Kategorie: Regulatory

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Neuer Leitfaden Risikotragfähigkeit – Auswirkungen auf Leasinggesellschaften?

Die BaFin hat am 5. September 2017 den Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeits­konzepte; Neuausrichtung des aufsichtlichen Leitfadens nebst deren prozessualer Einbindung in die Gesamt­banksteuerung (ICAAP – Internal Capital Adequacy Assessment Process)“ im Entwurf veröffentlicht und damit ihr Schreiben vom Dezember 2011 inhaltlich und strukturell weiterentwickelt. Die BaFin gibt allen Betroffenen die Gelegenheit einer Stellungnahme bis zum 17. Oktober 2017, um dann auf dieser Grundlage eine weitere Erörterung im MaRisk Fachgremium vorzunehmen.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die wesentlichen Neuerungen des Diskussionspapiers und deren Auswirkungen auf Leasinggesellschaften.

 

Neue Perspektiven in der Risikotragfähigkeit

In Annäherung an die von der EZB veröffentlichten Erwartungen an die Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) hat die BaFin mit dem Diskussionspapier einen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Risikotragfähigkeitsrechnung unterbreitet. Die BaFin spricht in diesem Zusammenhang von der Einführung einer normativen Perspektive und der Nachjustierung der ökonomischen Perspektive.

Im Sinne der europäischen Leitlinien wird von der deutschen Finanzaufsicht explizit ein Bezug der bisherigen Perspektiven „going concern“ und „gone concern“ zu den neuen Perspektiven hergestellt. Die Betrachtung der normativen Perspektive folgt vorwiegend dem Ziel der „Fortführung des Instituts bzw. der Gesellschaft“ (Going Concern) und die Betrachtung der ökonomischen Perspektive dem Ziel der Sicherung der Substanz der Gesellschaft sowie dem Schutz der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht (Gone Concern).

Normative Perspektive:

In dieser Perspektive soll das Risikodeckungspotential überwiegend aus regulatorischen Eigenmitteln bestehen und die Risikoquantifizierung regulatorischen Vorgaben folgen.

Für Leasinggesellschaften kann aus unserer Sicht als Risikodeckungspotential – wie auch bisher – der Substanzwert nach BDL-Ermittlungsverfahren herangezogen werden. Die für einen Going- Concern getätigten Annahmen – einschließlich der von der Gesellschaft definierten Mindestkapitalquote – stehen mit der normativen Perspektive unseres Erachtens weiterhin im Einklang. Die Erwartung der Aufsicht, alle wesentlichen Risiken der Gesellschaften in der normativen Perspektive zu berücksichtigen, wird u.E. dann ausreichend Rechnung getragen, wenn im Rahmen der ökonomischen Perspektive eine Berücksichtigung erfolgen kann.

Ökonomische Perspektive:

Für die ökonomische Perspektive ist vorgesehen, das Risikodeckungspotential grundsätzlich unabhängig von der Abbildung in der externen Rechnungslegung zu ermitteln. Bei barwertiger Ermittlung sind dabei sämtliche Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und außerbilanzielle Positionen zu berücksichtigen. Unter Anwendung des Proportionalitätsprinzips besteht die Möglichkeit, von Bilanz- und GuV-Größen auszugehen, wobei dann – wie bisher – das bilanzielle Eigenkapital um stille Reserven und Lasten zu bereinigen ist.

Für Leasinggesellschaften kann auch hier – nach wie vor – der Substanzwert ermittelt und angesetzt werden. Im Gegenzug zu der ermittelten Substanz sollen die Risiken konsistent zur Bestimmung des Risikodeckungspotentials konservativ ermittelt werden, wobei grundsätzlich eine Anlehnung an die internen Modelle der Säule 1 erfolgen soll (Konfidenzniveau von mittlerweile üblichen 99,9%).

Die Aufsicht erwartet außerdem eine enge Verknüpfung der beiden Perspektiven. Aufgrund der Abgrenzung des Begriffs „ICAAP“ nunmehr als Prozess zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit mit den wesentlichen Komponenten Risikotragfähigkeitsrechnung, Kapitalplanung und Stresstests ergibt sich für die Verknüpfung der Perspektiven die Notwendigkeit Schnittstellen zwischen Risikotragfähigkeit, Kapitalplanung und Stresstests zu validieren.

Aus Sicht der Aufsicht ist das übergeordnete Ziel des ICAAP weiterhin die langfristige Fortführung der Unter­nehmens­tätigkeit auf Basis der eigenen Substanz und Ertragskraft. Sie erwartet, dass die Gesellschaften beiden Schutzzielen (Going Concern und Gone Concern) Rechnung tragen. Deshalb soll die Gesellschaft explizit intern dokumentieren, wie beide Perspektiven in der Steuerung berücksichtigt werden. Es soll aber nach wie vor deutlich gemacht werden mit welchem Ansatz die Gesellschaft gesteuert wird.

Die BaFin erachtet die Weiternutzung der bestehenden Going-Concern-Risikotragfähigkeitskonzepte – als so genannte „Going-Concern Ansätze alter Prägung“ – bis auf weiteres als zulässig für die normative Perspektive, entsprechend werden die bisher geltenden Anforderungen in einen gleichnamigen Annex überführt.

 

Herausforderungen – auf den ersten Blick

Die aktuellen Vorschläge der deutschen Aufsicht erfordern bei Leasinggesellschaften eine Überprüfung der Risikotragfähigkeitsrechnung und damit implizit auch der Kapitalplanung sowie der Stresstests. Aufgrund der nicht anwendbaren regulatorischen Vorgaben für Eigenmittel und Risikorechnung erscheint der Handlungsbedarf nach ersten Analysen überschaubar.

Institutsvergütungsverordnung – wesentliche Auswirkung für Leasinginstitute

Zur Umsetzung von internationalen Richtlinien und Vorgaben wurde die Institutsvergütungsverordnung (InstitutsVergV) angepasst und am 4. August 2017 in Kraft gesetzt.

Eine gute Nachricht für die meisten Leasinggesellschaften besteht darin, dass die Identifizierungspflicht von Risikoträgern für alle Institute nicht umgesetzt wurde. Weiterhin besteht diese Verpflichtung nur für die bedeutenden Institute. Insbesondere aufgrund des Schwellenwertes von § 17 Abs. 1 InstitutsVergV in Höhe von € 15 Mrd. Bilanzsumme im Durchschnitt der letzten drei Jahre, dürften nur wenige Leasinggesellschaften hiervon sowie den damit verbundenen weiteren Änderungen betroffen sein.

Obwohl die Verordnung gem. § 28 InstitutsVergV erst mit Beginn des nächsten Bemessungszeitraums i.S. § 19 InstitutsVergV umzusetzen ist, ist bereits heute zu beachten, dass sich Änderungen in einzelnen Definitionen ergeben haben. So wurde die Definition der variablen Vergütung dahingehend angepasst, dass alle Bestandteile, die nicht gem. § 2 Abs. 6 InstitutsVergV fix sind, als variabel anzusehen sind. Hiervon betroffen sind grundsätzlich auch Abfindungen und Zulagen, welche nur unter engen Voraussetzungen als fixer Bestandteil klassifiziert werden können. Auswirkungen in Bezug auf den Bonus Cap gem. § 25 Abs. 5 KWG sind für Leasinggesellschaften allerdings nicht von Bedeutung, da diese gem. § 2 Abs. 7a KWG von deren Anwendung ausgenommen sind.

In Bezug auf Abfindungen haben Leasinggesellschaften künftige Grundsätze zu fixieren, die einen Höchstbetrag oder Kriterien für die Bestimmung regeln. Darüber hinaus ist das Vergütungssystem jährlich zu überprüfen und sofern Mängel festgestellt werden, ein Maßnahmenplan zu erstellen und die umgesetzten Maßnahme zu dokumentieren.

Da die neuen Vorschriften bereits Gegenstand der anstehenden Jahresabschlussprüfung sein werden, sollten Leasinggesellschaften im Rahmen einer GAP-Analyse den individuellen Anpassungsbedarf ermitteln und entsprechende Maßnahmen definieren bzw. bereits umsetzen.

Weitere Informationen zur Institutsvergütungsverordnung finden Sie hier.

Leasingforum 2017

In unserem jährlichen Leasingforum möchten wir mit Ihnen unsere Sicht über aktuellen Themen, die die Branche bewegen, vorstellen und diskutieren. Auch in diesem Jahr haben wir für Sie eine spannende Agenda vorbereitet.

Die Themen Digitalisierung und Informationstechnologie stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt. Dabei ist das Wachstumspotential aus dem digitalen Wandel für die Leasingbranche Gegenstand unseres ersten Vortrags und wir freuen uns auf eine spannende Diskussion mit Ihnen.

In Anbetracht der jüngsten Cyberangriffe und der aktuellen IT-Prüfungsschwerpunkte der BaFin werden wir auch das Thema IT-Sicherheit betrachten. Unsere IT-Experten werden dazu unter anderem auf die bankaufsichtsrechtlichen Anforderungen an die IT sowie auf Fragen zum Thema Cyber-Security eingehen.

Des Weiteren erwartet Sie ein Vortrag über die Neuerungen der 4. EU-Geldwäscherichtlinie, welche mit Wirkung zum 26. Juni 2017 mit der Veröffentlichung im Bundesblatt in Kraft getreten ist. Den heute aktuellen Stand der Diskussion finden Sie auch in dem folgenden PwC Blog-Beitrag.

Auch in Bezug auf die steuerlichen Neuerungen für Leasinggesellschaften werden Sie durch unseren vierten Beitrag auf den aktuellsten Stand der Entwicklung bringen.

Das Leasingforum wird an drei Standorten von 9:00 bis 13:30 Uhr an folgenden Terminen stattfinden:

Dienstag, 29. August 2017; 60327 Frankfurt am Main

Donnerstag, 7. September 2017; 40227 Düsseldorf

Dienstag, 19. September 2017; 80636 München

Unter folgendem Link können Sie sich für unser Leasingforum anmelden: www.pwc-events.com/leasingforum

Wir freuen uns, Sie als Teilnehmer des Leasingforums in unseren Niederlassungen begrüßen zu dürfen.

CSR-Richtlinie Umsetzungsgesetz: Bedeutung für Leasinggesellschaften

Mit der Verabschiedung des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes (CSR-RUG) am 19. April 2017 hat die Bundesregierung die Richtlinie 2014/95/EU „CSR-Richtlinie“ in deutsches Recht umgesetzt.
Betroffen durch das CSR-RUG sind große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit hoher Mitarbeiterzahl. Konkret liegt eine Berichtspflicht vor, sofern die folgenden drei Kriterien erfüllt werden:

  1. große Kapitalgesellschaft i. S. d. § 267 Abs. 3 HGB (Bilanzsumme größer € 20 Mio.; Umsatzerlöse größer € 40 Mio.)
  2. Kapitalmarktorientierung i.S.d. § 264d HGB
  3. Beschäftigung von mehr als 500 Mitarbeitern im Jahresdurchschnitt

Gem. § 340 a Abs. 1.a HGB n.F. sind Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute bereits zur Anwendung verpflichtet, wenn sie die Kriterien 1 und 3 erfüllen. Befreiend wirkt jedoch der Einbezug der Gesellschaft in den Konzernabschluss eines Mutterunternehmens (§289b Abs. 2 Nr. 1 HGB n.F.), der in Einklang mit der EU-Bilanzrichtlinie steht und eine nichtfinanzielle Erklärung enthält.

Für diese Unternehmen besteht damit erstmals eine Berichtspflicht zu bestimmten nachhaltigkeits- und diversitäts bezogenen Themen für nach dem 31. Dezember 2016 beginnende Geschäftsjahre. Gem. § 289b Abs. 3 HGB-E räumt der Gesetzgeber ein Ausweiswahlrecht ein, ob die Offenlegung dieser nichtfinanziellen Informationen integriert in den Lagebericht oder in einem separaten Berichtsformat erfolgt.
Gefordert werden Angaben zum Geschäftsmodell, Angaben zu nichtfinanziellen Aspekten, namentlich:

  • Umweltbelange
  • Arbeitnehmerbelange
  • Sozialbelange
  • Achtung der Menschenrechte
  • Bekämpfung von Korruption und Bestechung,

sowie der Verwendung von Rahmenwerken. Mit diesem letzten Aspekt erfolgt der Brückenschlag, zu dem von vielen Unternehmen bereits freiwillig erstellten Nachhaltigkeitsbericht, da eine Orientierung der nichtfinanziellen Erklärung an nationalen, europäischen oder internationalen Rahmenwerken (z.B. Deutscher Nachhaltigkeitskodex, G4 Guidelines der Global Reporting Initiative etc.) zur nichtfinanziellen Berichterstattung möglich ist. Im Gegensatz zum Aufsichtsrat besteht für den Abschlussprüfer keine Pflicht zur inhaltlichen Prüfung der nicht finanziellen Berichterstattung. Die ersten Erfahrungen zeigen jedoch, dass der Aufsichtsrat eine freiwillige Prüfung durch den Abschlussprüfer beauftragt.

Aufgrund des Mitarbeiter-Kriteriums dürfte die Relevanz des CSR-RUG für Leasinggesellschaften nur in Ausnahmefällen gegeben sein. Dennoch kann es auch für Leasinginstitute sinnvoll sein sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, insbesondere wenn ihre refinanzierende Banken aufgrund des CSR-RUG oder auf freiwilliger Basis, Nachhaltigkeit („Sustainability“) verstärkt in ihr eigenes Geschäftsmodell implementieren. Ansätze zur Integration in die Kreditvergabe bzw. Bonitätsanalyse bestehen bereits. Dies kann aber durchaus auch eine Chance darstellen, da verschiedene Studien eine positive Korrelation zwischen Kapitalkosten und nichtfinanzieller Berichterstattung aufzeigen.

AnaCredit für Leasinggesellschaften – Kommt! Kommt nicht! Oder doch?

Der EZB-Rat billigte am 18. Mai 2016 die Verordnung zur Implementierung eines granularen statistischen Kreditmeldewesens (sog. „AnaCredit“), welche zum 31. Dezember 2017 in Kraft tritt. Ziel von AnaCredit: europäisches Projekt zur Unterstützung der Aufsicht bei der Wahrnehmung wichtiger Zentralbankaufgaben des Eurosystems (z.B. der Geldpolitik, des Risikomanagements und der Finanzstabilitätsüberwachung).

Mittelfristig soll AnaCredit dazu beitragen, bestehende statistische Meldungen zu konsolidieren oder sogar ganz abzulösen.

Erhebungsmethodik nach AnaCredit: Vorgesehen ist eine neuartige Erhebungsmethodik auf Einzelkreditebene. Diese granulare Datenbasis ermöglicht eine hohe Auswertungsflexibilität und auf Grund der EWU-weit harmonisierten Inhalte und Methoden werden durch AnaCredit zukünftig länderübergreifend vergleichbare Informationen zur Verfügung stehen. Umfang der Meldungen nach AnaCredit: In der aktuellen Fassung prinzipiell alle Kreditarten (ohne Derivate und außerbilanzielles Geschäft) von Kreditinstituten an Kreditnehmer, die keine natürlichen Personen sind, über einer Meldegrenze von € 25.000 je Kreditnehmer bei einem Kreditinstitut. Es werden 67 Attribute zu Krediten und Kreditrisiken sowie 22 Merkmale zu Kreditnehmern abgefragt. Einführung von AnaCredit: Für die Einführung ist ein mehrstufiges Verfahren vorgesehen, wobei bislang nur der Umfang der ersten Phase definiert ist und Kreditinstitute erfasst. Über weitere Phasen mit zusätzlichen Berichtspflichtigen, Instrumenten oder Kreditnehmern entscheidet der EZB-Rat nach einer erneuten Kosten-Nutzen-Analyse zu einem späteren Zeitpunkt. Erstmalige Meldung: Die erste Datenübermittlung erfolgt für Kreditdaten spätestens zum Referenzmonat „September 2018“, für Stammdaten der Vertragspartner (Kreditnehmer, Sicherungsgeber, Originatoren, Servicer) spätestens zum Referenzmonat „März 2018“. Für Bestandskredite und kleine Kreditinstitute sieht die Verordnung Erleichterungen vor.

Was bedeutet dies für die Leasinggesellschaften?

  • AnaCredit findet in der ersten Phase noch keine Anwendung für die Leasinggesellschaften, eine spätere Einbeziehung ist nicht ausgeschlossen.

Aber:

  • Die weiteren Entwicklungen sind daher eng zu beobachten.
  • Eine frühzeitige Umsetzung und laufende Erfassung von melderelevanten Daten reduziert den Umsetzungsaufwand in Bezug auf Datenverfügbarkeit und –Qualität deutlich.
  • Eine freiwillige Erfassung der melderelevanten Daten könnte die Aussagekraft des Risikomanagementsystems deutlich erhöhen und damit eine bessere interne Steuerung ermöglichen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

AnaCredit

Abschlussprüfungsreform – Auswirkungen auch auf Leasinggesellschaften?

Seit dem 17. Juni 2016 gilt die neue Abschlussprüfungsreform (AReG), die sich vor allem an Unternehmen von öffentlichem Interesse (Public Interested Entities „PIE“) und deren Abschlussprüfer richtet.

PIEs sind wie folgt definiert:

  • Unternehmen, deren übertragbare Wertpapiere zum Handel auf einem geregelten Markt zugelassen sind,
  • Kreditinstitute,
  • Versicherungsunternehmen und
  • Unternehmen, die von den Mitgliedstaaten als Unternehmen von öffentlichem Interesse bestimmt werden.

Im Gegensatz zu Kreditinstituten – sofern diese das Kredit- und das Einlagengeschäft betreiben – gelten Finanzdienstleistungsinstitute nicht als geborene PIE, weshalb der überwiegende Teil der Leasinggesellschaften nicht unter die PIE-Definition. Ausnahmen können sich ergeben, sofern Leasinggesellschaften z.B. börsennotiert sind. Gehören Leasinggesellschaften einer Unternehmensgruppe an, welche auch einen PIE beinhaltet, können die Auswirkungen aufgrund interner Gruppenvorgaben auch für die Leasinggesellschaft relevant werden.

Die Abschlussprüfungsreform betrifft vor allem die folgenden Bereiche:

  • Externe Rotation des Abschlussprüfers,
  • Durchführung von Nichtprüfungsleistungen durch den Abschlussprüfer,
  • Aufgaben des Prüfungsausschusses (als Teil des Aufsichtsorgans) sowie,
  • die Berichterstattung des Abschlussprüfers (Bestätigungsvermerk).

Leasinggesellschaften sollten sich daher auch mit den Regelungen der Abschlussprüferreform vertraut machen und die Relevanz der neuen Regelungen auf ihr Unternehmen überprüfen. Für mehr Informationen Klicken Sie auf folgenden Link:

http://www.pwc.de/de/abschlusspruefungsreform.html

MaRisk 2016 – Risikoberichterstattung BT 3

Die Risikoberichterstattung steht immer mehr im Fokus der Aufsicht und wird auch vermehrt im Rahmen von Sonderprüfungen überprüft. Die Änderungen und Neuerungen im Rahmen der MaRisk Konsultation 2/2016 bestätigen diesen Eindruck. In den MaRisk 2016 werden erweiterte und verschärfte Anforderungen an die Risikoberichterstattung gestellt. In dem BT 3.1 werden die Allgemeinen Anforderungen an die Risikoberichterstattung geregelt, in BT 3.2 wird die Berichterstattung der Risikocontrolling-Funktion geregelt.

Die neuen Regelungen an die Risikoberichterstattung resultieren aus dem „Dreiklang“ – Erwartungen der Adressaten, Anforderungen der Aufsicht und Interne Infrastruktur. Um diesem Dreiklang gerecht werden zu können ist eine vollständige, genaue und aktuelle Datengrundlage unverzichtbar. Die Sicherstellung der Reportingqualität stellt zudem Anforderungen an die Datengranularität. Nur wenn das Institut sichergestellt hat, das diese Themen ordnungsgemäß gemanagt werden, sind die Voraussetzungen für die Erfüllung der Anforderungen und Erwartungen an die Risikoberichterstattung überhaupt gegeben, da die neuen MaRisk nun wesentliche Informationen zu den einzelnen als wesentlich eingestuften Risikoarten fordern. Daneben sind weitere Informationen über die Angemessenheit der Kapitalausstattung genauso wie Angaben zum ökonomischen Kapital sowie der Prognose zur Entwicklung der Kapitalausstattung, der Liquiditäts- und der Refinanzierungspositionen anzugeben. In möglichen Stressphasen muss gerade die Risikocontrolling-Funktion schneller und präzise Bericht erstatten können um sowohl Steuerungsmaßnahmen ableiten also auch nachweisen zu können, dass die Berichterstattung sich weiterentwickelt hat.

Was sind nun die Auswirkungen und Herausforderungen für die Institute:

  1. Eine Anpassung der Berichtsprozesse ist – sofern noch nicht bereits validiert und angepasst – erforderlich, da über alle wesentlichen Risikoarten – bis auf das operationelle (jährlich) Risiko – quartalsweise zu berichten ist.
  2. Prognosen zur Entwicklung der Kapital- und Liquiditäts- sowie der Refinanzierungsposition sind in die Berichterstattung ebenfalls quartalsweise zu integrieren. Es sind deshalb spezifische Prozesse in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Abteilungen zu implementieren.
  3. Bisher häufig auftretende Schwächen in der Berichterstattung wie z.B. die nicht ausreichende Flexibilität bei der Aufbereitung und ggfs. den Anpassungsmöglichkeiten der Risikodaten und Risikoberichten sowie die zu umfangreichen Erstellungsdauern, sind zu beheben. Ebenso sind die häufig fehlende Qualitätssicherung und Abstimmung der Risikoberichterstattung zu beheben.

MaRisk-Novelle 2017 – Auslagerungen: Die Herausforderungen für Leasinggesellschaften im Zuge der Neufassung des AT 9 MaRisk

Die Aufsicht beabsichtigt mit der Neufassung des AT 9 MaRisk eine effektivere Steuerung und Überwachung der Auslagerungen zu gewährleisten, um Störungen im Betriebsablauf im Zusammenhang mit Auslagerungen entgegenzuwirken. Welche wesentlichen Änderungen vorgenommen wurden und welche Herausforderungen daraus für Leasinggesellschaften resultieren, ist im Nachfolgenden dargestellt.

I. Definition & Abgrenzung nach AT 9 Tz. 1 MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Auslagerungstatbestand ist unabhängig von der möglichen zivilrechtlichen Ausgestaltung der (Auslagerungs-) Verträge, wobei die Auslagerungsdefinition zunächst nicht durch den einmaligen oder gelegentlichen Fremdbezug von Gütern und Dienstleistungen erfüllt ist
  • Unterstützungsleistungen für bezogene Software des Risikomanagements bzw. der Kerngeschäftssysteme sind fortan generell als Auslagerung zu verstehen
  • Validierung bestehender Auslagerungs- und Abgrenzungsdefinitionen sowie ggf. Anpassung von Prozessen bzw. der schriftlich fixierten Ordnung.

→ Grundlage für die Einstufung ist dabei der Vertragsinhalt und nicht die rechtliche Vertragsgestaltung z.B. in Form von Werkverträgen

  • Analyse der externen Unterstützungsleistungen für risikomanagementrelevante IT und Kerngeschäftssysteme

 

II. Auslagerbarkeit der Kontrollbereiche AT 9 Tz. 5 MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Vorhalten fundierter Kenntnisse und Erfahrungen im Unternehmen als Auslagerungsvoraussetzung, um wirksame Überwachung sowie ggf. effektives Re-Insourcing zu gewährleisten
  • Grundsätzlich keine Vollauslagerung der besonderen Funktionen möglich

Ausnahmen:

RisikocontrollingFunktion: bei nicht wesentlichen Tochterunternehmen innerhalb einer Institutsgruppe

Compliance-Funktion sowie Interne Revision: nur bei kleinen Instituten

  • Auf- und Ausbau von Kompetenzen innerhalb des Unternehmens (trotz Auslagerung) bedeutet i.d.R. höheren Ressourcen- und Schulungsbedarf.

 

 

  • Umfangreicher Bedarf an eigenen Ressourcen für wesentliche Tochterunternehmen und mittelgroße bzw. große Leasingunternehmen (vorhalten von Abteilungen, Schulungsmaßnahmen u.ä.)

 

 

III. Exit-Prozesse & Handlungsoptionen AT 9 Tz. 6 MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Festlegung sog. Exit-Prozesse – soweit sinnvoll und möglich – sowie entsprechender Handlungsoptionen für unbeabsichtigte oder unerwartete Beendigungen von wesentlichen Auslagerungen

Ausnahmen:

Gruppen- und verbundinterne Auslagerungen: Keine Notwendigkeit zur Erstellung von Exit-Prozessen

  • Definition von Exit-Prozessen – soweit sinnvoll und möglich – unter Berücksichtigung der Aspekte:

o  Aufrechterhaltung von Kontinuität und Qualität der ausgelagerten Aktivitäten und Prozesse

o  Wiederherstellung in angemessener Zeit

  • regelmäßige und anlassbezogene Überprüfungen der Handlungsoptionen

 

IV. Zentrales Auslagerungsmanagement AT 9 Tz. 12 f. MaRisk n.F.
Anpassung bzw. Veränderung Herausforderung für Leasinggesellschaften
  • Einrichtung eines zentralen Auslagerungsmanagement abhängig von Art, Umfang, Komplexität der Auslagerungen
  • Erstellung eines jährlichen Reportings an die Geschäftsleitung über die institutsinterne Bewertung der Dienstleistungsqualität des Auslagerungsunternehmens
  • Überprüfung ggf. vorhandener Prozesse sowie Weiterentwicklung bestehender Methoden und Verfahren für ein angemessenes Auslagerungsmanagement
  • Festlegung von Qualitätskriterien sowie Prüfung der Verfügbarkeit der Daten zur Erfüllung der Anforderungen an das Reporting

 

Institutsvergütungsverordnung – überarbeiteter Entwurf veröffentlicht

Die BaFin hat am 19. Januar 2017 den finalen Entwurf der neuen Institutsvergütungsverordnung (InstitutsVergV) veröffentlicht. Die neue Verordnung wird wie im Dezember letzten Jahres angekündigt voraussichtlich am 1. März 2017 in Kraft treten. Mit der überarbeiteten Fassung wurden im Wesentlichen die Leitlinien für eine solide Vergütungspolitik der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA umgesetzt. Die Novellierung beinhaltet u.a.:

  • Eine schärfere Konturierung der Vergütungsarten.
  • Eine größere Differenzierung hinsichtlich variabler Vergütung.
  • Spezifizierung der ex post-Risikoadjustierung mit vorgeschriebenen Clawback-Klauseln (Möglichkeit zum Rückgriff auf bereits ausbezahlte variable Vergütungselemente).

Das Verhältnismäßigkeitsprinzip in Form von Schwellenwerten, bei deren Erreichen oder Überschreiten die besonderen Anforderungen an die Risikoadjustierung der variablen Vergütung von Risikoträgern zwingend vorgeschrieben werden, wurde beibehalten. Institute, die das Leasing und das Factoring betreiben, müssen als Nicht-CRR-Institute, sofern sie nicht bedeutend im Sinne der InstitutsVergV sind, weiterhin keine Risikoträger identifizieren und nur die allgemeinen Anforderungen in Abschnitt 2 und ggf. die Anforderungen in Abschnitt 4 erfüllen. Die Bilanzsummen-Grenze für bedeutende Institute wurde bei € 15 Mrd. belassen und nicht wie von der EU Kommission beabsichtigt auf € 5 Mrd. verringert.

 

Den von der BaFin überarbeiteten Entwurf finden Sie hier.

Risikotragfähigkeit – Auswirkungen der neuen MaRisk für Leasinggesellschaften

Jede Leasinggesellschaft hat – wie bereits bekannt – einen internen Prozess zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit einzurichten. Die in diesem Zusammenhang eingesetzten Verfahren müssen sowohl das Ziel der Fortführung als auch den Gläubigerschutz vor Verlusten angemessen berücksichtigen.

Die neuen MaRisk stellen nunmehr klar, dass es einen führenden Steuerungskreis und einen ergänzenden Steuerungskreis zu geben hat. Der ergänzende Steuerungskreis ist hierbei so auszugestalten, dass er dem führenden (ersten) Steuerungskreis hinsichtlich der vollen Anforderungen an diesen Steuerungskreis Rechnung tragen kann. Die Aufsicht macht damit deutlich, dass der ergänzende Steuerungskreisso gut“ sein muss, dass er den führenden Steuerungskreis ersetzten könnte, ohne dass es zu einer maßgeblichen Beeinträchtigung der Steuerungsqualität kommen würde.

Was gilt es zu überprüfen?

  • Welcher Steuerungskreis ist als der führende Steuerungskreis definiert worden?
  • Liefert der ergänzende Steuerungskreis die gleichen Steuerungsergebnisse bzw. Steuerungsimpulse wie der führende Steuerungskreis?
  • Kommt es zu unterschiedlichen Ergebnissen oder Impulsen für die Steuerung, so sind die Ursachen zu analysieren und Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass als Ergebnis aus beiden Steuerungskreisen die gleichen Steuerungsimpulse resultieren.

Was ist das Fazit für die Leasinggesellschaft?

In welchem Umfang es zwei Steuerungskreise grundsätzlich zu geben hat und wie diese auszugestalten sind hängt maßgeblich von Art, Umfang, Risikogehalt und Komplexität (Proportionalität) der Leasinggesellschaft ab. Sollte sich das Institut nicht sicher sein, ob hier Handlungsbedarf besteht ist im Zweifel ein Experte zu konsultieren. Die Ergebnisse der Konsultation sind zu dokumentieren, in das Fachkonzept zur Risikotragfähigkeit aufzunehmen und umzusetzen.

Wichtig ist zu beachten, dass diese Anforderung aufgrund des klarstellenden Charakters der Novellierung in diesem Punkt bereits nach der derzeitig gültigen Fassung der MaRisk umzusetzen ist.