Die Amortisation von Agien in der Handels- und Steuerbilanz

Festverzinsliche Wertpapiere spielen in der Versicherungsbranche, auf Grund der planbaren steten Renditen, eine erhebliche Rolle. Beim Erwerb am Sekundärmarkt wird regelmäßig ein Agio (bzw. Disagio) gezahlt, wenn der fest vereinbarte Zinskupon vom Marktniveau abweicht. Dieses Agio (oder Disagio) wird über die Laufzeit des Wertpapiers aufgelöst und dient mithin als Zinskorrektiv zu den vereinnahmten Zinserträgen. Handelsrechtlich wird nach § 341c HGB noch zwischen Namensschuldverschreibungen und anderen festverzinslichen Wertpapieren unterschieden. Erstere können mit dem Nennwert bilanziert werden und das Agio kann mithilfe eines Rechnungsabgrenzungsposten über die Restlaufzeit verteilt werden. Die übrigen festverzinslichen Wertpapiere sind hingegen mit den Anschaffungskosten zu bilanzieren und das Agio ist mithilfe der sog. Effektivzinsmethode auf die Restlaufzeit zu verteilen. Das anhaltende Niedrigzinsniveau hat dazu geführt, dass der Wert von festverzinslichen Wertpapieren in den letzten Jahren erheblich angestiegen ist, da der Unterschied zwischen dem niedrigen Marktzinsniveau und den festen Kupons langfristig mit eingepreist werden muss. Aus diesem Grund wurde die steuerliche Amortisation der Agien vielfach mit der Betriebsprüfung diskutiert, da diese vermehrt die Auffassung vertreten hat, dass auf Grund der steigenden Marktpreise eine Amortisation der Agien bis zum Absinken der Marktpreise unterbleiben soll.

Die Antwort des BMF vom 08. Januar 2019 auf die Anfrage des GDV, ob die handelsrechtliche Amortisation der Agien- bzw. Disagien im Sinne des § 341c HGB auch für die Steuerbilanz maßgeblich ist, hat leider bisher nur teilweise zur Lösung dieser Frage beigetragen. Das BMF hat in dem Schreiben lediglich die Auffassung bestätigt, dass die Nennwertbilanzierung und die ratierliche Auflösung des Rechnungsabgrenzungspostens auch in der Steuerbilanz vorzunehmen ist, wobei die Auflösung steuerlich linear erfolgen muss. Die Gründe für die Forderung nach einer linearen Auflösung bleiben hierbei unklar, da handelsrechtlich in der Regel eine Verteilung nach der Effektivzinsmethode erfolgt und eine Neuberechnung (die gerade am Anfang in der Regel für den Steuerpflichtigen vorteilhaft ist) nur zu zusätzlichem Ermittlungsaufwand führt.

Eine Stellungnahme der Finanzverwaltung zu den anderen festverzinslichen Wertpapieren wäre wünschenswert gewesen, da für diese Wertpapiere für die Versicherungsunternehmen weiterhin Rechtsunsicherheit besteht. So hat auch das IDW in einer Sitzung des Versicherungsfachausschusses im Februar festgehalten, dass sich die Bilanzierungspraxis von etwaigen Steuerrückstellungen durch dieses Antwortschreiben hinsichtlich der anderen festverzinslichen Wertpapiere bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse grundsätzlich nicht geändert hat. Es müsste vielmehr eine über das BMF-Schreiben hinausgehende begründete und dokumentierte geänderte Eintrittswahrscheinlichkeit angenommen werden. Dem Vernehmen nach, haben jedoch selbst viele Betriebsprüfer auf eine Positionierung der Finanzverwaltung insistiert, so dass hoffentlich bald klar gestellt wird, dass – insbesondere auf Grund der wirtschaftlichen Vergleichbarkeit – auch steuerlich nicht zwischen den verschiedenen festverzinslichen Wertpapieren differenziert werden sollte.

Für eine ausführlichere Beschreibung vgl. auch Hannig/Reineke, Versicherungswirtschaft 2019, S. 86-91.

Bei Rückfragen sprechen Sie uns jederzeit gerne an (till.hannig@pwc.com, jakob.reineke@pwc.com).

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */