2017 begonnen hat.

IDW EPS 580 zur Prüfung der Solvabilitätsübersicht

Am 20. Dezember 2016 veröffentlichte das IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V.) den vom HFA (Hauptfachausschuss) verabschiedeten Entwurf eines Prüfungsstandards „Prüfung der Solvabilitätsübersicht nach § 35 Abs. 2 VAG (IDW EPS 580)“. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Konsultationsphase. Ergänzungs- und Änderungsvorschläge können schriftlich bis zum 31. Mai 2017 eingereicht werden.

Im IDW EPS 580 stellt das IDW die Berufsauffassung zu den Besonderheiten der Anwendung der vom IDW festgestellten Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung auf die Prüfungen der Solvabilitätsübersicht nach § 35 Abs. 2 VAG dar. Der Standard enthält Anforderungen an die Prüfungsplanung, Prüfungsdurchführung und Berichterstattung sowie Anwendungshinweise und weitergehende Erläuterungen für einzelne Prüfungsgebiete.

Die Prüfung der Solvabilitätsübersicht stellt eine gesetzliche Erweiterung der Abschlussprüfung für aufsichtsrechtliche Zwecke dar, über deren Ergebnisse gesondert zu berichten ist. Ziel der Prüfung ist es, dem Abschlussprüfer die Abgabe eines Urteils mit hinreichender Sicherheit zu ermöglichen, über die ein eigenständiger Prüfungsvermerk erteilt wird.

Neben Definitionen, Gegenstand und Zielsetzung der Prüfung der Solvabilitätsübersicht, enthält der Standard Anforderungen an die:

  • Definition der Wesentlichkeit des Abschlussprüfers als Grundlage der Prüfung,
  • Prüfung des Vorgehens bei der unternehmensindividuellen Erstellung der Solvabilitätsübersicht,
  • Beurteilung der Datenqualität in Bezug auf die Erstellung der Solvabilitätsübersicht und deren Validierung, insb. in Bezug auf die versicherungstechnischen Rückstellungen,
  • Prüfung der Ansatz- und Bewertungsvorschriften der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten,
  • Beurteilung der Angemessenheit der ökonomischen Szenarien sowie zur Prüfung des Bewertungsansatzes der Risikomarge als Teil der Prüfung der versicherungstechnischen Rückstellungen,
  • Angemessenheit und Implementierung der Bewertungsmodelle,
  • Beurteilung zur Ausübung von Ermessenspielräumen und Vereinfachungen.

Außerdem geht der Prüfungsstandard auf „besondere Prüfungsgebiete“ ein, wie die Bewertung der Kapitalanlagen (hier insb. Beteiligungen und verbundene Unternehmen), die Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen, latente Steuern sowie Eventualverbindlichkeiten.

Der IDW Prüfungsstandards 580 soll für Prüfungen von Solvabilitätsübersichten Anwendung finden, die für Stichtage nach dem 31. Dezember 2016 aufgestellt werden, wobei eine frühere Anwendung zulässig ist.

Auslegungsentscheidung zu Anforderungen zur Bewertung von Kapitalmarktmodellen

Die BaFin hat am 10. November 2016 eine Auslegungsentscheidung zu Anforderungen an Kapitalmarktmodelle, die im Rahmen der Ermittlung des besten Schätzwertes der versicherungstechnischen Rückstellungen zur Projektion von Zahlungsströmen genutzt werden, veröffentlicht. Die Auslegungsentscheidung reflektiert in diesem Zusammenhang insbesondere Anforderungen an die Wahl der verwendeten Kapitalmarktmodelle und die Kalibrierung der zugrundeliegenden Modelle sowie die Prüfung der Angemessenheit der Kapitalmarktmodelle und der erzeugten Kapitalmarktszenarien.

Die Bewertung der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten folgt unter Solvency II einem marktwertorientierten Ansatz. Da für versicherungstechnische Rückstellungen in der Regel jedoch keine Preise an einem aktiven Markt abgelesen werden können, wird deren Wert als Summe aus dem besten Schätzwert und der Risikomarge ermittelt. Für die Ermittlung des besten Schätzwerts werden die mit den Versicherungsverträgen verbundenen Zahlungsströme in die Zukunft projiziert und unter Berücksichtigung des Zeitwertes des Geldes unter Verwendung der maßgeblichen risikofreien Zinskurve bewertet.

In Bezug auf die dabei betrachteten zukünftigen Zahlungsströme ist vor allem für fonds- und indexgebundene Versicherungsverträge und solche, die den Versicherungsnehmer an der Kapitalmarktentwicklung beteiligen oder Zinsgarantien beinhalten, die zukünftige Entwicklung der Kapitalmärkte und deren Antizipation von Relevanz. Die Projektionen in den Kapitalmarktmodellen beruhen in der Regel auf einer Monte-Carlo Simulation stochastischer Kapitalmarktszenarien. Hierfür werden üblicherweise sogenannte ökonomische Szenariogeneratoren (Ecomomic Scenario Generator – ESG) verwendet, für die mit der vorliegenden Auslegungsentscheidung die von der BaFin erwarteten Anforderungen reflektiert werden.

Anforderungen an Kapitalmarktmodelle

Spezifische Anforderungen an Kapitalmarktmodelle ergeben sich insbesondere aus Artikel 22 Absatz 3 der Delegierten Verordnung. Demnach müssen diese Modelle angemessen und mit der marktnahen Bewertung gemäß Artikel 75 der Solvency II-Rahmenrichtlinie in Einklang stehen. Dies bedeutet zum einen, dass für die Kalibrierung des Kapitalmarktmodells angemessene Referenzinstrumente heranzuziehen sind und die hierfür ermittelten Preise mit den an den Finanzmärkten beobachtbaren Preisen im Einklang stehen müssen. In diesem Rahmen werden unter anderem folgende Anforderungen definiert:

Auswahl der Referenzinstrumente:

  • Nachweis der unternehmensindividuellen Angemessenheit
  • Begründung der Auswahl der Referenzinstrumente (typischerweise Swaption-Kontrakte)
  • Berücksichtigung der Merkmale der versicherungstechnischen Rückstellungen (insbesondere Laufzeit sowie Höhe und Art von Optionen & Garantien) bei Wahl der Swaptions

Kalibrierung und weitere Anforderungen an Kapitalmarktmodelle:

  • Kalibrierung anhand aktueller Marktpreise
  • Berücksichtigung der Beschaffenheit des Kapitalanlagebestandes
  • Nachweis der Arbitragefreiheit
  • Parametrisierung des Zinsmodells im Einklang mit der maßgeblichen risikofreien Zinskurve
  • Begründung der Vorgehensweise zur Kalibrierung

Überprüfung der Angemessenheit:

  • Nachweis der Angemessenheit des Kapitalmarktmodells und der erzeugten Szenarien (u.a. in Bezug auf Anzahl der Szenarien, Stabilität der Berechnungsergebnisse gegenüber Parameteränderungen)
  • Sensitivitätsanalysen

 

EIOPA veröffentlicht Aktualisierung der Methode zur Berechnung der Zinsstrukturkurve

Am 29. September 2016 hat EIOPA die technische Dokumentation zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurven unter Solvency II aktualisiert. Diese Dokumentation gibt detaillierte Erläuterungen zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurve, die EIOPA im Rahmen der ökonomischen und marktgerechten Bewertung unter Solvency II monatlich veröffentlicht (vgl. Blog-Artikel vom 11. März 2016).

In den folgenden Bereichen hat EIOPA Änderungen in der technischen Dokumentation vorgenommen:

  • Bei der Berechnung der Volatilitätsanpassung und des Spreads für die Renditen zyprischer Staatsanleihen wurde das „Peer Country“ geändert sowie dazugehörige Bsp. von EIOPA zu „EU-area country“ und „non EU-area country“ veröffentlicht.
  • Die Herleitung von Renditen für Unternehmensanleihen mit höchster Kreditqualität wurde für den Fall von negativen Zinsen angepasst.
  • Die Datenquelle für Renditen isländischer Staatsanleihen wurde geändert.
  • Die Referenzportfolios für die Berechnung des Volatilitätsanpassung wurden aktualisiert. Sie werden ab dem 30. September 2016 angewendet.

Ebenfalls in diesem Zusammenhang aktualisiert und veröffentlicht wurde das Coding („Risk Free Interest Rate Term Structure Coding“), das bei der Berechnung des risikofreien Zinses verwendet wird, sowie die zur Herleitung der Zinskurve verwendeten Finanzinstrumente („Changes of relevant financial instruments“). Das aktualisierte Coding wird ab Ende September 2016 verwendet, die Änderungen der Finanzinstrumente werden ab dem 31. Dezember 2016 implementiert.

BaFin Auslegungsentscheidungen zu latente Steuern auf vt. Rückstellungen unter SII

Am 22. Februar 2016 veröffentlichte die BaFin ihre Auslegungsentscheidung zur Ermittlung der temporären Differenz zwischen dem Ansatz und der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen in der Solvabilitätsübersicht und dem Ansatz und der Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen zu Steuerzwecken.

Für den Ansatz und Bewertung latenter Steuern unter Solvency II sind die Vorschriften der internationalen Rechnungslegung (IFRS) maßgeblich. Für die vt. Rückstellungen ist die Differenz aus der Bewertung für Solvabilitätszwecke und der Bewertung für Steuerzwecke in voller Höhe als temporär im Sinne des IAS 12 zu betrachten. Daher erfolgt ein Ansatz von latenten Steuern auf Grundlage der gesamten Differenz.

Ein Ansatz von latenten Steuerguthaben (aktive latente Steuern) ist nur dann zulässig, wenn die Anforderungen an deren Werthaltigkeit gemäß Artikel 15 (3) der Delegierte Verordnung (EU) 2015/13 durch das Versicherungsunternehmen erfüllt werden.

Der Wert der versicherungstechnischen Rückstellungen in der Solvabilitätsübersicht wird gemäß den Artikeln 76 bis 85 der Solvency II-Richtlinie 2009/138/EG ermittelt. Hierbei müssen evtl. Wechselwirkungen zwischen Überschussbeteiligung und Neugeschäft (siehe dazu weitere Auslegungsentscheidung) sowie die Auswirkungen der Übergangsmaßnahmen nach § 351 und § 352 VAG Berücksichtigung finden.

Für die Bewertung der latenten Steuern heranzuziehende steuerliche Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen sind folgende Rückstellungen einzubeziehen:

  • HGB-Deckungsrückstellung einschl. Zinszusatzreserve
  • Rückstellung für erfolgsabhängige und erfolgsunabhängige Beitragsrückerstattung
  • Beitragsüberträge
  • Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle
  • Sonstige versicherungstechnische Rückstellungen
  • Schwankungsrückstellung und ähnliche Rückstellungen
  • Versicherungstechnische Rückstellungen der fondsgebundenen Lebensversicherung
  • Ansammlungsguthaben in der Lebensversicherung
  • Noch nicht fällige Ansprüche aus Forderungen s. a. G. an Versicherungsnehmer sind mindernd zu berücksichtigen.

Die Bewertung der temporären Differenz erfolgt Brutto, d.h. vor abgegebener Rückversicherung.

Neben den Ausführungen der BaFin zur Ermittlung der temporären Differenz bei der Versicherungstechnik möchten wir an dieser Stelle auf die umfassenden Anforderungen in den EIOPA-Leitlinien Level 3 zum Ansatz & Bewertung (EIOPA-BoS-15/113), sowie an die detaillierten erforderlichen Informationspflichten in den EIOPA-Leitlinien Level 3 zum Reporting (EIOPA-BoS-15/209) im Zusammenhang mit latenten Steuern hinweisen. Sofern nicht bereits durch die Unternehmen erfolgt, sollte zeitnah eine Analyse der Verfügbarkeit der erforderlichen Daten und Informationen für die geforderten Nachweise bzw. Berichtspflichten erfolgen.

Durchführungsverordnung zu risikofreien Zinskurven für Solvency II veröffentlicht

Am 9. Februar 2016 wurde die Durchführungsverordnung (EU) 2016/165 (DVO 2016/165) der Europäischen Kommission im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Die DVO 2016/165 enthält Informationen für die Berechnung von versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmitteln zu Stichtagen vom 1. Januar bis zum 30. März 2016.

Inhalt der DVO 2016/165 sind Technische Informationen für jede relevante Währung zu den

  • maßgeblichen risikofreien Zinskurven,
  • grundlegenden Spreads für die Berechnung der Matching-Anpassung und
  • den Volatilitätsanpassungen.

Die Informationen sind für die Ermittlung der versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmittel auf Basis der risikofreien Zinskurven (nach § 77 VAG 2016), ggf. unter Berücksichtigung der Matching-Anpassung (nach §§ 80-81 VAG 2016) oder der Volatilitätsanpassung (nach § 82 VAG 2016) nach Solvency II.

Die risikofreien Zinsstrukturkurven stellen einen der Hauptparameter für die Berechnung der Solvenzbedeckung der Versicherungsunternehmen dar. EIOPA veröffentlichte bereits in der Vorbereitungsphase die Technische Dokumentation zur Berechnung der risikofreien Zinsstrukturkurven, beantwortete häufig gestellte Fragen „FAQ“ dazu und veröffentlicht seitdem monatlich die aktuellen Zinsstrukturkurven (vgl. Blog-Beitrag vom 2. März 2015). Diese werden von der Kommission aufgegriffen und in Durchführungsverordnungen, wie der DVO 2016/165, veröffentlicht.

Damit soll sichergestellt werden, dass Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen ihre versicherungstechnischen Rückstellungen und Basiseigenmittel nach Solvency II auf Grundlage von einheitlichen Vorgaben berechnen. Dies unterstützt die Wettbewerbsgleichheit („level playing field“) im Versicherungsmarkt der EU. Sollte es zwischen den technischen Informationen der EIOPA und einer Durchführungsverordnung der Kommission zu Abweichungen kommen, sind die Vorgaben der Kommission maßgeblich.

BaFin Auslegungsentscheidungen zu Säule 1 – Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten und der einforderbaren Beträge aus RV und ggü. Zweckgesellschaften

Mit Blog-Beitrag vom 5. Januar 2016 berichteten wir über die Veröffentlichung zahlreicher Auslegungsentscheidungen zur Anwendung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften zur Säule 1 und 2 von Solvency II durch die BaFin.

Im nachfolgenden Blogbeitrag stellen wir die wesentlichen Aspekte der Solvency II-Bilanzierung für die Erstellung der Solvabilitätsübersicht (ohne vt. Rückstellungen) und der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und gegenüber Zweckgesellschaften dar.

Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ohne vt. Rückstellungen – HGB vs. Solvency II Bewertung

Am 4. Dezember 2015 veröffentlichte die BaFin ihre Auslegungsentscheidung zu Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ohne vt. Rückstellungen – HGB vs. Solvency II. Von Interesse dürfte insbesondere die Sichtweise der BaFin zur Anwendung der handelsrechtlichen Vorschriften für Solvency II-Zwecke sein, z.B. für Unternehmen, die ausschließlich nach handelsrechtlichen Vorschriften bilanzieren. Insbesondere untersucht die BaFin in ihrer Auslegungsentscheidung – ähnlich wie dies seitens EIOPA für die Anwendung der IFRS Standards erfolgte – ob bei einzelnen Bilanzposten etwaige Wahlrechte, Sondervorschriften oder Ausnahmen für die Ermittlung des Zeitwerts nach RechVersV bestehen, die einer analogen Anwendung für Zwecke von Solvency II entgegenstehen. Das Ergebnis der Untersuchung hat die BaFin in ihrer Auslegungsentscheidung in der Spalte „Kompatibilität“ dokumentiert.

Die Solvency II Vorschriften sehen vor, dass für den Ansatz und die Bewertung der Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten (ohne versicherungstechnische Rückstellungen) die Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) maßgeblich sind, es sei denn es liegen explizit spezifische Solvency II-Vorschriften vor. Gemäß Art. 9 (4) der Delegierte Verordnung (EU) 2015/13 können jedoch von IFRS abweichende Methoden (z.B. Verwendung lokaler Rechnungslegungsstandards) unter Beachtung des Proportionalitätsprinzips nach Solvency II zur Bewertung verwendet werden. An deren Verwendung sind jedoch mehrere Voraussetzungen geknüpft.

Im Hinblick auf die Bewertung der Kapitalanlagen führt die BaFin aus, dass die verwendeten Methoden zur Zeitwertermittlung nach der RechVersV grundsätzlich dem aktuellen Stand der Bewertungspraxis entsprechen und sich somit nicht von den Zeitwerten unterscheiden, die im Rahmen der Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS 13) zur Ermittlung von Zeitwerten vorgesehen werden. Versicherungsunternehmen sollten daher kritisch prüfen, ob die Anforderungen aus IFRS 13 für die Ermittlung von Zeitwerten eingehalten werden.

Hinsichtlich der Bewertung der Anteile in verbundene Unternehmen und Beteiligungen führt die BaFin „überraschend“ aus, dass sofern ein Börsen- oder Marktpreis nicht verfügbar ist, der Zeitwert gemäß RechVersV für die Zwecke der Solvabilitätsübersicht herangezogen werden kann. Dieser entspricht einem objektivierten Unternehmenswert entsprechend den Vorschriften des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Die Auslegung der BaFin weicht hier von den Vorschriften in Art. 13 (1) der Delegierte Verordnung (EU) 2015/13) ab, wonach zunächst eine Bewertung nach der Solvency II Adjusted-Equity-Methode vorzunehmen ist, sofern keine Börsen- oder Marktpreise vorhanden sind. Erst wenn diese Methode ebenfalls nicht anwendbar ist, darf ausschließlich bei der Bewertung von Beteiligungen (die keine Tochterunternehmen sind) auf alternative Methoden, wie oben erwähnt, zurückgegriffen werden.

Bewertung der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und gegenüber Zweckgesellschaften

In einer weiteren am 4. Dezember 2015 veröffentlichten Auslegungsentscheidung spezifiziert die BaFin die Anforderungen an die Bewertung der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und gegenüber Zweckgesellschaften.

Im Rahmen der Darstellung in der Solvabilitätsübersicht werden die versicherungstechnischen Rückstellungen getrennt nach Bruttorückstellungen und den einforderbaren Beträgen aus Rückversicherungsverträgen und von Zweckgesellschaften ausgewiesen. Für die Bestimmung der einforderbaren Beträge aus Rückversicherungsverträgen und von Zweckgesellschaften werden die zum Stichtag bestehenden Rückversicherungsverträge und zukünftige Rückversicherungsverträge berücksichtigt, sofern die Bedingungen der Leitlinie 78 der EIOPA-Leitlinien zur Bewertung von versicherungstechnischen Rückstellungen (EIOPA-BoS-14/166 DE) erfüllt werden.

Die Leitlinie 19 der EIOPA-BoS-14/166 DE konkretisiert die Anforderung des Art. 86 Abs. 1 i.V.m. Art.  75 Abs. 3 Delegierte Verordnung (EU) 2015/13 einer Segmentierung der einforderbaren Beträge in homogene Risikogruppen in der Art, dass eine Einheitlichkeit zwischen den homogenen Risikogruppen für die Berechnung der einforderbaren Beträge und der Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen sichergestellt werden soll.

Für die Ermittlung der einforderbaren Beträge sind innerhalb der Zahlungsströme nur Zahlungen zu betrachten, die sich auf die Regulierung von Versicherungsfällen und nicht regulierte Versicherungsansprüche beziehen. Dies beinhaltet auch die Prämienzahlungen des Zedenten an den Rückversicherer.

Wird für Zahlungsströme ein Depot angelegt, müssen die einforderbaren Beträge entsprechend angepasst werden, damit eine doppelte Berücksichtigung der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in Bezug auf das Depot unterbleibt. Die BaFin geht in ihrer Auslegungsentscheidung nicht näher auf diesen Vorgang ein. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle näher erläutert, wie sich ein Depot auf die einforderbaren Beträge aus Rückversicherung auswirken könnte:

Der Erstversicherer erhält durch die Stellung eines Depots durch einen Rückversicherer Aktiva in Höhe des Depotwertes. Im Gegenzug wird in der Solvabilitätsübersicht eine Depotverbindlichkeit in derselben Höhe angesetzt. Da der Erstversicherer eine Leistung durch den Rückversicherer erhalten hat, hat dies Auswirkungen auf die einforderbaren Beträge an diesen Rückversicherer, welche sich um den Depotwert verringern. Gleichzeitig entsteht eine Forderung an das Depot, um eine Doppelzählung von Verbindlichkeiten zu vermeiden. Diese führt zu der oben beschriebenen Anpassung (Erhöhung) der einforderbaren Beträge. Für den Rückversicherer und das Depot können sich die erwarteten Ausfallwahrscheinlichkeiten unterscheiden (im Allgemeinen wird dies der Fall sein), was zu einer Anpassung der Höhe der einforderbaren Beträge durch diesen Vorgang führen kann.

Laut BaFin werden diese Forderungen an das Depot innerhalb der einforderbaren Beträge weder bei der Bestimmung des erwarteten Verlustes durch den Gegenparteiausfall noch bei der Bestimmung des Gegenparteiausfallrisikos in der Standardformel berücksichtigt.

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