Latente Steuern und das neue Investmentsteuergesetz

Die Ermittlung der latenten Steuern unter Solvency II erfolgt auf der Grundlage des Art. 15 i. V. m. Art. 9 delegierte Verordnung. Für den Ansatz und die Bewertung der latenten Steuern sind die Vorschriften der internationalen Rechnungslegung (IFRS) maßgeblich.

Nach IAS 12 sind die latenten Steuern nach der bilanzorientieren Methode, dem sogenannten Temporary-Konzept abzugrenzen. Nach dieser Methode sind latente Steuern auf temporäre Differenzen zwischen der Solvenzbilanz und dem Steuerwert abzugrenzen, aus denen sich im Zeitpunkt der Realisierung ein steuerpflichtiges Ergebnis bzw. eine steuerlich abzugsfähige Differenz ergibt. In diesem Zusammenhang stellt sich oft die Frage, was der zutreffende Steuerwert (oder auch die sog. tax base) ist. IAS 12.7 definiert die tax base als den „Betrag, der für steuerliche Zwecke von allen zu versteuernden wirtschaftlichen Vorteilen abgezogen werden kann, die einem Unternehmen bei Realisierung des Buchwerts des Vermögenswerts zufließen werden. Sind diese wirtschaftlichen Vorteile nicht zu versteuern, dann ist die steuerliche Basis des Vermögenswerts gleich seinem Buchwert.“ Das bedeutet, dass der Steuerwert eines Vermögenswertes von dessen Wertansatz in der Steuerbilanz abweichen kann. Abweichungen entstehen immer dann, wenn die Realisierung des Vermögenswertes keine steuerlichen Auswirkungen hat.

Bei Investmentfonds besteht nunmehr seit dem 31.12.2017 die Problematik, dass der Übergang auf das neue Investmentsteuergesetz dergestalt vorgenommen wurde, dass alle Investmentfonds fiktiv zum 31.12.2o17 als veräußert und zum 1.1.2018 als angeschafft galten. Die Besteuerungskonsequenzen aus der fiktiven Veräußerung resultieren jedoch erst beim tatsächlichem Verkauf. Dies hat zur Folge, dass für die Ermittlung der latenten Steuern diverse permanente Differenzen (sowohl nach altem als auch nach neuem Recht) zu berücksichtigen sind, die entsprechend bei der Abgrenzung der latenten Steuern nicht miteinbezogen werden dürfen. Dies waren nach altem Recht insbesondere:

  • thesaurierte Dividenden (vor dem 28.2.2013) und thesaurierte steuerfreie Erträge i. S. d. § 4 Abs. 1 InvStG a. F. für die ein aktiver Ausgleichsposten in der Steuerbilanz aufgrund der Zuflussfiktion gebildet wurde,
  • der besitzzeitanteilige Anlegeraktiengewinn und
  • der besitzzeitanteilige Anlegerabkommensgewinn i. S. d. § 8 Abs. 1 InvStG a. F.

Durch die abweichenden Besteuerungskonsequenzen (Steuerfreiheit/Nichtabziehbarkeit) bei der Vereinnahmung bzw. bei der Umkehr dieser Differenzen, sind diese entsprechend bei der Ermittlung des Steuerwertes abweichend zur Steuerbilanz zu berücksichtigen. Durch die außerbilanziellen Korrekturen sind diese Beträge als permanente Differenzen keiner Abgrenzung für die latenten Steuern zugänglich.

Seit dem 1.1.2018 muss zusätzlich beachtet werden, dass sämtliche Entwicklungen der Investmentfonds seit diesem Zeitpunkt nach dem neuen Investmentsteuerrecht zu beurteilen sind, jedoch die festgeschriebenen Gewinne bzw. Verluste zum 31.12.2017 bis zur Realisierung „eingefroren“ bleiben. Nach dem neuen Recht können durch die Teilfreistellungssätze bei Investmentfonds oder die neuen Fonds-Aktiengewinne, Fonds-Abkommensgewinne oder Fonds-Teilfreistellungsgewinne (vgl. § 48 InvStG n. F.) neue permanente Differenzen entstehen. Somit müsste aus unserer Sicht – um eine ökonomisch sinnvolle Steuerabgrenzung zu gewährleisten – der zutreffende Wert der latenten Steuern zum 31.12.2017 in einer Nebenrechnung „festgeschrieben“ werden und sämtliche Entwicklungen nach 1.1.2018 nach dem neuen Recht hinsichtlich der zukünftigen Besteuerungsfolgen beurteilt addiert werden. Auszuweisen ist schließlich die latente Steuer, die sich durch Addition der latenten Steuern nach altem und nach neuem Recht ergibt.

Bei Rückfragen sprechen Sie mich jederzeit gerne an.

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