Schlagwort: Risikotragfähigkeit

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Aktuelle Entwicklungen zur Risikotragfähigkeit

Die BaFin hat am 24. Mai 2018 zusammen mit der Deutschen Bundesbank den überarbeiteten Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung“ final veröffentlicht, welcher den bisher gültigen Leitfaden aus dem Jahre 2011 ablöst. Gültig ist der Leitfaden für alle national von der BaFin regulierten Institute. Somit sind in erster Linie alle nicht von der EZB direkt überwachten Institute von der Neuregelung betroffen. Jedoch orientiert sich der neue Leitfaden in Bezug auf die aufsichtliche Erwartungshaltung eng an dem im November 2018 von der EZB finalisierten ICAAP-Leitfaden (Leitfaden der EZB für den bankinternen Prozess zur Sicherstellung einer angemessenen Kapitalausstattung (Internal Capital Adequacy Assessment Process – ICAAP)), so dass EZB und nationale Aufsicht in Deutschland hier grundsätzlich gleichgerichtete Anforderungen an die Institute stellen.

Der BaFin-Leitfaden gibt die Erwartungshaltung der Aufsicht an die institutsinterne Aus­ge­staltung der Risikotragfähigkeit wider und ist damit erster Beurteilungsmaßstab in Bezug auf die sachlich-methodische Angemessenheit der Risikotragfähigkeit des jeweiligen Institutes.

Der neue Leitfaden unterscheidet nicht mehr in die Perspektiven der Fortführung („going concern“) und Liquidation („gone concern“) sondern zwischen ökonomischer und normativer Perspektive. Die normative Perspektive basiert dabei auf den Mindestkapitalanforderungen für Banken in der Baseler Säule 1 sowie SREP- und sonstigen Eigenkapitalzuschlägen. Auf dieser Betrachtung liegt das Hauptaugenmerk der Beaufsichtigung bei Kreditinstituten, da sie auch als Ausgangspunkt für die Kapitalanforderungen unter Betrachtung verschiedener Szenariorechnungen (Basis-, adverses Szanario) dient.

Bis auf Weiteres erlaubt die deutsche Aufsicht gemäß Annex zum Leitfaden jedoch auch noch die weitere Nutzung der so genannten „Going Concern-Ansätze alter Prägung“, weist jedoch explizit auf die unbestimmte zeitliche Begrenzung dieser Regelung hin. Entscheidend für die Dauer dieser Übergangsregelung dürfte der weitere Fahrplan der EZB hinsichtlich der Überwachung der weniger signifikanten Institute (LSI) sein. Hiervon sind auch Finanzdienstleister und somit Leasinggesellschaften betroffen.

Da die Anforderungen der Säule I auf Finanzdienstleistungsinstitute und damit auch Leasinggesellschaften nicht anwendbar sind, kann die normative Perspektive in dieser spezifischen Form nicht zur Anwendung kommen. Dies bedeutet zunächst, dass weiterhin eine Kapitalplanungsrechnung zu erstellen ist, um die Kapitalanforderungen unter Betrachtung verschiedener Szenarien ermitteln zu können.

Die weiteren Auswirkungen auf Leasinggesellschaften hängen stark von der bisherigen Vorgehensweise bei der Risikotragfähigkeitsbetrachtung ab.

Leasinginstitute, die bei der Risikotragfähigkeitsrechnung den Substanzwert in die Betrachtung einbeziehen, erfüllen sicherlich die Anforderungen einer ökonomischen Perspektive.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass die deutsche Aufsicht für die ökonomische Perspektive im Leitfaden ein Konfidenzniveau von 99,9 % bei der Quantifizierung von Risiken (z. B. mit Hilfe von Value at Risk-Ansätzen) fordert. Viele Leasinginstitute erreichen dieses Niveau im Rahmen ihrer RTF-Rechnung derzeit noch nicht und müssen sich somit Gedanken machen, wie auch bei den erhöhten Anforderungen die Risikotragfähigkeit künftig sichergestellt werden kann.

Leasinggesellschaften, welche dagegen keinen Substanzwert ermitteln oder diesen bei der Risikotragfähigkeitsrechnung nicht berücksichtigen, erfüllen regelmäßig nicht die Anforderungen einer ökonomischen Betrachtung. Sie können derzeit noch die Übergangsregelungen (Annex) in Anspruch nehmen, jedoch empfiehlt es sich, die Risikotragfähigkeitsrechnung im Hinblick auf die ökonomische Betrachtung sowie die steigenden Anforderungen hinsichtlich des Konfidenzniveaus frühzeitig weiterzuentwickeln, denn die Möglichkeit der fortgesetzten Nutzung aktuell implementierter Going Concern-Ansätze ist unserer Einschätzung nach als „Platzhalter“ für die künftige Entwicklung eines ökonomischen Ansatzes zu verstehen.

Die Bedeutung der Substanz­wertrechnung als Basis auch für die Risikotragfähigkeitsermittlung gewinnt vor diesem Hinter­grund weiter an Bedeutung. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich die Substanzwertrechnung bei der Weiterentwicklung des ICAAP noch einmal auf den Prüfstand zu stellen bzw. – sofern eine solche bislang nicht erstellt wird – die Notwendigkeit für deren Erstellung erneut zu beurteilen.

Gemäß dem Anschreiben der BaFin zum überarbeiteten RTF-Leitfaden sind zunächst keine Fristen für die Institute zur Umsetzung der aktualisierten Vorschriften verbunden. Ein wesentlicher Grund liegt sicherlich in der weiteren Zulässigkeit der bestehenden Going Concern-Ansätze (Annex). Die BaFin weist jedoch explizit darauf hin, dass sich diejenigen Institute, welche die bestehenden Going Concern-Verfahren weiter nutzen wollen, heute schon Gedanken über die zukünftige Umsetzung der jetzt aktualisierten Anforderungen (z.B. im Rahmen von Proberechnungen) machen sollten. Diese Sichtweise kommt aktuell wahrnehmbar auch im Rahmen von Sonderprüfungen nach § 44 KWG und den bank­auf­sichtlichen Jahresgesprächen mit der Geschäftsleitung  sehr deutlich zum Ausdruck.

Bei Fragen hilft Ihnen unser Experte Daniel Puls (daniel.puls@pwc.com) gerne weiter.

Neuer Leitfaden Risikotragfähigkeit – Auswirkungen auf Leasinggesellschaften?

Die BaFin hat am 5. September 2017 den Leitfaden „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeits­konzepte; Neuausrichtung des aufsichtlichen Leitfadens nebst deren prozessualer Einbindung in die Gesamt­banksteuerung (ICAAP – Internal Capital Adequacy Assessment Process)“ im Entwurf veröffentlicht und damit ihr Schreiben vom Dezember 2011 inhaltlich und strukturell weiterentwickelt. Die BaFin gibt allen Betroffenen die Gelegenheit einer Stellungnahme bis zum 17. Oktober 2017, um dann auf dieser Grundlage eine weitere Erörterung im MaRisk Fachgremium vorzunehmen.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die wesentlichen Neuerungen des Diskussionspapiers und deren Auswirkungen auf Leasinggesellschaften.

 

Neue Perspektiven in der Risikotragfähigkeit

In Annäherung an die von der EZB veröffentlichten Erwartungen an die Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) hat die BaFin mit dem Diskussionspapier einen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Risikotragfähigkeitsrechnung unterbreitet. Die BaFin spricht in diesem Zusammenhang von der Einführung einer normativen Perspektive und der Nachjustierung der ökonomischen Perspektive.

Im Sinne der europäischen Leitlinien wird von der deutschen Finanzaufsicht explizit ein Bezug der bisherigen Perspektiven „going concern“ und „gone concern“ zu den neuen Perspektiven hergestellt. Die Betrachtung der normativen Perspektive folgt vorwiegend dem Ziel der „Fortführung des Instituts bzw. der Gesellschaft“ (Going Concern) und die Betrachtung der ökonomischen Perspektive dem Ziel der Sicherung der Substanz der Gesellschaft sowie dem Schutz der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht (Gone Concern).

Normative Perspektive:

In dieser Perspektive soll das Risikodeckungspotential überwiegend aus regulatorischen Eigenmitteln bestehen und die Risikoquantifizierung regulatorischen Vorgaben folgen.

Für Leasinggesellschaften kann aus unserer Sicht als Risikodeckungspotential – wie auch bisher – der Substanzwert nach BDL-Ermittlungsverfahren herangezogen werden. Die für einen Going- Concern getätigten Annahmen – einschließlich der von der Gesellschaft definierten Mindestkapitalquote – stehen mit der normativen Perspektive unseres Erachtens weiterhin im Einklang. Die Erwartung der Aufsicht, alle wesentlichen Risiken der Gesellschaften in der normativen Perspektive zu berücksichtigen, wird u.E. dann ausreichend Rechnung getragen, wenn im Rahmen der ökonomischen Perspektive eine Berücksichtigung erfolgen kann.

Ökonomische Perspektive:

Für die ökonomische Perspektive ist vorgesehen, das Risikodeckungspotential grundsätzlich unabhängig von der Abbildung in der externen Rechnungslegung zu ermitteln. Bei barwertiger Ermittlung sind dabei sämtliche Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und außerbilanzielle Positionen zu berücksichtigen. Unter Anwendung des Proportionalitätsprinzips besteht die Möglichkeit, von Bilanz- und GuV-Größen auszugehen, wobei dann – wie bisher – das bilanzielle Eigenkapital um stille Reserven und Lasten zu bereinigen ist.

Für Leasinggesellschaften kann auch hier – nach wie vor – der Substanzwert ermittelt und angesetzt werden. Im Gegenzug zu der ermittelten Substanz sollen die Risiken konsistent zur Bestimmung des Risikodeckungspotentials konservativ ermittelt werden, wobei grundsätzlich eine Anlehnung an die internen Modelle der Säule 1 erfolgen soll (Konfidenzniveau von mittlerweile üblichen 99,9%).

Die Aufsicht erwartet außerdem eine enge Verknüpfung der beiden Perspektiven. Aufgrund der Abgrenzung des Begriffs „ICAAP“ nunmehr als Prozess zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit mit den wesentlichen Komponenten Risikotragfähigkeitsrechnung, Kapitalplanung und Stresstests ergibt sich für die Verknüpfung der Perspektiven die Notwendigkeit Schnittstellen zwischen Risikotragfähigkeit, Kapitalplanung und Stresstests zu validieren.

Aus Sicht der Aufsicht ist das übergeordnete Ziel des ICAAP weiterhin die langfristige Fortführung der Unter­nehmens­tätigkeit auf Basis der eigenen Substanz und Ertragskraft. Sie erwartet, dass die Gesellschaften beiden Schutzzielen (Going Concern und Gone Concern) Rechnung tragen. Deshalb soll die Gesellschaft explizit intern dokumentieren, wie beide Perspektiven in der Steuerung berücksichtigt werden. Es soll aber nach wie vor deutlich gemacht werden mit welchem Ansatz die Gesellschaft gesteuert wird.

Die BaFin erachtet die Weiternutzung der bestehenden Going-Concern-Risikotragfähigkeitskonzepte – als so genannte „Going-Concern Ansätze alter Prägung“ – bis auf weiteres als zulässig für die normative Perspektive, entsprechend werden die bisher geltenden Anforderungen in einen gleichnamigen Annex überführt.

 

Herausforderungen – auf den ersten Blick

Die aktuellen Vorschläge der deutschen Aufsicht erfordern bei Leasinggesellschaften eine Überprüfung der Risikotragfähigkeitsrechnung und damit implizit auch der Kapitalplanung sowie der Stresstests. Aufgrund der nicht anwendbaren regulatorischen Vorgaben für Eigenmittel und Risikorechnung erscheint der Handlungsbedarf nach ersten Analysen überschaubar.

Risikotragfähigkeit – Auswirkungen der neuen MaRisk für Leasinggesellschaften

Jede Leasinggesellschaft hat – wie bereits bekannt – einen internen Prozess zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit einzurichten. Die in diesem Zusammenhang eingesetzten Verfahren müssen sowohl das Ziel der Fortführung als auch den Gläubigerschutz vor Verlusten angemessen berücksichtigen.

Die neuen MaRisk stellen nunmehr klar, dass es einen führenden Steuerungskreis und einen ergänzenden Steuerungskreis zu geben hat. Der ergänzende Steuerungskreis ist hierbei so auszugestalten, dass er dem führenden (ersten) Steuerungskreis hinsichtlich der vollen Anforderungen an diesen Steuerungskreis Rechnung tragen kann. Die Aufsicht macht damit deutlich, dass der ergänzende Steuerungskreisso gut“ sein muss, dass er den führenden Steuerungskreis ersetzten könnte, ohne dass es zu einer maßgeblichen Beeinträchtigung der Steuerungsqualität kommen würde.

Was gilt es zu überprüfen?

  • Welcher Steuerungskreis ist als der führende Steuerungskreis definiert worden?
  • Liefert der ergänzende Steuerungskreis die gleichen Steuerungsergebnisse bzw. Steuerungsimpulse wie der führende Steuerungskreis?
  • Kommt es zu unterschiedlichen Ergebnissen oder Impulsen für die Steuerung, so sind die Ursachen zu analysieren und Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass als Ergebnis aus beiden Steuerungskreisen die gleichen Steuerungsimpulse resultieren.

Was ist das Fazit für die Leasinggesellschaft?

In welchem Umfang es zwei Steuerungskreise grundsätzlich zu geben hat und wie diese auszugestalten sind hängt maßgeblich von Art, Umfang, Risikogehalt und Komplexität (Proportionalität) der Leasinggesellschaft ab. Sollte sich das Institut nicht sicher sein, ob hier Handlungsbedarf besteht ist im Zweifel ein Experte zu konsultieren. Die Ergebnisse der Konsultation sind zu dokumentieren, in das Fachkonzept zur Risikotragfähigkeit aufzunehmen und umzusetzen.

Wichtig ist zu beachten, dass diese Anforderung aufgrund des klarstellenden Charakters der Novellierung in diesem Punkt bereits nach der derzeitig gültigen Fassung der MaRisk umzusetzen ist.

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