Leasing OnLine

MaRisk Novelle 2017: Handlungsbedarf für Leasinginstitute

Am 27. Oktober 2017 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die neuen Mindestanforderungen für das Risikomanagement (MaRisk) bekannt gegeben. Wie erwartet differenziert die BaFin in den MaRisk hinsichtlich der Umsetzungsfristen nach

  • Klarstellungen, die keine neuen Regelungsinhalte mit sich bringen und lediglich die existierende Verwaltungspraxis widerspiegeln bzw. verdeutlichen,
  • Neuerungen, h. alle sonstigen Änderungen und
  • Umsetzungsfristen für den Bereich AT 4.3.4 (Risikodatenaggregationen)

Während Klarstellungen direkt (mit Veröffentlichung der Endfassung) umzusetzen sind, gilt für Neuerungen eine Umsetzungsfrist bis zum 31. Oktober 2018. Zur Ermittlung des aktuellen Handlungsbedarfs ist für Leasinggesellschaften daher die Unterscheidung zwischen Klarstellung und Neuerung von zentaler Bedeutung.

Nachfolgend geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über wesentliche Klarstellungen, die von Leasinggesellschaften direkt umzusetzen sind.

Risikotragfähigkeit gemäß AT 4.1

Im Hinblick auf die Angemessenheit der Methoden und Verfahren zur Risikotragfähigkeitsrechnung liegt der Schwerpunkt – in Anlehnung an die BCBS-Anforderungen – auf der Angemessenheit der Annahmen und Datensätze sowie der Modellrisiken. Leasinginstitute müssen mittels eines Inventars oder Katalogs jederzeit einen aktuellen und vollständigen Überblick über ihre zur Risikoquantifizierung verwendeten Methoden und Verfahren gewährleisten. Sofern externe Daten in die Risikorechnung einfließen, darf die Verwendung nicht unreflektiert erfolgen.

Stresstests gemäß AT 4.3.3

In AT 4.3.3 Tz. 2 der MaRisk stellt die BaFin klar, wie sie den Begriff der „Stresstests auf Gesamtinstitutsebene“ auslegt. Der Gesamtinstitutsstresstest fasst institutseigene und marktweite Ursachen zu einem kombinierten Szenario zusammen. Dabei sollen Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Risikoarten simuliert werden, um deren Effekte differenziert zu betrachten. Insbesondere kleinere Institute stehen vor der Herausforderung die Anforderungen passend zu ihrer Geschäftstätigkeit sowohl für die Institutsebene als auch für die Gruppenebene umzusetzen. Dies bedeutet für die Institute ggf. eine Neukonzeption der Stresstests.

Risikoberichterstattung gemäß BT 3.1 und BT 3.2

Die Klarstellungen in Bezug auf die Risikoberichterstattung sollen die Qualität der Risikoinformationen sowie die Zeitnähe und Vollständigkeit der Berichtsinhalte an die Unternehmensleitung und den Aufsichtsrat fördern. Erhöhter Anpassungsbedarf besteht ggf. aufgrund der Anforderung, dass die Risikoberichte auch eine zukunftsorientierte Risikoeinschätzung (qualitativ sowie quantitativ) beinhalten und sich nicht ausschließlich auf aktuelle und historische Daten stützen sollen. Darüber hinaus sind Änderungen der wesentlichen Annahmen oder Parameter, die den Verfahren zur Beurteilung der Marktpreisrisiken zugrunde liegen, explizit anzugeben.

Technisch-organisatorische Ausstattung gemäß AT 7.2

Neu aufgenommen in die MaRisk wurden Anforderungen an das IT-Risikomanagement. So fordern die MaRisk in AT 7.2 Tz. 4 angemessene Überwachungs- und Steuerungsprozesse für IT Risiken. Dies gilt gem. AT 7.2 Tz. 5 auch für den Einsatz von selbst entwickelten Anwendungen (sog. Individuelle Datenverarbeitung – „IDV“). Somit sind IT Risiken als eigenständige Risikokategorie zu behandeln und folglich in einem umfassenden IT-Risikomanagement abzubilden. Konkretisierend hat die Aufsicht Anfang November 2017 mit dem RS 10/2017 (BA) „Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT (BAIT)“ Ihre Erwartungshaltung klar gestellt. Grundsätzlich gelten für die BAIT und die in diesem Zusammenhang stehenden MaRisk Regelungen keine Umsetzungsfristen, was einige Institute vor Herausforderungen stellen könnte.

Auslagerungen gemäß AT 9

Darüber hinaus wurde der Abschnitt AT 9 angepasst. Nach unserem Verständnis handelt es sich teilweise um redaktionelle Anpassungen bzw. Klarstellungen (u.a. zivilrechtliche Gestaltung, gruppenweite sowie einheitliche Rahmenvorgaben für die Risikoanalyse, Eskalation bei Schlechtleistung, im Auslagerungsvertrag abzudeckende (Mindest-)Regelungen und sonstigen Sicherheitsanforderungen), die sofort gültig sind. Weiterführende Informationen finden Sie im nachfolgenden Blogbeitrag unter https://blogs.pwc.de/leasing-online.

Fazit

Die dargestellten Klarstellungen zeigen auf, dass auch für die Leasinginstitute durchaus auch kurzfristig ein erhöhter Anpassungsbedarf bestehen kann.

Da sich der Aufwand je nach Institutsgröße und Komplexität des Geschäftsmodells unterscheidet, kann der aktuelle MaRisk-Umsetzungsstand des Weiteren Anlass zu Diskussionen in den derzeit laufenden Jahresabschlussprüfungen geben. Ebenfalls wird er zum Gegenstand der nächsten Gespräche mit der Aufsicht werden. Bereiten Sie sich zeitnah darauf vor und schließen Sie bestehende Lücken möglichst frühzeitig.

CIO Forum 2017 – IT-Entscheider diskutieren aktuelle Trends in der Finanzbranche

Die IT-Abteilungen von Leasinggesellschaften stehen heute vor komplexen Herausforderungen, da sie nicht nur funktionale, strategische, wirtschaftliche und regulatorische Anforderungen unter einen Hut bringen müssen, sondern zu diesem Zweck auch die neuen technologischen Möglichkeiten sicher und effizient einsetzen sollen.

Aus diesem Grund möchten wir Sie, nicht zuletzt wegen den vor kurzen veröffentlichten bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (MaRisk, BAIT), über die neuesten regulatorischen Entwicklungen informieren und Ihnen anhand von Praxisbeispielen aufzeigen, wie sich technologische und sicherheitstechnische Herausforderungen, etwa bei der Nutzung von Cloud Services, bewältigen lassen.

Unser diesjähriges CIO Forum „IT-Entscheider diskutieren Markttrends in der Finanzbranche“ findet im November und Dezember 2017 bundesweit an drei Standorten statt (jeweils von 16:00 – ca. 20:00 Uhr):

 

28. November 2017: Frankfurt a. M.

05. Dezember 2017: Düsseldorf

11. Dezember 2017: München

 

Weiteren Informationen zur Veranstaltung sowie die Möglichkeit zur Anmeldung (kostenfreie Teilnahme) finden Sie unter:

http://www.pwc-events.com/cioforum2017

IFRS 16 – Übernahme in EU-Recht

Durch die Veröffentlichung der Verordnung (EU) 2017/1986 im EU-Amtsblatt am 9. November 2017 hat die EU Kommission IFRS 16 Leasingverhältnisse endgültig in EU-Recht übernommen. Die Erstanwendung des Standards ist bis spätestens zum 1. Januar 2019 vorgesehen. Eine vorzeitige Anwendung zum 1. Januar 2018 ist möglich.

Der neue Standard beinhaltet insbesondere weitreichende Neuerungen für Leasingnehmer. Die Grundidee der Bilanzierung auf Ebene des Leasingnehmers basiert dabei auf dem Right-of-Use-Modell. Die Leasingnehmer sehen sich damit umfangreichsten Änderungen konfrontiert. Die für sie künftig grds. geltende on-balance Bilanzierung von Leasingverträgen führt nicht nur zu erheblichen Auswirkungen auf Bilanzkennzahlen (wie z.B. den EBIT oder die Eigenkapitalquote) sondern erfordert zudem organisatorische, prozessuale und IT-technische Anpassungen. Die Komplexität und die Kosten der Abschlusserstellung werden sich dadurch erheblich erhöhen.

Für Leasinggeber bleiben die bilanziellen Regelungen hingegen weitgehend unverändert, neue Anforderungen betreffen hier insbesondere neue Detailregelungen, z.B. zu Modifikationen. Herausforderungen können sich aber auch für Leasinggeber aufgrund  möglicher Nachfrageänderungen der Leasingnehmer ergeben. Eine veränderte Nachfrage birgt für den Leasinggeber das Risiko Marktanteile zu verlieren aber auch die  Chance, durch innovative Vertragsgestaltungen und zusätzliche Serviceangebote neue Kunden zu gewinnen und durch seine Differenzierung vom Wettbewerb Marktvolumen und Marktanteil auszubauen.

 

Die MaRisk Novelle 2017 wurde veröffentlicht

Die lang angekündigte MaRisk-Novelle wurde heute von der BaFin auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Wie erwartet sind klarstellende Anpassungen sofort umzusetzen. Eine explizite Übergangsfrist bis zum 31. Oktober 2018 wird den Instituten in Bezug für Änderungen gewährt, die im MaRisk-Kontext neu sind. Eine Sonderregelung besteht für systemrelevante Institute noch in Bezug auf die Umsetzungsfrist des Abschnitts AT 4.3.4 (Datenmanagement, Datenqualität, und Aggregation von Risikodaten).

Die BaFin geht in ihrem Anschreiben insbesondere auf die folgenden Punkte ein, die auch für Leasinggesellschaften von Bedeutung sind:

  • AT 3 Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung („Risikokultur“)
  • AT 9 Auslagerungen
  • BT 3 Anforderungen an die Risikoberichterstattung

Darüber hinaus weist die BaFin darauf hin, dass die Erstellung eines Verhaltenskodex gem. AT 5 MaRisk von Art, Umfang, Komplexität und Risikogehalt der Geschäftsaktivitäten abhängt und daher auch Leasinggesellschaften individuell zu überprüfen ist.

Über die für Leasinggesellschaften relevanten Änderungen werden wir Sie in unseren weiteren Blogbeiträgen informieren.

EuGH-Entscheid zum „Begriff der Lieferung“ bei Leasingverträgen mit Kaufoption

Am 4. Oktober 2017 hat der EuGH sich zum umsatzsteuerlichen Begriff der Lieferung bei Leasingverträgen mit Kaufoption geäußert (im Urteil wird der Begriff „Mietvertrag“ verwendet, es wird jedoch zugleich klargestellt, dass der zu beurteilende Mietvertrag einen Finanzierungsleasingvertrag darstellt (Az. C-164/16).

Zu klären war die Frage, ob es sich bei einem Leasingvertrag mit Kaufoption nach der Mehrwertsteuerrichtlinie um eine Lieferung (dann Fälligkeit der gesamten Umsatzsteuer bei Übergabe des Leasinggegenstands) oder vielmehr um eine sonstige Leistung (dann Fälligkeit der Umsatzsteuer bei Zahlung der Leasingrate) handelt. Der EuGH hat nun entschieden, dass eine Lieferung dann vorliegt, wenn:

ein „Standard-Mietvertrag (im zugrundeliegenden Sachverhalt ging es um einen Finanzierungsleasingvertrag) mit Kaufoption“ gegeben ist und aufgrund der „finanziellen Vertragsbedingungen davon ausgegangen werden kann, dass, wenn der Vertrag bis zum Ende seiner Laufzeit ausgeführt wird, die Optionsausübung zum gegebenen Zeitpunkt als die einzig wirtschaftlich rationale Möglichkeit für den Leasingnehmer erscheint“…

 

Als Beispiel hierfür (und somit für eine Lieferung) nannte der EuGH den Fall, bei welchem die Summe der vertraglichen Raten während der Vertragslaufzeit dem Verkehrswert des Gegenstands einschließlich Finanzierungskosten entspricht und der Leasingnehmer zur Ausübung der Kaufoption keine zusätzliche erhebliche Summe entrichten muss.

Auf Leasingverträge in Deutschland bezogen bedeutet dieses Urteil, dass die darin genannten Grundsätze ggf. zur Auslegung von Leasingverträgen mit Kaufoption mit herangezogen werden könnten.

Für den Fall des Finanzierungsleasings geht die deutsche Finanzverwaltung auf der Basis der Leasingerlasse davon aus, dass (neben anderen Voraussetzungen) bei Vorliegen einer „günstigen Kaufoption (Preis bei Kaufoption ist niedriger als Buchwert oder Zeitwert)“ die steuerliche Zurechnung des Gegenstandes beim Leasingnehmer zu erfolgen hat, also im allgemeinen eine umsatzsteuerlich eine Lieferung vorliegt. Damit liegt dem EuGH Urteil und den Leasingerlassen hinsichtlich der Beurteilung der Kaufoption im Leasing ein ähnlicher Gedanke zugrunde: Bilanzierung beim Leasingnehmer bzw. Lieferung, wenn die Ausübung der Kaufoption erwartet wird.

Neuer Leitfaden Risikotragfähigkeit – Auswirkungen auf Leasinggesellschaften?

Die BaFin hat am 5. September 2017 den Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeits­konzepte; Neuausrichtung des aufsichtlichen Leitfadens nebst deren prozessualer Einbindung in die Gesamt­banksteuerung (ICAAP – Internal Capital Adequacy Assessment Process)“ im Entwurf veröffentlicht und damit ihr Schreiben vom Dezember 2011 inhaltlich und strukturell weiterentwickelt. Die BaFin gibt allen Betroffenen die Gelegenheit einer Stellungnahme bis zum 17. Oktober 2017, um dann auf dieser Grundlage eine weitere Erörterung im MaRisk Fachgremium vorzunehmen.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die wesentlichen Neuerungen des Diskussionspapiers und deren Auswirkungen auf Leasinggesellschaften.

 

Neue Perspektiven in der Risikotragfähigkeit

In Annäherung an die von der EZB veröffentlichten Erwartungen an die Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) hat die BaFin mit dem Diskussionspapier einen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Risikotragfähigkeitsrechnung unterbreitet. Die BaFin spricht in diesem Zusammenhang von der Einführung einer normativen Perspektive und der Nachjustierung der ökonomischen Perspektive.

Im Sinne der europäischen Leitlinien wird von der deutschen Finanzaufsicht explizit ein Bezug der bisherigen Perspektiven „going concern“ und „gone concern“ zu den neuen Perspektiven hergestellt. Die Betrachtung der normativen Perspektive folgt vorwiegend dem Ziel der „Fortführung des Instituts bzw. der Gesellschaft“ (Going Concern) und die Betrachtung der ökonomischen Perspektive dem Ziel der Sicherung der Substanz der Gesellschaft sowie dem Schutz der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht (Gone Concern).

Normative Perspektive:

In dieser Perspektive soll das Risikodeckungspotential überwiegend aus regulatorischen Eigenmitteln bestehen und die Risikoquantifizierung regulatorischen Vorgaben folgen.

Für Leasinggesellschaften kann aus unserer Sicht als Risikodeckungspotential – wie auch bisher – der Substanzwert nach BDL-Ermittlungsverfahren herangezogen werden. Die für einen Going- Concern getätigten Annahmen – einschließlich der von der Gesellschaft definierten Mindestkapitalquote – stehen mit der normativen Perspektive unseres Erachtens weiterhin im Einklang. Die Erwartung der Aufsicht, alle wesentlichen Risiken der Gesellschaften in der normativen Perspektive zu berücksichtigen, wird u.E. dann ausreichend Rechnung getragen, wenn im Rahmen der ökonomischen Perspektive eine Berücksichtigung erfolgen kann.

Ökonomische Perspektive:

Für die ökonomische Perspektive ist vorgesehen, das Risikodeckungspotential grundsätzlich unabhängig von der Abbildung in der externen Rechnungslegung zu ermitteln. Bei barwertiger Ermittlung sind dabei sämtliche Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und außerbilanzielle Positionen zu berücksichtigen. Unter Anwendung des Proportionalitätsprinzips besteht die Möglichkeit, von Bilanz- und GuV-Größen auszugehen, wobei dann – wie bisher – das bilanzielle Eigenkapital um stille Reserven und Lasten zu bereinigen ist.

Für Leasinggesellschaften kann auch hier – nach wie vor – der Substanzwert ermittelt und angesetzt werden. Im Gegenzug zu der ermittelten Substanz sollen die Risiken konsistent zur Bestimmung des Risikodeckungspotentials konservativ ermittelt werden, wobei grundsätzlich eine Anlehnung an die internen Modelle der Säule 1 erfolgen soll (Konfidenzniveau von mittlerweile üblichen 99,9%).

Die Aufsicht erwartet außerdem eine enge Verknüpfung der beiden Perspektiven. Aufgrund der Abgrenzung des Begriffs „ICAAP“ nunmehr als Prozess zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit mit den wesentlichen Komponenten Risikotragfähigkeitsrechnung, Kapitalplanung und Stresstests ergibt sich für die Verknüpfung der Perspektiven die Notwendigkeit Schnittstellen zwischen Risikotragfähigkeit, Kapitalplanung und Stresstests zu validieren.

Aus Sicht der Aufsicht ist das übergeordnete Ziel des ICAAP weiterhin die langfristige Fortführung der Unter­nehmens­tätigkeit auf Basis der eigenen Substanz und Ertragskraft. Sie erwartet, dass die Gesellschaften beiden Schutzzielen (Going Concern und Gone Concern) Rechnung tragen. Deshalb soll die Gesellschaft explizit intern dokumentieren, wie beide Perspektiven in der Steuerung berücksichtigt werden. Es soll aber nach wie vor deutlich gemacht werden mit welchem Ansatz die Gesellschaft gesteuert wird.

Die BaFin erachtet die Weiternutzung der bestehenden Going-Concern-Risikotragfähigkeitskonzepte – als so genannte „Going-Concern Ansätze alter Prägung“ – bis auf weiteres als zulässig für die normative Perspektive, entsprechend werden die bisher geltenden Anforderungen in einen gleichnamigen Annex überführt.

 

Herausforderungen – auf den ersten Blick

Die aktuellen Vorschläge der deutschen Aufsicht erfordern bei Leasinggesellschaften eine Überprüfung der Risikotragfähigkeitsrechnung und damit implizit auch der Kapitalplanung sowie der Stresstests. Aufgrund der nicht anwendbaren regulatorischen Vorgaben für Eigenmittel und Risikorechnung erscheint der Handlungsbedarf nach ersten Analysen überschaubar.

Bankaufsichtsrechtliche Anforderungen an die IT – Herausforderungen für Leasinggesellschaften

Das Thema IT ist bei Leasinggesellschaften aufgrund seiner wachsenden Bedeutung weiter in den aufsichtsrechtlichen Fokus gerückt. Mit der Festlegung von IT-Prüfungsschwerpunkten bei Leasinggesellschaften hat die Aufsicht dies bereits in 2016 unterstrichen. Ein weiterer wesentlicher Schritt ergibt sich aus den „Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT“ (BAIT), welche derzeit zur Konsultation stehen und von Leasinggesellschaften – unter Berücksichtigung der Proportionalität – analog anzuwenden sind.

Mehr dazu erfahren Sie von unseren Kollegen aus FS Risk Assurance Solutions (RAS).

 

 

Institutsvergütungsverordnung – wesentliche Auswirkung für Leasinginstitute

Zur Umsetzung von internationalen Richtlinien und Vorgaben wurde die Institutsvergütungsverordnung (InstitutsVergV) angepasst und am 4. August 2017 in Kraft gesetzt.

Eine gute Nachricht für die meisten Leasinggesellschaften besteht darin, dass die Identifizierungspflicht von Risikoträgern für alle Institute nicht umgesetzt wurde. Weiterhin besteht diese Verpflichtung nur für die bedeutenden Institute. Insbesondere aufgrund des Schwellenwertes von § 17 Abs. 1 InstitutsVergV in Höhe von € 15 Mrd. Bilanzsumme im Durchschnitt der letzten drei Jahre, dürften nur wenige Leasinggesellschaften hiervon sowie den damit verbundenen weiteren Änderungen betroffen sein.

Obwohl die Verordnung gem. § 28 InstitutsVergV erst mit Beginn des nächsten Bemessungszeitraums i.S. § 19 InstitutsVergV umzusetzen ist, ist bereits heute zu beachten, dass sich Änderungen in einzelnen Definitionen ergeben haben. So wurde die Definition der variablen Vergütung dahingehend angepasst, dass alle Bestandteile, die nicht gem. § 2 Abs. 6 InstitutsVergV fix sind, als variabel anzusehen sind. Hiervon betroffen sind grundsätzlich auch Abfindungen und Zulagen, welche nur unter engen Voraussetzungen als fixer Bestandteil klassifiziert werden können. Auswirkungen in Bezug auf den Bonus Cap gem. § 25 Abs. 5 KWG sind für Leasinggesellschaften allerdings nicht von Bedeutung, da diese gem. § 2 Abs. 7a KWG von deren Anwendung ausgenommen sind.

In Bezug auf Abfindungen haben Leasinggesellschaften künftige Grundsätze zu fixieren, die einen Höchstbetrag oder Kriterien für die Bestimmung regeln. Darüber hinaus ist das Vergütungssystem jährlich zu überprüfen und sofern Mängel festgestellt werden, ein Maßnahmenplan zu erstellen und die umgesetzten Maßnahme zu dokumentieren.

Da die neuen Vorschriften bereits Gegenstand der anstehenden Jahresabschlussprüfung sein werden, sollten Leasinggesellschaften im Rahmen einer GAP-Analyse den individuellen Anpassungsbedarf ermitteln und entsprechende Maßnahmen definieren bzw. bereits umsetzen.

Weitere Informationen zur Institutsvergütungsverordnung finden Sie hier.

Anhebung der GWG-Grenze ab 2018: Chancen für Leasinggeber

Mit dem „Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechteüberlassungen“ wurden auch die steuerlichen Grenzen für die sofortige Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) angehoben. Besondere Relevanz für Leasinggeber ergibt sich, wenn geringwertige Wirtschaftsgüter auch Teil ihrer Angebotspalette sind und sie damit von der Ausweitung dieses steuerlichen Wahlrechts profitieren können. Die Erhöhung der steuerlichen Grenzen sorgt dafür, dass durch die Sofortabschreibung das steuerliche Ergebnis und damit ggf. auch die steuerliche Belastung im Jahr der Anschaffung stärker reduzieren werden kann.

Gem. § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG können Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.Dezember 2017 angeschafft werden, bis zu einem Betrag von € 800 (netto) im Jahr der Anschaffung vollständig abgeschrieben werden (bisher € 410 (netto)). Sofern das Wahlrecht nach § 6 Abs. 2a EStG in Anspruch genommen wird, können Sofortabschreibungen von Wirtschaftsgütern mit Anschaffungskosten- oder Herstellungskosten in Höhe von € 250 (netto) (bisher € 150 (netto)) vorgenommen werden.

Die Voraussetzungen für geringwertige Wirtschaftsgüter (selbständige Nutzbarkeit) bleiben unverändert.

Die Bildung eines Sammelpostens i.S.d. § 6 Abs. 2a EStG im handelsrechtlichen Abschluss ist zulässig, sofern die betreffenden Vermögensgegenstände einzeln oder in Summe für den Abschluss von untergeordneter Bedeutung sind. Sofortabschreibungen gem. § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG dürfen unabhängig von dieser Betrachtung vorgenommen werden

Neuerungen durch das Geldwäschegesetz: von der Gefährdungs- zur Risikoanalyse

Die bislang geltenden Anforderungen des Geldwäschegesetzes (GwG) stellten Leasinginstitute schon bisher vor große Herausforderungen. Dennoch enthält das zum 26. Juni 2017 in Kraft getretene Geldwäschegesetz weitere, deutlich verschärfte Anforderungen an die Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Dabei bilden die Anforderungen an die Ausgestaltung der Risikoanalyse (bisher bekannt als Gefährdungsanalyse) einen zentralen Aspekt der GwG-Novelle.

Verpflichtete müssen grundsätzlich über ein angemessenes und wirksames Risikomanagement, das neben der Risikoanalyse auch interne Sicherungsmaßnahmen beinhaltet, in Bezug auf Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verfügen. Bei der Erstellung der Risikoanalyse sind die in den Anlagen 1 und 2 zum neuen Geldwäschegesetz genannten Risikofaktoren sowie Informationen aus der nationalen Risikoanalyse in Bezug auf das eigene Institut zu berücksichtigen.

Diese Risikofaktoren stellen allerdings nur eine Orientierung dar und sind nicht als abschließend zu betrachten. Verpflichtete sind angehalten, im Rahmen der Risikoanalyse Risiken aus der Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung zu ermitteln und zu bewerten. Dabei muss jede Geschäftsbeziehung und Transaktion individuell im Hinblick auf ihr individuelles Geldwäscherisiko beurteilt werden, pauschale Vorgehensweisen wie z.B. die Anwendung der vereinfachten Sorgfaltspflichten für einzelne Fallgruppen sind nicht mehr möglich.

Die Risikoanalyse ist schriftlich zu dokumentieren, regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf zu aktualisieren. Auf Verlangen der Aufsichtsbehörde haben Verpflichtete die jeweils aktuelle Fassung zur Verfügung zu stellen. Werden die Risiken nicht ermittelt bzw. wird die Risikoanalyse nicht angemessen dokumentiert, überprüft oder aktualisiert, liegt ein Bußgeldtatbestand vor. Leasinginstitute müssen daher kurzfristig prüfen, inwieweit ihre bisherigen Maßnahmen den neuen Anforderungen genügen.

Mehr zum Thema Geldwäsche erfahren Sie unter:

https://blogs.pwc.de/compliance-fs/